Montag, 27. Juni 2011

Doch noch ein kurzer Nachtrag...

Da ja heute der Gedenktag der hl. Hemma von Gurk ist, noch zwei Bilder aus dem wirklich sehenswerten Dom zu Gurk:


Schön ist es auch anderswo...

Hier gibt es jetzt ein paar Tage Pause, denn Urlaub ist angesagt!
Als "Trost" ein paar Bilder aus Altenberg, denn ohne den BDKJ ist es da eigentlich auch wunderschön und die Gottesdienste sind liturgisch und musikalisch richtig gut.



Samstag, 25. Juni 2011

Was darüber hinaus ein "Mitbruder" sein soll, wissen wir nicht

Gerade habe ich den Aufruf der 300 österreichischen Pfarrer gelesen. Eigentlich ist der so flach, dass man sich damit gar nicht beschäftigen müsste (oder wirft er ein fahles Licht auf das allgemeine Niveau der Unterzeichner? - Das wäre natürlich interessant nachzuverfolgen...). Der Aufruf wirkt, als wenn ein bockiges Kind mit dem Fuß aufstampft. Irgendwie finde ich es schon wieder lustig, zumindest musste ich beim Lesen still in mich hineingrinsen und stellte mir vor, wie die Herren in den schlechtsitzenden grauen Anzügen in ihren großzügigen barocken Pfarrhöfen sitzen und vor revolutionärer Erregung unruhig auf dem Kanapee hin- und herrutschen. 
In einem haben sie aber recht: "Was darüber hinaus ein Mitbruder sein soll, wissen wir nicht". - Ich fand dieses Wort "Mitbruder" auch schon immer komisch. Vor allem wenn es noch mit "Lieber M." davor verbunden ist, ist das immer Grund zu höchster Vorsicht. Denn dann kommen meistens in vordergründige Freundlichkeit oder beißende Ironie verpackte Unverschämtheiten. Sich als "Kollege" anzureden, finde ich passt aber auch nicht: Das sollten eigentlich nur die tun, die richtig malochen...
Und übrigens fehlt noch Forderung Nummer acht:

"Wir werden von dieser rückwärtsgewandten und reformunfähigen Institution Kirche kein Geld mehr annehmen. Wir lassen uns nicht weiter mit Geld korrumpieren. Nach dem Vorbild Jesu verzichten wir solange auf unser Gehalt, bis sich in Kirche etwas ändert."

Warum macht das eigentlich keiner?

Freitag, 24. Juni 2011

Zum Hochfest das passende Tischgebet!

Ein Consemester betete einst im Priesterseminar am Hochfest Johannes des Täufers:

"Herr, unser Gott, du hast den heiligen Johannes den Täufer in der Wüste mit Heuschrecken und wildem Honig gespeist. Segne auch was uns heute bereitet ist, durch Christus, unseren Herrn. Amen."

Was es genau zu essen gab weiß ich nicht mehr...

Einst in härenem Gewande, standest an des Jordans Strande...

Wo und in welchen Punkten findet sich der heutige Leser von Johannes dem Täufer angesprochen? Es sind im wesentlichen drei Typen: Johannes, der prophetische Rufer, Johannes der Christuszeuge, und Johannes, der verunsichert Fragende.
Dieser Mann, der da aus der großen Vergangenheit Israels kommend das Ende der Zeiten ausrief, das Gericht ansagte und in einem dramatischen Appell Bekehrung und Hinwendung zu Gott einforderte, dieser große jüdische Prophet hat ja in seinem Leben selbst eine entscheidende "Bekehrung" vom Letzten (vor dem Gericht) zum Vorletzten (vor dem Menschensohn-Richter) erfahren. Das "Ende" kam anders als von Johannes angekündigt, die Geschichte ging weiter und wendete sich dem zu, der nach ihm kam und größer ist. Aber trotzdem: Johannes ist als Rufender ein archetypisches Modell für heute. Jede Zeit ist letzte Zeit. Wir brauchen prophetische Rufer, welche Herzen aufrütteln und das Augenmerk auf das Kommende und den Ankommenden hinlenken. Männer und Frauen wie Johannes sind gefragt.
Die große Wende erlebte Johannes in dem Augenblick, als er den Kommenden - Gott selbst? den Menschensohn? - in Jesus von Nazareth bei der Taufe erkannte. Dies war nicht nur für Jesus, sondern auch für den Täufer eine einschneidende Erfahrung. Ist es richtig, dass Johannes theologisch erst von Jesus her verstanden werden kann? Die Männer des Neuen Testaments haben es so gesehen, Matthias Grünewald hat in seinem Kreuzigungsbild mit dem auf Christus, das Lamm Gottes weisenden Johannes das klassische Paradigma geliefert. Suchende brauchen zu allen Zeiten Wegweiser, lebende Signale, Begleiter und Orientierungshelfer, Johannes der Täufer ist so gesehen auch heute der Rufer, von dem die Propheten gesprochen haben.
Das dritte Zeitzeichen ist der Verunsicherte und Fragende: "Bist du es, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?" (Mt 11,3 par). Das Bild des Suchenden ist nicht Antithese, wohl aber spannungsgeladener Kontrast zu dem zeugnisgebenden Mann mit dem ausgestreckten Finger. Die gegenwärtige Situation der Christen ist hier in dem Fragenden und Verunsicherten vorgezeichnet. Man könnte lange philosophische Überlegungen über das Suchen und den Sucher anstellen. Wissenschaftliches Forschen gehört hierher, das Weitertasten von bruchstückhaftem Erkennen zu neuen Einsichten und das bohrende Fragen nach Sinn. Das Problem des Johannes sitzt tiefer: Verunsicherter Glaube wird hier vorgeführt, nicht anklagend und warnend, sondern eher mit Verheißung: "Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt" (Mt 11,6). Das Wort eines anderen Großen an der Zeitenwende, des greisen Simeon, von dem Lukas in der Kindheitserzählung Jesu berichtet, führt in die Tiefe und gibt Hoffnung: "Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird" (Lk 2,34). Johannes der Täufer ist nicht zu Fall gekommen, aber wurde er aufgerichtet? Die Frage bleibt unbeantwortet. Ein Suchender - das ist nicht wenig!

Gefunden bei: Josef Ernst, Johannes der Täufer, Freiburg 1994, 161 ff.
Prof. Dr. Josef Ernst war bis 1994 Lehrstuhlinhaber für Neues Testament an der Theologischen Fakultät Paderborn

Sankt Johannes, hoch in Gnaden...

