Mittwoch, 31. August 2011

Der Papst, das Geld, der Aufwand, die Moral: Ich mag nicht mehr...

Vorhin hatte ich wieder eine dieser Diskussionen: Eine Mitarbeiterin hatte auf meinem Schreibtisch das Plakat zum Papstbesuch entdeckt und dann ging es los. Immer die gleichen Themen, diesmal sogar mal wieder "Die, die immer in die Kirche rennen, sind auch nicht besser!" - Meine Güte, wann habe ich zuletzt mal jemanden in die Kirche rennen sehen?
Ich mag diese Gespräche einfach nicht mehr. Sie machen mich auch nicht mehr wütend oder traurig, sondern nur noch ganz, ganz müde.

Das Wunder des heimatlichen Hauses


"Oh, das Wunder des heimatlichen Hauses besteht nicht darin, dass es uns schützt und wärmt, es besteht auch nicht im Stolz des Besitzes. Seinen Wert erhält es dadurch, dass es in langer Zeit einen Vorrat von Beglückung aufspeichert, dass es tief im Herzen die dunkle Masse sammelt, aus der wie Quellen die Träume entspringen."

gefunden bei Antoine de Saint-Exupery: Wind, Sand und Sterne

Dienstag, 30. August 2011

Zwang und Freiheit


"Ich habe nie verstanden, weshalb man den Zwang von der Freiheit unterscheidet. Je mehr Straßen ich ziehe, um so freier bist du in deiner Wahl. Aber jede Straße ist ein Zwang, denn ich habe sie mit Schranken eingefaßt. Was aber nennst du Freiheit, wenn es keine Straßen gibt, zwischen denen du wählen kannst? Nennst du Freiheit das Recht, im Leeren umherzuirren? Sobald der Zwang eines Weges begründet wurde, steigert sich zugleich deine Freiheit..."

gefunden bei Antoine de Saint-Exupery: Die Stadt in der Wüste

Montag, 29. August 2011

Was ist der Unterschied zwischen Münster und Paderborn?

Aus dem Bericht über den WJT auf der Seite des Erzbistums Paderborn:

Besonders lobte die Weltjugendtagssteuerungsgruppe, dass sich sowohl die Teilnehmer der Vigilfeier am Samstagabend als auch Papst Benedikt XVI. auch von einem Unwetter nicht abschrecken ließen. Wegen des Gewitters hatte die Veranstaltung kurzzeitig unterbrochen werden müssen.
Natürlich habe es auch kleinere Organisationsschwierigkeiten in Madrid gegeben. „Wir waren erstaunt darüber, wie gut alles geklappt hat in einem Land, das in einer so schwierigen Situation ist", so Jugendpfarrer Schröder. Und BDKJ-Diözesanvorsitzender Andreas Tillmann betonte den Dank der Steuerungsgruppe an die vielen Helfer: „Das Zusammenspiel von Busverantwortlichen, Koordinatoren und Steuerungsgruppe ist aus unserer Sicht bestens gelaufen."

Kirche heute: Was wirklich wichtig ist...

Neulich habe ich mal geschrieben, dass es manchmal nur ganz wenige Momente braucht, um die ganze Misere der katholischen Kirche in Deutschland deutlich werden zu lassen.
Hier kommt das nächste Beispiel!

Manches wundert einen schon lange nicht mehr.

Sonntag, 28. August 2011

Noch einmal Thema "Gastrecht"

Über die geplante Aktion von Christoph Schmidt und Norbert Reicherts ist schon viel gesagt worden, u.a. haben Alipius und Tiberius darüber berichtet. Ich kenne die beiden noch aus früheren Tagen, der eine war Priester des Bistums Essen und Krankenhausseelsorger in Bochum, der andere Priester des Erzbistums Paderborn und Vikar in Dortmund. Auch wenn ich diesen geplanten Gottesdienst in Berlin nicht gut finde (Gottesdienste sollte man nie als Protest instrumentalisieren), muss man doch festhalten, dass sie eigentlich ganz nette und sympathische Menschen sind und damals in ihren Gemeinden keine schlechte Arbeit gemacht haben!
Über das Gastrecht in der evangelischen Kirche in Berlin kann man sich zu Recht aufregen. Aber es ist doch typisch und erinnert mich an eine Geschichte, die vor ca. 10 Jahren in meiner Heimatstadt passiert ist: Hans-Dieter S., ein in der Stadt nicht unbekannter ehemaliger Berufsschullehrer, hatte sich irgendwo und irgendwie zum Bischof weihen lassen. Ich bin mir nicht mehr sicher bei welcher abgedrehten Splittergruppierung das war, ich glaube es war die "katholisch-apostolische Kirche" oder so ähnlich. Die Weihe war wahrscheinlich gültig, aber natürlich völlig unerlaubt. Jedenfalls tauchte er aber in vollem pontifikalen Ornat auf. Das ganze hat so viel Aufhebens gemacht, dass der damalige Erzbischof Degenhardt sogar eigens einen Brief an die Katholiken unserer Stadt geschrieben hat der in allen Messen verlesen wurde, in dem Brief wurde ausdrücklich vor dieser Gruppierung gewarnt.
Aber das Ende vom Lied: Wo feierte Hans-Dieter S. seine Amtseinführung und sein erstes Pontifikalamt? - Selbstverständlich in der größten evangelischen Kirche unserer Stadt!
Wen doch der gemeinsame Feind Rom so zu Freunden macht...

Samstag, 27. August 2011

Meine Mutter...

Heute hatten wir ja den Gedenktag einer heiligen Mutter, die folgende Geschichte ist aber nicht vom heiligen Augustinus, sondern von mir:

Aus dem Urlaub in Österreich hatten wir meiner Mutter eine schöne bunte und praktische neue Einkaufstasche mitgebracht über die sie sich zu Anfang auch sehr gefreut hat. In der letzten Zeit fiel mir auf, dass sie die Tasche aber so gut wie nicht benutzt hat, sie hing bei ihr im Flur am Haken. Gleichzeitig müffelte es im Flur wie im Zoo. Einen Zusammenhang konnte ich aber nicht herstellen.
Gestern kam sie dann mit ein paar alten Plastiktüten vom Einkaufen, da habe ich sie gefragt: "Sag mal, was ist eigentlich mit der neuen Tasche, warum nimmst Du die denn nicht?" - "Du, das geht nicht, die stinkt ganz furchtbar!". "Komisch", sage ich, "das habe ich beim Kauf gar nicht gemerkt, das tut mir aber leid", und meine dann im Scherz: "Du hast doch nicht etwa beim Einkaufen einen alten Käse in der Tasche vergessen?". Meine Mutter darauf ziemlich entrüstet: "Na hör' mal, ich habe die ganze Tasche umgekrempelt, die hat bestimmt irgendwelche Ausdünstungen von der Herstellung!".
Ich trage ihre alten Plastiktüten mit den Einkäufen nach nebenan in ihre Wohnung und schaue mir dann besagte Stinketasche an. Und was finde ich im vordersten Fach? - Der Camembert wäre bis zum 15. August haltbar gewesen...

