Dienstag, 29. November 2011

Zum Fest des hl. Andreas: Kreuz' meinen Weg!

Eine vielleicht etwas ungewöhnliche Hommage an den Heiligen vor dessen Kreuz wir bestimmt schon alle gestanden haben. Und für einen Freund.


Wenn Deine Suche auch sehnend ist
Und Du für Krawall gebürstet bist
Wenn du fest am Leben klebst
Kreuz meinen Weg

Hast Du das Herz Dich zu riskieren
Zu dämpfen, zu kämpfen, zu verlieren
Ist Dein Urvertrauen stark
Verlässlich bis ins Mark

Ich suche einen, der sich stellt
Der gewohnt ist, sich durchzuschlagen
Gegen den Rest der Welt
Und der sich für mich vergisst

Einen, der sich traut
Der weiss, im voraus zu ahnen
Auf den man haltlos baut
Der aus der Seele spricht

Hast Du ein Herz auf Kaperfahrt zu gehen
Dich zu Kümmern ohne Land zu sehen
Schlägt Dein Puls ruhig und spät
Kreuz meinen Weg

Bist Du bereit sinnloses anzupeilen
Einzustecken und auszuteilen
Wenn Du nicht fürs Zerreden lebst
Kreuz meinen Weg

Ich suche einen, der sich stellt
Der gewohnt ist, sich durchzuschlagen
Gegen den Rest der Welt
Und der sich für einen vergisst

Einen, der sich traut
Der weiss, im voraus zu ahnen
Auf den man haltlos baut
Der aus der Seele spricht

Einen, der dauernd bleibt
Willens Unmögliches zu wagen
Der sich stur verschreibt
Damit Du nichts vermisst

Einen, der sich traut
Der weiss, im voraus zu ahnen
Auf den man haltlos baut
Der aus der Seele spricht

Eine schöne neue Seite im Netz!

Vom Karmelitinnenkloster "Maria, Vermittlerin aller Gnaden" hatte ich ja schon öfters Fotos auf dem Blog. Jetzt haben die Schwestern endlich ihre eigene Internetseite, auf die sie auch mächtig stolz sind. Ich finde sie auch wirklich gut gelungen! Sie haben mich gebeten, etwas Reklame dafür zu machen. Und den Gefallen tue ich Ihnen natürlich hiermit gern!
Die Schwestern haben übrigens nicht nur eine Hostienbäckerei (auch "klassische" dünne Priesterhostien mit Motiv sind im Angebot), sondern auch eine wunderbare Kerzenmanufaktur für Oster-, Primiz-, Tauf-, und Erstkommunionkerzen oder Jubiläen und andere Anlässe. Die dort ausgeliehenen Taufkerzen waren bei unserer Babymesse ein echter Hingucker! Darüberhinaus haben sie für ihren Honig in diesem Jahr eine Goldmedaille erhalten und es gibt z.Zt. eine ganz schöne Weihnachtsausstellung mit Kerzen und selbstgefertigten Karten.
Also, ein Besuch lohnt sich!!!

Montag, 28. November 2011

Verspäteter Advent

Mit etwas Verspätung, aber dafür umso herzlicher, möchte ich allen Mitbloggerinnen und -bloggern und allen Leserinnen und Lesern einen gesegneten Advent wünschen!
Ich bin vorher nicht dazu gekommen: Am Samstag war ja die schon erwähnte Babymesse. Ca. 5000 Besucher waren im Laufe des Tages da. Da unser Stand, ausgerüstet mit Taufbecken, Weihwasser, Taufkerzen und jeder Menge Infomaterial, sehr günstig gelegen war, mussten alle bei uns vorbei und es ergaben sich wirklich interessante und gute Gespräche. Ich glaube, dass das ganz wichtig ist, ich kann nicht in meiner Kapelle sitzen und warten, dass einer kommt, sondern muss dahin gehen, wo die Leute auch sind. Und immerhin 5000 Menschen die uns wenigstens wahrgenommen haben - ich finde, dann lohnt sich der Aufwand!
Ein Gespräch ist mir besonders hängengeblieben: Ein junges Paar, sie hochschwanger, sagt: "Wir würden unser Kind auch gerne taufen lassen, aber wie geht das denn?" - Ich: "Prima, am Besten wenden Sie sich dann an die Gemeinde in der Sie wohnen, dabei können wir Ihnen auch helfen. Sind Sie denn katholisch oder evangelisch?" - Er: "Ich bin evangelisch" und dann, zu seiner Frau gewandt: "Was bist Du denn eigentlich?"... Da fehlten mir doch etwas die Worte.

Jetzt noch mein Adventsbeitrag für die Zeitung:
„Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geboren und nicht in dir: du bleibst doch ewiglich verloren“, so schreibt 1675 der schlesische Arzt und Barockdichter Angelus Silesius. Was meint er damit? Das ganze Weihnachtstheater ist letztlich hohl und sinnlos wenn es nicht um das Eigentliche von Weihnachten geht. Geschenke schenken, Kerzen anzünden und mir einen geschmückten Baum in die Wohnung stellen kann ich auch an jedem anderen Tag im Jahr. Die entscheidende Frage ist: Kann Gott bei mir ankommen? Und ehrlicherweise muss man dann aber auch fragen: Was muss ich denn tun, damit Gott bei mir ankommen kann? – Nicht viel. Nur glauben können, dass Gott auch in meinem ganz persönlichen Leben, in meinem Alltag mit allen Höhen und Tiefen, wirkt und mich liebt. Das ist dann doch eine ganze Menge. Versuchen Sie es im Advent, sie werden die Welt mit anderen Augen sehen!