Die ursprüngliche Hauptkirche meiner Heimatstadt ist dem hl. Johannes dem Täufer und dem hl. Dionysius geweiht. Die Patrozinien weisen auf das Alter der Kirche hin: Bei Johanneskirchen hat man es meist mit Missions- bzw. Taufkichen zu tun, der hl. Dionysius (Bischof von Paris) war sozusagen der fränkisch-karolingische "Hausheilige". Die geschichtliche Forschung nimmt an, dass das Dionysius-Patrozinium von einer ursprünglichen fränkischen Königshofkapelle stammt und der hl. Johannes bei der Erhebung zur Pfarrei hinzugekommen ist. Die Ursprünge der Kirche werden also im 9. bzw. frühen 10. Jhdt. vermutet. Der erste Pfarrer wird dann 1214 erwähnt. Von der alten Kirche ist aufgrund von Reformation, Umbauten und Kriegszerstörungen nicht viel übriggeblieben, auch wenn sie immer noch eine Mitte des Stadtzentrums darstellt.

Als die Katholiken nach großen Auseinandersetzungen endlich 1848 eine eigene Kirche bauen konnten, trug eine der 1850 angeschafften Glocken die pragmatische Inschrift:

"St. Johannes!
Rufe laut
Daß ein Hirt und eine Herde
Bald auch an dem Orte werde,
Der Dir einstens war vertraut!"

Ob man das heute in Zeiten von "Öku-Sprech" noch so sagen kann?

Donnerstag, 23. Juni 2011

Manches können nur Konvertiten: "Frohnleichnams-Segen"

„Frohnleichnams-Segen“

Der Heiland zieht voll Liebe
Die Straßen ein und aus,
Und mancher denkt: Ach bliebe
Er ganz in meinem Haus!“

Getrost, ihr lieben Seelen,
kehrt Er auch Selbst nicht ein,
So sind doch nicht zu zählen
Die Gnadengaben Sein,

Die Gaben, die Er leise
Euch heut’ ins Fenster legt, -
Das ist seine Weise,
Die stets zu segnen pflegt!

Hier blickt vom Krankenbette
Ein Aug’ zum Arzt der Welt, -
Die dunkle Leidensstätte
Auf einmal Licht erhält!

Dort sieht in heißen Tränen
Herab ein wundes Herz, -
Er stillt das bange Sehnen,
Und heilt den bitter’n Schmerz

Im kleinen Fenster dorten
Weint still ein Waisenkind, -
Er spricht mit Trostesworten
In’s Herz ihm lieb und lind!

Hier fallen Mutter-Zähren
Auf einen Todtenschrein, -
Er naht – und schon verklären
Sie sich zu Edelstein!

Dort wohnen Noth und Mängel
Im Kämmerlein so arm,
Er schickt des Trostes Engel
hinein, und wehrt dem Harm!

Ein schuldbeflecktes Leben
Seufzt hier in Aengsten schwer,
Er spricht: „Dir ist vergeben,
Nun sündige nicht mehr!“

Bei Reichen wie bei Armen,
Wo nur ein traurig’ Herz,
Da heilt Er’s voll Erbarmen,
Bringt Hilf für allen Schmerz!

D’rum zieht an diesem Tage
Er durch die Straßen aus,
Daß mild zu Allen trage
Er Trost in Herz und Haus!

Das selbst die armen Herzen,
die sonst nicht zu Ihm geh’n,
Doch heut’in ihren Schmerzen
Sein süßes Antlitz seh’n!

Auf dass die ganze Erde
Er segne nah’ und fern,
Und daß er Allen werde
En Heils- und Hoffnungs-Stern!

O jubelt Ihm entgegen,
Dem wahren Gottessohn, -
Und fleht um Seinen Segen
Bei dieser Procession!!

Dieses schöne Gedicht stammt von Kordula Wöhler aus dem Gedichtband „Was das Ewige Licht erzählt – Gedichte über das Allerheiligste Altarssakrament“, unter dem Pseudonym „Cordula Peregrina“ erstmals 1893 in Innsbruck erschienen. Kordula Wöhler, 1845 in Mecklenburg geboren, war eine evangelische Pastorentochter, die nach langen Auseinandersetzungen 1870 zur katholischen Kirche konvertierte. Sie hat übrigens auch das bekannte „Segne du Maria“ verfasst. Manches können halt nur Konvertiten… (Und das meine ich ohne jede Ironie, sondern mit Respekt und Hochachtung)
Kordula Wöhler ist eine hochinteressante Persönlichkeit, bei Gelegenheit schreibe ich noch mehr dazu.

Allen einen schönen Fronleichnamstag!

Mittwoch, 22. Juni 2011

Und nochmal Fronleichnam

"Das überzeugende persönliche Bekenntnis ist durch nichts zu ersetzen. Da kann manchmal der Metzgermeister, der beim Schützenverein mitmacht und vor niemandem seine Knie beugt, außer vor Gott - auch öffentlich bei der Fronleichnamsprozession - einen jungen Menschen eher zum Glauben bringen als manches gelehrte Buch."

Gefunden bei Manfred Lütz, Der blockierte Riese, Augsburg 1999, 133

Mich rührt diese Stelle immer irgendwie an, dieser Metzgermeister hat begriffen worum es geht. Wie wäre es mit einer neuen Initiative: "Mehr Metzger ins ZdK!" ???

Fronleichnam 1969

Beim Nachdenken über Fronleichnam fiel mir wieder die folgende Anekdote von Dieter Hattrup ein. Die hat er immer zu Beginn der Vorlesung über die Eucharistie erzählt, um dann hinterher mit "Transsignifikation" und "Transfinalisation" ins Gericht zu gehen. Die Geschichte ist wie gesagt nicht ganz neu und vielleicht auch bekannt, lesenswert ist sie allemal:

