Sonntag, 31. Juli 2011

Keine Sorge, es reicht

Gestern habe ich darüber geschrieben, wie man sich den Zugang zu bestimmten Texten aufgrund von bestimmten Erfahrungen selbst verbauen kann. Es ist wie bei einem Musikstück, das man falsch eingeübt hat. Man wird immer an der selben Stelle den selben Fehler machen und es ist sehr schwierig das zu verändern. Vielleicht ist es mit manchen Dingen im Glauben genauso.
Nun habe ich bei Rolf Zerfaß eine Predigt zum heutigen Evangelium gefunden. Sie bildet sicher nicht die gesamte Fülle des Inhalts ab, eröffnet aber mir zumindest wieder einen Zugang zum Text. Hier ein paar Ausschnitte:
(...) Als sie dann, wieder an Land, auf die Menschenmenge treffen, die Hunger hat, holt Jesus das Brot für die Leute nicht vom Himmel, sondern aus der Tasche der Jünger. Er zaubert die Lösung nicht herbei. Er zaubert die Erlösung nicht herbei, sondern nimmt, was die Jünger bei sich haben, dankt (weil es Gottes Geschenk ist, was sie haben) und lässt es austeilen in der festen Zuversicht, dass es reicht. (...)
Dieses Vertrauen Jesu, es reiche, was wir haben, um alle satt zu machen, wenn wir austeilen, was wir ursprünglich nur für uns selber gerichtet hatten, lässt das große Wunder der Sättigung immer neu geschehen. Es ist uns auch heute als ein Wort der Ermutigung zugedacht. Wie viele Gelegenheiten gibt es, in denen sich auch bei uns die Angst meldet: "Es reicht nicht, was ich zu geben habe." (...) Bin ich dem gewachsen, was Gott mir anvertraut hat?
Die Antwort des Evangeliums lautet: Nimm die fünf Brote und die zwei Fische, die du hast, danke Gott dafür und gib sie weiter. Du wirst sehen, es reicht! (...) Als Jesu Tischgenossen entdecken wir, wie ganz anders wir mit dem, was wir haben, umgehen können: dass wir es nicht ängstlich für uns halten müssen, weil es doch so ärmlich ist, sondern, wie er, in die Hände nehmen, vor Gott anschauen, dafür danken, dass wir es haben, und es dann gelassen weitergeben in der Überzeugung: Es reicht für alle.

Gefunden bei Rolf Zerfaß: Für uns Menschen - Predigten zum Lesejahr A, Düsseldorf 1992, 123ff.

Samstag, 30. Juli 2011

Wie man sich selbst den Sonntag verbaut

Es gibt ja auch in der heiligen Schrift Texte, zu denen man aus verschiedenen Gründen keinen oder nur sehr schwer Zugang findet. Das ist normal und man kann ja daran arbeiten.
Interessant sind aber die Texte, zu denen man sich den Zugang selbst verbaut.
Das Evangelium von der Brotvermehrung gehört für mich dazu. Immer wenn ich es höre, führt es mich zurück in die Zeit von "Fünf Brote und zwei Fische, fünftausend werden satt, wenn Jesus lädt zu Tische, dann werden alle satt!" - 1975: Ich sitze wieder mit Topfschnitt, kariertem Hemdchen mit Pullunder und selbstgenähter Hose in den Kinderbänken meiner Heimatkirche. Von der Orgel tirilliert unser Organist wie ein Vögelchen, unterstützt durch die Musiziergruppe mit ihren Orff'schen Instrumenten. (NB: Ich mag den Organisten und auch Carl Orff). Wir singen nicht aus dem gerade erst erschienenen Gotteslob, sondern aus verknickten Mappen mit handgeschiebenen Liedern, die mit der Matritze gedruckt sind. Vorteil aus heutiger Sicht: Das Papier riecht nach Alkohol. Da ich schon recht früh lesen kann, muss ich garantiert irgendetwas vorlesen. Entweder einen längeren Text im Wechsel mit einem anderen Kind, meist Antje, oder zumindest eine Fürbitte. Und irgendwie gibt es immer nur ein Evangelium. Eben das mit der Brotvermehrung. Oder, auch immer wieder gern genommen, Zachäus.
Aber von den Liedern und ein wenig Schnickschnack durch den sog. "Kindergottesdienstvorbereitungskreis" abgesehen, war es eigentlich eine ganz normale Messe. Nichts mit Stuhlkreis usw. Dafür waren auch einfach viel zu viele Kinder da.
Ach, je länger ich drüber nachdenke und mir anschaue was heute so abgeht, wars vielleicht doch ganz schön...

Allen einen schönen und gesegneten Sonntag!