Freitag, 25. November 2011

Nepomuks Freitagsweisheiten

Es ist schon wieder Freitag. Allein diese Tatsache wäre schon einen eigenen Beitrag wert. "Quid est ergo tempus?" lautet die berühmte Frage des hl. Augustinus in den Confessiones, und er fährt fort: "Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich's, will ich's aber einem Fragenden erklären, weiß ich's nicht!" Mit Augustinus wird die Zeit zur inneren Erfahrung, d.h. vor aller objektiv messbaren Zeit dominiert ein subjektives seelisches Zeitbewusstsein: Natürlich, die Uhr geht nicht schneller als sonst, und doch ist "schon wieder" Freitag!
In dieser Woche hatte ich mit einem stadtbekannten Querulanten zu tun. Er wirft uns in der Öffentlichkeit vor, bei uns würden "die Menschenrechte mit Füßen getreten". Dabei geht es nur um vier Behindertenparkplätze, die wegen einer Großveranstaltung auf dem Kirchplatz kurzfristig gesperrt waren. Außerdem sei seine Mutter bei uns schlecht behandelt worden. Er selbst, übrigens irgendwie promoviert und Direktor und einziger Mitarbeiter eines von ihm gegründeten und nach ihm benannten Instituts, muss aber auch gegenüber den Mitarbeitern aufgetreten sein wie Godzilla. Immerhin ist er nicht mit einem Messer auf jemanden los, so hat er nämlich auch schon versucht Konflikte zu lösen. Ansonsten bombardiert er unsere Zeitungen mit Leserbriefen. Das Dumme ist nur, dass wir uns seit Kindergarten- und Schulzeiten kennen und früher einmal befreundet waren. Aber inzwischen wirft er mir vor, ich hätte ihn im Stich gelassen. Eigentlich ist er nur eine arme Sau, die sich mit allen überwirft und selbst die Gutmeinenden vergrault. Da kann man wohl nichts machen, trotzdem ist es nervig.
Morgen ist "Babymesse" im Krankenhaus und wir machen einen Stand zum Thema Taufe und religiöse Erziehung. Kleine Gebetsbitte an die Blogozese, dass alles gut klappt! Danke!
Und als letztes noch ein Tratsch aus der Nachbarschaft: Wenn man als pensionierter Geistlicher schon ein Verhältnis mit seiner Sekretärin hat, sollte man dabei wenigstens im Dunkeln die Rolläden runtermachen. Vor allem dann, wenn man in einem Reihenhaus wohnt. Kleiner Tipp;)
Jetzt noch das "Muck-Foto" der Woche:

Allen einen guten Start ins Wochenende!

Donnerstag, 24. November 2011

Die Alltäglichkeit

"Die schlicht und ehrlich angenommene Alltäglichkeit birgt selber das ewige Wunder und das schweigende Geheimnis, das wir Gott und seine heimliche Gnade nennen, gerade dann, wenn sie Alltäglichkeit bleibt."

"Wer als Mensch die kleine Zeit an das Herz der Ewigkeit nimmt, die er selbst in sich trägt, der merkt plötzlich, dass auch die kleinen Dinge unsagbare Tiefen haben, Boten der Ewigkeit sind ... die kommende Unendlichkeit vorausverkünden."

Karl Rahner, aufgelesen im neuen Akademieprogramm des "Erbacher Hof" in Mainz.

Ich halte es für (über-)lebensnotwendig, die manchmal doch sehr banal wirkende Alltäglichkeit auch überschreiten zu können, für die Liturgie gilt das z.B. in besonderem Maße. Auch Kunst, Musik, Architektur und Poesie gehören dazu. Ich habe einmal in einem Post das Zitat von Saint-Exupery angeführt, dass man nicht von "Kreuzworträtseln, Kühlschränken und Bilanzen" leben kann. Kritisch könnte man auch nachfragen, ob denn der Alltag von Karl Rahner nicht doch wesentlich angenehmer, privilegierter und selbstbestimmter war, als der der meisten anderen Menschen, die in einem ziemlich unerbittlichen Arbeitsprozess stehen.
Trotzdem hat er auch auf eine bestimmte Weise Recht: Ich kann entweder unter den Anforderungen meines Alltags untröstlich leiden, oder meinen Alltag wirklich als von Gott geschenkte Lebenszeit begreifen. Wenn ich letzteres tue, halte ich mir wirklich den Blick offen für die "kleinen Dinge". Ein Beispiel: Ich halte mich meist daran, wenn ich morgens zur Arbeit komme, jeden Mitarbeiter und Kollegen freundlich zu grüßen. Natürlich könnte ich jetzt auch über meine ganzen Termine heute stöhnen. Aber ich habe heute auch schon zwanzig Mal ein freundliches Lächeln zurück geschenkt bekommen...

Dienstag, 22. November 2011

Heilige Cäcilia, bitte aber mal dringend für uns!

