Samstag, 31. Dezember 2011

Altbischof Hubert Luthe muss aus "wirtschaftlichen Gründen" umziehen

Kann bitte mal jemand von den Schwestern und Brüdern am anderen Ruhrufer recherchieren, was es mit dieser Geschichte auf sich hat?

Das alte Jahr verflossen ist: Rückblick und Ausschau - ganz persönlich.

Das alte Jahr verflossen ist,
wir danken Dir, Herr Jesu Christ;
ach, nimm sie auf, die kurze Zeit,
zum Opfer für die Ewigkeit!

Ja, das mit der kurzen Zeit stimmt: "Schon wieder ein Jahr 'rum". Heute morgen war ein Interview mit einer Zeitforscherin in der Zeitung. Sie meint, dass das Bewusstsein für die immer schneller rasende Zeit sich mit zunehmendem Alter immer stärker ausprägt. Das sind ja Aussichten...

Vertilge, was vom Bösen war,
des Guten Frucht mach offenbar;
die abgeschiednen Seelen all
laß kommen in der Sel'gen Zahl

War es ein gutes Jahr? Ich glaube schon. Und damit sich manches zum Guten entwickeln kann, schenke mir, Herr, mehr Geduld!
Eine ganze Reihe Menschen habe ich im zurückliegenden Jahrauf ihrem letzten Weg begleitet. Herr, nimm sie auf zu Dir und tröste die Zurückbleibenden mit der Hoffnung auf das Leben in Fülle bei Dir!

Im neuen Jahr nach Deiner Treu
uns wieder Hilf und Rat verleih,
dass alles, was wir fangen an,
durch Deine Gnad sei wohlgetan!

Dass Gott einen Menschen in Krisen begleitet, merkt man selten direkt in der Krise, sondern meist erst im Rückblick. Herr, sei bei allen, die sich mit sich und ihrem Leben schwer tun!
Segne und begleite unsere Pläne und Vorhaben im neuen Jahr!

Streck aus, o Gott, die milde Hand
auf unser liebes Vaterland
und segne gnädig Land und Leut,
halt ab Krieg, Pest und teure Zeit!

Das Zusammenleben der Menschen scheint nicht einfacher zu werden. Auch in unserem Land wird die Kluft zwischen Arm und Reich größer. Politiker taugen als moralische Vorbilder wenig, und das beginnt schon beim Staatsoberhaupt. Es sind schon Leute wegen geringerer Vergehen zurückgetreten. Aber ich habe in diesem Jahr auch viel vorbildliches berufliches und ehrenamtliches Engagement erleben dürfen. Herr, segne unser Miteinander in Staat und Gesellschaft, aber auch in der Familie, der Nachbarschaft und auf der Arbeit!

Gib, dass die Kirch zu Deiner Ehr
siegreich besteh und sich vermehr
und allen Völkern Gnad verleih,
dass Fried und Wohl auf Erden sei!

Memorandum, Petition, Dialoginitiative, Papstbesuch usw. - "Und was nützt Dir das zur Ewigkeit?" 
Zu meinen persönlichen Höhepunkten zählen die Teilnahme am Papstbesuch in Berlin und ein mehrtägiger Aufenthalt in Rom im Oktober. Das Faszinierende erlebe ich aber täglich in meiner Arbeit: Menschen als Seelsorger begleiten zu dürfen.
Für mich die größte binnenkirchliche Nullnummer in diesem Jahr sind die deutschen Bischöfe. Ich glaube inzwischen, dass der Aufbruch nur von einigen engagierten Priestern und Laien ausgehen kann. Auf die Bischöfe braucht keiner mehr zu warten. Ich finde es zwar schade, aber ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass sich die Bischöfe selten an die Spitze einer Erneuerungsbewegung gesetzt haben. Die Zeit, dass sich Bischöfe wesentlich mehr für ihre Jagd und ihr Residenzschloss interessiert haben, ist ja noch gar nicht so lange her...

Gelobt sei und gebenedeit
die heiligste Dreifaltigkeit,
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist,
von nun an bis in Ewigkeit.

Der Liedtext ist das Original von Heinrich Bone aus dem "Sursum corda".
Allen Leserinnen und Lesern einen herzlichen Dank für das Interesse an meinem Blog! Ich wünsche allen einen frohen Jahreswechsel und Gottes Schutz und Segen für ein gutes neues Jahr!

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Ein Grund zum Traurigsein

Heute ist Lily gestorben. Lily hatte Aids und ist nur viereinhalb Jahre alt geworden. Unsere Freunde haben sie im Garten begraben und sind sehr traurig. Das Foto habe ich vor einigen Wochen hier gezeigt.
Ich kann die Trauer gut verstehen. Und wer behauptet, es sei "doch nur eine Katze" gewesen, oder wer meint, Tiere kämen nicht in den Himmel, der sollte sehr, sehr vorsichtig sein...

Unsere Anteilnahme habt ihr!

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Dienstag, 27. Dezember 2011

Gott grüß euch, Marterblümelein...

Aus dem "Sursum corda", dem einzig wahren Gesangbuch des Erzbistums Paderborn (klein, praktisch, gut, alles wichtige drin) wird uns zum morgigen Fest folgendes Lied geboten:

"Gott grüß euch Marterblümelein,
die in des Lebens Morgenschein
des Lichts Verfolger hat zerstört,
gleichwie der Wind durch Rosen fährt!

Ihr seid die Lämmlein weiß und klar,
des Heilands erste Opferschar,
steht am Altar und freuet euch
und spielt mit Kron und Palmenzweig.

Ihr Mütter, laßt das Weinen sein,
die Kinder sich im Himmel freun,
da folgen sie, mit Glanz geziert,
dem Lamm, das alle Welt regiert!

Gelobt sei die Dreifaltigkeit,
Kraft, Ehr und Sieg hält sie bereit;
gibt ihren Zeugen Palm und Kron
mit Freud und Wonn am höchsten Thron!"

Am besten gefallen mir rein dichterisch die Stellen "wie der Wind durch Rosen fährt" und "spielt mit Kron und Palmenzweig". Ach, das hat was...
Mein Großvater mütterlicherseits übrigens behauptete immer mit einem Augenzwinkern, er hätte am morgigen Tage Namenstag, ja, ja, "unschuldiges Kind"... Dabei war er jahrelang zur See gefahren und konnte von der kaiserlichen-, Reichs- und Kriegsmarine so manche Geschichte aus manchem Hafen erzählen... Aber er war mein Lieblingsopa. Böse Zungen behaupten ja, von daher ließe sich manches erklären...

Komm zur Ruhr - auch an Weihnachten!

Heute morgen wieder einmal ein paar Bilder von den Wanderungen durchs Ruhrtal. Solche freien Tage wie jetzt sind einfach Tage zum Luft holen.
Hier ein Blick von der Höhe ins Tal:

Ungefähr hier stand früher eine Gaststätte, sie hieß "Zur schönen Aussicht", heute steht hier eine gute Idee der Stadtsparkasse, nur leider nichts für diese Jahreszeit:
Dieses Bild zeigt das ehemalige königlich-preußische Schleusenwärterhäuschen. Heute betreibt hier eine soziale Beschäftigungsgesellschaft eine rustikale Jausenstation am Ruhrtalradweg. Dann hat die preußische Besetzung Westfalens doch wenigstens etwas Gutes hinterlassen.
Die Fähre steht trockengelegt an Land, das Ausflugsschiff liegt fest vertäut im Winterquartier. Auf dem Schiff, der "Schwalbe II", habe ich einmal im Sommer ein Gespräch zwischen einem älteren Herrn und seinem Enkel mitbekommen: "Hömma Junge, weisse wat dat Dolle an den Schiff hier is?", "Nä, Oppa, wat denn?", "Datte hiern richtig ordentlich gezapftes Pilsbier kriss!" Wunderbar, oder?
Zum Schluss noch ein kurzes Stück Originalpflaster des sog. "Leinpfades". Hier hat man mit Pferdeunterstützung die schwer mit Kohle beladenen Binnenschiffe, die sog. "Ruhraaken", flußaufwärts Richtung Essen und Duisburg gezogen.
Es gibt also richtig was zu entdecken. Allen einen schönen und hoffentlich entspannten Tag! 