"Ich gehörte zum ersten Kurs der Theologenschaft im Collegium Borromaeum in Münster. Zum Fest Fronleichnam 1969 machten wir einen Ausflug, an den ich mich gut erinnern kann, der mir unauslöschlich in die Glieder gefahren ist.
In einem Bus ging es mit etwa sechzig Studenten von Münster aus durchs westliche Münsterland, am Niederrhein entlang, nach Nimwegen. Überall in den kleinen Dörfen sah man die Vorbereitungen zur Fronleichnamsprozession oder diese Prozessionen selber. Fähnchen wurden aufgestellt, viel Gelb war dabei, kleine Straßenaltäre standen geschmückt am Wegesrand, Kreuze und Heiligenfiguren auf Fenstersimsen und in Haustüren. Und wir neuen Theologen des 1. Kurses saßen, - irgendwie mit dem Bewußtsein, daß durch uns die Erneuerung der Kirche kommen werde, denn wir waren auf der Fahrt nach Holland -, hinter den Fensterscheiben des Busses und besahen uns das volkskirchliche Treiben. Gelegentlich diskutierten wir auch über die Zukunft der Volkskirche und sahen keine, wobei mir nie deutlich wurde, ob wir das Ende der Volkskirche zu sehen meinten oder ob wir es zu sehen wünschten. Draußen zogen die bunten Fahnen vorüber, die fernen Prozessionen, ich sah den überblauen Himmel, die saftig-grüne Saat auf den Feldern, und wußte, daß ich jedenfalls heute in keiner Prozession mitgehen würde. Schon längere Zeit war mir die Frömmigkeit in der Öffentlichkeit etwas peinlich geworden, die letzten zwei, drei Jahre hatte ich die Prozession ohne mich ziehen lassen. Deshalb gefiel mir die Fahrt anfangs recht gut, denn wir waren jetzt dabei, uns ein gutes und fortschrittliches Gewissen zu holen. Was an Unruhe und Befremden noch in uns lag, hofften wir bald ganz auszulöschen.
Denn Nimwegen liegt in Holland und Fronleichnam ist dort kein staatlicher Feiertag. Aber die Tatsache war es nicht allein, daß wir zu keiner Prozession kamen. Es schien, daß wir auch nicht wollten oder daß etwas in uns war, das bewirkte, daß wir nicht wollten. Auf der Suche nach dem Neuen erschien und dieser mittelalterliche Frömmigkeitsbrauch wie ein Hindernis auf dem Weg in die Zukunft. Es gab allerdings eine Eucharistie-Feier in Nimwegen, eine Messe von der merkwürdigen Art. In einem größeren Raum, viereckig, standen ein paar Hocker, ein kleines Tischchen, darauf ein Korb mit langem Weißbrot nach Art der französischen Baguettes und ein kleiner Krug mit Wein. Einige von uns, aber auch zwei oder drei der Patres, deren kleinen Konvent wir besuchten, saßen auf Hockern, ein paar von uns hatten sich auch gleich auf dem Boden gelagert, den Rücken an die Wand gelehnt und die Beine bequem in den Raum gestreckt. Es war ganz gemütlich hier, ungezwungen und durchaus lässig, könnte man sagen. Und so sollte es auch zugehen. Aber mir wurde - sit venia verbo - nicht heimelig, sondern plötzlich überfiel mich eine Düsternis, mir wurde sehr unheimlich zumute. Die Knie begannen zu zittern, das Herz pochte heftig, der Schweiß trat mir auf die Stirn. Und nochmals - man möge mir verzeihen, aber ich konnte einfach nicht anders -, ich stand auf, stürzte hinaus, war auf der Straße und konnte da wieder etwas Luft schöpfen und ruhiger atmen. Ein Kurskollege kam mir nach, und bald waren wir beide uns einig, daß diese Modernität wohl kaum der Weg in die Zukunft sein könnte. Die anderen Kurskollegen blieben, wo sie waren. Die wenigsten von ihnen wurden Priester, von den sechzig vielleicht zwölf; mein Kompagnon ist heute Professor für Dogmatik in Bonn."
Tja, was soll man dazu sagen?

Dienstag, 21. Juni 2011

Immer aktuell: Thomas Morus

Morgen ist der Gedenktag des hl. Thomas Morus. Dazu könnte man ja vieles schreiben. Heute gibt es noch einmal ganz unkonventionell Hans Conrad Zander. Der schreibt mehreres zu Thomas Morus, hier etwas Kurzes aus "Kleine Frühstücksweisheiten" von 1996:

Lob der Feigheit

Wie soll ein Christ sich eigentlich verhalten, wenn er in schlechten Zeiten einen schlechten Arbeitgeber hat?
Der heilige Thomas Morus hatte den schlechtesten Arbeitgeber, den man sich vorstellen kann: Er war Kanzler Heinrichs VIII. Das ist der König, der die Arbeitslosigkeit dadurch bekämpft hat, dass er alle "Bettler" Englands am Straßenrand aufhängen ließ. Als Thomas Morus den Mut hatte, sich ganz allein gegen die Willkür des Königs zu stellen, bekam er nicht etwa nur die Kündigung. Er musste aufs Schafott.
Das ist bekannt. Unbekannt geblieben sind die letzten Gedanken, die Thomas Morus vor seiner Enthauptung aufgeschrieben hat.
Die Welt, so schreibt der Heilige, sei voll von großen Mäulern, die dem schwachen Untertan raten, sich von einem mächtigen Herrn nur ja nichts bieten zu lassen. Von solchem Maulheldentum halte er nichts. Im Gegenteil. Er selber habe sich lange vieles bieten lassen. Und er halte diese "Ängstlichkeit" des Schwächeren für gut. Unverantwortlich nämlich gegen sich und seine Familie handle, wer sich anlegt mit einem Mächtigeren. Solcher Mut sein nur geboten aus ungewöhnlich schweren und ungewöhnlich gut überlegten Gründen des Gewissens. Sonst nicht. Sonst handle der Schwächere richtig, wenn er sich in schlechteren Zeiten dem Mächtigeren fügt.
Worte des heiligen Thomas Morus. Wenn Sie jetzt gleich zur Arbeit fahren, so sprechen Sie, in diesen schlechten Zeiten, ein Stoßgebet zu ihm.