Freitag, 29. Juli 2011

Die Amtlichkeit des Reiches Gottes

(...) Wir sind hier an dem Punkt, der dem heutigen Verständnis die größten Schwierigkeiten bereitet. In der Kirche ist das Reich Gottes in der Form der Amtlichkeit gegeben. Das Reich Gottes ist von Amts wegen da. Es ereignet sich, wenn die entsprechenden amtlichen Vollzüge stattfinden. Es ist zunächst einmal nicht daran gebunden, dass Menschen authentisch und mit tiefer Überzeugung das vertreten, was in der Kirche amtlich geschieht. Selbstverständlich ist die Perspektive des amtlichen Tuns, dass Menschen davon erreicht und ergriffen werden. Aber auch, wenn sie es nicht werden - das amtliche Tun allein bürgt schon für die Gültigkeit des Geschehens.
So schwer ist es eigentlich gar nicht zu verstehen. In jedem Gemeinwesen sind die konstitutiven Grundvollzüge in der Form der Amtlichkeit gegeben. Regierung, Rechtsprechung und Verwaltung sind amtlich organisiert. Wenn der Richter ein Urteil spricht, dann ist Recht gesprochen, dann ist die Rechtsordnung wieder hergestellt, auch wenn er im Augenblick gerade nicht innerlich vom Ethos der Gerechtigkeit erfüllt ist. Der Standesbeamte kann gültig eine Ehe schließen, auch wenn er vielleicht gerade aus persönlichen Gründen nicht an die Ehe glaubt. Ja, auch das Hochzeitspaar ist gültig getraut, falls die amtlichen Formalitäten erfüllt sind, selbst dann, wenn ihnen zum Zeitpunkt der Zeremonie die Liebe abhanden gekommen zu sein scheint. Und ganz so amtlich geht es auch in der Kirche zu. Deswegen gibt es ein kirchliches Amt. Jetzt können wir genauer sagen: Die Kirche ist das Reich Gottes auf Erden, wenn die Grundvollzüge dieses Reiches, das heißt das Lob Gottes und das Handeln nach seinen Geboten, getan werden. Besser ist also zu sagen: Die Kirche tut das Reich Gottes. Damit sie dies aber nicht nur dann und wann tut und auch nicht nur, wenn die volle Überzeugungskraft dazu vorhanden ist, dafür steht die Amtlichkeit.
Mir ist dieser Zusammenhang einmal plötzlich klar geworden, als ich ein witziges Cartoon des Reiseunternehmens Thomas Cook betrachtete. Es war ein sehr altes Cartoon, vielleicht um 1912. Zu sehen sind einige Wilde, die um einen Kessel tanzen, in dem der Weiße bereits sitzt. Es sind Kannibalen. Da sagt einer von ihnen: "O, you are from Cook's. I am its local agent." Man möge bitte einmal über die leicht rassistischen Untertöne hinweghören. Entscheidend ist: Der "local agent" repräsentiert vor Ort die Rechtsordnung, aus der die Firma Cook kommt. Er repräsentiert die Vertragsbedingungen, die der Reisende mit der Firma eingegangen ist. Und darin war sicherlich nicht enthalten, dass die Reisenden im Topf landen. So kann also Hoffnung beim Reisenden aufkommen! Der "local agent" steht für diese Rechtsordnung, soweit er eben - amtlich - der "local agent" ist. Auch wenn er persönlich, wie das Cartoon andeutet, eher noch dem Kannibalismus zuneigt.
Genauso ist es auch in der Kirche. Die Amtsträger sind die "local agents" des Gottesreiches. Wo sie agieren, da gelten die Gesetze der Gottesherrschaft. Der Ort, wo sie agieren, ist der Gottesdienst. An dieser Stelle kann ich nicht sehr tief auf die Ämter der Kirche eingehen, aber es muss in Erinnerung gerufen werden, dass alle kirchlichen Ämter bzw. die ganze kirchliche Amtshierarchie aus der Aufgabenteilung in der Liturgie hervorgegangen sind und dass sie da ihren eigentlichen Ort haben. Im Gottesdienst geschieht Gottesreich. Dort nämlich wird Gott die Ehre gegeben und nach seinem Willen gehandelt, und zwar schon darin, dass überhaupt Gottesdienst gefeiert wird, also Gott gedient wird. Im Gottesdienst gelten die Regeln des Gottesreiches, so wie bei Thomas Cook die Regeln des westlichen Reiseunternehmens gelten und nicht die Regeln der Kannibalen. Im Gottesdienst werden Brot und Wein, Mittel der alltäglichen Selbsterhaltung, in den Leib Christi verwandelt. Also gelten dort nicht mehr die Gesetze der Selbsterhaltung, sondern die Gesetze der Gerechtigkeit des Reiches Gottes. Man sieht es z.B. daran, dass sich die Gottesdienstteilnehmer den Frieden wünschen können. Dort herrscht also Friede. Und dann feiern sie sogar das Mahl des Gottesreiches miteinander, sie werden von Fremden oder gar Konkurrenten zu einer neuen Art von Gemeinschaft. So wie das Paar auf dem Standesamt zum Ehepaar wird.
Vielleicht sind wir immer noch ein wenig überrascht, dass im Gottesdienst bereits das Gottesreich Wirklichkeit werden soll. Warum sieht man denn so wenig davon? Der bloße Handschlag beim Friedensgruß, das Gehen zur Kommunionbank - das soll es schon sein? Die Theologie hat auf diese Schwierigkeit hin eine wichtige Unterscheidung formuliert: "Insofern das Werk getan wird" (ex opere operato), ist dort Gottesreich. "Insofern die Handelnden das Werk persönlich vollziehen" (ex opere operantis), ist es aber noch längst nicht überall Gottesreich. Der Gottesdienst und das ganze Leben der Kirche zielen jedoch darauf ab, dass die Differenz zwischen diesen beiden Dimensionen minimiert wird. Man ist gewissermaßen erst katholisch und dann christlich: Die Teilnahme an den Vollzügen der Kirche führt, so ist es jedenfalls gedacht, immer tiefer in das Leben des Gottesreiches hinein. Das Leben der Kirche verwandelt die Menschen nach und nach von der amtlich gegebenen Realität zur persönlichen Realität.