Es gibt kaum etwas, was man nicht ändern kann. Außer Mütter.
Diese Erkenntnis könnte aber auch von Augustinus stammen.

Allen einen schönen Sonntag!

Freitag, 26. August 2011

Nepomuks Freitagsweisheiten

Zuerst gibt es das "Muck-Foto der Woche":


Bitte beachten: Die Motive auf der Serviette passen zur Mahlzeit...

Wenn ich so auf die Woche zurückschaue, ging es los mit den "Messnomaden" am Sonntag. Was ist Gemeinde? Auch die, die von weither und aus unterschiedlichen Orten zum Gottesdienst zusammenkommen, sind hic et nunc Gemeinde. Fürs Nomadendasein braucht man sich nicht schämen. Außerdem kann sich jeder Nomade gut auf den "Stammvater des Glaubens" Abraham berufen.
Dienstag war dann die schon beschriebene Beerdigung. Man kanns auch so sehen: Mach' mal was ganz Abgedrehtes und Verbotenes: Sing' mal auf Latein!
Den Rest der Woche habe ich viele anstrengende Gespräche geführt, mit Menschen die Stimmen hören, mit hochsensiblen Punkern, mit intelligenten Alkoholikern und mit Menschen deren Lebensentwürfe und Beziehungen in die Brüche gegangen sind. Es macht mich immer wieder nachdenklich, welche Lasten Menschen anderen aufbürden und auch, was Menschen sich aufbürden lassen und mit welcher Kraft sie das tragen.
Mittlerweile bin ich aber auch fest davon überzeugt, bei allem Wissen um die Unauflöslichkeit der Ehe, dass es Situationen gibt, in denen es besser ist sich zu trennen. Keiner derjenigen mit denen ich spreche hat diesen Schritt leichtfertig oder unüberlegt getan. Hinter den Meisten liegt ein langer und psychisch wie physisch demütigender Weg mit vielen verzweifelten Versuchen, das gegebene Eheversprechen selbst zu erfüllen und auch, das vergessen viele, vom Partner einzufordern. Wenn das alles nicht geht, ist eine Trennung der richtige Schritt. Wenn man dann einen neuen Partner kennenlernt und mit ihm glücklich wird, ist das auch in Ordnung. Und zum Sakramentenempfang: Ein Sakrament ist kein Fleißkärtchen für die Perfekten...

Einen guten Start in Wochenende!

Donnerstag, 25. August 2011

Köln an der Ruhr: Richtig was auf die Ohren!

Gestern abend waren wir beim Zeltfestival Ruhr am Kemnader Stausee. Als Lokalpatriot muss ich natürlich vorausschicken, dass das Zeltfestival entgegen aller anders lautenden Meldungen NICHT in Bochum stattfindet (Wo ist eigentlich Bochum?). Dieses Zeltfestival ist gar nicht so schlecht, neben Unmengen von Ständen mit mehr oder weniger gelungenem Kunsthandwerk kann man sich auch kulinarisch hervorragend verwöhnen lassen.
Aber der eigentliche Anlass gestern abend war das schon lange ausverkaufte BAP-Konzert! BAP ist ja irgendwie die Band meiner Jugend. Und so war es gestern abend immer noch, wir waren die Jüngsten... Hätte Wolfgang Niedecken zu Beginn gesagt: "Alle Deutsch- und Geschichtslehrer links 'raus und alle Erdkunde- und Politiklehrer rechts 'raus!" hätten wir in der Mitte richtig schön viel Platz gehabt...
Das Konzert war schon ziemlich gut, drei Stunden ohne Pause alte und neue Klassiker.
Und mittendrin kam er: Der Konzert-Yeti.
Seine schleichende Annäherung kündigte sich schon durch den beißenden Geruch an der ihm vorauseilte. Langsam aber unerbittlich schob sich ein mit roter Strickjacke und Leinenbeutel bekleideter Fleischberg direkt vor uns in die Sichtachse zur Bühne. Ein gewaltiges Tier. Dass es sich um ein männliches Exemplar handelte, war an der herausgewachsenen Minipli und der beeindruckenden Schenkelbürste kurz unterhalb der original 80-er Jahre AOK-Sehhilfe eindeutig zu erkennen. Da stand er nun, komplett aufgerichtet, die massigen Vorderbeine in die speckigen Hüften gestemmt. Um uns herum wurde es dunkel. Einige Frauen in meiner Nähe versuchten panikartig die wenigen Notausgänge zu erreichen. Was sollten wir tun? Unsere Schrotflinten hatten wir im Basislager zurückgelassen. Wir rückten enger zusammen. Dem Bart und dem zufriedenen Grunzen nach zu urteilen musste er vor kurzem noch etwas zu sich genommen haben. Vermutlich hatte er einen Büffel gerissen. "Wenn sie satt sind sind sie weniger gefährlich" flüsterte ein Mann neben mir, "wenn wir uns tot stellen haben wir vielleicht eine Chance und er zieht weiter!" Der Geruch brachte uns fast um den Verstand. Wir stellten uns tot. Nach einer uns endlos erscheinenden Zeit zog der Konzert-Yeti weiter. Nochmal gut gegangen! Ein paarmal noch blickte er sich bedrohlich um, dann verschwand er in den Tiefen des Konzertzeltes. Diesen Anblick werde ich so schnell nicht vergessen...

Hm, was wollte ich denn nochmal eigentlich schreiben? Ach ja, ein tröstendes Zitat aus dem neuen BAP-Album:

"Alles nur halv su wild, waat aff un du weeß sinn. Wirklich alles halv su wild, dat renkt sich en. Jläuv mir, dat ess halv su wild, och wenn et dich noch so fäädisch määt. Da' 'ss nix, wo die Welt vun ungerjeht. Alles halv su wild."

Und für die, die jetzt nicht wissen worum es geht, noch etwas passendes von Wolfgang Niedecken von gestern abend: "Vielen Dank, ich find' das ganz toll, dass ihr seid dreißig Jahren versucht mich zu verstehen!"