Allen einen schönen Arbeitstag morgen ;)

Fronleichnam im Ruhrgebiet

Ich hatte ja bei der Eröffnung dieses Blogs mitgeteilt, dass ich unter dem Titel "Vorgestellt-Nachgedacht" auch regelmäßige Beiträge für eine kleine 14-tägig erscheinende Zeitung schreibe. Dies ist jetzt der Beitrag zu Fronleichnam:

Fronleichnam im Ruhrgebiet: Erinnern Sie sich noch, liebe Leserinnen und Leser? Da zog die große Prozession mit so ziemlich allem, was der katholische Prunk aufzubieten hatte durch die mit Fahnen und Blumen geschmückten Straßen. Eifrige Messdiener in allen Farben mit Kerzen und viel Weihrauch, selbstbewusste Bannerträger der Vereine, stolze Kommunionkinder in ihrer Festkleidung und würdige Herren des Kirchenvorstands in schwarzen Anzügen und weißen Handschuhen, die den Baldachin trugen zum Schutz des Allerheiligsten Sakramentes, das der Priester in einer kostbaren Monstranz mit aus Ehrfurcht durch ein Velum verhüllten Händen trug. Eine Blaskapelle spielte die altbekannten Sakramentslieder zu deren Takt sich langsam schreitend die ganze Prozession bewegte. Zurück in der Kirche gab es dann das dreimal gesteigerte „Ecce panis angelorum – Seht das Brot der Engel“, das „Te deum“ bei dem alle Glocken läuteten und nach dem abschließenden sakramentalen Segen freuten sich alle auf das wohlverdiente Bier im Pfarrgarten. Die Evangelischen hatten frei und schauten sich, meist im Unterhemd und auf das Paradekissen im Fenster gestützt, das ganze Spektakel wohlmeinend an und dachten, dass Katholiken wohl doch von einem anderen Stern stammen müssten.

Ich schreibe das nicht ohne Wehmut, denn so etwas gibt es nicht mehr oft. Und das Schlimme ist: Vieles haben wir Katholiken uns selber in hektischer Modernität kaputt gemacht. Alle vermeintlichen Reformer reden davon, dass Kirche „anschlussfähig“ sein muss. Natürlich, das stimmt auch. Aber meine Sorge ist, dass wir nicht mehr kontrastfähig sind, und das finde ich noch viel schlimmer. Setzen wir nicht inzwischen als Kirche in vielem einfach nur den bürgerlich-banalen Alltag gutmenschlich-pädagogisch fort? Ist denn nicht die zweitausendjährige Geschichte dieser Institution mehr Anlass zur selbstbewussten Freude dazuzugehören, als zur weinerlichen Betroffenheit? Provokant? Ja, aber das soll es auch sein! Es geht nicht um Überheblichkeit, erst recht will ich nicht Missstände unter den Teppich kehren, das läge mir völlig fern. Was mir aber wichtig ist: Wenn Sie Christ sind, egal ob katholisch, evangelisch oder orthodox, seien Sie stolz darauf und freuen Sie sich darüber! Sie haben Grund genug.

Montag, 20. Juni 2011

Aloisius Gonzaga

Morgen ist der Gedenktag des hl. Aloisius Gonzaga. Jetzt könnte man über diesen vorsichtig gesagt etwas exaltierten Heiligen eine ganze Menge schreiben. Das können aber andere besser, z.B. Hans Conrad Zander in seinem schönen Buch "Wie der Erzbischof von Köln heiraten musste" von 1995.
Das Kapitel über Aloisius ist betitelt: "Wie der heilige Alois ein neuer Mann wurde - Worin wir lernen, alte Männer ins Grab zu bringen". Das Buch kann ich, wie eigentlich das meiste von Zander, nur empfehlen.
Den ganzen Text wiederzugeben ist hier zu lang, nur kurz etwas Nettes aus dem Schluss: "Und selbst für jene unter uns, verehrte Leser, die hoffnungslos den Sünden des Fleisches verfallen scheinen, gerade für sie ist heute noch Zuflucht, ist heute noch Trost beim heiligen Alois. Richtig schön sind die Sünden des Fleisches ja nur, wenn man sie nachher auch richtig schön bereut."
Leise Ironie? Der "Mannesjugend" gerade den hl. Aloisius als Vorbild in gewissen Dingen an die Seite zu stellen, war wohl wirklich keine richtig gute Idee...
Vor einigen Jahren habe ich eine alte zerschlissene Vortragefahne mit dem Bild des Heiligen geschenkt bekommen. - Wie auch immer, heiliger Aloisius, bitte für uns!

Sonntag, 19. Juni 2011

Sonntäglicher Ausflug

Heute war ich aus familiären Gründen im Dortmunder Osten zur Messe, und zwar in St. Nikolaus von Flüe. Das Foto ist zwar nicht richtig was geworden, aber dafür war die Messe sehr schön, die Predigt sehr gut und das Geläut der Kirche wirklich außergewöhnlich. Die Kirche für das damalige Neubaugebiet Neuasseln, die sog. "Funkturm-Siedlung", stammt aus den Jahren 1965/66 vom Architekten Bruno Haupt, die Inneneinrichtung von verschiedenen Künstlern wie z.B. Walter Grüntgens, Josef Enzinger, Leo Janischowski oder den im Erzbistum Paderborn recht bekannten Gebr. Winkelmann aus Günne a.d. Möhne.
Natürlich, die Kirche ist jetzt architektonisch oder künstlerisch nicht richtig was dolles. Aber, und das ist wichtig, die Kirche war sehr aufgeräumt und gepflegt, es gab keine kaputten Glühbirnen oder abgelaufenen Plakate, dafür ausgewählten Blumenschmuck, eine durchdachte Liedauswahl, einen gut vorbereiteten und ernsthaft konzentrierten Pfarrer und eine engagierte Gottesdienstgemeinde. Und das, liebe Leserinnen und Leser, trifft man auch nicht unbedingt in jeder Domkirche...  
Zu den Glocken heißt es in der Beschreibung: "Besonders stolz ist die Gemeinde heute auf das im Erzbistum Paderborn einzigartige Geläut der im Turm aufgehängten fünf Glocken, deren Läutegeschwindigkeit mit der Eigenschwingzahl des 29 Meter hohen Kirchturms korrespondiert."

video

Samstag, 18. Juni 2011

Das Samstagsrätsel: Bruch oder Kontinuität?

Jetzt kommen drei Bilder aus meiner Heimatpfarrkirche:




Und jetzt die Preisfrage: Wann sind diese Bilder aufgenommen?
Die (traurige) Lösung: 1950, 1960, 1970.

Die Kirche hatte, abgesehen von den Fenstern, so gut wie keine Kriegsschäden im Innenraum. Zwischen diesen drei Bildern liegen gerade mal 20 Jahre, aber drei Pfarrer und ein Konzil...
Wenn ich es mir gerade so überlege wäre die eigentliche Preisfrage: Was ist schlimmer? ;)

Zum Schluss noch ein interessantes Bild das wahrscheinlich von 1969 stammt.


Hier hat man dann schon den noch nicht einmal zehn Jahre alten Hochaltar außer Betrieb genommen und einen Tisch aus dem Pfarrheim davorgestellt. Außerdem hat man aus einem Notenständer so eine Art Ambo improvisiert und ein Kelchvelum darübergehängt... - Was für ein Aufbruch!