Montag, 26. Dezember 2011

"Comites Christi"

Genau das Passende für heute: Wir waren vorhin im Hochamt in "lingua latina", dazu gab es eine Messe von Rheinberger für Sopran und Orgel und am Schluss den "Alten Zimmermann" (falls es Leser aus Olpe gibt, können die jetzt viel besser als ich erklären was das ist). Und nun gibt es zuhause vor dem Essen aus Bachs Weihnachtsoratorium den für heute bestimmten Teil. Das ist schon richtig schön...
Das heutige Fest des hl. Stephanus ist das erste der drei weihnachtlichen "Begleitfeste". Solche Begleitfeste, "Synaxe" im griechischen, sind eher aus dem orthodoxen Festkalender bekannt, sie liegen in zeitlicher und inhaltlicher Nähe zu einem besonderen Hochfest. Wahrscheinlich kommt das Marienfest am Oktavtag von Weihnachten aus dieser Tradition.
Die "comites christi", also die "Begleiter Christi" in unserem abendländischen Kalender, sind das Fest des hl. Stephanus, der Grund des Festtermins ist übrigens nach wie vor ungeklärt, das Fest des hl. Johannes des Evangelisten, ursprünglich gemeinsam mit seinem Bruder Jakobus d.Ä., und das Fest der Unschuldigen Kinder, erstmals im Kalendarium von Karthago 505 erwähnt.
Diese drei Feste zeigen die drei Arten des Martyriums. "Willentlich und wirklich" - Stephanus; "Nicht willentlich und wirklich" - Unschuldige Kinder; "Nicht wirklich und willentlich" - Johannes d.Ev.
Was meiner Meinung nach in der Weihnachtsoktav überhaupt nichts verloren hat, ist das "Fest der Heiligen Familie", ein Ideenfest des 19. Jahrhunderts. Es lag früher recht störungsfrei auf dem dritten Sonntag nach Epiphanie. Der Liturgiker Auf der Maur schreibt dazu, man habe bei der Liturgiereform "nicht den Mut gehabt, diese romantisch-bürgerliche Idylle zu streichen", und setzte sie dazu noch in die Weihnachtsoktav. Dem kann ich mich nur anschließen. Natürlich ist "Familie" ein Zukunftsthema, aber mitten in der Weihnachtsoktav ist damit keinem gedient, auch dem Fest nicht.
Allen, die den heiligen Stephanus als Patron haben, einen herzlichen Glückwunsch zum Namenstag!!!

PS: Und wer noch kurzentschlossen ein Weihnachtskonzert besuchen möchte: Heute nachmittag um 15.00 Uhr in St. Marien Witten: Weihnachtliche Musik aus Europa, u.a. Bach, Händel, Cornelius. Eintritt frei!

Samstag, 24. Dezember 2011

Ein frohes Weihnachtsfest

Liebe Leserinnen und Leser,

Baum und Krippe sind fertig, die Spuren des Advent beseitigt, für Mucki liegt das rote Festtagsschleifchen bereit, die Wohnung ist gesaugt und gewienert, im WDR gab es die Hitparade der schönsten Weihnachtslieder (sehr schön übrigens und mit sehr netten Kommentaren), die Schälchen für das abendliche Raclette stehen bereit, die Geschenke mit den netten Nachbarn sind ausgetauscht, die letzten Weihnachtskarten sind angekommen (auch eine von meiner früheren Arbeitsstelle, der dortige Direktor verschickt immer Heftchen mit mehr oder weniger geistreichen Texten und Foto von sich selbst... Das kann ich nicht kommentieren...) und ich...
... ich habe mir gerade, nicht ganz unzufrieden mit mir und der Welt, ein Bier aufgemacht.

Ich wünsche allen von Herzen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest! Herzlichen Dank für das Interesse an meinem Blog, das freut mich immer sehr. Ich hoffe für jeden und jede, dass Weihnachten ein Fest der Hoffnung und Zuversicht ist. Ich kenne selbst diese tiefe Traurigkeit die einen manchmal umgibt. Umso mehr wünsche ich jedem, dass das Licht der Krippe jedes Herz hell und leicht macht!

Ihr / Euer

Nepomuk

Freitag, 23. Dezember 2011

Weihnachtsterror

Wer solche Karten bekommt,
der muss sich seine Feinde nicht suchen. Und dem Absender kann ich eine sehr gute psychiatrische Klinik empfehlen...

Das literarische Weihnachtskabinett - Teil 5

Unsere kleinen literarischen Ausflüge führen uns heute abend zum vorläufig letzten Mal zu Karl Heinrich Waggerl. Dieser Schriftsteller ist heute doch ziemlich unbekannt, in den 50er-60er Jahren war er mit seinen besinnlich-idyllischen Geschichten, die er selbst "inwendig" nannte, noch ein echter Bestseller. Seine weihnachtliche Sammlung "Und es begab sich" ist wohl heute noch am ehesten vertraut. Die Geschichte daraus mit dem Floh ist bekannt, die mit dem glücklichen Mohrenkönig aus heutiger Sicht nicht ganz unrassistisch. Heute abend etwas gekürzt "Wie der kranke Vogel geheilt wurde":

Anfangs kam nur geringes Volk aus der Stadt heraus zum Stall, vor allem auch Arme und Kranke. Sie knieten vor dem Knaben und baten inbrünstig, dass er sie heilen möchte. Vielen wurde auch wirklich geholfen, nicht durch Wundermacht, wie sie in ihrer Einfalt meinten, sondern durch die Kraft ihres Glaubens.              
Lange Zeit stand auch ein kleines Mädchen vor der Tür und konnte sich nicht durchzwängen. Die Mutter Maria rief es endlich an. „Komm herein!“ sagte sie. „Was hast du da in deiner Schürze?“
Das Mädchen nahm die Zipfel auseinander und da hockte nun ein Vogel, verschreckt und zerzaust, ein ganz kleiner Vogel. „Schau ihn an“ sagte das Mädchen zum Christkind, „ich habe ihn den Buben weggenommen und dann wollte ihn auch noch die Katze fressen. Kannst du ihn nicht wieder gesund machen? Wenn ich dir meine Puppe dafür gebe?“
Ach, die Puppe! Es war ja trotzdem eine arg schwierige Sache. Auch der heilige Josef kratzte sich den kahlen Schädel, sonst ein umsichtiger Mann, und die Bresthaften in ihrem Elend starrten auf den halbtoten Vogel in der Schürze. Hatte etwa auch er eine gläubige Seele?
Das wohl kaum. Aber seht, das Himmelskind wusste selber noch nicht so genau Bescheid und deshalb blickte es einmal schnell nach oben, wo die kleinen Engel im Gebälk saßen. Die flogen auch gleich herab, um zu helfen, Vögel waren ja ihre liebsten Gefährten unter dem Himmel. Nun glätteten sie dem Kranken das Gefieder und säuberten ihn, sie renkten den einen Flügel sorgsam ein und stellten ihm auch den Schwanz wieder auf, denn was ist ein Vogel ohne Schwanz, ein jämmerliches Ding!
Von all dem merkten die Leute natürlich nichts, sie sahen nur, wie sich die Federn des Vogels allmählich legten, wie er den Schnabel aufriss und ein bisschen zu zwitschern versuchte. Und plötzlich hob er auch schon die Flügel, mit einem seligen Schrei schwang er sich über die Köpfe weg ins Blaue.
Da staunte die Menge und lobte Gott um dieses Wunders willen. Nur das kleine Mädchen stand noch immer da und hielt die Zipfel seiner Schürze offen. Es war aber nichts mehr darin außer einem golden glänzenden Federchen. Und das musste nicht eine Vogelfeder sein, das konnte auch einer von den Engeln im Eifer verloren haben.

Ansonsten ist der Baum aufgebaut und geschmückt, die Krippe aufgestellt (das Jesuskind liegt noch in der Soßenschüssel im Wohnzimmerschrank) und die Zeitschaltuhr ist programmiert. Es kann also losgehen...

"Krippengucken" - Aber es muss sich auch lohnen!

Heute morgen gibt es zwei Bilder aus meiner Heimatpfarrkirche aus den 50er Jahren. Zu dieser Krippe sind damals die Leute aus dem ganzen Umkreis gekommen. Dann kam die Kulturrevolution, die Kirche wurde leergeräumt und von der Krippenkonstruktion blieben nur noch die neugotischen Terrakottafiguren übrig. Selbst die, obwohl inzwischen mit brauner Farbe übermalt, haben es nur noch bis in die 80er geschafft: Dann hat der Küster das Kamel fallen lassen und den anderen Helfern waren sie ja viel zu schwer um Tragen (Kleine Zwischenbemerkung: Aber zum Herumtragen und Aufstellen von Tischaltären reichen die Kräfte...). Also wurde eine der üblichen Krippen mit Gliederpuppen und Kleidung besorgt. Dafür kommt heute keiner mehr zum "Krippegucken" - Großes Gähnen!!!
Immerhin hat es einer der hl. drei Könige aus der alten Krippe bei mir ins Wohnzimmer geschafft.
Aber der Aufbau der alten Krippe ist doch wirklich beeindruckend:


Donnerstag, 22. Dezember 2011

Das literarische Weihnachtskabinett - Teil 4

Nachdem wir mit Heinrich Heine und Mascha Kaleko unsere "Weihnachtseinsamkeit" haben ausleben können, gehen wir heute abend von Mascha Kaleko aus 20 Jahre zurück, tauchen in eine ganz andere Welt ein und landen bei Rainer Maria Rilke. Sein Gedichtzyklus "Marienleben" stammt aus dem Jahre 1912. Das Gedicht über die Geburt Christi steht in der Mitte des Zyklus. Der Marienkantor und ich haben vor einigen Monaten das "Marienleben" mit Improvisation und Rezitation dargeboten. Ich gebe zu, dass der Vortrag der Gedichte eine echte Herausforderung war, aber auch richtig Spaß gemacht hat. Und nun das Gedicht:

Hättest du der Einfalt nicht, wie sollte
dir geschehn, was jetzt die Nacht erhellt?
Sieh, der Gott, der über Völkern grollte,
macht sich mild und kommt in dir zur Welt.
Hast du dir ihn größer vorgestellt?
Was ist Größe? Quer durch alle Maße,
die er durchstreicht, geht sein grades Los.
Selbst ein Stern hat keine solche Straße.
Siehst du, diese Könige sind groß,
und sie schleppen dir vor deinen Schooß
Schätze, die sie für die größten halten,
und du staunst vielleicht bei dieser Gift - :
aber schau in deines Tuches Falten,
wie er jetzt schon alles übertrifft.
Aller Amber, den man weit verschifft,
jeder Goldschmuck und das Luftgewürze,
das sich trübend in die Sinne streut:
alles dieses war von rascher Kürze,
und am Ende hat man es bereut.
Aber (du wirst sehen): Er erfreut.