Gefunden bei: Thomas Ruster, Glauben macht den Unterschied, München 2010, 162 ff.

Donnerstag, 28. Juli 2011

Es lohnt sich doch!

Man soll sich ja nicht immer nur beklagen. Jetzt mal etwas Positives zum Thema Kirche in Deutschland:
Gestern abend hatte ich noch einen Gottesdienst. Um 1 vor 6 waren der Küster, der Organist und ich anwesend. "Was machen wir?" - "Wir machen's!" Um 4 nach 6 waren dann noch zwei Leute gekommen. Was ich gut fand: Keiner hat gesagt: "Ach, lassen wir den Gottesdienst doch ausfallen, es kommt ja keiner und dann lohnt es sich nicht!" Nein, ausfallen lassen war bei niemandem ein Thema. Und das finde ich richtig gut.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Was soll ich beim Papst?

Vorgestern saßen wir bei einer unserer regelmäßigen Konferenzen: Einige Priester und hauptamtlich in der Seelsorge tätige Laien. Der Ort der Treffen wechselt jedesmal und der Einladende hat dann die Gesprächsleitung. Diesmal war ich dran und wünschte am Schluß den Anwesenden eine schöne Sommerzeit bis zum nächsten Mal und sagte dann: "Pfarrer L. und ich fahren zum Papst nach Berlin, fährt jemand von euch auch hin?" - Zuerst ungläubiges Schweigen. Ich hätte wahrscheinlich auch sagen können: "Soll ich euch noch meinen Pickel am Hintern zeigen?" - Die Reaktionen wären die gleichen gewesen: "Nein, bloß nicht, was soll das denn?" Die Stimmung lag zwischen entrüstetem "Pfui, so etwas macht man doch nicht!" und ironischem "Naja, wenn Du es brauchst".
Manchmal genügen ganz kurze Momente um die ganze Misere der Kirche in Deutschland deutlich werden zu lassen...

Dienstag, 26. Juli 2011

Montag, 25. Juli 2011

Randale im Hochamt oder: Es fehlen Bauarbeiter!

Ich war selbst nicht dabei, aber ich versuche es möglichst getreu wiederzugeben:
Gestern morgen so gegen viertel nach zehn. Es regnet. Ein offensichtlich enorm alkoholisierter Mann torkelt auf eine Baustelle zu, an der einige Bauarbeiter versuchen, einen plötzlich aufgetretenen Rohrbruch in den Griff zu bekommen. Nachdem er grölend beinahe in die Baugrube gefallen wäre, schreit ihn ein Bauarbeiter an: "Verpiss Dich, Du Arschloch!" - Der Besoffene trollt sich und sucht die gegenüberliegende Pfarrkirche auf, in der gerade das Libori-Hochamt festlich begangen wird. Es kommt, wie es kommen muss, und der erfahrene Kirchgänger weiß, was jetzt passiert: Der Besoffene meint, auch die Leute in der Kirche sollten ihn etwas näher kennenlernen. Er randaliert rum, wirft sich vor den Altar, räumt dabei geschickt die Altarleuchter und -kerzen ab und schnappt sich dann auch noch den (zum Glück leeren) Kelch vom Altar. Das Spektakel dauert die ganze Messe lang, bis dann irgendwann einmal die Polizei eintrifft und ihn mitnimmt.
Warum steht da eigentlich keiner mal auf und macht was? Warum setzen sich 200 Leute in der Kirche diesem Schauspiel hilf- und wehrlos aus? Mein Fazit: Wenn mehr Bauarbeiter zur Messe gehen würden, wäre das nicht passiert...

Dazu passend, genial und immer noch unerreicht:


Irgendwie mag ich ihn ja, den Klaus Kinski...

Freitag, 22. Juli 2011

Der Paderborner Blick auf die Welt: Sei gegrüßet, o Libori!

Am Samstag geht es wieder los, dann ist Paderborn für eine Woche die katholische Messlatte, und die liegt hoch: Wo gibt es sonst schon einen "Pavonicaudafer"? Und auch "Pluvialkantoren" trifft man nicht mehr jeden Tag. Nebenbei: einen solchen klerikalen "cat-walk" der Eitelkeiten, manchmal auch "Libori-street-day", (pfui, böser Nepomuk) muss man einfach gesehen haben...  
Die "alte" Vesper am Samstag ist allerdings wunderbar und wer beim Tusch nicht gerührt ist, ist selber schuld. Vielleicht komme ich während des "Triduums" dazu, ein paar Eindrücke und Erinnerungen aufzuschreiben, zur Einstimmung gibt es erst einmal den Artikel, den ich in der schon bekannten kleinen Zeitschrift veröffentlicht habe:

Wer schon einmal „auf Libori“ in Paderborn war, liebe Leserinnen und Leser, den zieht es immer wieder dort hin. Und ich gebe zu, dass Libori die schönste Zeit im Studium in Paderborn war. Die in Deutschland wohl einzigartige Mischung aus Weihrauch und Würstchenduft, aus barocker Frömmigkeit und weltlicher Ausgelassenheit, begeistert Jahr für Jahr immer wieder zehntausende von Menschen. Der heilige Liborius war im 4. Jhdt. Bischof von Le Mans. Um das Band der Einheit zwischen der noch jungen Kirche von Paderborn und den schon im Glauben bewährten Kirchen des Frankenreiches zu festigen, wurden sein Reliquien im Jahre 836 nach Paderborn übertragen. Seitdem ist seine Verehrung ungebrochen bis auf den heutigen Tag.
In einem alten Lied aus dem Jahre 1767 heißt es: "Du großer Hirt und Gottesmann, Liborius, ach hör uns an! Durch Gottes Gnad auf dein Gebot flieht Krankheit, Schmerz und naher Tod. Sei unser Arzt für Seel und Leib, all Sündenübel von uns treib und hilf, dass wahrer Tugendsinn des Lebens Krone uns gewinn!"