Allen einen schönen Feiertag morgen!

Freitag, 17. Juni 2011

Zum Hochfest Dreifaltigkeit am Sonntag

Viele Liturgiewissenschaftler sind nicht ganz unberechtigt der Meinung, dass die Vorschrift in der alten Liturgie, an allen Sonntagen ohne Eigenpräfation (und das waren außerhalb der geprägten Zeiten ja die meisten) die Präfation von der allerheiligsten Dreifaltigkeit zu verwenden, zu einer Akzentverschiebung zuungusten des sonntäglichen Ostergedächtnisses geführt hat. (Mir fällt dabei der wunderbare Wallfahrtsort im Mostviertel ein, bei dem es um die allerheiligste Dreifaltigkeit geht und der bezeichnenderweise "Sonntagberg" heißt.) Von daher sehen die Liturgiewissenschaftler auch den Dreifaltigkeitssonntag als "Ideenfest" eher kritisch. Kann man, muss man aber nicht.

Trotzdem: Wie kann ich mich denn dem Geheimnis der Dreifaltigkeit nähern?

Mir gefällt der Ansatz des hl. Irenäus von Lyon (+202) ganz gut:

Der dreifaltige Gott wirkt in der Welt so wie einer, der ihr gegenübersteht und mit seinen beiden Armen in ihr sein Werk verrichtet. Gott, der Vater, steht der Welt immer als der Heilige gegenüber. Er wurde nicht Mensch wie der Sohn und auch nicht ausgegossen wie der Hl. Geist am Pfingsttag. Der Sohn und der Hl. Geist sind nach Irenäus "die Arme des Vaters" mit denen er die Welt erlöst. Für uns im Bild gesprochen heißt das: Wenn ich einen anderen Menschen liebe, heißt das ja nicht, dass ich zwar an ihn denke, ihm aber ansonsten teilnahmslos gegenüberstehe. Ein wesentlicher Ausdruck der Liebe ist dann die Zärtlichkeit, die Nähe und auch die Umarmung. Und so eben auch bei Gott. Weil er der Welt und uns Menschen nicht teilnahmslos gegenübersteht, sondern sie liebt, umarmt er sie im Sohn und Hl. Geist. Wir können Gott nur als Vater anreden, weil der Sohn uns das gelehrt hat und der Hl. Geist uns dabei hilft. Wie ich meine Arme öffne und sie jemandem entgegenstrecke den ich liebe, so streckt sich Gott uns entgegen im Sohn und im Hl. Geist.
Und das Leben, unser Alltag? Wie das Wesen der drei göttlichen Personen untereinander die Liebe ist, so sind sie auch selbst Ausdruck der Liebe zur Welt und zu uns Menschen. Aus Liebe ist der Sohn Mensch geworden, aus Liebe hat er Leiden und Tod auf sich genommen, aus Liebe ist der Hl. Geist in unsere Herzen ausgegossen um uns einen Weg zum Vater zu öffnen.
Durch Christus und im Hl. Geist schließt uns der Vater in seine Arme. Das bedeutet doch für mich: Mit allen meinen Nöten, Sorgen und Problemen, mit allem mich niederdrückt kann ich zu Gott kommen und er schließt mich in seine Arme. Ich darf mich mit meinem ganzen Leben der liebenden Umarmung Gottes anvertrauen.
Mein Wunsch und Tipp: Diesen Gedanken häufiger denken, ich lerne mein Leben mit anderen Augen zu sehen!

Morgenstimmung

Heute morgen habe ich ausnahmsweise die seltene Gelegenheit etwas später mit der Arbeit anfangen zu können. Und da habe ich versucht, einmal etwas Morgenstimmung im Garten einzufangen:


Allen einen guten Start ins hoffentlich schöne und erholsame Wochenende!

Donnerstag, 16. Juni 2011

Hören und staunen...

Wer noch nicht da war hat etwas verpasst!


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„Was kann man, was soll man den Menschen sagen?“

Ach, Herr General, es gibt nur ein Problem, ein einziges in der Welt. Wie kann man den Menschen eine geistige Bedeutung, eine geistige Unruhe wiedergeben; etwas auf sie herniedertauen lassen, was einem Gregorianischen Gesang gleicht! Hätte ich den Glauben, stünde es fest, dass ich, sobald diese Zeit des „notwendigen und undankbaren Jobs“ vorüber ist, nur noch Solesmes ertragen könnte. Sehn Sie, man kann nicht mehr leben von Eisschränken, von Politik, von Bilanzen und Kreuzworträtseln. Man kann es nicht mehr. Man kann nicht mehr leben ohne Poesie, ohne Farbe, ohne Liebe. Wenn man bloß ein Dorflied aus dem 15. Jahrhundert hört, ermisst man den ganzen Abstieg. Es bleibt nur die Stimme des Propagandaroboters (verzeihen Sie). Zwei Milliarden Menschen hören nur noch auf den Roboter, verstehen nur noch den Roboter, werden eines Tages selber zu Robotern.
Es ist mir ganz gleich, ob ich im Krieg umkomme, Was wird denn von dem bleiben, was ich liebte? Ich spreche nicht nur von den Menschen, sondern auch von den Bräuchen, den unersetzlichen Akzenten, von einem gewissen geistigen Licht. Vom Frühstück in einem provenzalischen Bauernhof unter Ölbäumen, aber auch von Händel. Die Dinge, die erhalten bleiben, die sind mir ganz gleichgültig. Worauf es ankommt, das ist eine gewisse Anordnung der Dinge. Die Kultur ist ein unsichtbares Gut, da sie nicht die Dinge betrifft, sondern die unsichtbaren Bande, die die Dinge miteinander verknüpfen: so und nicht anders. Man wird vollkommene Musikinstrumente in großen Serien an uns verteilen, doch wo wird der Musiker bleiben? Wenn ich im Krieg umkommen sollte, kümmert mich das wenig. Oder wenn ich der Raserei jener fliegenden Torpedos zum Opfer fallen sollte, die nichts mehr mit Fliegerei zu tun haben und den Piloten inmitten seiner Knöpfe und Zifferblätter zu einer Art Buchhalter machen (auch die Fliegerei ist eine gewisse Anordnung von Verknüpfungen).
Doch falls ich lebendig heimkehre von diesem „notwendigen und undankbaren Job“, dann wird sich für mich nur ein Problem stellen: Was kann man, was soll man den Menschen sagen?