"Über Bach kann man nicht lachen!"

Ein wirklich lesenswertes Interview mit Nicolaus Harnoncourt findet sich hier!

Das literarische Weihnachtskabinett - Teil 3

Gestern morgen haben wir mit dem schlesischen Dichter Andreas Gryphius angefangen, der in der Intensität eines barocken Sonetts gleichsam concertierend ausruft: "Nacht, lichter als der Tag!". Kaum größer könnte der Kontrast sein im zweiten Text des gestrigen Tages: Heinrich Heine, wie gewohnt (und wohl auch nicht unbegründet) leidend, verspricht seinem Freund Moser sozusagen als Weihnachtsgeschenk, dass er sich nicht umbringen werde. Diese "Weihnachtseinsamkeit" ist vielen Menschen nicht unbekannt, ich habe das bei meinen Gesprächen in den letzten Tagen oft gemerkt. Mit einem wunderschönen Gedicht von Mascha Kaleko gehen wir heute morgen dieser "Weihnachtseinsamkeit" noch etwas nach. Mascha Kaleko, 1907 als Kind jüdischer Eltern in Galizien geboren, hat es in ihrem ersten Gedichtband "Das lyrische Stenogrammheft" im Januar 1933 veröffentlicht.

Lediger Herr am 24. Dezember

Keines andern Zimmer ist so leer
Wie meines jetzt. Die letzten Ladenmädchen gehn nach Haus
- Nun fällt auch über mich die Weihnacht her.

Familienglück ... Ich mache mir nichts draus.
Doch niemals noch war Einsamkeit so schwer -.
Den stummen Raum durchschreit ich kreuz und quer,
Lacht mich nicht dort die Mona Lisa aus?

Wie traurig so ein Schreibtischwecker tickt.
Langsam bimbamt die Glocke. Einer singt "Stiille Nacht ...!"
- Zu Hause haben sie meiner gedacht
Und nußbraune Heimat-Kuchen geschickt,
Seidne Krawatten und einen Schal, von der Mutter gestrickt.

Nun also bin ich bei mir selbst zu Gast,
Ein lediger Prokurist in Gruppe sieben
Und teilmöbliert. - Es scheint mir fast,
Ich hab den Familienanschluß verpaßt
Und bin so übriggeblieben -.

Die Stube gähnt. Versuchsweise fällt schon Schnee,
Ganz unvermittelt grünt mein Tannenbaum,
- Vielleicht, daß ich fern von Lamettaschaum
Durch weiße wattige Straßen geh,

Fremde Türen zu spüren,
Einsam aus kahl vergeßner Allee
In ferne Fenster zu stieren ...

Das Licht verlischt. Noch immer fällt der Schnee.
- Man wird so scheußlich leicht sentimental.
Ein Schnaps wär gut. Ein höllischer Kaffee.

Man blickt ins totenleere Stammlokal
Und sagt geniert zum einsamen Portier:
"Heut nicht. Gutnacht. - Vielleicht ein andermal ..."

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Das literarische Weihnachtskabinett - Teil 2

Etwas ungewöhnlich, aber ungemein leidend und lesenswert: Heinrich Heine, Brief an Moses Moser:

Verdammtes Hamburg, 14. Dezember 1825

Theurer Moser! Lieber benebelter Mensch!
... Da sitz ich nun auf der Abcstraße, müde vom zwecklosen Herumlaufen, Fühlen und Denken, und darußen Nacht und Nebel und höllischer Spektakel, und groß und klein läuft herum nach den Buden, um Weihnachtsgeschenke einzukaufen. Im Grunde ist es hübsch, daß die Hamburger schon 1/2 Jahr im Voraus dran denken wie sie sich zu Weihnachten beschenken wollen. Auch du lieber Moser sollst dich über meine Knickrigkeit nicht beklagen können, und da ich just nicht den Gaffe bin und dir auch kein ordinäres Spielzeug kaufen will, so will ich Dir etwas ganz apartes zu Weihnachten schenken, nemlich das Versprechen: daß ich mich vor der Hand noch nicht totschießen will.
Wenn du wüßtest was jetzt in mir vorgeht, so würdest du einsehen daß dieses Versprechen wirklich ein großes Geschenk ist,und du würdest nicht lachen, wie du es jetzt thust, sondern du würdest so ernsthaft aussehen wie ich in diesem Augenblick aussehe...
Lebe wohl, schreib mir bald Antwort, und sei überzeugt daß ich dich liebe und sehr verdrießlich bin.

Dein ganzer Freund
H. Heine

Das literarische Weihnachtskabinett - Teil 1

In den verbleibenden Tagen möchte ich mit einigen Gedichten und Texten auf das kommende Fest einstimmen. Den Anfang macht heute Andreas Gryphius (1616-1664):

Über die Geburt Jesu

Nacht, mehr denn lichte Nacht! Nacht, lichter als der Tag!
Nacht, heller als die Sonn, in der das Licht geboren,
Das Gott, der Licht in Licht wohnhaftig, ihm erkoren!
O Nacht, die alle Nächt und Tage trotzen mag:

O freudenreiche Nacht, in welcher Ach und Klag
Und Finsternis und was sich auf die Welt verschworen
Aus Furcht und Höllenangst und Schrecken war verloren!
Der Himmel bricht; doch fällt nunmehr kein Donnerschlag.

Der Zeit und Nächte schuf, ist diese Nacht ankommen.
Und hat das Recht der Zeit und Fleisch an sich genommen.
Und unser Fleisch und Zeit der Ewigkeit vermacht.

Der Jammer trübe Nacht, die schwarze Nacht der Sünden,
Des Grabes Dunkelheit muß durch die Nacht verschwinden.
Nacht, lichter als der Tag; Nacht, mehr denn lichte Nacht!

Dienstag, 20. Dezember 2011

Gerechter Lohn in kirchlichen Einrichtungen

Der Ethikrat im Erzbistum Paderborn hat eine interessante Positionierung zur Entlohnung hauptamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kirchlichen Dienst vorgelegt. Hier die Pressemitteilung und hier die Möglichkeit zum Download des Dokumentes.
Viele kirchliche Arbeitgeber haben Schwierigkeiten, weil sie einerseits Angebote und Dienstleistungen vorhalten, die zwar wichtig im Sinne der Caritas, aber nicht kostendeckend sind, andererseits aber auch recht großzügige Tarifsteigerungen zu verkraften haben. Hinzu kommt, dass sich zwar unsere Abgeordneten im NRW-Landtag recht locker ihre Diäten erhöhen, bestimmte Fördermittel und Zuschüsse aber seit Jahren auf einem Stand eingefroren sind, der ein wirtschaftliches Arbeiten kaum noch möglich macht. Aber z.B. Menschen die auf eine gesetzliche Betreuung angewiesen sind, haben eben keine politische Lobby. 
Hier sind alle Beteiligten gefragt. 
Insgesamt bietet die Positionierung eine gute und kurze Darstellung des Selbstverständnisses kirchlicher Dienstgeber, schildert ausgewogen die Spannung zwischen Ökonomie und Diakonie und eröffnet aus der Reflexion der katholischen Soziallehre Perspektiven für die Zukunft. Empfehlung! 

Montag, 19. Dezember 2011

Weihnachtspaketeversendewahnsinn

Gestern mittag, also am Sonntag, schellte mein Lieblingspaketbote an der Tür. Auf meine verwunderte Frage, warum er denn sonntags Pakete ausfahren würde, hat er gesagt, dass allein am Samstag für unsere Stadt 17000 (in Worten: siebzehntausend!) Pakete durch seine Firma angeliefert worden seien und er es mit dem Ausfahren nicht schaffen würde, wenn er nicht auch am Sonntag arbeiten würde!
Diese 17000 Pakete waren ja jetzt nur ein Anbieter, wenn man das jetzt mal hochrechnet auf DHL, Hermes, UPS, DPD usw. wird man wohl bei ca. 80000 Paketen landen. Pro Tag. Unsere Stadt hat knapp 100000 Einwohner. Wahnsinn!

Sonntag, 18. Dezember 2011

Komm zur Ruhr - Auch im Advent!