Heute ist der Gedenktag der hl. Cäcilia. Auch wenn sie wahrscheinlich nicht bei ihrer eigenen Hinrichtung die Orgel gespielt hat, das war wohl doch eher ein Übersetzungsfehler, ist sie nun einmal Patronin der Kirchenmusik. Und da hat sie richtig was zu tun!
Dass auch religiös sonst weniger interessierte Menschen über Musik einen geistlichen Zugang finden können, dass Musik eine Form der Gottesverehrung sein kann, dass Musik Herz und Sinne öffnen kann, alles das ist hinlänglich bekannt. Und was passiert?
Viele Gemeinden bewegen sich musikalisch auf WDR 4-Niveau. Oder darunter. Nicht nur, dass irgendwelche Schlagersternchen in Kirchen auftreten, nein, der Gipfel des sonntäglichen Wohlfühlens ist erst mit dem Schwerter Liederbuch erreicht. Zugegeben, es hat etwas Nostalgisches, immer noch "Singt dem Herrn, alle Völker und Rassen" zu singen. Das ist wie ein Oldtimertreffen. Aber auch das ist irgendwie langweilig.
Und die hauptamtlichen GottesdienstvorbereiterInnen? Sie laufen entweder zur Höchstform auf, wenn sie wie die Countrysänger mit der Gitarre durch die Kirche laufen, oder sie bestreiten mit einer Gotteslobnummer Eingangslied, Gloria, Zwischengesang und Credo. Dann müssen die Leute nicht so viel blättern und können sich mehr auf die weisen Worte des Zelebranten konzentrieren.
Die Ansprüche eines Kirchenmusikers wirken dann nur (ver-)störend. Der muss sich dann auch noch Dinge anhören wie Orgel zu laut, Chor zu lang, Schola auf Latein (was ja das Konzil bekanntermaßen ausdrücklich verboten hat...). Oder es ist eigentlich völlig egal, ob und was er macht.
Mit der Kirchenmusik ist es wie bei dem Jamiroquai-Konzert von dem ich gestern geschrieben habe: Wenn sich nicht deutlich etwas verbessert, verlassen die Leute die Halle schon vor Ende des Konzertes.
Heilige Cäcilia, Du hast viel zu tun!!!
Unser Bild zeigt den Altar der hl. Cäcilia in der Pfarrkirche in Volkach/Main:

Montag, 21. November 2011

Jamiroquai in Oberhausen: So gehts nicht!

Gestern abend waren wir beim Jamiroquai-Konzert in Oberhausen. Allein die Anfahrt: Parkplatzsuche ist Krieg. Ich habe mich dabei erwischt, wie ich jemandem der mir meinen sicher geglaubten Parkplatz im letzten Moment weggeschnappt hat, laut hupend und bei geöffnetem Fenster und hoch erhobenem Mittelfinger "DU ARSCH!!!" hinterhergerufen habe. Hätte ich eine Waffe gehabt, wäre das nicht passiert. (Das war eine kleine Verbeugung vor meiner Lieblingsserie Sledge Hammer ;)
Als Vorgruppe gab es einen schweizerdeutsch rappenden Rapper. Der hat sich immerhin alle Mühe gegeben. Weil der Flieger aus London Verspätung hatte, ging es dann aber nicht nur viel zu spät los, sondern auch ohne Soundcheck. So einen breiigen Klangwust habe ich wirklich noch nicht erlebt und es wurde während des Konzertes auch kaum besser. Außerdem stand Jay Kay, der Sänger, völlig neben sich: Textprobleme, wirre Diskussionen mit dem Publikum, obszöne Gesten an die Fans usw. Wahrscheinlich war in der Kaffeetasse die er in der Hand hielt nicht wirklich Kaffee...
Mein Eindruck: Hier musste schnell noch ein schon einmal abgesagtes Konzert nachgeholt werden damit die Kasse wieder stimmt. Immerhin fast 60 Euro Eintritt. Schade!
Mit dem Orgelkonzert an der Marienorgel oder wenigstens dem Tatort wären wir sicher besser bedient gewesen. Aber das weiß man hinterher immer besser...

Sonntag, 20. November 2011

Christkönig: Umkehr der Verhältnisse


Könige kennen wir heute meist nur noch aus der Klatschpresse und die meisten Menschen können sich keine andere Staatsform vorstellen in der sie leben wollen, als in einer Demokratie. Gott sei Dank und gut so. Was soll dann heute noch das Christkönigsfest? Wenn wir darauf schauen, wann die „Königsproklamation“ Jesu Christi stattfindet, verstehen wir, worum es geht: Es geschieht, als der geschlagene und misshandelte Jesus im Verhör vor Pilatus steht, nach der Verurteilung verhöhnen ihn die Soldaten als „König der Juden“ um ihn dann zu kreuzigen. Die Königsherrschaft Jesu Christi ist also etwas fundamental anderes: gelten sonst Macht, Reichtum und Vitalität, bedeutet sie eine völlige Umkehrung der Verhältnisse. Das zeigt auch unser Bild: In königlichem Gold – hängt dort ein Gekreuzigter. Seine Krone ist die Dornenkrone. Der schwache, leidende und verwundete Mensch hat königliche Größe vor Gott. - Gut, dass uns das Christkönigsfest daran erinnert.

Samstag, 19. November 2011

Bei Gott in hohen Ehren steht: Sankt Elisabeth!

Mit einem Foto des Elisabethfensters aus der Pfarrkirche St. Franziskus zu Witten allen Elisabeths einen herzlichen Glückwunsch zum Namenstag!