Heilige sind Helfer. Sie helfen beim Perspektivenwechsel, das war unser Fazit beim letzten Mal. Ich möchte das heute noch ein wenig weiter ausführen. Viele Menschen leiden mit dem Blick auf ihr Leben an seiner Unvollkommenheit: Verpasste Chancen, nicht genutzte Gelegenheiten, vertane Mühen, gescheiterte Hoffnungen, erlittene Ungerechtigkeiten, Zurücksetzungen und Schicksalsschläge. - „Liborius, ach hör uns an!“, diesen Stoßseufzer gibt es, zwar in wohl abgewandelter Form, aber dennoch sicherlich an jedem Tag. Mit den Augen der Ewigkeit gesehen aber gilt für jeden Menschen, für jedes Leben: Nichts ist vor Gott gering, auch das Kleinste hat seinen Wert. „Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen!“ schreibt Paulus im ersten Korintherbrief. Diese Zusage gilt. Sie gilt für jeden Menschen, wo und wie auch immer, das kann ich ganz fest glauben. Wenn es mir gelingt mein Leben unter dieser Perspektive zu betrachten, finde ich Trost und kann mich trösten lassen. -  „Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen!“ - Versuchen Sie es einmal: Schreiben Sie sich diesen Satz auf, hängen Sie sich diesen Satz an den Spiegel, übers Bett oder an den Computermonitor. Legen Sie ihn ins Portmonee oder unter die Schreibtischablage. Sie werden merken, es hilft!

Maria Magdalena auf dem Schachbrett


Der Künstler Thomas Jessen hat bei seiner Gestaltung der Rückwand der Kapelle der Kommende in Dortmund, des Sozialinstituts des Erzbistums Paderborn, Maria Magdalena auf einem Schachbrett dargestellt. Das Schachbrett, uraltes Symbol des Lebens, des Kampfes zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Gut und Böse in der Welt und im Herzen des Menschen. Schachmatt ist der Christ nie, wenn er den Kampf nicht vor der Zeit, nein, vor der Ewigkeit verloren gibt, wenn er auf Gottes unerwartete und siegreiche Schachzüge vertraut. Die Botschaft ist klar: Noch ist niemand von uns der Mühsal und Müdigkeit des Alltags enthoben. Jeder hört wie Maria Magdalena: „Halte mich nicht fest. Geh!“ Nicht festklammern, sondern mutiges Gehen zu den Menschen mit der Botschaft von der Auferstehung im Herzen: das ist der Auftrag des Christen. „Ite, missa est – Geht, es ist gesendet!“ heißt es am Ende der Messe. Gesendet auf das Schachbrett von Gut und Böse der Welt, in die vielen Grauzonen und Dämmerungen unseres eigenen Lebens, aber, und das ist die Botschaft von Ostern, mit der unbesiegbaren Gewissheit im Herzen, dass Jesus Christus uns durch Leid und Tod vorangegangen ist und uns in der Ewigkeit erwartet.
Maria Magdalena und der auferstandene Herr, eine österliche Begegnung: Sendung und Hoffnung.

Donnerstag, 21. Juli 2011

"Gedanken zum Gedenktag": Laurentius von Brindisi

"Wollen wir mit den Engeln des Himmels und den seligen Geistern, die wie wir nach dem Abbild und der Gestalt Gottes geschaffen sind, ein geistliches Leben führen, so brauchen wir wie das tägliche Brot die Gnade des Heiligen Geistes und die Gottesliebe."
(Laurentius von Brindisi, aus einer Predigt)

1. Gedanke: Die Engel und seligen Geister sind uns ähnlich und wir ihnen: Beide sind wir nach dem Abbild und der Gestalt Gottes geschaffen. Und beide bedürfen der Gnade und der Liebe.

"Das Wort Gottes ist Licht für den Verstand und Feuer für den Geist, so dass der Mensch Gott erkennen und lieben kann. (...) Gegen das Herz, das sich in der Sünde verhärtet, ist es wie ein Hammer. Gegen Welt, Fleisch und Teufel ist es wie ein Schwert, das jede Sünde tötet."
(s.o.)

2. Gedanke: Gott ist mit Verstand und Geist erkennbar, das Ziel der Gotteserkenntnis ist ihn zu lieben.
3. Gedanke: Das Wort Gottes ist stark wie ein Hammer und scharf wie ein Schwert. Mit beiden "Werkzeugen" sollte man nicht leichtfertig umgehen.
4. Gedanke: Wer es mit Gottes Wort zu tun bekommt, bleibt davon nicht unberührt - "es klopft das Herz weich"...