Heilige sind zeitlos

Heute sind die Gedenktage zweier Heiliger, des heiligen Ludwig IX., König von Frankreich (+1270), und des heiligen Priesters und Ordensgründers Josef von Calasanza (+1648). Die Lesehore zitiert einmal das Testament Ludwigs an seinen Sohn, sowie eine Denkschrift von Josef von Calasanza. Aus beiden Texten kurze Ausschnitte:

Zuerst Ludwig von Frankreich:

"Gern und fromm höre den Gottesdienst der Kirche. Wenn du im Gottesdienst bist, hüte dich umherzuschauen, und führe keine leeren Gesrpäche. Vielmehr bete zu Gott mit Worten des Mundes oder in der Betrachtung des Herzens.
Dein Herz sei gütig gegen die Armen, Elenden und Betrübten. Komm ihnen nach Möglichkeit entgegen und tröste sie. (...) Schlag dich stets eher auf die Seite der Armen als auf die der Reichen, bis du sicher bist, die Wahrheit gefunden zu haben."

Ist das nicht "Liturgische Bewegung" und "Option für die Armen" vor fast 750 Jahren?

Nun Josef von Calasanza, ihm geht es um Erziehung:

"Es ist ein heiliger Dienst, Kinder zu erziehen, besonders die Kinder der Armen, und sie so zu belehren, dass sie das ewige Leben erlangen können. (...) Wenn wir den Kindern, besonders den Armen, eine passende Erziehung angedeihen lassen, mehrt das ihre menschliche Würde. (...) Wer das Amt eines Lehrers annimmt und es mit Eifer und Gewissenhaftigkeit ausüben will, braucht viel Liebe, größte Geduld und vor allem eine tiefe Demut."

Pädagogik hat etwas mit Menschenwürde zu tun. Diesen Gedanken finde ich immer wieder aktuell.

Dienstag, 23. August 2011

In aller Stille - Zum Glück nicht!

Heute war nun die Beerdigung des Vaters meines Freundes. Alles war sehr angemessen und passend. Und wenn jemand verstorben ist, ist das eben eine traurige Sache die Trost benötigt. Deshalb gibt es eben ein "Seelenamt" in Schwarz und nicht ein "Auferstehungsamt", das die Beteiligten nur überfordert und letztlich in ihrer Situation nicht ernst nimmt. Der Vorwurf, ein klassisches Requiem verdunkle die Auferstehungshoffnung, ist völlig absurd. Es gab Proprium (Introitus und Communio) und Ordinarium aus dem Choralrequiem. Die Melodien haben für mich etwas sehr zärtlich-melancholisch-beruhigend-tröstendes. Eben nicht "Jesus starb den Tod, den alle Menschen sterben", was ich gar nicht mag. Mich berührt immer besonders die I. Präfation:

 "Bedrückt uns auch das Los des sicheren Todes, so tröstet uns doch die Verheißung der künftigen Unsterblichkeit. Denn deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen. Und wenn die Herberge der irdischen Pilgerschaft zerfällt, so ist uns im Himmel eine ewige Wohnung bereitet."

Das hat doch was. Ich könnte es mir auch mal für meine eigene Anzeige gut vorstellen. Nach der Beerdigung waren wir dann noch klassisch bei Schnittchen und Streuselkuchen zusammen, und haben über alte Zeiten, Heavy-Metal (ein anderer Freund war nämlich in Wacken dabei), Fußball und alles mögliche gesprochen. Und auch viel gelacht, das tat richtig gut.
Mein Tipp: Wenn mal jemand in die Situation kommen sollte, eine Beerdigung zu planen, mach' es nicht in "aller Stille", das macht noch trauriger, und lass auch die Messe wie sie ist. Die "klassische" Form hat schon einen tiefen Sinn und zeugt von ganz viel Erfahrung und Menschenkenntnis. Das habe ich heute deutlich gemerkt.

Montag, 22. August 2011

Der Papst im Kleinformat

Da bestelle ich mal was bei der Deutschen Bischofskonferenz: hundert Aufkleber zum Papstbesuch dazu auch noch umsonst. Und dann kommt das dabei heraus:


Das sieht jetzt nicht wirklich toll aus, oder?

Liebe Bischöfe, ich weiß, dass der Papstbesuch so gar nicht in den Dialogprozess und die Überplanung der Pastoralverbünde passt, aber müssen die Aufkleber so klein sein?

Maria Königin, Fürstin, Herzogin - oder was?

Heute ist ja der Gedenktag "Maria Königin", der von Papst Pius XII. zum Abschluß des Marianischen jahres 1954 eingeführt wurde. Dieses Marianische Jahr sollte an die Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis im Jahre 1854, also 100 Jahre zuvor, erinnern. Den Ehrentitel "Königin" gibt es allerdings schon wesentlich länger.

Da ich nun mal kein eingefleischter "Royal" bin, beeindrucken mich Adelstitel eigentlich eher weniger, selbst dann, wenn die Gottesmutter damit belegt wird: Es gibt Mariengebete in denen sie als "Fürstin" angesprochen wird und Wallfahrtsorte z.B. zur "Herzogin des Sauerlandes", oder eben Tage wie "Maria Königin". Kann man das wirklich ernst nehmen? 
Vordergründig sicher nicht. Diese ganzen Titel können nur dann eine Bedeutung haben, wenn man sie als das nimmt, was sie sind: Manchmal etwas hilflos wirkende Versuche, mit menschlichen Worten ein transzendentes Geschehen sprachlich analog abzubilden. Dass sie etwas hilflos wirken, liegt in der Natur der Sache, wie soll ich denn eine jenseitige Wirklichkeit sprachlich präzise wiedergeben? Das ist naturgemäß begrenzt. Wenn ich also solche Begriffe und Titel benutze, sollte ich darauf achten, dass sie immer nur einen begrenzten und relativen Wert haben, dass sie immer nur Analogien darstellen, dass sie aber auch in der Form von Bildern und Erzählungen, Kunst, Musik und auch Religion, die wahrscheinlich einzige Möglichkeit darstellen, menschlich eine Brücke zwischen Immanenz und Transzendenz zu schlagen. Das wiederum gibt diesen "Brückenbegriffen" einen hohen Wert. So auch bei dem Titel "Maria Königin".


"Laß uns einst mit Maria und allen Heiligen teilnehmen am Mahl des ewigen Lebens" heißt es im heutigen Schlußgebet. Darauf kommt es an.

(Das Bild von Uwe Barghaan zeigt die Marienkrönung im Altenberger Dom)

Sonntag, 21. August 2011

Messnomaden

Heute morgen waren wir zur hl. Messe im Altenberger Dom. Es gab die äußere Feier des Patroziniums Mariä Himmelfahrt. Die Kölner Dombläser spielten und die Liturgie war wieder einmal ganz hervorragend. Eine sehr durchdachte Ordnung der Gebetsrichtungen, kein Wort zu viel, insgesamt eine wohltuende Ruhe und Feierlichkeit. Der Pfarrer hat schon recht, wenn er in der Predigt sagt, dass wir nicht "Liturgie machen", sondern die Liturgie uns in den Himmel mitnimmt. In Altenberg gelingt das.