Gefunden bei: Antoine de Saint-Exupéry, Brief an einen General, Bd. 3

Mittwoch, 15. Juni 2011

Kaum dabei...













Na so eine Freude! Einen ganz herzlichen Dank an Weihrauchschnüffler für den wahrlich unverdienten Preis und auch allen anderen lieben Dank für die schönen Willkommensgrüße und -wünsche! Das motiviert, tut gut und ich glaube, ich habe endlich mal ein sinnvolles Hobby gefunden! DANKE

Hier steht, wie das mit der Award-Verleihung funktioniert:
Erstelle einen Post, in dem du das Award-Bild postest und die Anleitung reinkopierst (= dieser Text). Außerdem solltest du zum Blog der Person verlinken, die dir den Award verliehen hat und sie per Kommentar in ihrem Blog informieren, daß du den Award annimmst und ihr den Link deines Award-Posts hinterlassen. Danach überlegst du dir 3- 5 Lieblingsblogs, die du ebenfalls in deinem Post verlinkst & die Besitzer jeweils per Kommentar-Funktion informierst, daß sie getaggt wurden und hier ebenfalls den Link des Posts angibst, in dem die Erklärung steht.
Liebe Blogger: Das Ziel dieser Aktion ist, daß wir unbekannte, gute Blogs ans Licht bringen. Deswegen würde ich euch bitten, keine Blogs zu posten, die ohnehin schon 3000 Leser haben, sondern talentierte Anfänger & Leute, die zwar schon eine Weile bloggen, aber immer noch nicht so bekannt sind.

Pflichtlektüre für Führungskräfte

Morgen ist der Gedenktag des heiligen Benno. In der Lesehore findet sich ein Text aus der Pastoralregel Papst Gregor des Großen (+604). Dort geht es um den Dienst des Vorstehers und einen besonders lesenswerten Abschnitt möchte ich zitieren:

"Das Denken des Vorstehers muss lauter, sein Handeln beispielhaft, sein Schweigen taktvoll, sein Reden nutzbringend sein. Allen Menschen sei er durch sein Mitleid nahe, mehr als alle in Betrachtung vertieft; denen, die Gutes tun, sei er ein Freund. Im Eifer für die Gerechtigkeit sei er aufrecht gegenüber dem Sünder und seinen Fehlern. Über der äußeren Beschäftigung vernachlässige er nicht die Sorge für das innere Leben. Bei aller Sorge für das Innere höre er nicht auf, sich auch um das Äußere zu kümmern.
Oft meint der Vorsteher wegen seiner hohen Stellung, er sei über alle erhaben. Weil ihn seine Untergebenen mit Lob überschütten, wenn er etwas gut gemacht hat, weil keiner ihn zu tadeln wagt, wenn etwas schlecht ausgegangen ist, wenn sie ihn sogar dann noch loben, wo sie tadeln müssten, lässt er sich völlig in die Irre führen und zur Überheblichkeit verleiten. Von außen widerfährt ihm ungemessenes Lob, in seinem Innern aber geht ihm die Wahrheit verloren. Er vergißt sich selbst und hört nur auf das, was andere sagen. Er glaubt im Ernst, er sei der Mann, den man ihm schildert; nicht der, den ihm sein Gewissen vorhält. Er sieht geringschätzig auf seine Untergebenen herab und vergißt, dass er ihnen aufgrund der menschlichen Natur gleichsteht. Er hält sich für vorzüglicher als alle anderen, weil er mächtiger ist als sie. Er hält sich auch für weiser als die anderen, weil er mehr Macht hat als sie.
Der Vorsteher muss sich ständig bemühen, das Bewußtsein der Macht in seinem Innern zu zügeln, um so mehr, wenn diese nach außen sehr groß ist. Der Vorsteher darf sich nicht zu eitler Freude an der Macht verführen lassen."

Da kann man sich nur wünschen, dass sich so mancher auch mal die Texte der nicht gebotenen Gedenktage anschaut...

Dienstag, 14. Juni 2011

Zwei Orationen...

Morgen ist der Gedenktag des hl. Vitus, übrigens einer der 14 Nothelfer. Er hat eine ganz enorme Verehrungsgeschichte, seine "himmlischen Zuständigkeiten" füllen im LThK fast eine ganze Spalte. Hier möchte ich nur an die Übertragung seiner Reliquien in die Abtei Corvey im Jahre 836 erinnern. Außerdem fallen einem sofort Vierzehnheiligen und natürlich der "Veit von Staffelstein" ein!

Das Tagesgebet lautet:

"Barmherziger Gott, mit deiner Kraft hat der heilige Vitus in jugendlichem Alter die Qualen des Martyriums bestanden. Wir ehren sein Andenken und empfehlen dir alle, deren Glaube bedroht ist. Stärke sie in der Hoffnung und festige sie in der Liebe. Darum bitten wir durch Jesus Christus."

Ein schönes Gebet! Für die zu beten, deren Glaube bedroht ist, ist schon ziemlich wichtig und man liest es bei so mancher aktuellen Entwicklung in neuem Licht!

Aber so richtig klasse ist die "alte" Oration:

"Wir bitten dich, o Herr: gib deiner Kirche auf die Fürsprache deiner heiligen Märtyrer Vitus, Modestius und Crescentia die Gnade, nicht hochmütig zu denken, sondern, durch Demut dir wohlgefallend, voranzuschreiten; so wird sie dann das Böse verachten und alles, was gut ist, in ungehemmter Liebe vollbringen.Darum bitten wir durch Jesus Christus."

Da ist ja wohl auch was dran...

Für alle Kreationisten und Evolutionisten: Eigentlich ist es doch ganz einfach!

Schöpfungstheologie für Anfänger:

"Was wäre, wenn der Urknall nach hinten losgegangen wäre?" -
"Dann würden wir jetzt alle weiter hinten sitzen!"

Manchmal triffts Herbert Knebel einfach viel besser als so mancher Wissenschaftler...