Mittwoch, 20. Juli 2011

Margareta mit dem Wurm...

... so heißt es im Merkspruch der "heiligen drei Madl" und Nothelferinnen Barbara, Margareta und Katharina und ihrer Attribute:

Der Gedenktag der hl. Margareta führt uns zurück in die Zeit der diokletianischen Christenverfolgungen. Margareta, Christin aus Antiochia in Pisidien, gerät dabei in eine ausweglose Lage: Ein heidnischer Kommandant will sie heiraten. Wenn sie ihrem Verehrer sagt, dass sie Christin ist, wird er sie anzeigen und sie wird sterben. Wenn sie ihn heiratet, dann wird sie sich mit ihm zusammen den heidnischen Zeremonien unterwerfen müssen. Das aber wäre Verrat an Jesus Christus. Die Legende berichtet, dass Margareta ihren Glauben bekennt und ins Gefängnis geworfen wird.
Das Mittelalter schmückt die Legende aus: ein großer Drachen habe Margareta erwürgen wollen. Aber durch das Kreuzzeichen sei der Teufel besiegt worden. Die ältesten Darstellungen stellen diesen Kampf mit dem Drachen dar. Schließlich wird sie ihres Glaubens wegen hingerichtet.
Im Evangelium sagt Jesus: "Denn was nutzt es dem Menschen, dass er die ganze Welt gewinnt, sich selbst aber verliert und bestraft wird?"
Margareta hätte ein Stückchen Welt gewinnen können - wenn sie das Leben nicht aus dem Blickwinkel der Ewigkeit betrachtet hätte. Aber Margareta wusste, dass sie durch die Taufe sich selbst abgegeben und Christus als Inhalt des Lebens gefunden hatte. Wie Paulus sagt, ist die Taufe vergleichbar mit dem Tod des alten Menschen und eine Auferstehung des neuen Menschen in Christus.
Sich selbst verlieren - sich selbst gewinnen! Das heißt für einen Getauften, dass er immer dann gewinnt, wenn er Christus erreicht. Und dies meint, dass er immer dann verliert, wenn er Christus verliert. Die hl. Margareta nahm ihr Kreuz auf sich und überwand den Drachen; sie wusste, Christus ist Sieger. das ist ihre Botschaft an uns.

Gefunden und leicht gekürzt bei Joseph Overath: Wahre Zeitgenossen

Sonntag, 17. Juli 2011

Kultur im Ruhrgebiet: 2. Wittener Bachtage

Also, wenn wir mal gerade nicht auf der siebten Sohle Kohle schlecken und unentwegt "Glück auf, der Steiger kommt" singen, dann ziehen wir uns das gute Oberhemd über den rußbedeckten Feinripp und machen auf Kultur:

Hier etwas wirklich empfehlenswertes:

Sonntag, 17. Juli, 19.30 Uhr
Bach romantisch – 2. Wittener Bachtage
Werke von Bach, Elgar, Vorbeck u.a.
Prof. Johannes Geffert/Köln, Orgel, Eintritt frei
 
Sonntag, 24. Juli, 19.30 Uhr
Bach einmal anders – 2. Wittener Bachtage
Werke von und um Bach
Christian Vorbeck, Orgel, Hartwig Trinn, Sprecher, Eintritt frei

Sonntag, 31. Juli, 19.30 Uhr
Bach trifft Mendelssohn – 2. Wittener Bachtage
Werke von Bach und Mendelssohn-Bartholdy
Barbara Vorbeck, Sopran & Christian Vorbeck, Orgel, Eintritt frei

Weitere Infos: www.marienorgel-witten.de

Herzliche Einladung, und wer sich vorher meldet, könnte anschließend noch einen Umtrunk nehmen!

Sonntagsgedanken: Lektionen über das Glück

Vor einigen Jahren habe ich mir ein Buch angelegt, in das ich Dinge hineinschreibe, die mir ein- oder auffallen oder die ich von anderen höre oder lese. Beim Blättern bin ich vorhin auf einen Eintrag gestoßen mit einem Zitat aus einem Buch von Francois Lelord, das ist der französische Psychiater mit den "Hector-Büchern". Er schreibt 6 Lektionen über das Glück:

Lektion Nr. 1: Vergleiche anzustellen ist ein gutes Mittel, um sich sein Glück zu vermiesen.
Lektion Nr. 2: Glück kommt oft überraschend.
Lektion Nr. 3: Viele Leute sehen ihr Glück nur in der Zukunft.
Lektion Nr. 4: Viele Leute denken, dass Glück bedeutet, reicher oder mächtiger zu sein.
Lektion Nr. 5: Manchmal bedeutet Glück, etwas nicht zu begreifen.
Lektion Nr. 6: Glück, das ist eine gute Wanderung im Gebirge.

Einen glücklichen Sonntag!

Samstag, 16. Juli 2011

Wieder da!