Mit viel Glück haben wir in der letzten Reihe noch Sitzplätze bekommen und nach der Messe sind wir noch sehr nett und rustikal im "Küchenhof" essen gegangen. Ein schöner Sonntagmittag!
Natürlich, ich bin ein Messnomade geworden und früher war es ganz anders. Vielen meiner Freunde geht es ähnlich. Was wohl mal wird, wenn wir Kinder haben? Gehe ich dann regelmäßig in meine Wohnortpfarrei zum Familiengottesdienst? Ehrlich, so richtig kann ich mir das nicht vorstellen. Warum kann es nicht wenigstens so sein, dass bei allen Nuancen grundsätzlich die Gottesdienste überall mit einer solchen Objektivität gefeiert werden, dass man ohne sich zu verbiegen da hin gehen kann? Ich will jetzt auch bewußt nicht theologisch oder kirchenrechtlich argumentieren, es geht mir jetzt einfach mal nur darum, dass ich keine Lust habe, mir meine Sonntage verderben zu lassen. Ich kann inzwischen jeden verstehen, der lieber zuhause bleibt und die These, dass der Glaube Gemeinschaft braucht, würde ich auch nicht mehr blind unterschreiben. Aber so ist das wohl bei Nomaden, sie ziehen von Wasserstelle zu Wasserstelle.
Was machen bloß die armen Leute die kein Auto haben?  

Samstag, 20. August 2011

Der "Mann seines Jahrhunderts": Bernhard von Clairvaux

Vorbemerkung: Der "praktische Trost" (s.u.) von gestern abend war sehr gelungen. Und das wäre ja vielleicht doch noch eine "Freitagsweisheit": Manchmal helfen gegen Trauer Bier, Steaks, Grappa und Zigarillos. Und Kopfschmerztabletten am nächsten Morgen.

Zum heutigen Gedenktag mein Zeitungsbeitrag:

Eine der faszinierendsten Gestalten des Mittelalters, „der Mann seines Jahrhunderts“, wie er von Zeitgenossen beschrieben wird, ist der hl. Bernhard von Clairvaux. 1090 aus burgundischem Adel geboren, tritt er 1112 mit 30 Gefährten in das Reformkloster Citeaux ein und wird so einer der Gründerväter des Zisterzienserordens. Nach drei Jahren wird er zur Gründung von Clairvaux ausgesandt, das nach harten Anfängen rasch aufblühte: bis zu Bernhards Tod 1153 erfolgten von dort aus nicht weniger als 68 Klosterneugründungen. Aber Bernhard war auch mit den großen Problemen der Kirche seiner Zeit befasst: Er war Berater von Päpsten und Fürsten in kirchlichen und politischen Fragen. Darüber hinaus galt er als großer und leidenschaftlicher Prediger und Marienverehrer. Innige, fast zärtliche Frömmigkeit, und gleichzeitig aufbrausendes Temperament, Organisationsgeschick und mönchische Zurückgezogenheit finden in Bernhards Persönlichkeit in einem spannungsreichen Verhältnis zueinander. In unserer Gegend finden wir die ehemaligen Zisterzienserabteien Kamp am Niederrhein mit dem wunderschönen barocken Terrassengarten und Altenberg im Bergischen Land mit der herrlichen gotischen Architektur des Altenberger Doms. „In Betrieb“ und immer einen Besuch wert, ist das Zisterzienserkloster in Bochum-Stiepel. Unser Bild zeigt die Bernhardsfigur auf dem Klosterplatz in Stiepel:



Bernhard denkt viel nach über den sorgsamen Umgang mit sich selbst. An seinen Freund, Papst Eugen, schreibt er:
„Deine Besinnung muss bei dir selbst beginnen, damit du dir selbst nicht gleichgültig geworden, dich vergeblich anderen zuwendest. Was nützt es, wenn du die ganze Welt gewinnst und einzig dich verlierst? Denn wärest du auch weise, so würde es dir doch an Weisheit fehlen, solange du über dich selbst nicht Bescheid weißt. Wie viel dir wohl fehlte? Nach meinem Empfinden alles. Du könntest alle Geheimnisse kennen, du könntest die Weite der Erde kennen, die Höhen des Himmels, die Tiefen des Meeres: wenn du dich nicht selber kennst, glichest du jemandem, der ohne Fundamente eine Ruine statt eines Gebäudes errichtete. Keiner ist also weise, der nicht über sich selbst Bescheid weiß. Ein Weiser wird in Weisheit über sich selbst Bescheid wissen und trinkt als erster aus dem Quell seines eigenen Brunnens.“

"Wenn du klug bist, mach dich selbst zu einem Wasserbecken und nicht zu einer Abflußleitung. Diese empfängt und vergießt das Wasser nämlich beinahe gleichzeitig; ein Wasserbecken hingegen wartet, bis es ganz voll ist; und so gibt es weiter, wovon es überfließt, ohne selbst etwas einzubüßen."

Freitag, 19. August 2011

Nepomuks Freitagsweisheiten

Ehrlich gesagt fällt mir heute nicht viel ein. Der Todesfall im Freundeskreis hat mich doch etwas sprachlos gemacht. Und ich merke, dass es etwas völlig anderes ist, arbeitsmäßig mit Tod und Sterben umzugehen, oder in eine persönlich betroffene Situation zu geraten. So schmerzlich das auch ist, ich glaube, dass es wichtig ist, diesen Unterschied zu spüren. Heute abend jedenfalls habe ich meinen Freund eingeladen und es gibt Bier und Steaks vom Grill. Manchmal muss Trost auch ganz praktisch sein.
Aber das Muck-Foto der Woche möchte ich doch allen Katzen- bzw. Katerfreunden nicht vorenthalten:


Allen ein gutes Wochenende und einen gesegneten Sonntag!

Donnerstag, 18. August 2011

Bitte um ein Gebetsgedenken

Der Vater meines besten Freundes ist gestern abend verstorben.


Herr, gib ihm die ewige Ruhe.
Und das ewige Licht leuchte ihm.
Herr, lass ihn ruhen in Frieden.
Amen.