St. Elisabeth von Thüringen mit Rosenkorb, unten die Wartburg. Links: Elisabeth bringt den Armen Brot. Rechts: Elisabeth bei der Krankenpflege. Jupp Gesing, 1982-1983, Fenster im Seitenschiff. Antikglas/Blei/Schwarzlot/Silbergelb
Quelle: Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts. Die Seite ist wirklich sehenswert!
Lästermäuler behaupten übrigens, es habe nur deshalb ein Elisabethfenster in der Kirche gegeben, weil die Schwester des damaligen Pfarrers zufällig heute auch Namenstag gehabt hätte...

Freitag, 18. November 2011

Nepomuks Freitagsweisheiten

Eine Woche voller Gespräche, Sitzungen, Versammlungen und Arbeitskreisen ist nun (fast) um. Heute sind es eigentlich nur noch vier feste Termine die auf mich warten. Zeit für mich oder fürs Beten? Wenig. Ich kann nur die "eiserne Notration" empfehlen: Im Auto auf dem Weg zwischen zwei Terminen Rosenkranz beten. Das entspannt ungemein. Außerdem finde ich es ja gut, wenn viel los ist und je nach dem wie man so eine Sitzung angeht, kommt ja auch etwas dabei heraus. Viel schlimmer wäre es, wenn es völlig beliebig wäre, ob ich da bin oder nicht, ob und was ich tue oder auch nicht. Aber auch das gibt es und das ist nicht schön...
Gestern habe ich im Kommentarbereich des letzten Posts versucht zu begründen, warum dick nicht schön ist. Ich möchte dazu noch ergänzen, dass ich das zunächst einmal direkt auf die Feier der Liturgie bezogen habe und der Seitenhieb auf Spitzenrochettes und Baßgeigen (manche Fotos auf den Seiten diverser Institute und Bruderschaften sehen allerdings wirklich zum Schießen aus), nicht bedeutet, dass es mit "Sackalben" besser wäre. Hier erhebt sich ja übrigens die alte Frage, ob bei der "Sackalbe" die Albe der Sack ist, oder ob der Sack in der Albe steckt. Nach meiner Erfahrung trifft gerade bei diesem Kleidungsstück meist beides zu...
Ähnlich ist es mit der Schönheit des "Selbstgezimmerten": Das meiste selbstgemachte im Gottesdienst wirkt neben einer klassischen römischen Oration wie eine Gelsenkirchener-Barock-Eiche-rustikal-Anbau-Wohnwand neben einem Designermöbel. Vielleicht irgendwie gemütlich, aber trotzdem unmöglich.

Allen einen guten Start ins Wochenende!

Mittwoch, 16. November 2011

Die Liturgie und die Schönheit

"Liturgie sollte stets das Schöne in sich haben, weil Schönheit eines der Mittel ist, die uns zu Gott hinführen. Etwas Schöneres spricht uns von Gott. In jedem Geschöpf lieben wir das, was es uns von Gott widerspiegelt. Das Schöne vermag in uns das Staunen zu wecken und uns zu einer Antwort hinzulenken, die nicht bloß vernunfthaft ist. Und das ist richtig so, da wir keine reinen Vernunftwesen sind, sondern vieles mehr. Die Liturgie sollte daher bisweilen und bei gewissen Anlässen ganz bewußt durch die Schönheit von Gott zu uns reden. Und Schönheit als ein Element der Liturgie wird eines von den Dingen sein, die das Religiöse in uns zum Leben erwecken, und eines der Mittel, die ihm zum Ausdruck verhelfen. Auf angemessene Form, Ordnung und Rhythmus ist nicht zu verzichten. Und es ist in der Tat betrüblich, dass so manches, was wir diesbezüglich tun, nicht wohlgetan wird."

aufgelesen bei: Basil Kardinal Hume, Gott suchen, 1979

Das Schöne ist nie hektisch, banal, schlampig, laut, selbstgezimmert, unvorbereitet, flach, aufdringlich, farblos, dick, ungepflegt, trostlos, langweilig...

Dienstag, 15. November 2011

Albert der Große: Glaube ist vernünftig

Zum heutigen Gedenktag des hl. Albert d. Großen mein Text für die Zeitung:


Albert stammte aus einem schwäbischen Rittergeschlecht und wurde um das Jahr 1200 geboren. Er studierte in Padua, wurde dort 1223 Dominikaner, und lehrte als Theologe in Köln, Hildesheim, Freiburg, Regensburg, Straßburg und Paris. Sein berühmtester Schüler war Thomas von Aquin. 1260 bis 1262  war er Bischof von Regensburg, 1274 nahm er am 2. Konzil von Lyon teil. Von dort kehrte er nach Köln zurück, wo er lehrte und schrieb, bis er schließlich 1280 starb. Albert beherrschte das ganze philosophische Wissen seiner Zeit, er erschloss dem christlichen Abendland die aristotelische Philosophie und wurde dadurch für Theologie und Philosophie bedeutend bis in unsere Zeit. Erst 1931 wurde er heiliggesprochen und zum Kirchenlehrer erhoben. Sein Grab befindet sich in der Dominikanerkirche St. Andreas in Köln.