Mit allen guten Wünschen für einen schönen vierten Adventssonntag wieder einmal ein paar Bilder aus dem Ruhrtal von heute morgen!

Ein Blick von der Nachtigallbrücke flussaufwärts:
Zeche Nachtigall, inzwischen Industriemuseum des Landschaftsverbandes, und möglicherweise bald "Weltkulturerbe":


Hier haben wir früher das schwarze Gold mit bloßen Händen aus dem Felsen gegraben:

Hier auch. Das waren noch Zeiten...

Hier noch einmal ein Blick auf die Ruhr:
Und dann haben wir noch Bisame, Greifvögel, Enten und Gänse gesehen. Und das Schönste für mich: Kaum einen Menschen getroffen...

Samstag, 17. Dezember 2011

Zum vierten Advent

Einen schönen, erholsamen, besinnlichen, ruhigen, entspannten, vorfreudigen, geschenkeverpackenden, weihnachtsbaumkaufenden vierten Advent!!!

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Klavierbuch: Eine folgenschwere Entscheidung

Wie ich jetzt hörte, hat die Deutsche Bischofskonferenz beschlossen, zum neuen Gesangbuch nicht nur ein Orgel-, sondern auch ein Klavierbuch herauszugeben. Ich halte das für eine falsche Entscheidung, weil es mit den Aussagen der Liturgiekonstitution zur Musik im Gottesdienst nur sehr schwerlich zusammen zu bringen ist. Und ich halte es für eine falsche und folgenschwere Entscheidung, denn das wird in vielen Gemeinden der klassischen Kirchenmusik endgültig den Todesstoß versetzen. Schon heute gibt es in meiner Heimatstadt kaum noch einen Kirchen-, geschweige denn einen Jugendchor, der sich von der Orgel begleiten läßt. Auch in vielen Sonntagsgottesdiensten, sogar Christmetten, Familiengottesdiensten sowieso, spielt die Orgel keine Rolle mehr. Bei den evangelischen Brüdern und Schwestern ist das nicht anders. Was wohl J.S. Bach dazu sagen würde? Das Kircheninstrument der Zukunft ist das E-Piano: Leicht in den Chorraum zu tragen, günstig in Anschaffung und Unterhalt und jeder halbwegs fähige Klavierschüler kann darauf sein Können zum Besten geben. Wie anders doch eine Orgel: Statisch immer am selben Ort, teuer in Anschaffung und Unterhalt und dann kommen noch diese anspruchsvollen Kirchenmusiker dazu, die vielleicht NGL zum Kotzen finden. Ja dann doch lieber das E-Piano, man kann es ja auch auf "Organ" einstellen...
Traurig.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

"Frohe Weihnachten!" - Weihnachten wird doch unterm Baum entschieden!

„Frohe Weihnachten!“, diesen Wunsch bekommen wir in diesen Tagen häufig zu hören. Manchmal heißt es auch „Schöne Feiertage!“ oder ähnlich.
Aber mal ehrlich, was ist denn an den Weihnachtstagen „froh“ oder „schön“? Ist denn nicht eher mancher froh, wenn die Tage vorbei sind? Oder ist es nicht schön, wenn es nicht zu all zu großen familiären Katastrophen gekommen ist? Ist denn nicht für viele die Weihnachtszeit angefüllt mit Stress und Hektik? Ist es nicht völlig daneben, dass sich Unternehmen Gedanken machen, wie sie denn weltanschaulich-religiös neutrale Weihnachtsgrüße versenden können? Und ist denn nicht doch etwas Wahres dran, dass „Weihnachten unterm Baum entschieden wird“? -
Diese Entwicklungen werden seit Jahren von den Kirchen mahnend beklagt. Allerdings mit wenig Erfolg. Vielleicht liegt es auch daran, dass „mahnendes Beklagen“ eine ziemlich unattraktive und schnell langweilige Angelegenheit ist. Nein, ich kann nicht immer nur darüber sprechen was nicht geht, ich muss auch Alternativen anbieten. Und ich muss über den Kern von Weihnachten sprechen. Wenn ich das nicht tue, oder mich nicht traue zu tun, dann brauche ich mich nicht wundern, dass es niemand mehr weiß. Gott wird Mensch. Das ist der Inhalt von Weihnachten. Und das macht es gleich wieder für viele Menschen heute schwierig. Denn dazu gehört zu glauben, dass es erstens Gott gibt, dass er sich zweitens für mich interessiert, und drittens, dass Jesus nicht ein wundertätiger Religionsstifter unter vielen anderen ist, sondern Gott selbst. Und hier ist auch das Ende der Fahnenstange des interreligiösen Dialogs erreicht. Weihnachten ist also einerseits eine Liebesgeschichte: Gott liebt den Menschen so sehr, dass er selbst Mensch wird um den Menschen zu vergöttlichen. Weihnachten ist aber auch eine Entscheidungsgeschichte: „Und du, für wen hältst du mich?“ wird Petrus von Jesus gefragt. Diese Frage gilt auch uns, und die wird nun wirklich unterm Baum entschieden!

Montag, 12. Dezember 2011

Mehr Licht!

Nach den gestrigen liturgisch-pastoralen Depressionen heute mal etwas Schönes: "Mehr Licht!" ist nicht nur von Goethe auf dem Sterbebett, sondern wohl auch das Motto des Spechtes, der bei uns im Garten den Meisennistkasten etwas erweitert hat!

Sonntag, 11. Dezember 2011

Gaudete. Gottesdienst - oder was man dafür hält.

Ich kann nicht viel dazu sagen. Die einen schieben den Altar in die Kirchenmitte und feiern das große Fest der Gemeinschaft, die anderen feiern das interreligiöse Friedenslicht.
Tut mir leid, ich bleibe zuhause und höre J.S. Bachs Kantaten zum Advent. Oder Metallica. Oder beides. 
Nennt mir einen überzeugenden Grund, weswegen ich eure Veranstaltungen besuchen soll, wenigstens einen...
Ein Gott-Sucher möchte ich sein, und bin dabei ganz allein.

Freitag, 9. Dezember 2011

Nepomuks Freitagsweisheiten

Der Herr Alipius (übrigens wollte ich auch mal Augustiner-Chorherr werden, aber das ist eine ganz andere Geschichte) bemerkt ja völlig zu Recht, dass es nicht nur um das Posten um des Postens Willen geht, damit man also regelmäßig mehr oder weniger Schlaues beizutragen hat. Deshalb beschränke ich mich heute auf das vorhin entstandene "Muck-Foto" der Woche:

Einen guten und entspannten Start ins Wochenende!

Siegen setzt Signale!

Der Stadtrat in Siegen hat mehrheitlich beschlossen, dass es im Jahr 2012 keine verkaufsoffenen Sonntage geben wird. Respekt vor dieser Entscheidung!
Siegen hat für mich die Auszeichnung als "Innovation City" verdient!
Hier die gemeinsame Stellungnahme der katholischen und evangelischen Kirche zum Ratsbeschluss. 

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Zum heutigen Hochfest: Pius IX. im Original

"Zu Ehren der Heiligen und Ungeteilten Dreifaltigkeit, zu Schmuck und Zierde der jungfräulichen Gottesmutter, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zur Mehrung der christlichen Religion, in der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und der Unseren erklären, verkünden und definieren Wir: Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlechtes, von jedem Schaden der Erbsünde unversehrt bewahrt wurde, ist von Gott geoffenbart und darum von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben."

Pius IX., Apostolisches Schreiben "Ineffabilis Deus", verkündet am 8. Dezember 1854

Unser heutiges Bild passt nicht nur gut zum Fest, sondern auch zum Advent, zeigt es doch drei adventliche Menschen: Die heilige Anna mit Maria und dem Jesuskind auf dem Arm, also eine "Anna selbdritt", Johannes den Täufer, der mit dem ausgestreckten Finger auf den kommenden Erlöser hinweist, und schließlich die Gottesmutter selbst, "geziert mit Mond und Sternen, im Sonnenglanz erhöht".
Dieses Altarretabel steht übrigens in unserer Krankenhauskapelle.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Zum morgigen Hochfest Mariä Empfängnis

Zum morgigen Hochfest mein Zeitungsbeitrag:

8. Dezember: Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria
Um dieses Fest mit dem sperrigen Namen zu verstehen, müssen wir drei Dinge klären: Was ist mit diesem seltsamen Begriff „Erbsünde“ gemeint?, zweitens: was hat das mit Maria zu tun? Und drittens: welche Anregung, welchen Impuls, kann jeder von uns für sich aus der Sache mitnehmen?
Erbsünde meint eine Neigung des Menschen, sich von Gott, seinem Schöpfer zu entfernen, sein zu wollen wie Gott, zur Liebe Gottes Nein zu sagen. Das Alte Testament gebraucht dabei die Bilder vom Paradiesesgarten, von Adam und Eva, vom verbotenen Baum, der Schlange und dem Apfel. Der Mensch ist frei, dafür aber auf sich selbst zurückgeworfen. Das meinen auch in der Erzählung die Bilder der Nacktheit und der Vertreibung aus dem Paradies. Die Konsequenz ist durchaus dramatisch: Direkt auf den nächsten Seiten erzählt die Bibel vom Brudermord Kains an Abel, berichtet von Unfrieden und Ungerechtigkeit.  Es ist also etwas durcheinandergeraten in der göttlichen Ordnung.