Mittwoch, 17. August 2011

Spaß im Krankenhaus

Zur Erheiterung zwei kurze Erlebnisse:

Gestern ruft mich eine merkbar irritierte Krankenschwester an: "Ich habe hier eine Patientin, die hätte gerne eine 'Krankenhaussalbung', geht das???" - Da wir so viel Öl nicht vorrätig haben und das Krankenhaus einen recht gesunden Eindruck macht, habe ich dann einen Priester für eine Krankensalbung organisiert. War dann auch ok...

Gestern im Treppenhaus: Ein deutlich wohlgenährter türkischer Arzt trifft nach längerem seinen spindeldürren deutschen Kollegen wieder: "Ey, wie siehst Du denn aus, hast Du Ramadan oder was?"

Allen einen schönen und hoffentlich entspannten Tag!

Dienstag, 16. August 2011

16. August: Stephan von Ungarn

"Sei stark, damit das Glück dich nicht übermütig und das Unglück nicht niedergeschlagen macht. Sei demütig, damit Gott dich erhöht, jetzt und in Zukunft. Sei maßvoll, strafe und verurteile nicht maßlos. Sei milde, damit du niemals der Gerechtgkeit widerstreitest. Sei edel und kränke keinen unbedacht. Sei schamhaft und meide üble Begierden wie den Stachel des Todes."
König Stephan von Ungarn (+1038): Aus einem Mahnschreiben an seinen Sohn

Die Bilder kommen heute von der Seite des "Bundes ungarischer Organisationen in Deutschland" und zeigen die schöne Ungarnkapelle am Aachener Dom:



Ich habe auch mal wieder in den "Erinnerungen" von Josef Kardinal Mindszenty nachgeschaut. Sie sind immer wieder erschütternd zu lesen. Er war nicht nur von Nazis und Kommunisten eingekerkert, sondern auch noch Opfer der vatikanischen Ostpolitik. Tragisch. Als er noch in Mariazell beigesetzt war, habe ich einmal sein Grab besucht.

1948 schreibt er in einer Erklärung:
"Die Kirche kennt weder links- noch rechtsgerichtete Katholiken, sondern nur römische Katholiken, die ein und denselben Glauben bekennen, nach den gleichen Gesetzen leben, dieselben Sakramente empfangen und die geistige Leitung der in Eintracht mit dem Lehramt des Papstes, des Stellvertreters Jesu Christi auf Erden, lebenden Bischöfe bereitwillig respektieren."

Darüber wollen wir heute abend mal ein wenig nachdenken...

Montag, 15. August 2011

15. August: Aufnahme Mariens in den Himmel

Zum heutigen Fest:

Das Bild zeigt die mittlere Tafel des wunderschönen Marienaltars von Conrad von Soest in der Dortmunder Marienkirche. Inzwischen evangelisch, aber unbedingt einen Besuch wert!
Auf zwei "Mariä-Himmelfahrts-Patrozinien" möchte ich noch hinweisen: St. Marien in Olpe und Mariä-Himmelfahrt in Meschede. Beide Kirchen stammen aus den 50er Jahren, sind also in den ersten Jahren nach der Verkündigung des Dogmas durch Papst Pius XII. 1950 entworfen und gebaut. Wenn man sich dann die Renovierungen und Umgestaltungen bis heute ansieht, wird einem einiges deutlich. Im Schrank habe ich auch noch das "Goldene Buch Papst Pius XII. zum Heiligen Jahr 1950" mit Bildern und Texten zum damaligen Jubiläumsjahr. Wenn man das heute so durchblättert: Eine komplett andere Welt.

"Opfer ist Freude - das lernen wir von dem Feste der Assumptio beatae Mariae Virginis. Ohne die absolute Hingabe Mariä an den Willen Gottes, ohne die Schmerzen, ohne das Schwert, das ihre Seele durchdrang, ohne ihre Geduld unter dem Kreuze ihres Sohnes, ohne ihr volles Einssein mit dem verklärten Sohne wäre sie heute nicht so wunderbar selig in die Ewigkeit des Himmels emporgeschwebt. So werden auch wir, wenn wir uns selbst mit Leib und Seele hingeben, wenn wir den Tod nach dem Willen Gottes auf uns nehmen, in welcher Form er auch komme, aus dem Tode das Leben erblühen sehen. Dann wird die Vernichtung unseres irdischen Daseins das Aufleben unseres höheren Menschen werden. 'Der Kyrios nimmt uns auf, er, der Heilige Israels, unser König' (Ps. 88,19). 'Selig, wen du erwählt und aufgenommen hast, er wird wohnen in deinen Hallen' (Ps. 64,5)    Odo Casel

Allen einen schönen Feiertag!

Sonntag, 14. August 2011

Na wie war ich, Schatz?

Gestern war ich zur Hochzeit von Freunden in einem kleinen, netten Ort zwischen Soester Börde und Sauerland eingeladen. Um es vorwegzuschicken: An dieser Stelle den beiden Brautleuten noch einmal alles Gute und Gottes Segen für die Zukunft! Die Feier war sehr schön, und es war gut, dass wir da waren! Bei der Feier. Ob das auch für das Brautamt gilt, da bin ich mir nicht so sicher. Die Voraussetzungen waren eigentlich ganz gut: Eine schöne Kirche, alle Beteiligten katholisch und die Liedauswahl war trotz gelegentlichem Griff in die NGL-Mottenkiste auch ok.
Gut, dass sich die Brautleute das Sakrament gegenseitig spenden. Denn jetzt kommt der Pastor. Die Lesung wurde durch einen Text ersetzt, und die Gebete waren grundsätzlich frei formuliert. Inhaltlich hätten die auch aus einem Flyer der Eheberatungsstelle stammen können. Die meisten seiner Kommentare habe ich akustisch nicht verstanden. Auch weil wir laufend applaudieren sollten. Aber vier Höhepunkte sind hängengeblieben:

Zu Beginn: "Es ist klar, dass jetzt alle etwas aufgeregt sind, also, wir fangen jetzt mal mit einem "Wohlfühl-Ahh" an: Entspannen Sie sich und machen jetzt alle mal "Ahhhhhh!"".  - Ich war dann nicht mehr so ganz entspannt wie vorher.

Während der Predigt: Es ging um "Türen" und wir mussten alle unsere Haustürschlüssel rausholen, sie uns anschauen und dann damit klimpern. - An meinem ist ein Flaschenöffner dran.

Nach dem Sanctus: "Es folgt jetzt die Wandlung von Brot und Wein. Bitte nehmen Sie eine Körperhaltung ein, die für Sie angenehm ist." - Hinlegen ging leider nicht, dann hab' ich mich halt hingekniet.

Zum Schluss: "Ich bedanke mich bei allen Beteiligten", er zählt sie ausgiebig auf, "es hat alles gut geklappt", und jetzt kommt der Brüller: "UND ICH FAND' MICH AUCH NICHT SCHLECHT!"