Pfingstliche Nachlese - Beten im Geist Gottes

Der hl. Ignatius von Loyola erläutert am Schluss seines Exerzitienbuches die "Regeln zur Unterscheidung der Geister" aufgrund der Gnade und des Geschenks des Heiligen Geistes, der nun befähigt, im eigenen konkreten Leben den Willen Gottes zu finden in der Ordnung der ungeordneten Neigungen des eigenen Herzens und der ständigen betenden Zwiesprache mit Gott.
Daher ist die erste Wirkung des Heiligen Geistes das Gebet. Es ist eigentlich mehr Kommunikation als Gespräch. Der hl. Ignatius von Loyola nennt es "colloquium misericordiae", also so viel wie: Unterhaltung der Barmherzigkeit, und er präzisiert: "Christus unseren Herrn sich gegenwärtig und am Kreuz hängend vorstellen und ein Gespräch halten: wie er denn als Schöpfer dazu kam, sich zum Menschen zu machen und vom ewigen Leben zum zeitlichen Tod niederzusteigen und so für meine Sünden zu sterben. Dann den Blick auf mich selber richten und betrachten, was ich für Christus getan habe, was ich für Christus tue, was ich für Christus tun soll. Das Gespräch wird mit richtigen Worten gehalten, so wie ein Freund mit seinem Freunde spricht..." (Exerzitien Nr. 53)
Das Gebet ist also (vor jedem Sprechen) eine Weise der Gemeinschaft mit Gott, die Gott selbst durch den heiligen Geist ermöglicht. Hier ist dann eine Sicherheit des Lebens erreicht, die durch das eigene Sterben hindurch die Ewigkeit Gottes erahnen lässt. Das Leben steht ein für alle Mal unter dem Vorzeichen der Heiligkeit Gottes, die als eigene Berufung in guten und in schlechten Tagen übernommen wird.
So beschreibt es der Moraltheologe Klaus Demmer: "Wer sich in Gott geborgen weiß, der wird durch alle Dunkelheit seiner Lebensgeschichte hindurch eine unzerstörbare Gefasstheit des Geistes bewahren. Sein Glaube ist, durch Spiegel und Gleichnis, Vorausnahme endgültiger Schau Gottes von Angesicht zu Angesicht. Das Gebet hält die Erinnerung an diese Seligkeit wach. Darin liegt sein Erfolg beschlossen." (Gebet, das zur Tat wird, Freiburg/Br. 1989,93)
Das aber heißt zuletzt auch, zu beten um die Kraft des Geistes. Es ist die Bitte um den Geist Gottes, von dem es im Buch Jesaja heißt: "Der Geist Gottes des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Es hat mich gesandt, damit ich den Armen die frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe." (Jes 61,1-2) Christus selbst bezieht dieses Wort des Propheten auf sich (Lk 4,18-19) und jeder Christ darf und soll es auf sich selbst anwenden mit Hilfe der stillen Bitte um diesen Blick der aufmerksamen Liebe: Wohin sendet mich Gott? Wo kann ich ein zerbrochenes Herz heilen? Wo kann ich Not lindern? Wo wird durch mich das Gnadenjahr des Herrn sichtbar?

Gefunden bei Peter Schallenberg: Wer ist Gott und was machen wir wenn es ihn gibt? Augsburg 2010, 123ff.

Montag, 13. Juni 2011

Melancholischer Pfingstmontag

Vorhin haben wir mit unserer Choralschola im Hochamt gesungen: Introitus und Communio von Pfingsten, dazu Sequenz und Missa de angelis. Und die Messe war auf Latein. Eigentlich wars ganz schön und es ist gut, dass der Brauch, die Hochämter an den zweiten Feiertagen mit Schola und lingua latina zu feiern, immer noch beibehalten wird. Hinterher haben wir noch zusammen einen Kaffee getrunken. Wenn man sich dann so unterhält, wird mir zumindest immer deutlicher, dass wir uns als Kirche keinen Gefallen tun, wenn wir uns immer nur am Mittelmaß orientieren. "Die Leute verstehen es nicht - zu lang - zu schwierig - hat das Konzil abgeschafft (übrigens mein persönliches Lieblings-Haß-Argument) - brauchen wir doch nicht mehr usw.usw."
Michael N. Ebertz, der Pastoralsoziologe aus Freiburg, hat mal von den "religiösen Virtuosen" gesprochen, die in unseren Gemeinden nur sehr schwer einen Platz finden. Natürlich, Virtuosen sind immer nicht ganz einfache Persönlichkeiten, aber ist es nicht manchmal wirklich in unseren Gottesdiensten zu gutmenschlich-pädagogisch banal? Es wird immer davon gesprochen, dass Kirche "anschlußfähig" sein muss. Das stimmt auch, aber meine Sorge ist, dass sie nicht mehr "kontrastfähig" ist, und das finde ich ehrlich gesagt noch viel schlimmer...

Einen schönen Pfingstmontag!

Sonntag, 12. Juni 2011

Primiz

Gerade komme ich von der Primiz aus meiner Heimatgemeinde, puh! - Da ich den eingeladenen Festprediger kannte (man nennt ihn nur "die Schnecke", ein alter Herr um die 80, der aber immer noch das Feuer der Revolution in sich trägt - meint er zumindest -), wollte ich mir also die Predigt schenken und habe nach dem Läuten, immerhin mit allen vier Glocken, was bei uns sehr selten vorkommt, noch in aller Ruhe einen Kaffee getrunken, etwas gelesen, eine Zigarette geraucht und bin dann so ungefähr eine dreiviertel Stunde nach Messbeginn zur Kirche geschlendert, das sind zu Fuß 5 Minuten. Ich dachte wenn ich Glück habe, komme ich passend zur Gabenbereitung. Weit gefehlt: Der Festprediger berauschte sich immer noch am Glanz seiner Worte. Inhaltlich will ich da gar nicht drauf eingehen, das wäre eine neue große Baustelle. Zumindest wird deutlich, dass die Krise der Kirche vor allem auch eine ihrer Priester ist... (Ja,ja immer dasselbe: Auf dem läßt sich immer am besten rumhacken, der einem seit 60 Jahren monatlich brav das Gehalt und die Zusatzversorgungskasse zahlt... - Für richtige Revolutionen hat man sich dann halt doch recht kommod eingerichtet...)
Na ja, ich bin dann noch einmal draußen um die Kirche herumgelaufen. Dort habe ich dann die Fotoreporterin unserer lokalen Tageszeitung getroffen, die auch katholisch ist und die ich ganz gut kenne. Wunderbarer Dialog: "Das wird wohl noch nichts mit dem Foto, da wird immer noch gepredigt!" - "Echt? Was kann man denn so lange predigen?" - "Keine Ahnung, ich glaube es geht um den Heiligen Geist" - "Hm, ich glaub ich wär' schon eingeschlafen!"
Als ich wieder in die Kirche kam, trug gerade ein Vater seinen 3-jährigen Sohn nach draußen und sagte zu ihm: "Ich weiß auch nicht, warum der Onkel so lange redet..."
Meine Zuflucht war dann die Orgelbühne, wo ich auf drei gleichgesinnte und lange nicht mehr gesehene Freunde traf, das war wenigstens ein schönes Wiedersehen!
Predigt hin - Predigt her, hinterher wars im Rahmen der Möglichkeiten meiner Gemeinde (und der Rahmen ist nicht sehr groß) dann doch ganz nett. Die Leute haben weniger Probleme mit dem Priestertum als der Prediger und alle waren sehr herzlich zueinander, das war wirklich schon ok.
Lieber Neupriester, für Deinen Dienst am ganz anderen Ende unseres Bistums Gottes Segen! Nur Mut: Wenn man die Siegerländer einmal aus dem Wald gelockt hat, sind sie eigentlich ganz zahm...