Der einzelne Mensch, Sie und ich, kann dafür nichts. Zwar können wir glauben, dass durch die Taufe die Erbsünde weggenommen und die ursprüngliche Ordnung wiederhergestellt wird, aber mit den Versuchungen und den Folgen der Erbsünde müssen wir dennoch leben.
Was das mit Maria zu tun hat, wird beim Blick auf das für den heutigen Tag bestimmte Evangelium deutlich: Die Verkündigung des Engels an Maria ist im Kern eine Berufungsgeschichte. Maria hat keinen Anteil an der gerade beschriebenen Unordnung, sondern ist ganz auf Gott hin ausgerichtet. Dass das vom ersten Augenblick ihres Lebens an schon so war, meint das heutige Fest. In dieser Offenheit für den Anruf Gottes kann Maria zu dem Engel sagen: Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe wie du es gesagt hast.
Und der dritte Punkt: Was kann ich für mich daraus mitnehmen? Ich glaube folgendes: Wir haben gerade gesehen, dass eine Folge der erbsündhaften Hinneigung zum Bösen Ungerechtigkeit und Unfrieden sind. Hier stellt sich uns die Frage nach dem Zusammenleben der Menschen. Nehmen wir vielleicht diesen Impuls mit in die dritte Woche des Advent: Wie gehen wir miteinander um? Was und wie sprechen wir miteinander? Wie aufmerksam und sensibel sind wir zueinander? Und nicht zuletzt die Frage: Hat Gott eine Chance, bei uns anzukommen? Maria hat zu Gott ohne Vorbehalte Ja gesagt, wie siehts mit uns aus?

Dienstag, 6. Dezember 2011

Der Nikolausrausschmeißer: Die stammelnden Heimkinder

Das was jetzt kommt, muss nicht jeder mögen. Aber die "Stammelnden Heimkinder" sind die Band meiner Schule und meiner Jugend: Die Konzerte beim schwulen Horst im "Dixie-Club" oder das in der "Engelsburg", bei dem sich die von den Nachbarn herbeigerufene Polizei von der Theke zur Bühne durchprügelte und wir aus dem Fenster gesprungen sind, sind nach wie vor legendär!
Ach ja, die 80er... Naja, dieses Lied gehört heute einfach dazu:

Priester und "Burn-out"

Ein interessantes Interview mit Prof. Dr. Christoph Jakobs:

Nach Angaben von Prof. Dr. Christoph Jacobs, Klinischer Psychologe im Erzbistum Paderborn, leiden Priester nicht häufiger an Burn-out als der Durchschnitt der Bevölkerung. Die Wahrscheinlichkeit gehe eher in die andere Richtung: „Katholische Seelsorger gehören zu den Kreativberufen, die einen gewissen Handlungsspielraum bei Arbeitszeiten und -mengen haben.“
Burn-out sei immer ein komplexes Phänomen, so der Priester, der grundsätzliche Ursachen in der Gesellschaft skizziert: Die Arbeitsverdichtung hat zugenommen; es gibt ein Missverhältnis zwischen der Eignung für höhere Aufgaben und der objektiven Leistungsfähigkeit sowie zwischen dem persönlichen Einsatz und der wahrgenommenen Wertschätzung. „Bei Priestern kommt der Bedeutungsverlust der Kirche in der Gesellschaft erschwerend hinzu.“
Jacobs ergänzt: „Die Kirche muss im Kontext der Wandlungsprozesse einen radikalen Umbauprozess leisten.“ Das brauche viel Kraft und erfordere bei Priestern die Fähigkeit, „zugunsten von Innovation ein ,Nein’ zu alten Ansprüchen zu riskieren, bei den Gläubigen die Bereitschaft, überforderndes Servicedenken mit Blick auf Priester zurückzuschrauben.“
Ein Priester müsse die Herausforderung annehmen, das Verhältnis von Seelsorge und Selbstsorge in ein angemessenes Verhältnis zu setzen, sagt Jacobs. Dem Professor zufolge verfolge das Erzbistum die Strategie, Priester stärken­orientiert einzusetzen und Teamarbeit zu fördern. Das Thema Zölibat ist in seinen Augen keine zwingende Ursache für einen Burn-out: „Die Anzahl der Burn-out-Fälle bei katholischen Seelsorgern dürfte nicht höher sein als bei evangelischen Pfarrern.“
Die Wahrscheinlichkeit, als Priester im Beruf glücklich zu sein, ist nach Jacobs’ Angaben sogar überdurchschnittlich hoch: „Eine aktuelle US-Studie besagt, dass die Lebenszufriedenheit bei Priestern höher ist als beim Durchschnitt der Bevölkerung.“

Das ganze Interview, auch mit einem Blick auf die Situation evangelischer Pfarrer, gibt es hier!

Montag, 5. Dezember 2011

Der Tag an dem der Nikolaus zusammenbrach

Am Vorabend des Nikolaustages muss ich noch eine Begebenheit aus meinen nun schon lange zurück liegenden ersten pastoralen Gehversuchen in der bedeutenden Kreisstadt des Hochsauerlandkreises loswerden:
Im gemeindeeigenen Kindergarten sollte es eine Nikolausfeier geben und dieser Nikolaus sollte ich sein. Ich weiß nicht warum sie gerade auf mich gekommen waren, der Pfarrer und der Vikar haben sich halb tot gelacht und ich konnte natürlich nicht absagen. Meine Bedingung war allerdings ein volles Pontifikalornat. Hätte ich mich mal für einen roten Bademantel entschieden...
Also stand ich da nun mit Albe, Chormantel, Stola, Pontifikalhandschuhen, Ring, Brustkreuz, Stab und Mitra. Und mit einem riesigen gebrauchten Rauschebart. Beim Gedanken daran, wer den Bart wohl schon alles vor mir im Mund gehabt hatte, hätte ich den ganzen Kindergarten anstatt mit Geschenken mit Lippenherpes versorgen können. Aber das war nicht das Schlimmste: Im Kindergarten waren alle Heizungen voll aufgedreht, unter den Brokatklamotten war es tierisch heiß, der Bart verklebte einem die Atemwege und die Mitra war mindestens drei Nummern zu eng. Es kam wie es kommen musste: Der Nikolaus schwitzte. Der Nikolaus schwankte. Die Kinder machten große Augen. Die Erzieherinnen auch. Dem Nikolaus wurde schlecht. Der Nikolaus krächzte noch: "Seid ihr auch alle brav gewesen?". Dem Nikolaus wurde schwarz vor Augen. Die Antwort bekam er nicht mehr mit.
Er fiel in die Arme von zwei Erzieherinnen die das Unglück hatten kommen sehen und zum Glück schnell genug in die Fallrichtung des Nikolaus gesprungen waren. Die Kinder haben wirklich mal den Mund offen stehen lassen, dieser Nikolausbesuch war immerhin unvergesslich.
So endete meine Nikolauskarriere. Und auch sonst wird es wohl für Pontifikalien nicht mehr reichen...
Allen einen schönen Nikolaustag!

Sonntag, 4. Dezember 2011

Sankt Barbara, du edle Braut

Sankt Barbara, du edle Braut,
mein Leib und Seel' sei dir vertraut,
sowohl im Leben als im Tod,
ach steh' mir bei in jeder Not.


Hilf', dass ich vor dem letzten End,
empfang das heilge Sakrament.
Bei Gott nur dieses mir erwerb,
dass ich in seiner Gnade sterb'.


Dem bösen Feind weit von mir treib,
mit deiner Hilf stets bei mir bleib.
Wenn dann die Seel' vom Leibsich trennt,
so nimm sie auf in deine Händ'.


Bewahr sie vor der Höllenpein
und führ sie in den Himmel ein,
wo sie vereint in Seligkeit
mit dir Gott preist in Ewigkeit.

Die hl. Barbara ist ja bei uns im Ruhrgebiet trotz Strukturwandel immer noch recht beliebt. Hier ein Foto aus den "Ruhr-Nachrichten" von der Ausstellung „Glück auf mit St. Barbara – Eine Heilige aus dem Dunkel ins Licht“ im Bergbaumuseum Bochum im vergangenen Jahr:

Ansonsten habe ich heute natürlich Zweige ins Haus geholt. Hoffentlich werden die diesmal bis Weihnachten was, in den letzten Jahren war das nämlich nicht so erfolgreich. Trotzdem: Ganz im Sinne der hl. Barbara ein herzliches "Glück auf!" zum Beginn der neuen Woche!

Freitag, 2. Dezember 2011

Es gibt nicht nur Kater...

Das "Katzen-Model" des Wochenendes kommt heute aus Bommern:

PS: Eingeweihte erkennen an der Literaturauswahl wo sie hingehört - Herzliche Grüße!