Wie angekündigt war ich ein paar Tage in Österreich, und zwar ziemlich abgelegen in Kärnten. Aber das war ja beabsichtigt: Kein Fernsehen, kein Internet und das Handy (meistens) aus. Ich habe es mir auch abgewöhnt, die Zeitung nachschicken zu lassen. So bekommt man zwar aus der Welt wenig mit, hat aber den Kopf frei und kann seine Zeit damit verbringen, mit einem Bestimmungsbuch einem seltenen Käfer hinterherzulaufen. Als Außenkontakt bleibt dann das Autoradio, und schon das kann ziemlich anstrengend sein: "Hitradio Ö3" ist eine echt nervige Angelegenheit. Da wird sensationell angekündigt, jetzt gleich drei Hits hintereinander zu spielen - allein das ist ja schon eine radiojournalistische Meisterleistung - und dann kommen Bon Jovi, Phil Collins und nochmal Bon Jovi! Da würde ich ja lieber den ganzen Tag Falco hören, das würde wenigstens zur Gegend passen! - Was ich als absolut kleinkariert empfand, war, dass im Radio über die Kosten für die 400 Polizisten diskutiert wurde, die heute beim Begräbnis Otto von Habsburgs eingesetzt werden. Bei allem Zweifel an der Monarchie (darüber hatte ich ja bereits geschrieben), hat Otto von Habsburg ja doch wohl so viel für seine Heimat und für Europa getan, dass die Kosten locker aufgewogen werden. Peinlich!
Aber trotzdem, es war wunderschön erholsam und entspannend!
Hier ein paar Bilder:

Bergtour: Ein Blick vom Gipfel nach Italien

 Jeder Weg hat ein Ziel!

Stimmungsvoll

Hier hat jemand vergessen einen Tisch wegzuräumen!

Niedlich!

Einfach schön

Allen einen schönen Samstag und einen guten Sonntag!

Freitag, 8. Juli 2011

Ab wann ist man spießig?

Ist man eigentlich schon spießig, wenn man jedes Jahr an den gleichen Urlaubsort fährt? Ich habe nämlich so etwas wieder für ein paar Tage vor! Da gibt es Leute in meinem Freundeskreis, die machen Wahnsinns-Abenteuertouren um die halbe Welt, andere fahren immer in einer ganzen Clique weg. Mein bester Freund bleibt zuhause und fühlt sich dabei wohl. Und ich? Ich fahre wieder in dieses nette kleine Land wo die Menschen von Hauptmännern regiert werden. Ich kenne das Zimmer, ich weiß, wo wir essen gehen werden, welche Bergtouren wir machen, wo ich im Ort mein Auto parke und welche Motive ich zum wiederholten Male fotografieren werde. Vielen Arbeitskollegen von mir geht es genauso: In einem Beruf in dem man meist morgens nicht genau weiß, was man bis abends alles erlebt hat, gehört diese Sicherheit und Verläßlichkeit im Urlaub schon zur Erholung. Also, spießig ist was anderes!

Spießig ist zum Beispiel:
- wenn man nie auf die Idee kommen würde zum Papstbesuch zu fahren, weil man von dem alten Mann doch eh' nichts erwartet
- wenn man Lieder nur mitsingt, wenn sie einem per Liedanzeiger, Gesangbuch oder Zettel vorgelegt werden (obwohl man sie schon ewig kennt)
- wenn man nie in eine lateinische Messe gehen würde, weil man ja nichts versteht
- wenn man als Chor wie die Katzen singt und hinterher behauptet, es habe am Weihrauch gelegen
- wenn man nie mit allen Glocken läutet, weil man Strom sparen will
- wenn man meint, es ginge mit der Kirche aufwärts, wenn die Priester heiraten (meine Güte, was muss auf dem Schnackseln ein Segen liegen!)
- wenn man als Priester meint, indem man nicht als solcher erkennbar sei, wäre man den Menschen näher
- wenn man immer noch glaubt, die Erneuerung der Kirche ginge von ihren Gremien aus
- wenn man...

Es gibt noch viel mehr! Aber ich fahre ja in Urlaub, aber wer noch eine Idee hat, bitte gern!

Donnerstag, 7. Juli 2011

8. Juli: Wir rufen an den teuern Mann, Sankt Kilian!


Ein neuer Text aus der Rubrik "vorgestellt-nachgedacht" aus der Zeitung für die ich regelmäßig schreibe:

Wenn Sie schon einmal in Würzburg waren, was ich Ihnen nur sehr empfehlen kann liebe Leserinnen und Leser, werden Ihnen der heilige Kilian und seine Gefährten auf Schritt und Tritt begegnet sein. Kilian war ein iro-schottischer Wanderbischof, der, als er gegenüber der in Würzburg ansässigen Herzogsfamilie das kirchliche Eherecht geltend machte, mit seinen Gefährten Kolonat und Totnan um das Jahr 689 um seines Glaubens willen ermordet wurde. Das Märtyrergrab in der Gruft der Neumünsterkirche wurde und blieb der religiöse Mittelpunkt Frankens bis auf den heutigen Tag. Diese enge Verbundenheit wird in einem schönen alten Lied aus dem Jahre 1625 deutlich: „Wir rufen an den teuern Mann, Sankt Kilian! Sankt Kolonat und Sankt Totnan! Dich loben, dir danken deine Kinder in Franken, Sankt Kilian! In Würzburg ruht der heil’ge Mann / mit den Genossen lobesam. / Laß dir die edlen Franken dein / von Herzen anbefohlen sein!“
Unser Foto zeigt die Figur des heiligen Kilian auf der alten Mainbrücke in Würzburg die die Altstadt mit der Festung Marienberg auf der anderen Mainseite verbindet. Heilige sind für mich Brückenbauer. Einerseits bauen Sie eine Brücke in die Vergangenheit: Das, was Kilian und seine Gefährten vor über 1300 Jahren geglaubt haben, ist auch unser Glaube heute. Das verbindet uns durch alle Zeiten und Generationen. Ich brauche meinen Glauben nicht immer neu zu erfinden, es gibt ein Fundament auf das ich mich verlassen kann. Das nennt man dann Kirche und es ist gut, dass es sie gibt! Andererseits sind Heilige Brückenbauer zu Menschen: Mit diesem Glauben bin ich nicht allein oder lediglich rückwärtsgewandt. Der Glaube verbindet mich auch aktuell mit anderen Christen auf der ganzen Welt. Ihre Freude und Trauer, Hoffnung und Angst sind auch meine Anliegen. Und genauso darf ich sicher sein, dass alles was mich bewegt, in ihrem Gebet und Gedenken aufgehoben ist. Als letztes: Heilige sind Brückenbauer zu Gott: Von den Heiligen kann ich lernen, wie Leben gelingen kann. – Aber Moment, stimmt das? Aus rein menschlicher Sicht ist es doch beim heiligen Kilian und vielen anderen nicht wirklich gut gelaufen. Es kommt auf die Perspektive an. Mit den Augen der Ewigkeit gesehen, ist das Leben des heiligen Kilian reich und erfüllt. Heilige helfen mir beim Perspektivenwechsel. Mein Tipp: Probieren Sie es für sich einmal aus!