Es ist wie im richtigen Leben: Das Beste ist manchmal die Zigarette danach...

Freitag, 12. August 2011

Nepomuks Freitagsweisheiten

Unter "Nepomuks Freitagsweisheiten" möchte ich zukünftig immer am Freitagnachmittag Erkenntnisse aus der zurückliegenden Woche kurz, thesenartig und unsortiert festhalten. Meist sind das Dinge, die mich in den letzten Tagen besonders beschäftigt haben.
PS: Und außerdem gibt es das "Muck-Foto der Woche"!


Es geht also heute los:

- Ehrenamtliche muss man pflegen. Dazu gehört auch, dass man sie von Zeit zu Zeit richtig abbürstet.

- Manfred Lütz hat recht: Wir therapieren die falschen, die Gefährlichen laufen draußen rum: Ein solcher Kirchenhaß wie in den Leserforen mancher Zeitungen ist mir in der psychiatrischen Klinik noch nie begegnet.

- Erstelle eine Patientenverfügung, mindestens aber eine Vorsorgevollmacht. Du machst dir über ein wichtiges Thema Gedanken und ersparst dir, deinen Angehörigen und allen Beteiligten eine Menge Streit, Tränen und Unsicherheit.

- Mit dem Leben ist es wie mit dem Handy. Wenn der Akku leer wird, nützt es nichts hektisch weiter zu telefonieren. Suche Dir rechtzeitig ein Ladegerät und eine Steckdose.

Allen ein gutes Wochenende und einen gesegneten Sonntag!

Johanna Franziska von Chantal

Zum heutigen Gedenktag ein Gebet der heiligen Johanna Franziska von Chantal:


O Herr,
deine Augen, die die innersten Falten meines Herzens durchdringen,
sehen, dass es mein größter Wunsch ist,
Deinen heiligen Willen zu erfüllen,
aber sie sehen auch meine Ohnmacht.
Deshalb, o mein Erlöser, beschwöre ich dich bei deiner unendlichen Barmherzigkeit,
Schenke mir die Gnade,
deinen Willen vollkommen zu erfüllen,
damit ich dich ohne Ende lobe und preise.
Amen.


Hinweisen möchte ich auch auf die Internetpräsenz der "Schwestern der Heimsuchung Mariens", dort findet sich für jeden Monat des Jahres ein sehr schönes Geistliches Wort.

Allen einen guten Start ins Wochenende!

Donnerstag, 11. August 2011

Klara von Assisi

Erinnert sich noch jemand an den Franziskus-Hippie-Film "Bruder Sonne, Schwester Mond" von Franco Zefirelli aus dem Jahr 1972? Ach, was haben wir bei unseren Besinnungswochenenden schmachtend vor dem Videorecorder gesessen...
Immerhin hat der Film meiner Meinung nach das Franziskus- und auch Klarabild einer ganzen Generation geprägt. (Leider bei manchen heute noch...)
Zum heutigen Gedenktag ein Bild aus der Pfarrkirche St. Franziskus in Witten:


Die Fenstermotive: Mitte: Klara geht mit dem Allerheiligsten in der Monstranz den Sarazenen entgegen, unten San Damiano. Links: Klara empfängt vom Bischof von Assisi einen Palmzweig. Rechts: Klara während des Chorgebetes.
Der gesamte Fensterzyklus im Langhaus der Kirche wurde 1982/83 vom Künstler Jupp Gesing aus Herne geschaffen.
Das Bild stammt von der hoch interessanten Seite glasmalerei-ev.net, die von der Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts unterhalten wird. Da lohnt es sich wirklich vorbeizuschauen!

Mittwoch, 10. August 2011

Laurentius, lieber Laurentius mein...

Schon gewußt? In einigen altrituellen Gemeinschaften wird immer noch der Hymnus: "Laurentius, lieber Laurentius mein, wann werden wir wieder beisammen sein?" in der Festoktav an jedem der dann im Hymnus aufgezählten Wochentage "am Montag, am Dienstag" usw. während der Matutin gebetet, wobei die Nennung eines Wochentages jeweils mit einer Kniebeuge verbunden ist.
Die damit verbundene ungewöhnliche körperliche Anstrengung wird durch ein abendliches, an das Martyrium des Heiligen erinnerndes Grillen ausgeglichen, wobei der Hausobere das Grillen durch ein vorhergehendes Lichtritual (Anzünden der Grillkohle) eröffnet.
In den Wirren nach dem Konzil wurde dieser Ritus vielfach abgeschafft oder durch einen Elektrogrill ersetzt. Der Hymnus blieb jedoch im frommen Volk, wenn auch profaniert, erhalten, und wird heute noch meist in Turnhallen von Grundschulkindern begeistert gesungen. Aus Gründen der Gender-Gerechtigkeit wurde allerdings der Name durchgängig in "Laurentia" abgeändert.

Passend zum Fest ein paar Bilder von der Pfarrkirche St. Laurentius in Herne-Wanne, leider nur von außen, da die Kirche verschlossen war. Der mittlerweile leider verstorbene frühere Pfarrer war ein sehr kunstsinniger Mann, und hat die Kirche sehr reichhaltig mit alter und neuer Kunst ausgestattet. Aber eben von innen...




Das ruinöse Haus ist leider Realität im Ruhrgebiet, ebenso die zwei Moscheen auf der gleichen Straßenseite. Mancher wird auch die Cranger Kirmes kennen, das angeblich größte Volksfest in NRW. Die Kirmes ist aus den alten Feierlichkeiten zum Kirchenpatron Laurentius entstanden und beginnt heute noch traditionell mit einem Pferdemarkt, und immerhin gibt es auch eine Reihe Gottesdienste zur Kirmes. Es ist täglich ein gewaltiger Andrang und Rummel und die Notaufnahme unseres Krankenhauses arbeitet in Doppelschicht...

Dienstag, 9. August 2011

Nochmal Edith Stein: Worauf es ankommt

In einer ihrer letzten überlieferten Aufzeichnungen schreibt Edith Stein:

"Es geht mir gut: Ich konnte gut beten."

Mehr braucht es nicht.

Schwuler König: Gibts keine anderen Probleme?