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Nepomuks Donnerstagabendweisheiten

Die üblichen "Freitagsweisheiten" gibt es diesmal schon am Vorabend, weil ich morgen bestimmt nicht dazu komme. Ich bin nämlich im "Weihnachtsfeiernstress": Drei habe ich in dieser Woche schon hinter mir, eine kommt morgen noch! Ich hoffe, dass sich das gewichtstechnisch nicht allzu bemerkbar macht. Die Feiern, auf die ich Einfluss nehmen konnte, haben wir bewußt als "Adventsfeiern" gestaltet. Und es geht auch: Man muss eben noch nicht "Süßer die Glocken nie klingen" singen, sondern es geht auch mit "Komm, Du Heiland aller Welt". Mit ein wenig Übung wird auch dieses wunderschöne Adventslied gerne mitgesungen. Eine Frau sagte mir allerdings hinterher: "Das haben wir bei uns in der Kirche noch nie gesungen!" Das spricht nun nicht gerade für die LiedauswählerInnen in den Gemeinden. Auf der anderen Seite: Wenn 30 erwachsene Menschen, Personal und Patienten, in der Psychiatrie unentwegt "Kling, Glöckchen, klingelingeling" singen, ist das so skurill, dass es schon wieder Spaß macht...
Gestern in der Messe gab es einen Predigtimpuls mit dem Satz: "Gott zählt nicht unsere Worte, er wiegt sie." Der Zelebrant hatte diesen Satz als Zitat eines frommen Juden im "Tatort" des letzten Sonntags aufgeschnappt, und da war es für ihn mit der Sonntagsabendsgemütlichkeit vorbei. Ich kann das gut verstehen, wie oft erliegen wir doch dem Missverständnis, der Erfolg unserer Verkündigung wäre an der Menge unserer Worte messbar. "Gott zählt nicht unsere Worte, er wiegt sie." Das hat was.
Heute gibt es kein "Muck-Foto der Woche". Mucki war in dieser Woche krank: Er hat einen grippalen Infekt der oberen Atemwege. Als wir Montag abend beim Tierarzt warteten, Mucki in der Transportbox auf meinem Schoß, war ich fertiger als der Kater. Auch der Satz "Stell Dich doch nicht so an, Du arbeitest doch im Krankenhaus!" ist sinnlos: Mit Mucki beim Tierarzt macht mir wesentlich mehr aus als ein Patientenbesuch auf der Intensivstation. Zumindest entwickle ich einen echten Hass auf Hundebesitzer, die meinen ihre Straßentöle an der Box meines Rassekaters schnüffeln zu lassen. So etwas geht nie gut aus. Für den Hund. Übrigens hat die Katze von Freunden Aids. Aber es geht ihr gut und der Papst ist auch nicht Schuld daran. Das wollte ich auch nur mal am Welt-Aids-Tag loswerden.
Das Video passt gerade zu meiner Stimmung:

Allen einen schönen Abend und morgen einen guten Start ins Wochenende!

PS: Wenn ich den Post jetzt so lese, habe ich wohl wirklich einen "Weihnachtsfeierkoller". Aber abgeschickt wird er trotzdem...

Dienstag, 29. November 2011

Zum Fest des hl. Andreas: Kreuz' meinen Weg!

Eine vielleicht etwas ungewöhnliche Hommage an den Heiligen vor dessen Kreuz wir bestimmt schon alle gestanden haben. Und für einen Freund.


Wenn Deine Suche auch sehnend ist
Und Du für Krawall gebürstet bist
Wenn du fest am Leben klebst
Kreuz meinen Weg

Hast Du das Herz Dich zu riskieren
Zu dämpfen, zu kämpfen, zu verlieren
Ist Dein Urvertrauen stark
Verlässlich bis ins Mark

Ich suche einen, der sich stellt
Der gewohnt ist, sich durchzuschlagen
Gegen den Rest der Welt
Und der sich für mich vergisst

Einen, der sich traut
Der weiss, im voraus zu ahnen
Auf den man haltlos baut
Der aus der Seele spricht

Hast Du ein Herz auf Kaperfahrt zu gehen
Dich zu Kümmern ohne Land zu sehen
Schlägt Dein Puls ruhig und spät
Kreuz meinen Weg

Bist Du bereit sinnloses anzupeilen
Einzustecken und auszuteilen
Wenn Du nicht fürs Zerreden lebst
Kreuz meinen Weg

Ich suche einen, der sich stellt
Der gewohnt ist, sich durchzuschlagen
Gegen den Rest der Welt
Und der sich für einen vergisst

Einen, der sich traut
Der weiss, im voraus zu ahnen
Auf den man haltlos baut
Der aus der Seele spricht

Einen, der dauernd bleibt
Willens Unmögliches zu wagen
Der sich stur verschreibt
Damit Du nichts vermisst

Einen, der sich traut
Der weiss, im voraus zu ahnen
Auf den man haltlos baut
Der aus der Seele spricht

Eine schöne neue Seite im Netz!

Vom Karmelitinnenkloster "Maria, Vermittlerin aller Gnaden" hatte ich ja schon öfters Fotos auf dem Blog. Jetzt haben die Schwestern endlich ihre eigene Internetseite, auf die sie auch mächtig stolz sind. Ich finde sie auch wirklich gut gelungen! Sie haben mich gebeten, etwas Reklame dafür zu machen. Und den Gefallen tue ich Ihnen natürlich hiermit gern!
Die Schwestern haben übrigens nicht nur eine Hostienbäckerei (auch "klassische" dünne Priesterhostien mit Motiv sind im Angebot), sondern auch eine wunderbare Kerzenmanufaktur für Oster-, Primiz-, Tauf-, und Erstkommunionkerzen oder Jubiläen und andere Anlässe. Die dort ausgeliehenen Taufkerzen waren bei unserer Babymesse ein echter Hingucker! Darüberhinaus haben sie für ihren Honig in diesem Jahr eine Goldmedaille erhalten und es gibt z.Zt. eine ganz schöne Weihnachtsausstellung mit Kerzen und selbstgefertigten Karten.
Also, ein Besuch lohnt sich!!!

Montag, 28. November 2011

Verspäteter Advent

Mit etwas Verspätung, aber dafür umso herzlicher, möchte ich allen Mitbloggerinnen und -bloggern und allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Advent wünschen!
Ich bin vorher nicht dazu gekommen: Am Samstag war ja die schon erwähnte Babymesse. Ca. 5000 Besucher waren im Laufe des Tages da. Da unser Stand, ausgerüstet mit Taufbecken, Weihwasser, Taufkerzen und jeder Menge Infomaterial, sehr günstig gelegen war, mussten alle bei uns vorbei und es ergaben sich wirklich interessante und gute Gespräche. Ich glaube, dass das ganz wichtig ist, ich kann nicht in meiner Kapelle sitzen und warten, dass einer kommt, sondern muss dahin gehen, wo die Leute auch sind. Und immerhin 5000 Menschen die uns wenigstens wahrgenommen haben - ich finde, dann lohnt sich der Aufwand!
Ein Gespräch ist mir besonders hängengeblieben: Ein junges Paar, sie hochschwanger, sagt: "Wir würden unser Kind auch gerne taufen lassen, aber wie geht das denn?" - Ich: "Prima, am Besten wenden Sie sich dann an die Gemeinde in der Sie wohnen, dabei können wir Ihnen auch helfen. Sind Sie denn katholisch oder evangelisch?" - Er: "Ich bin evangelisch" und dann, zu seiner Frau gewandt: "Was bist Du denn eigentlich?"... Da fehlten mir doch etwas die Worte.

Jetzt noch mein Adventsbeitrag für die Zeitung:
„Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren und nicht in dir: du bleibst doch ewiglich verloren“, so schreibt 1675 der schlesische Arzt und Barockdichter Angelus Silesius. Was meint er damit? Das ganze Weihnachtstheater ist letztlich hohl und sinnlos wenn es nicht um das Eigentliche von Weihnachten geht. Geschenke schenken, Kerzen anzünden und mir einen geschmückten Baum in die Wohnung stellen kann ich auch an jedem anderen Tag im Jahr. Die entscheidende Frage ist: Kann Gott bei mir ankommen? Und ehrlicherweise muss man dann aber auch fragen: Was muss ich denn tun, damit Gott bei mir ankommen kann? – Nicht viel. Nur glauben können, dass Gott auch in meinem ganz persönlichen Leben, in meinem Alltag mit allen Höhen und Tiefen, wirkt und mich liebt. Das ist dann doch eine ganze Menge. Versuchen Sie es im Advent, sie werden die Welt mit anderen Augen sehen!