Mittwoch, 6. Juli 2011

Habsburgische Anekdoten

Nun ist ja Otto von Habsburg verstorben und da haben viele schon mehr oder weniger sinnvolles zu gesagt und geschrieben. Den Gedanken "Sohn eines Seligen" finde ich interessant, und ein Freund von mir hat während seiner priesterlichen Karriere eine "Kaiser-Karl-Gedenkstätte" mit Reliquie eingerichtet - im Lippischen eher selten, aber Bizzares ist ja in Mode...
Als Christen sollten wir eine gewisse "eschatologsche Differenz" gegenüber allen weltlichen Regierungsformen einnehmen, bei Augustinus kann man das ganz schön nachlesen. Dass die Demokratie in ihrer momentan praktizierten Form nicht das Optimale ist, merken wir jeden Tag. Auf der anderen Seite entspricht eine Monarchie auch nicht dem christlichen Menschenbild. Aus welchen Gründen sollten Menschen aufgrund ihrer familiären Herkunft (vielleicht sogar noch von Gott) legitimiert sein, über andere zu bestimmen? Jeder Mensch ist seit Ewigkeit her von Gott gewollt, geliebt und angenommen, egal ob er Habsburg, Schlippenkötter oder sonstwie heißt. Natürlich, mit der Monarchie konnte die Kirche gut leben. Aber auch die Monarchie mit der Kirche, und das war oft fatal. Viele Probleme der Kirche in Österreich scheinen mir daher zu kommen: Kirche wird identifiziert als Obrigkeit, als Behörde. Davon kann ich nichts erwarten und es ist ganz normal und lebensnotwendig, sich davon zu distanzieren. Und die Kirche macht genau die passenden Fehler: Sie gibt sich entweder als starre Behörde in all ihren bürokratischen Facetten, oder sie versucht eben genau das Gegenteil und wird somit zum gruppendynamischen Ständig-Event, der wie ein schlechter DJ verzweifelt versucht, noch einen ausgegeben zu bekommen. Und dann muss sie natürlich noch für die volkstümliche Ausschmückung der entsprechenden Lebensumstände sorgen. Da kann man nur verlieren!
Einer, der das sicher so nicht wollte, war Otto von Habsburg. Ich habe ihn sehr geschätzt, auch wenn ich seine These, Österreich sei das erste Opfer der Hitlerschen Aggression nicht teilen kann. Auf der Ebene der politischen Gremien mag das gelten, auf der Ebene der Menschen sicher nicht: Die Kirchenglocken haben bei Hitlers Einzug in Salzburg eben nicht aus Protest geläutet und die Menschen haben auch nicht "Halt", sondern "Heil" gerufen...

Trotzdem: Zwei habsburgische Anekdoten möchte ich erzählen:

Wir saßen beim Fürsten Hohenberg in der Steiermark auf dem Sofa. Da sagte ein lieber Consemester aus dem Ruhrgebiet: "Den hier auf dem Bild, den kenn' ich aber!". Der Fürst: "Ja, das ist Erzherzog Franz-Ferdinand." - "Jau", sagte mein Freund, "den hats doch in Sarajevo erwischt!" - "Stimmt", meinte der Fürst, "das war mein Großvater!"
Tja, was machst Du, wenn dein Opa für den ersten Weltkrieg zuständig ist? - Der Fürst nahms gelassen...

Und die zweite Geschichte: Von Otto von Habsburg wird berichtet, dass er, ähnlich wie Kaiserin Zita, bei auswärtigen Übernachtungen kirchliche Häuser bevorzugte. So war es auch, als er vor einigen Jahren in Dortmund zu einem Vortrag geladen war. Da ich dort arbeitete, haben wir uns natürlich auf den Besuch sehr gefreut. Mit der Kollegin an der Pforte haben wir immer wieder den Gruß "Grüß Gott, kaiserliche Hoheit!" geübt. Das hat dann auch geklappt. Leider hatte Otto seine Fliege zum Anzug vergessen und es war im ganzen Ort auf die Schnelle nichts Passendes aufzutreiben. Ihm war es letztendlich egal und er hat trotzdem einen schönen Aufenthalt in Dortmund gehabt. Alle Mitarbeiter haben ihn als sehr höflichen, vornehmen und bescheidenen alten Herrn in Erinnerung behalten.