Albert schreibt einmal: „Die vornehmste Kraft des Menschen ist die Vernunft. Das höchste Ziel der Vernunft ist die Erkenntnis Gottes.“ Die Theologie lehrt, dass der Mensch Gott mit den Mitteln der natürlichen Vernunft erkennen kann. Ein großes Anliegen von Papst Benedikt XVI. ist: Glaube und Vernunft gehören zusammen. Vielen Menschen fällt das heute schwer zu begreifen. Glaube scheint nur noch die subjektive und rein gefühlsmäßige innere Erfahrung von irgendetwas zu sein, die Vernunft beschränkt sich auf die Mathematik. Beiden, Glauben und Vernunft, tut diese Reduktion nicht gut, weil sie neben manchem anderen z.B. die menschliche Erfahrung ausklammert.
Glaube, zumindest der christliche, ist eine ziemlich vernünftige Angelegenheit. Und dafür muss man seinen Kopf benutzen. Vielleicht sind ja deshalb Esoterik und manche fragwürdigen Formen von Selbsterfahrung so attraktiv, weil sie direkt ins Gemüt gehen. Aber ehrlich, liebe Leserinnen und Leser, möchten wir nicht in den anderen Dingen des Lebens auch einen klaren Kopf behalten? Dann sollte das auch für den Glauben gelten. Ich kann Ihnen da das Christentum wirklich nur empfehlen.

Montag, 14. November 2011

Immer montags: Der ganz normale Wahnsinn

Montag ist immer der Tag, an dem man die nichtklerikalen Kollegen wiedertrifft und man sich hier und da darüber austauscht, wie es denn sonntags in der Messe war. Die einen berichten vom Stufenwechsel der Pfadfinder im Hochamt, wo zwei Leitern mit einem Brett dazwischen vor dem Altar aufgebaut waren und alle wechselnden Kinder und Jugendlichen, ob sie wollten oder nicht, über dieses Brett klettern mussten. Die Leute in der Kirche mussten wie seit 40 Jahren bei "Flinke Hände, flinke Füße" aus den Bänken herauskommen, sich anfassen und begeistern. Der Zelebrant lief mit der Gitarre im Mittelgang auf und ab, der Diakon klatschte unentwegt in die Hände. Andere wiederum berichten von der Predigt des Dechanten beim Kirchenchortag, bei der es darum ging, dass der Knecht mit dem vergrabenen Talent es aus Angst vor der Obrigkeit versteckt habe und es den Laien in der Kirche heute noch genauso geht.
Ich kann und will das gar nicht alles kommentieren. Ich kann nur jeden verstehen der zuhause bleibt.

Sonntag, 13. November 2011

Hat Erich Fromm "Weltbild" gekannt?

"Die uneingeschränkte sexuelle Befriedigung gehört zu den Charakterzügen des Kapitalismus des zwanzigsten Jahrhunderts genau wie das Bedürfnis des Massenkonsums und der Grundsatz, dass jedes Verlangen auf der Stelle befriedigt werden muss und kein Wunsch versagt werden darf (...) Die meisten dieser Begierden sind künstlich erzeugt, selbst die sexuelle Begierde ist bei weitem nicht so natürlich, wie man behauptet."

Gefunden bei Erich Fromm.
Und jetzt noch das nachgeholte "Muck-Foto der Woche":

Samstag, 12. November 2011

Hauptsache immer irgendwie solidarisch...

Gestern bekam ich eine Einladung zu der Aktion "Eine Million Sterne - Lasst Hoffnung leuchten". Da heißt es dann u.a.:

„1500 Kerzen werden von Vertretern der fünf Weltreligionen auf dem Kirchplatz entzündet und in Form eines Labyrinths angeordnet. Die von der Caritas veranstaltete Aktion soll ein Zeichen der Solidarität mit benachteiligten Menschen setzen. Infostände, Gebete, Texte und Dialoge werden das Programm abrunden.“

Ich habe auf die Einladung folgendermaßen geantwortet:

„An der Lichteraktion kann ich aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen. Darüber hinaus habe ich bei interreligiösen Aktionen grundsätzliche theologische Bedenken, die Grenzen zum Synkretismus sind bei so etwas leicht überschreitbar. Zudem, wenn es schon um Solidarität mit Benachteiligten geht: Eine Lichteraktion aus Solidarität mit den verfolgten Christen, wie z.B. aktuell den Kopten in Ägypten oder den Christen in Nigeria würde ich begrüßen. Warum und wofür ich allerdings in der derzeitigen Situation gemeinsam mit einem muslimischen Gläubigen eine Solidaritätskerze entzünden soll, erschließt sich mir nicht.
Ich mag es einfach nicht, dass sich die Caritas vor den interreligiösen Hobbykarren des Dechanten spannen lässt. Wir haben genug anderes zu tun. Wir sitzen auf der Titanic und anstelle die Rettungsboote zu besteigen, machen wir uns Sorgen um den Eisberg.“

Frage in die Runde: War das wohl so in Ordnung?
Allen einen schönen und sonnigen Samstag!

Freitag, 11. November 2011

Der Ball auf dem Baum...