Freitag, 25. November 2011

Nepomuks Freitagsweisheiten

Es ist schon wieder Freitag. Allein diese Tatsache wäre schon einen eigenen Beitrag wert. "Quid est ergo tempus?" lautet die berühmte Frage des hl. Augustinus in den Confessiones, und er fährt fort: "Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich's, will ich's aber einem Fragenden erklären, weiß ich's nicht!" Mit Augustinus wird die Zeit zur inneren Erfahrung, d.h. vor aller objektiv messbaren Zeit dominiert ein subjektives seelisches Zeitbewusstsein: Natürlich, die Uhr geht nicht schneller als sonst, und doch ist "schon wieder" Freitag!
In dieser Woche hatte ich mit einem stadtbekannten Querulanten zu tun. Er wirft uns in der Öffentlichkeit vor, bei uns würden "die Menschenrechte mit Füßen getreten". Dabei geht es nur um vier Behindertenparkplätze, die wegen einer Großveranstaltung auf dem Kirchplatz kurzfristig gesperrt waren. Außerdem sei seine Mutter bei uns schlecht behandelt worden. Er selbst, übrigens irgendwie promoviert und Direktor und einziger Mitarbeiter eines von ihm gegründeten und nach ihm benannten Instituts, muss aber auch gegenüber den Mitarbeitern aufgetreten sein wie Godzilla. Immerhin ist er nicht mit einem Messer auf jemanden los, so hat er nämlich auch schon versucht Konflikte zu lösen. Ansonsten bombardiert er unsere Zeitungen mit Leserbriefen. Das Dumme ist nur, dass wir uns seit Kindergarten- und Schulzeiten kennen und früher einmal befreundet waren. Aber inzwischen wirft er mir vor, ich hätte ihn im Stich gelassen. Eigentlich ist er nur eine arme Sau, die sich mit allen überwirft und selbst die Gutmeinenden vergrault. Da kann man wohl nichts machen, trotzdem ist es nervig.
Morgen ist "Babymesse" im Krankenhaus und wir machen einen Stand zum Thema Taufe und religiöse Erziehung. Kleine Gebetsbitte an die Blogozese, dass alles gut klappt! Danke!
Und als letztes noch ein Tratsch aus der Nachbarschaft: Wenn man als pensionierter Geistlicher schon ein Verhältnis mit seiner Sekretärin hat, sollte man dabei wenigstens im Dunkeln die Rolläden runtermachen. Vor allem dann, wenn man in einem Reihenhaus wohnt. Kleiner Tipp;)
Jetzt noch das "Muck-Foto" der Woche:

Allen einen guten Start ins Wochenende!

Donnerstag, 24. November 2011

Die Alltäglichkeit

"Die schlicht und ehrlich angenommene Alltäglichkeit birgt selber das ewige Wunder und das schweigende Geheimnis, das wir Gott und seine heimliche Gnade nennen, gerade dann, wenn sie Alltäglichkeit bleibt."

"Wer als Mensch die kleine Zeit an das Herz der Ewigkeit nimmt, die er selbst in sich trägt, der merkt plötzlich, dass auch die kleinen Dinge unsagbare Tiefen haben, Boten der Ewigkeit sind ... die kommende Unendlichkeit vorausverkünden."

Karl Rahner, aufgelesen im neuen Akademieprogramm des "Erbacher Hof" in Mainz.

Ich halte es für (über-)lebensnotwendig, die manchmal doch sehr banal wirkende Alltäglichkeit auch überschreiten zu können, für die Liturgie gilt das z.B. in besonderem Maße. Auch Kunst, Musik, Architektur und Poesie gehören dazu. Ich habe einmal in einem Post das Zitat von Saint-Exupery angeführt, dass man nicht von "Kreuzworträtseln, Kühlschränken und Bilanzen" leben kann. Kritisch könnte man auch nachfragen, ob denn der Alltag von Karl Rahner nicht doch wesentlich angenehmer, privilegierter und selbstbestimmter war, als der der meisten anderen Menschen, die in einem ziemlich unerbittlichen Arbeitsprozess stehen.
Trotzdem hat er auch auf eine bestimmte Weise Recht: Ich kann entweder unter den Anforderungen meines Alltags untröstlich leiden, oder meinen Alltag wirklich als von Gott geschenkte Lebenszeit begreifen. Wenn ich letzteres tue, halte ich mir wirklich den Blick offen für die "kleinen Dinge". Ein Beispiel: Ich halte mich meist daran, wenn ich morgens zur Arbeit komme, jeden Mitarbeiter und Kollegen freundlich zu grüßen. Natürlich könnte ich jetzt auch über meine ganzen Termine heute stöhnen. Aber ich habe heute auch schon zwanzig Mal ein freundliches Lächeln zurück geschenkt bekommen...

Dienstag, 22. November 2011

Heilige Cäcilia, bitte aber mal dringend für uns!

Heute ist der Gedenktag der hl. Cäcilia. Auch wenn sie wahrscheinlich nicht bei ihrer eigenen Hinrichtung die Orgel gespielt hat, das war wohl doch eher ein Übersetzungsfehler, ist sie nun einmal Patronin der Kirchenmusik. Und da hat sie richtig was zu tun!
Dass auch religiös sonst weniger interessierte Menschen über Musik einen geistlichen Zugang finden können, dass Musik eine Form der Gottesverehrung sein kann, dass Musik Herz und Sinne öffnen kann, alles das ist hinlänglich bekannt. Und was passiert?
Viele Gemeinden bewegen sich musikalisch auf WDR 4-Niveau. Oder darunter. Nicht nur, dass irgendwelche Schlagersternchen in Kirchen auftreten, nein, der Gipfel des sonntäglichen Wohlfühlens ist erst mit dem Schwerter Liederbuch erreicht. Zugegeben, es hat etwas Nostalgisches, immer noch "Singt dem Herrn, alle Völker und Rassen" zu singen. Das ist wie ein Oldtimertreffen. Aber auch das ist irgendwie langweilig.
Und die hauptamtlichen GottesdienstvorbereiterInnen? Sie laufen entweder zur Höchstform auf, wenn sie wie die Countrysänger mit der Gitarre durch die Kirche laufen, oder sie bestreiten mit einer Gotteslobnummer Eingangslied, Gloria, Zwischengesang und Credo. Dann müssen die Leute nicht so viel blättern und können sich mehr auf die weisen Worte des Zelebranten konzentrieren.
Die Ansprüche eines Kirchenmusikers wirken dann nur (ver-)störend. Der muss sich dann auch noch Dinge anhören wie Orgel zu laut, Chor zu lang, Schola auf Latein (was ja das Konzil bekanntermaßen ausdrücklich verboten hat...). Oder es ist eigentlich völlig egal, ob und was er macht.
Mit der Kirchenmusik ist es wie bei dem Jamiroquai-Konzert von dem ich gestern geschrieben habe: Wenn sich nicht deutlich etwas verbessert, verlassen die Leute die Halle schon vor Ende des Konzertes.
Heilige Cäcilia, Du hast viel zu tun!!!
Unser Bild zeigt den Altar der hl. Cäcilia in der Pfarrkirche in Volkach/Main:

Montag, 21. November 2011

Jamiroquai in Oberhausen: So gehts nicht!

Gestern abend waren wir beim Jamiroquai-Konzert in Oberhausen. Allein die Anfahrt: Parkplatzsuche ist Krieg. Ich habe mich dabei erwischt, wie ich jemandem der mir meinen sicher geglaubten Parkplatz im letzten Moment weggeschnappt hat, laut hupend und bei geöffnetem Fenster und hoch erhobenem Mittelfinger "DU ARSCH!!!" hinterhergerufen habe. Hätte ich eine Waffe gehabt, wäre das nicht passiert. (Das war eine kleine Verbeugung vor meiner Lieblingsserie Sledge Hammer ;)
Als Vorgruppe gab es einen schweizerdeutsch rappenden Rapper. Der hat sich immerhin alle Mühe gegeben. Weil der Flieger aus London Verspätung hatte, ging es dann aber nicht nur viel zu spät los, sondern auch ohne Soundcheck. So einen breiigen Klangwust habe ich wirklich noch nicht erlebt und es wurde während des Konzertes auch kaum besser. Außerdem stand Jay Kay, der Sänger, völlig neben sich: Textprobleme, wirre Diskussionen mit dem Publikum, obszöne Gesten an die Fans usw. Wahrscheinlich war in der Kaffeetasse die er in der Hand hielt nicht wirklich Kaffee...
Mein Eindruck: Hier musste schnell noch ein schon einmal abgesagtes Konzert nachgeholt werden damit die Kasse wieder stimmt. Immerhin fast 60 Euro Eintritt. Schade!
Mit dem Orgelkonzert an der Marienorgel oder wenigstens dem Tatort wären wir sicher besser bedient gewesen. Aber das weiß man hinterher immer besser...

Sonntag, 20. November 2011

Christkönig: Umkehr der Verhältnisse


Könige kennen wir heute meist nur noch aus der Klatschpresse und die meisten Menschen können sich keine andere Staatsform vorstellen in der sie leben wollen, als in einer Demokratie. Gott sei Dank und gut so. Was soll dann heute noch das Christkönigsfest? Wenn wir darauf schauen, wann die „Königsproklamation“ Jesu Christi stattfindet, verstehen wir, worum es geht: Es geschieht, als der geschlagene und misshandelte Jesus im Verhör vor Pilatus steht, nach der Verurteilung verhöhnen ihn die Soldaten als „König der Juden“ um ihn dann zu kreuzigen. Die Königsherrschaft Jesu Christi ist also etwas fundamental anderes: gelten sonst Macht, Reichtum und Vitalität, bedeutet sie eine völlige Umkehrung der Verhältnisse. Das zeigt auch unser Bild: In königlichem Gold – hängt dort ein Gekreuzigter. Seine Krone ist die Dornenkrone. Der schwache, leidende und verwundete Mensch hat königliche Größe vor Gott. - Gut, dass uns das Christkönigsfest daran erinnert.