Nun geht ja die Provinzposse um den homosexuellen Schützenkönig in einem Münsteraner Vorort schon seit einiger Zeit durch die Presse. Ich will mich dazu auch nicht groß äußern. Mir persönlich ist die sexuelle Ausrichtung eines Schützenkönigs auch ziemlich egal und das letzte von mir besuchte Schützenfest war für manchen nun auch keine moralisch lupenreine Veranstaltung. Das hatte allerdings eher heterosexuelle Gründe ;) Ich finde es nur schade, dass es sich so entwickelt hat, denn jetzt können alle Beteiligten, die Personen selbst, die Kirche, die Bruderschaften usw., nur noch beschädigt aus der Sache herauskommen. Hätte sich da nicht manches vorher klären können? (Vor allem, wenn man bedenkt, wie sonst oft der Schützenkönig ausgekungelt wird...) Dass sich allerdings auch inzwischen die NRW-Landesregierung einschaltet, halte ich für ziemlich daneben. Wie bei anderen Gelegenheiten auch, ist das jetzt natürlich ein willkommenes Sprungbrett um auf die Kirche einzudreschen.
Was mich aber heute morgen schon ziemlich geärgert hat, ist, dass die "Ruhr-Nachrichten" dieses Thema heute als Titel auf Seite 1 haben. Für mich ist das ein weiterer Schritt einer einstmals wertkonservativen und katholisch geprägten Zeitung hin zu einem reißerischen Boulevardblatt. Wie groß muss die Panik um sinkende Abo-Zahlen sein, dass es immer wieder Artikel auf die Seite 1 schaffen, die genauso in der Zeitung mit den ganz großen Überschriften stehen könnten?
Wohlgemerkt: Es geht mir hier nicht um das Thema Homosexualität, sondern darum, dass ich morgens beim Kaffee gerne etwas Vernünftiges lesen möchte!

Montag, 8. August 2011

Edith Stein und das Kartoffelschälen

Zum morgigen Fest:


"Wir glauben, dass es Gott gefällt, sich eine kleine Schar von Menschen auszuwählen, die besonders nahen Anteil an seinem eigenen Leben haben sollen, und glauben, zu diesen Glücklichen zu gehören. Wir wissen nicht, nach welchen Gesichtspunkten die Auswahl getroffen wird. Jedenfalls nicht nach Würde und Verdienst, und darum macht uns die Gnade der Berufung nicht stolz, sondern klein und dankbar. Unsere Aufgabe ist es, zu lieben und zu dienen. Weil Gott die Welt, die er geschaffen hat, niemals preisgibt und vor allem die Menschen sehr lieb hat, ist es natürlich für uns unmöglich, die Welt und die Menschen zu verachten. Wir haben sie nicht verlassen, weil wir sie für wertlos hielten, sondern um für Gott frei zu sein. Und wenn es Gott gefällt, müssen wir auch mit manchem, was jenseits unserer Gitter liegt, die Verbindung wieder aufnehmen. An sich gilt es gleich bei uns, ob man Kartoffeln schält, Fenster putzt oder Bücher schreibt. Im allgemeinen verwendet man aber die Leute zu dem, wozu sie am ehesten taugen, und darum habe ich sehr viel seltener Kartoffeln zu schälen als zu schreiben."

Edith Stein (Brief 160 vom Sommer 1937)

Freitag, 5. August 2011

Verklärung des Herrn - mein persönlicher Gedenktag

Um es für die Rubrizisten vorneweg zu schicken, ich weiß natürlich auch, dass "Verklärung des Herrn" kein Gedenktag ist, sondern den Rang eines Festes besitzt! Aber für mich hat dieses Fest insofern ein persönliches Gedenken, als dass es der Tag war, an dem ich vor nunmehr doch einer Reihe von Jahren mein Aufnahmegespräch als Priesteramtskandidat hatte.
Ich war noch bei der Bundeswehr und hatte dafür frei bekommen. Mein Spieß fragte damals: "Was willst Du machen???", ich sagte: "Priester werden, Hauptfeldwebel!", er: "Katholisch oder evangelisch?", ich: "Katholisch natürlich, Hauptweldwebel!", er: "Warum?", ich: "Weils besser ist, Hauptfeldwebel!"... So ging es dann los, und während der Zeit im Konvikt habe ich mich manchmal zu den klaren Verhältnissen bei den Fallschirmjägern zurückgesehnt... Mein Spieß war übrigens ein echt feiner Kerl, er kümmerte sich aufopferungsvoll um seine geistig behinderte Tochter, er hatte das Herz am richtigen Fleck, einen großen Sinn für Gerechtigkeit, ein Ohr für die Nöte seiner Soldaten, und wir hätten den im Sauerland anrückenden Mot-Schützen-Regimentern des Warschauer Paktes schon die Eier weggeschossen... - So waren die 80er...
Nun liegt das alles schon lange zurück und vieles hat sich, nicht immer schmerzfrei, anders entwickelt als damals geahnt. Was bleibt, ist die feste Überzeugung, dass Gott die Wege lenkt und einen jeden begleitet. Manchmal, und das ist leider das Schwierige, merkt man es erst im Nachhinein. Dann, wenn sich Dinge zum Guten entwickeln, wenn Krisen überwunden werden, wenn sich neue Perspektiven eröffnen. Gott ist da!

Zum Fest der Verklärung des Herrn den Beitrag den ich für die Zeitung geschrieben habe:

Die sog. „Verklärung“ Christi wird von den Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas berichtet: Jesus führt seine Jünger Petrus, Jakobus und Johannes auf einen hohen Berg. Dort wird er vor ihren Augen verwandelt: sein Gesicht leuchtet wie die Sonne, seine Kleider werden blendend weiß wie das Licht und es erscheinen ihnen Mose und Elija die mit Jesus reden. „Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind“, sagt Petrus und will drei Hütten bauen für Jesus, Mose und Elija. Eine Wolke überschattet sie und aus ihr kommt eine Stimme: „Dies ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“ Als sie den Berg herabstiegen, verbot ihnen Jesus bis zu seiner Auferstehung jemandem von dem Erlebten zu erzählen.
Worum geht es in dieser seltsamen Geschichte? Das Tagesgebet bringt uns auf die Spur: „Du hast uns gezeigt, was wir erhoffen dürfen“. - Verklärung bedeutet also nicht Verunklarung, sondern genau das Gegenteil: Etwas wird klarer, deutlicher, sichtbarer als zuvor.


„Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm!“ – Dieses alte Kindergebet ist häufig als zu flach und simpel kritisiert worden. Dabei ist es gerade in seiner Vertikalität genial, denn es drückt das eigentliche Ziel des Menschen aus, nämlich in den Himmel zu kommen! Das bedeutet nun gerade nicht, die diesseitigen Dinge zu vernachlässigen, sondern sie eben aus dem Blickwinkel der Ewigkeit zu betrachten, einzuordnen und zu bewerten. Der Bericht von der Verklärung des Herrn gewährt für einen Moment einen klaren, deutlichen und sichtbaren Einblick in den Himmel. Aber: das Ziel ist noch nicht erreicht, die Jünger müssen wieder vom Berg herabsteigen, es folgen Leiden und Tod Jesu. Was dennoch den Jüngern bleibt, ist die Erfahrung und das Wissen um die künftige Herrlichkeit im Himmel. Für uns kann das bedeuten: Krankheit, Leiden und Tod sind nicht die Endstationen des Lebens. Auch wenn es in mancher Situation schwer fällt, daran zu glauben: Es gibt eine Perspektive, eine „Hoffnung auf Herrlichkeit“: Jesus Christus. In seiner Verklärung dürfen wir das anfanghaft erleben und dieses Fest soll uns daran wieder neu erinnern.

Donnerstag, 4. August 2011

Christentum und Islam: Unerwartete Verbündete!

Nun ist ja in den letzten Tagen viel über den Beitrag von Wolfgang Ockenfels über Christentum und Islam diskutiert worden. Es ist auch sicher richtig, durch Zuspitzung und manchmal auch etwas Polemik, Dinge auf den Punkt zu bringen. Ockenfels ist Dominikaner und da muss er diese Kunst auch beherrschen. Ob man dem dann immer inhaltlich folgen kann, ist eine andere Frage.
Ich möchte nur ein kurzes eigenes Erlebnis von gestern beisteuern:
Unterricht in einer katholischen Schule für Gesundheitsberufe, 30 Schülerinnen und Schüler, zweites Ausbildungsjahr. Es geht um "spirituelle Kompetenz" und um eine ganzheitliche Sicht auf Gesundheit und Krankheit. Kaum jemandem gelingt es, einen Zusammenhang zwischen Krankheit und Religiosität herzustellen. Einhelliger Tenor: "Wenn ich Kopfschmerzen habe, dann nehme ich eine Tablette und fange nicht an zu Gott zu beten!" - Die einzigen, die es begreifen: Zwei muslimische Schüler.
Manchmal hat man unerwartete Verbündete...

Mittwoch, 3. August 2011

Schützenhilfe?!

Zum Nachlesen und Mitmachen...

oder hier gehts auch!

Kein schönes Thema...

Kloster der Karmelitinnen

Gestern hatte ich angekündigt, etwas über die interessante Geschichte des Karmelitinnenklosters "Maria, Vermittlerin aller Gnaden" zu schreiben. Da werde ich heute nicht ausführlich zu kommen. Hinweisen möchte ich jedoch schon einmal auf die gute Hostienbäckerei und die Herstellung von Kerzen aller Art, besonders Osterkerzen und Primizkerzen werden von der "Kerzenschwester" Sr. Elisabeth auf das allerfeinste auch nach eigenen Entwürfen und zu wirklich angemessenen Preisen angefertigt. Also, wer mal so etwas benötigt, das Kloster ist eine "Top-Adresse"!
Als Beispiel einmal die Osterkerze von diesem Jahr:


Und mit einem herzlichen Gruß an Stanislaus ein Link zu den Glocken der Klosterkirche!

Dienstag, 2. August 2011

Entspannter Sommertag

Nach so viel "Reformfrust" gestern heute mal ein paar entspanntere Impressionen:

"Frauenmesse" in St. Marien Witten (der schöne Begriff "Frauenmesse" beinhaltet natürlich einen unzweifelhaft männlichen und gültig geweihten Zelebranten...)



Und noch ein paar stimmungsvolle Bilder aus dem Kloster der Karmelitinnen:






Zum Kloster gibts demnächst mehr...
Genießt den sonnigen Tag, morgen solls wieder regnen!

Montag, 1. August 2011

Breschnjew - Andropow - Tschernenko - Ratzinger

Auf einem Internetportal, das sich scheinbar objektiv mit Theologie und Kirche beschäftigt und von dem ich überhaupt keine Lust habe es zu verlinken, wird von einer Podiumsdiskussion an der theologischen Fakultät Freiburg über "Kirche und Moderne" berichtet. Lauter bekannte und intelligente Leute auf dem Podium. Und dort bekommt einer die Gelegenheit zu einem Statement in dem er sinngemäß sagt, dass Ratzinger ihn an die Vorgänger Gorbatschows erinnere. Ich vermute mal als Reaktion: Lachen und Beifall. Und niemand widerspricht.
Mich macht das traurig und wütend. Ich sehe mich selbst nicht als sonderlich konservativ und ein "Tradi" oder "Fundi" bin ich nun wirklich nicht. Ich habe selbst meine Anfragen an manches in unserer Kirche und bin auch nicht ganz blöd. Ich möchte doch einfach nur ganz normal katholisch sein! Ist das denn so schwer zu verstehen? Liebe kritischen Reformer: Ich habe von euch einfach die Schnauze voll! Ich will nicht mehr, ihr langweilt mich und ekelt mich an! Ihr interessiert euch nicht für mich und ich mich auch nicht für euch! Ich will auch nicht mehr das Verbindende zwischen uns suchen, ich sehe es nicht. Es reicht mir einfach!

So, das musste mal sein.

Ergänzung: Ja, ich glaube wohl, dass es diese Diskussion mit Hoping u.a. war. Das mit den Gorbatschow-Vorgängern kommt von einem Soziologen. Es ist klar, Universitäten müssen Orte der Auseinandersetzung und auch manchmal des Streits sein und keine christlichen Koranschulen. Es geht mir auch nicht um eine Rundum-Beschimpfung aller "Reformorientierten". Reformorientiert bin ich auch. Ich glaube nur, dass da inzwischen Welten zwischen liegen. Und mittlerweile fällt es mir einfach schwer, bei jedem gute Absichten oder ein "sentire cum ecclesia" vorauszusetzen. Vielleicht ist es auch viel einfacher: Professorale Arroganz, gepaart mit Eitelkeit und Neid?

Noch eine Ergänzung: Je länger ich darüber nachdenke, desto deutlicher wird mir, warum ich mich so geärgert habe: Mich stört einfach dieser intellektuell unredliche und unfaire Umgang mit dem Papst. Wohl kaum ein Papst vor ihm - vielleicht noch in anderer und persönlich tragischerer Weise Paul VI. - war so dazu bereit, das, was er sagt, denkt und tut zur Diskussion zu stellen wie er. Ich habe Professoren kennen gelernt, die in Ihren Vorlesungen weitaus dogmatischer ihre Überzeugungen als die einzig richtigen dargestellt haben, als Benedikt es je tun würde. "Ich bitte die Leserinnen und Leser nur um jenen Vorschuss an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt" schreibt er im Vorwort des ersten Jesus-Buches. Und das macht mich so wütend und traurig, dass ihm niemand diese Bitte erfüllt.