Requiescat!

Maria Goretti: Listige Schwestern, keusche Mädchen und trotzdem am Ziel vorbei!

Heute ist der Gedenktag der hl. Maria Goretti. Wer über sie noch nicht viel weiß, sollte heute als Pflichtlektüre auf jeden Fall bei Elsa vorbeischauen!
Diese kleine Reliquie der hl. Maria Goretti habe ich vor vielen Jahren geschenkt bekommen:


Dazu gibt es folgende Geschichte: Im Konvikt, also dort, wo die Priesteramtskandidaten während ihres Studiums wohnen, waren Ordensschwestern für die Hauswirtschaft verantwortlich. Diese wiederum bildeten junge Frauen als Hauswirtschafterinnen aus. Die "Mädchen" durften natürlich nicht mit den "Herren" in Kontakt kommen. Das bedeutete, dass beim Mittagessen das Schiebefenster der Essensausgabe so weit heruntergelassen war, dass man als Tischdienst nur die fleißigen Hände der Küchenhelferinnen sah und es auch als unschicklich galt, unter diesem Fenster hinduch zu schauen. Oder auch, dass wenn man denn mal etwas früher von der Fakultät zurück kam, sich die Angestellten fluchtartig zurückziehen mussten. Man fand dann also öfter auf den Fluren verwaiste Staubsauger, Putzeimer, Schrubber oder Lappen. Da ich vorher bei der Bundeswehr 15 Monate lang jeden Freitag die Deckenlampe auf der Stube abschrauben und reinigen musste, war natürlich eine Putzfrau eine tolle Sache! Für die anderen gings es einfach weiter wie bei Mama. Als ein Consemester einmal seine Putzfrau auf einen Sherry einlud und das eine Schwester mitbekam, war richtig was los - hielt sich doch hartnäckig das Gerücht, dass einmal ein "Mädchen" mit einem Priesteramtskandidaten "durchgebrannt" sei! Das arme unglückliche Geschöpf hatte bei ihm wohl zu gründlich geputzt!
Also die entscheidende Frage für die Schwestern war: Wie halten wir die Mädels keusch? Und da hatten sie eine listige Idee: Sie holten sich himmlische Unterstützung. Auf dem Wohnflur der Azubis wurden mehrere Maria-Goretti-Reliquien an den Wänden angebracht! Rein. Keusch. Unübersehbar. Mahnend. Ein unerreichbares Vorbild der Tugend für ostwestfälische Jungfrauen.
Und hier liegt für mich der große Fehler in der Verehrung Maria Gorettis: Es geht nicht in erster Linie um Keuschheit und Reinheit. Es geht darum, in den Himmel zu kommen. Und es geht um Vergebung: "Wenn Gott uns alles vergeben hat, wie könnte ich ihm nicht vergeben?" sagt ihre Mutter im Blick auf den Mörder ihrer Tochter. Darauf kommt es an. Und das ist bei Maria Goretti leider nie richtig deutlich geworden: Als der Wohnflur der Azubis aufgelöst wurde, konnte auch niemand mehr etwas mit den Reliquien anfangen. Eine davon habe ich dann geschenkt bekommen. Was die Keuschheit angeht, hat es (auch) nicht so richtig etwas genutzt, aber wenn es darum geht in den Himmel zu kommen und die Tugend der Vergebung zu lernen, dann gilt: Heilige Maria Goretti, bitte für uns!

Reisen bildet!

Nach ein paar wunderschönen Tagen im Süden melde ich mich gut erholt zurück! Für einen Urlaub, der Kirche, Kunst, Kultur, gutes Essen und Trinken, sowie Schwimmen im glasklaren Wasser verbinden soll, kann ich Kroatien wirklich nur empfehlen!!! Hier ein paar kurze Eindrücke aus Split und von der Insel Hvar:




Am vergangenen Sonntag waren wir dann in der Kathedrale von Hvar (Foto 2) zur hl. Messe. Die Kirche war so voll, dass die Leute aller Altersgruppen auf dem Boden und auf den Stufen der Seitenaltäre saßen oder einfach nur im dichten Gedränge stehend sowieso nicht umfallen konnten. Es gab auf kroatisch ein gesungenes Hochamt mit Weihrauch, natürlich zwei Lesungen (wir sind ja nicht im deutschen Sprachraum wo das den Leuten nicht zumutbar ist ;) und dazu eine Band mit E-Piano, Gitarre und Querflöte, aber mit Bescheidenheit, liturgischem Gespür und Ehrfurcht vor dem Geschehen (ohne Zettel, Gesangbücher und Liedanzeiger geht es also auch, die Menschen können die Lieder einfach auswendig) und noch eine Taufe.
Und das  Erstaunliche ist: Es passte alles zusammen! Ich glaube, dass es daran liegt, dass die Menschen einen einfachen (nicht im Sinne von einfältig!) vom Herzen her kommenden Glauben haben. Und da können wir verkopften und vermeintlich reflektierten Theologen einiges von lernen! - Ich sag's ja immer: Reisen bildet!