Samstag, 19. November 2011

Bei Gott in hohen Ehren steht: Sankt Elisabeth!

Mit einem Foto des Elisabethfensters aus der Pfarrkirche St. Franziskus zu Witten allen Elisabeths einen herzlichen Glückwunsch zum Namenstag!

St. Elisabeth von Thüringen mit Rosenkorb, unten die Wartburg. Links: Elisabeth bringt den Armen Brot. Rechts: Elisabeth bei der Krankenpflege. Jupp Gesing, 1982-1983, Fenster im Seitenschiff. Antikglas/Blei/Schwarzlot/Silbergelb
Quelle: Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts. Die Seite ist wirklich sehenswert!
Lästermäuler behaupten übrigens, es habe nur deshalb ein Elisabethfenster in der Kirche gegeben, weil die Schwester des damaligen Pfarrers zufällig heute auch Namenstag gehabt hätte...

Freitag, 18. November 2011

Nepomuks Freitagsweisheiten

Eine Woche voller Gespräche, Sitzungen, Versammlungen und Arbeitskreisen ist nun (fast) um. Heute sind es eigentlich nur noch vier feste Termine die auf mich warten. Zeit für mich oder fürs Beten? Wenig. Ich kann nur die "eiserne Notration" empfehlen: Im Auto auf dem Weg zwischen zwei Terminen Rosenkranz beten. Das entspannt ungemein. Außerdem finde ich es ja gut, wenn viel los ist und je nach dem wie man so eine Sitzung angeht, kommt ja auch etwas dabei heraus. Viel schlimmer wäre es, wenn es völlig beliebig wäre, ob ich da bin oder nicht, ob und was ich tue oder auch nicht. Aber auch das gibt es und das ist nicht schön...
Gestern habe ich im Kommentarbereich des letzten Posts versucht zu begründen, warum dick nicht schön ist. Ich möchte dazu noch ergänzen, dass ich das zunächst einmal direkt auf die Feier der Liturgie bezogen habe und der Seitenhieb auf Spitzenrochettes und Baßgeigen (manche Fotos auf den Seiten diverser Institute und Bruderschaften sehen allerdings wirklich zum Schießen aus), nicht bedeutet, dass es mit "Sackalben" besser wäre. Hier erhebt sich ja übrigens die alte Frage, ob bei der "Sackalbe" die Albe der Sack ist, oder ob der Sack in der Albe steckt. Nach meiner Erfahrung trifft gerade bei diesem Kleidungsstück meist beides zu...
Ähnlich ist es mit der Schönheit des "Selbstgezimmerten": Das meiste selbstgemachte im Gottesdienst wirkt neben einer klassischen römischen Oration wie eine Gelsenkirchener-Barock-Eiche-rustikal-Anbau-Wohnwand neben einem Designermöbel. Vielleicht irgendwie gemütlich, aber trotzdem unmöglich.

Allen einen guten Start ins Wochenende!

Mittwoch, 16. November 2011

Die Liturgie und die Schönheit

"Liturgie sollte stets das Schöne in sich haben, weil Schönheit eines der Mittel ist, die uns zu Gott hinführen. Etwas Schöneres spricht uns von Gott. In jedem Geschöpf lieben wir das, was es uns von Gott widerspiegelt. Das Schöne vermag in uns das Staunen zu wecken und uns zu einer Antwort hinzulenken, die nicht bloß vernunfthaft ist. Und das ist richtig so, da wir keine reinen Vernunftwesen sind, sondern vieles mehr. Die Liturgie sollte daher bisweilen und bei gewissen Anlässen ganz bewußt durch die Schönheit von Gott zu uns reden. Und Schönheit als ein Element der Liturgie wird eines von den Dingen sein, die das Religiöse in uns zum Leben erwecken, und eines der Mittel, die ihm zum Ausdruck verhelfen. Auf angemessene Form, Ordnung und Rhythmus ist nicht zu verzichten. Und es ist in der Tat betrüblich, dass so manches, was wir diesbezüglich tun, nicht wohlgetan wird."

aufgelesen bei: Basil Kardinal Hume, Gott suchen, 1979

Das Schöne ist nie hektisch, banal, schlampig, laut, selbstgezimmert, unvorbereitet, flach, aufdringlich, farblos, dick, ungepflegt, trostlos, langweilig...

Dienstag, 15. November 2011

Albert der Große: Glaube ist vernünftig

Zum heutigen Gedenktag des hl. Albert d. Großen mein Text für die Zeitung:


Albert stammte aus einem schwäbischen Rittergeschlecht und wurde um das Jahr 1200 geboren. Er studierte in Padua, wurde dort 1223 Dominikaner, und lehrte als Theologe in Köln, Hildesheim, Freiburg, Regensburg, Straßburg und Paris. Sein berühmtester Schüler war Thomas von Aquin. 1260 bis 1262  war er Bischof von Regensburg, 1274 nahm er am 2. Konzil von Lyon teil. Von dort kehrte er nach Köln zurück, wo er lehrte und schrieb, bis er schließlich 1280 starb. Albert beherrschte das ganze philosophische Wissen seiner Zeit, er erschloss dem christlichen Abendland die aristotelische Philosophie und wurde dadurch für Theologie und Philosophie bedeutend bis in unsere Zeit. Erst 1931 wurde er heiliggesprochen und zum Kirchenlehrer erhoben. Sein Grab befindet sich in der Dominikanerkirche St. Andreas in Köln.


Albert schreibt einmal: „Die vornehmste Kraft des Menschen ist die Vernunft. Das höchste Ziel der Vernunft ist die Erkenntnis Gottes.“ Die Theologie lehrt, dass der Mensch Gott mit den Mitteln der natürlichen Vernunft erkennen kann. Ein großes Anliegen von Papst Benedikt XVI. ist: Glaube und Vernunft gehören zusammen. Vielen Menschen fällt das heute schwer zu begreifen. Glaube scheint nur noch die subjektive und rein gefühlsmäßige innere Erfahrung von irgendetwas zu sein, die Vernunft beschränkt sich auf die Mathematik. Beiden, Glauben und Vernunft, tut diese Reduktion nicht gut, weil sie neben manchem anderen z.B. die menschliche Erfahrung ausklammert.
Glaube, zumindest der christliche, ist eine ziemlich vernünftige Angelegenheit. Und dafür muss man seinen Kopf benutzen. Vielleicht sind ja deshalb Esoterik und manche fragwürdigen Formen von Selbsterfahrung so attraktiv, weil sie direkt ins Gemüt gehen. Aber ehrlich, liebe Leserinnen und Leser, möchten wir nicht in den anderen Dingen des Lebens auch einen klaren Kopf behalten? Dann sollte das auch für den Glauben gelten. Ich kann Ihnen da das Christentum wirklich nur empfehlen.

Montag, 14. November 2011

Immer montags: Der ganz normale Wahnsinn

Montag ist immer der Tag, an dem man die nichtklerikalen Kollegen wiedertrifft und man sich hier und da darüber austauscht, wie es denn sonntags in der Messe war. Die einen berichten vom Stufenwechsel der Pfadfinder im Hochamt, wo zwei Leitern mit einem Brett dazwischen vor dem Altar aufgebaut waren und alle wechselnden Kinder und Jugendlichen, ob sie wollten oder nicht, über dieses Brett klettern mussten. Die Leute in der Kirche mussten wie seit 40 Jahren bei "Flinke Hände, flinke Füße" aus den Bänken herauskommen, sich anfassen und begeistern. Der Zelebrant lief mit der Gitarre im Mittelgang auf und ab, der Diakon klatschte unentwegt in die Hände. Andere wiederum berichten von der Predigt des Dechanten beim Kirchenchortag, bei der es darum ging, dass der Knecht mit dem vergrabenen Talent es aus Angst vor der Obrigkeit versteckt habe und es den Laien in der Kirche heute noch genauso geht.
Ich kann und will das gar nicht alles kommentieren. Ich kann nur jeden verstehen der zuhause bleibt.

Sonntag, 13. November 2011

Hat Erich Fromm "Weltbild" gekannt?

"Die uneingeschränkte sexuelle Befriedigung gehört zu den Charakterzügen des Kapitalismus des zwanzigsten Jahrhunderts genau wie das Bedürfnis des Massenkonsums und der Grundsatz, dass jedes Verlangen auf der Stelle befriedigt werden muss und kein Wunsch versagt werden darf (...) Die meisten dieser Begierden sind künstlich erzeugt, selbst die sexuelle Begierde ist bei weitem nicht so natürlich, wie man behauptet."

Gefunden bei Erich Fromm.
Und jetzt noch das nachgeholte "Muck-Foto der Woche":