Es gibt nichts, was nicht zu bescheuert wäre. Hier etwas aus den "Ruhr-Nachrichten" von heute:

Aufstand gegen den Ball auf dem Baum

Von Ulrike Böhm-Heffels und Gaby Kolle


DORTMUND Ein Riss geht quer durch Dortmund: Der geplante Ball auf der Spitze der Riesentanne auf dem Hansaplatz polarisiert. Zahlreiche Dortmunder protestierten am Donnerstag gegen die geplante Baumspitze. Der Erfinder hingegen ist sicher: "Das wird toll."
Kaum war die Kunde vom Fußball auf der Spitze der Riesentanne in der Welt, glühte die Facebook-Seite dieser Redaktion, überschlugen sich die Kommentare im Internet, hagelt es Leserbriefe und Anrufe von zumeist empörten Dortmundern. Viele glauben, der Ball sei ein Aprilscherz. Andere finden ihn gut.

Ball auf der Baumspitze
Freitagmittag wird der „Scherz“ auf den Baum gesetzt, und Thomas Weise vom Gerüstbauunternehmen Weise freut sich als routinierter Baum-Erbauer: „Es wird über Dortmund gesprochen. Wir wollten etwas mit Dortmunder Symbolik als Signalwirkung, und das haben wir geschafft.“
Superintendent Paul-Gerhard Stamm hält dagegen: „Weder mit mir noch mit den anderen beiden Superintendenten für den Evangelischen Kirchenkreis ist gesprochen worden.“ Er habe Angst, dass es überall heiße, in Dortmund ist Fußball der Gott. Und wir seien uns für Nichts zu blöde.

Werbung für Dortmund
Thomas Weise und sein Bruder Carsten sehen den neuen Hingucker als „Werbeanlage für Dortmund“, Paul-Gerhard Stamm kontert: „Sicher, auch Negativ-Werbung gilt als Werbung.“ Er empfindet den einzigen Fußball auf einem Weihnachtsbaum schlicht als „peinlich“.
Propst Andreas Coersmeier als Stadtoberhaupt der Katholischen Kirche war ebenfalls vorher nicht von Weise gefragt worden. Wörtlich: „Ich hab das Ganze gestern für einen Witz gehalten. Das Ding gehört da nicht oben drauf.“

Bürgermeister Sauer: "Scheiße."
So sieht es auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau: „Ich habe Verständnis dafür, wenn die Begeisterung mit einem durchgeht, doch ein Fußball passt nicht auf den größten Weihnachtsbaum der Welt. Der Engel hatte eine gute Akzeptanz, und ich kann nur raten, das mit dem Ball zu lassen, den Engel zu entstauben und auf den Baum zu setzen.“
Bürgermeister Manfred Sauer sagte es kurz: „Scheiße. Ich halte das für irre.“ Etwas vornehmer drückte sich Bürgermeisterin Birgit Jörder aus: „Ich finde den Fußball nicht schön. Da wird etwas vermengt, was nicht zusammen gehört.“ Für den ehemaligen Baudezernenten Klaus Fehlemann ist die Sache klar: „Wer alle fünf Jahre seine Tradition ändert, gehört auf die Couch.“

Ball nach München verkaufen
Und was macht Thomas Weise mit dem Fußball, wenn nächstes Jahr wieder der Posaunenengel auf der Tanne Platz nimmt? „Dann verkaufe ich den Ball nach München, die sind wahrscheinlich progressiver.“

Liebe Dortmunder, wenn ihr euch noch einen Funken Verstand und Geschmack bewahrt habt, dann setzt den Engel auf den Baum!
Am besten gefällt mir übrigens das Zitat des ehemaligen Baudezernenten. Ob das nicht auch für anderes gilt...?

UPDATE: Soeben wird gemeldet, dass nicht der Ball, sondern der Engel auf den Baum kommt!

Donnerstag, 10. November 2011

St. Martin reitet durchs Ruhrgebiet

Einen umgedrehten roten Handfeger auf dem mit Goldbronze besprühten Mopedhelm hatte St. Martin immer auf dem Kopf. Die Soldatenrüstung war aus alten Linoleumplatten gebastelt, der Mantel zum Teilen mit Druckknöpfen versehen. Das Schwert hatte ein Rentner des benachbarten Stahlwerks selbst hergestellt.
Einmal ist St. Martin sogar vom Pferd gefallen, weil er sich in der Novemberkälte hochprozentig aufgewärmt hatte: Von weitem sah man den roten Handfeger erst im Takt des Pferdes nach links und rechts schwanken, dann schwankte er immer mehr. Dann war er weg.
Die Szene der Mantelteilung hat ein Ersatzmartin übernommen.
Die Laternen waren noch selbstgebastelt, mit echten Kerzen versehen und brannten auch schon mal ab. Eine kleine Blaskapelle spielte schräg aber laut Martinslieder, das Pferd war riesig und die Brezel lecker. Wir Kinder hatten leuchtende Augen.
Im Rückblick finde ich das alles in seiner Unvollkommenheit anrührend. - Und darauf kommt es an: Nicht wie perfekt etwas ist, sondern aus welchem Geist es geschieht. Und dann reicht auch der halbe Mantel.