Samstag, 11. Juni 2011

Zur falschen Zeit am falschen Ort (und eigentlich ist es auch so falsch...)

Gestern hatte ich geschrieben, dass heute ein Freund von mir in Paderborn zum Priester geweiht wird, danke, wenn jemand im Gebet dran gedacht hat!

Ich konnte heute nicht dabei sein, aber gerade habe ich in der "Aktuellen Stunde" im WDR einen Bericht darüber gesehen, im Mittelpunkt stand die "Wir sind Kirche"-Demo auf dem Domplatz. Ehrlich gesagt, ich finds richtig schlecht. -

Liebe betroffene Menschen in kritischer Loyalität, liebe unter der machtbesessenen Dominanz einsamer alter Männer leidende Studienrätinnen, liebe ReligionslehrerInnen und VorsitzendInnen der katholischen Bildungswerke, die ihr euch von morgens bis abends fragt, wovor Kirche Angst hat etwas zu ändern, und liebe AmtsträgerInnen aus dem bunten Strauß kirchlicher Jugend- und Erwachsenenverbände, liebe Avantgarde-Priester mit ironisch-spöttischer Überlegenheit,
BLEIBT EINFACH ZUHAUSE! Es gibt so viele wichtige und sinnvolle Dinge, die man am Samstag vor Pfingsten machen kann: die Wohnung saugen, für die Feiertage einkaufen, den Garten machen und den Wagen waschen. Aber auch: einen lang aufgeschobenen Besuch machen, einen unangenehmen Anruf erledigen, einen Brief schreiben. Ein Buch lesen, an jemanden denken, für jemanden beten...
Lasst die jungen Männer doch einfach in Ruhe, lasst ihnen ihre Freude an ihrem neuen Dienst! Ihr möchtet doch auch nicht, dass bei eurer Hochzeit für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften demonstriert wird, oder? (Natürlich, ihr würdet jetzt sagen, dass es euch gar nichts ausmachen würde und dass ihr es irgendwie toll finden würdet - aber ich weiß, dass das nicht stimmt, zumindest würde es euren Schwiegereltern tierisch auf die Nüsse gehen!)
Es gibt andere Sachen, für die lohnt es sich, als Christ zu demonstrieren. Als erste Übung würde ich die Fronleichnamsprozession empfehlen. Das ist in knapp zwei Wochen und ihr könntet jetzt schon mal zuhause üben: Bei "Deinem Heiland, deinem Lehrer" fängt man mit dem linken Fuß an und geht dann im Takt. Vielleicht zuerst etwas ungewohnt, geht aber mit der Zeit. Ihr müßt mehreres miteinander "vernetzen" (das kennt ihr doch...): Gehen, Singen, Gebetbuch halten...
Probiert es aus und bleibt nächstes Jahr am Pfingstsamstag einfach mal zu Hause, da haben irgendwie alle mehr von...

Freitag, 10. Juni 2011

Zu Pfingsten

Pfingsten, das liebliche Fest...

Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen;
es grünten und blühten Feld und Wald;
auf Hügeln und Höhn,
in Büschen und Hecken
übten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel;
Jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen,
Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.

Auch wenn es draußen gerade in Strömen regnet, Goethes bekanntes Gedicht aus "Reineke Fuchs" gibt doch ein Grundgefühl wieder: Pfingsten ist das Tor zum Sommer!
Ähnlich hat das Pfingstfest der jungen Kirche ein Tor geöffnet, nämlich hinauszugehen in alle Welt und den Glauben zu verkünden und zu bezeugen.
Über die Gaben des Heiligen Geistes habe ich einen schönen Text gefunden:

Gabe der Weisheit:
Wissen, worauf es ankommt;
nicht die Fülle des Wissens ist entscheidend.

Gabe der Einsicht:
Alles richtig verstehen; alles mit dem Herzen sehen;
Gott hinter allem erkennen.

Gabe des Rates:
Guten Rat annehmen;
den richtigen Rat geben.

Gabe der Erkenntnis:
Sich selbst und seine Grenzen erkennen.

Gabe der Stärke:
Zivilcourage haben; auch gegen den Strom schwimmen können;
Mut, Ausdauer, Konsequenz haben.

Gabe der Frömmigkeit:
Dankbar sein gegen Gott; ihm vertrauen;
aus ihm und mit ihm leben.

Gabe der Gottesfurcht:
Nicht Angst,
sondern Ehrfurcht vor Gottes unfassbarer Liebe haben.

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Allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Pfingstfest!

PS: Ein junger Mann aus meiner Heimatgemeinde wird morgen in Paderborn zum Priester geweiht. Ein "Memento" wäre schön! - Danke!
Heute geht es endlich los mit dem neuen Blog "vorgestellt-nachgedacht". In diesem Blog möchte ich eigene Gedanken darlegen, aber auch regelmäßig Fest- und Gedenktage des Kirchenjahres, sowie von Heiligen der Kirchengeschichte vorstellen (deshalb: "vorgestellt") und darüber nachdenken, was uns das alles heute noch zu sagen hat (deshalb: "nachgedacht"). Diese Impulse habe ich bislang immer in einer Zeitung mit etwas eingeschränktem Leserkreis vorgestellt, wenn sie also jetzt ein wenig mehr Öffentlichkeit finden, wäre das schön! Insgesamt also wird es also im weitesten Sinne um Kirche gehen. Und natürlich auch um das, was ich so alltäglich an Schönem und Seltsamem erlebe was Kirche und Glaube angeht, denn damit habe ich schließlich auch beruflich zu tun...
Also: Wenn dieser Blog zum Nachdenken und diskutieren anregt, hats den Sinn erfüllt!