Mittwoch, 9. November 2011

9. November: "Dies natalis" der Lateranbasilika

"Zu den Herrenfesten gehören auch die Kirchweihfeste. Denn der eigentlichste aller Tempel, der zudem nicht von Menschenhand errichtet wurde und in dem die Fülle der Gottheit wohnt, ist die Menschennatur der menschgewordenen zweiten Person in der Trinität. Zu diesem Tempel haben alle Christen Zutritt, an seinem Leben partizipieren alle. So ist die aus Steinen errichtete Kirche immer mehr als eine notwendige Lokalität für die Zusammenkünfte einer Gemeinschaft, sondern eine sinnenfällige Darstellung der grundlegenden Wahrheit, dass alle Gläubigen als Glieder des mystischen Leibes Christi unter ihrem Haupt zusammen gehören. Als Glieder des Leibes Christi, der der wahre Tempel ist, bilden die vielen Gläubigen die aus lebendigen Steinen errichtete Kirche. Sie kommen zusammen im sichtbaren, aus realen Steinen errichteten Tempel, der der sinnenfällige Ausdruck des unsichtbaren Tempels ist, des in seiner Kirche unsichtbar gegenwärtigen Herrn, von dessen erhöhter Menschennatur als Quelle der Vergöttlichung nach wie vor alles Heil ausgeht, und zwar in der sinnenfälligen Weise der liturgischen Vollzüge.
'Natale' oder 'dies natalis' bezeichnet nicht nur den Jahrestag einen Märtyrers (den Jahrestag seines Todes als seines Geburtstages für den Himmel), sondern auch die Jahrestage der Wahl und Weihe eines Papstes bzw. Bischofs oder auch die Einweihung einer Kirche. Für Jahrestage der Tempelweihe gab es heidnische Vorbilder, wichtiger aber war die von Judas Makkabäus angeordnete Jahresfeier der Wiedereinweihung des Jerusalemer Tempels im Jahre 165 v.Chr. (Chanukkafest). Um 400 beschrieb Egeria das Kirchweihfest der Jerusalemer Auferstehungs- und Martyriumsbasilika. Über Rom hinaus kam das Kirchweihfest in das gesamte Abendland. (...) Durch Augustinereremiten verbreitete sich das Weihedatum der Lateranbasilika am 9. November außerhalb Roms, fand Eingang in das Messbuch von 1570 und wurde von demjenigen von 1970 übernommen."

Kunzler, Michael: Die Liturgie der Kirche, Paderborn 1995, 622f.

Dienstag, 8. November 2011

Komm zur Ruhr! - Teil 5

Hier ein paar schöne Bilder aus dem Ruhrtal von heute Nachmittag:

Im Hintergrund Schloß Steinhausen:
 Ein Blick von der Nachtigallbrücke flußaufwärts:
 So ist es eben im Ruhrgebiet: Die "Skyline" der Deutschen Edelstahlwerke:
Das heute privat genutzte Gebäude auf dem Foto wird im Volksmund "Klösterchen" genannt, es handelt sich aber wahrscheinlich um einen mittelalterlichen Wehrturm:
 Das "Land der tausend Berge" ist nicht weit:
Der alte Steinbruch ermöglicht einen interessanten geologischen Aufschluß: Kurz unter der Oberfläche kann man ein Kohleflöz erkennen:
Man beachte vor allem die sorgfältig angebrachten und in Farbe und Muster spannungsreich kontrastierenden Fliesen:
 Dieser possierliche kleine Freund ist wohl eine Bisamratte:
Allen einen schönen und entspannten Feierabend!

Veranstaltungstipp: Matthias Matussek kommt!

Spiegeljournalist Matthias Matussek spricht in Siegen und Olpe


Streitbarer Starjournalist berichtet vom katholischen Abenteuer
Spiegeljournalist Matthias Matussek spricht in Siegen und Olpe

"Ich denke katholisch, ich fühle und lache und wüte katholisch, ich sündige. ich beichte, ich schaue katholisch auf die Welt". Das sagt der streitbare Katholik und Bestseller-Autor Matthias Matussek über sich selbst.

Dem Katholischen Bildungswerk im Dekanat Südsauerland und der Katholischen Hochschulgemeinde in Siegen-Weidenau ist es gelungen, den streitbaren Journalisten für jeweils einen Vortragsabend zu gewinnen. Die Veranstalter freuen sich auf einen ausgesprochen lebhaften Abend.
Vortrag und Diskussion finden statt am Mittwoch, 9. November, um 19.30 Uhr im Pfarrsaal St. Joseph, Weidenauer Str. 23 in Siegen und am Donnerstag, 10. November um 19.30 Uhr im Forum des Städtischen Gymnasiums Olpe, Seminarstraße/Imbergstraße in Olpe.

Auf der Basis seines neuesten Buches „Das katholische Abenteuer“ wird Matussek eine rhetorische Lanze für das Christentum in der römisch-katholischen Ausprägung. Er spricht für die Sakramente, die römische Liturgie und den Papst. Seine autobiographisch geprägte Provokation war mehrfach Thema in Fernsehtalkshows. Und selbst seine Gegner, die seinen klaren Standpunkten nicht folgen wollen, bewundern seine geschliffene Sprache und seine Bemühungen, Inhalte durchaus unterhaltsam zu verpacken. Matussek zeigt klare Kante ohne bissig und verkniffen zu sein.

Der Journalist arbeitet seit 1987 beim Wochenmagazin Spiegel. Nach Stationen bei der Berliner Zeitung „Der Abend“ und beim Stern wurde Matussek eine der Deutschen Edelfedern in der Presselandschaft. Während der Zeit des Mauerfalls berichtete er für das Wochenmagazin Spiegel als Sonderkorrespondent aus Ost-Berlin. Danach leitete er die Spiegelbüros in New York, Rio de Janeiro und London. Von 2005 bis 2008 war er Chef des Kulturressorts in der Hamburger Zentralredaktion.

In seinen Büchern und Blocks legt er sich mich Leidenschaft sowohl mit den deutschen Konservativen wie mit den Linken an. Sein Lieblingsplatz ist der zwischen allen Stühlen, Wohlfühlpolitik und Wattebäuschchendebatten sind ihm ein Gräuel.
Nach eigener Aussage ist Matussek praktizierender Katholik. „Ich bin so leidenschaftlich katholisch, wie ich vor vierzig Jahren Marxist war. Warum? Weil mein Verein angegriffen wird“, so der Bestsellerautor. Dem Memorandum deutscher Theologen „Kirche 2011 – Ein notwendiger Aufbruch“ konnte und wollte er nicht zustimmen. In seinem Gegentext spricht er sich für den Zölibat aus. Gleichzeitig, und auch das macht sein Vielschichtigkeit klar, nennt er die Kirchensteuer eine moderne Form des Ablasshandels.

Die Abende mit Matthias Matussek werden Höhepunkte im Programm der Katholischen Erwachsenen- und Familienbildung im südlichen Teil des Erzbistums Paderborn.
„Wir freuen uns auf viele Interessierte, die sich entweder mal so richtig bestätigt fühlen oder sich mal ebenso deutlich aufregen wollen“, so Wolfgang Hesse als Leiter der Katholischen Bildungsstätte (KBS) in Olpe.

Weitere Informationen in der Katholischen Bildungsstätte Olpe (KBS), Friedrichstr. 4, 57462 Olpe, Tel.: 02761/942200 oder per Mail anmeldung@kbs-olpe.de.
 
Da ist ja meinen ehemaligen Kollegen ein echter Coup gelungen, Respekt!

Montag, 7. November 2011

7. November: Der hl. Engelbert von Köln

"Ich preise sein Leben, und immer klage ich um seinen Tod. Weh dem, der den edlen Fürsten von Köln erschlug! O dass ihn die Erde noch tragen will! Ich weiß keine Marter groß genug für seine Schuld. Ein Eichenstrang um seinen Hals wäre ihm zu sanft. Ich will ihn nicht verbrennen noch ihn zerstückeln noch ihm die Haut abziehen, auch ihn nicht mit dem Rad zermalmen noch aufs Rad ihn flechten; ich warte nur jeden Tag, ob ihn die Hölle verschlingt.“

Walther von der Vogelweide

Heute mal ein wenig (Kunst)-geschichte zum Gedenktag des hl. Engelbert:

Gefunden wurde sie von Kindern auf dem Dachboden des Pfarrhauses in Gevelsberg: die ursprünglich überlebensgroße Holzfigur Engelberts des II., genannt „Der Heilige". Die romanische Statue ist wohl unter Kölner Einfluss im Rheinland um 1230 entstanden und durch Kauf in einem damals schon sehr defekten Zustand 1888 aus Gevelsberg in den Besitz des Märkischen Museums Witten gelangt.
Der dargestellte Engelbert II. war Graf von Berg, seit 1216 auch Erzbischof von Köln, Herzog von Westfalen und im Auftrag Friedrichs des II., der als staufischer Kaiser in Sizilien residierte, Reichsverweser diesseits der Alpen und gleichzeitig dessen Sohnes Heinrich Vormund. Man kann sich vorstellen, welch ungeheure kirchliche und weltliche Macht in dieser Person gebündelt war. In wenigen Jahren (er ist um 1185 geboren) war Engelbert zur mächtigsten Figur der deutschen Politik geworden.
Dieser Hintergrund muss berücksichtigt werden, wenn bis heute die Gründe seines Todes nicht eindeutig geklärt werden können: Erzbischof Engelbert wurde am 7. November 1225 in einem Hohlweg bei Gevelsberg aus einem Hinterhalt heraus überfallen und mit mehr als 40 Hieben und Stichen getötet. Den Überfall hatte ein Verwandter Engelberts (der Sohn seines Vetters, des Grafen Arnold von Altena), der Graf Friedrich von Isenberg, geleitet. Nicht eindeutig ist geklärt, ob Engelbert einem geplanten Mord zum Opfer gefallen ist oder ob er bei einer versuchten Geiselnahme getötet wurde.
Die Wittener Skulptur, die sicherlich zu den bedeutendsten Kunstwerken der Romanik gezählt werden muss, wird unmittelbar nach der Ermordung Engelberts hergestellt worden sein und in dem 1235 in Gevelsberg gegründeten Zisterzienserinnenkloster Aufstellung gefunden haben. Die Skulptur ist aus doppeltem Grund von Interesse: Zum einen ist es ihr hoher kunstgeschichtlicher Wert, zum andern aber auch die geschichtliche Bedeutung, die ihr beigemessen werden muss.
In einem sehr aufwendigen und mehrjährigen Verfahren wurde die Figur konserviert und ist seit 1988 wieder der Öffentlichkeit zugänglich. (Foto und Text: Märkisches Museum Witten)

Sonntag, 6. November 2011

Die beste Zeit. Und die Grillstube.

"Was war Deine beste Zeit?" - darüber haben wir gestern abend diskutiert. Ein Freund hat dazu etwas sehr weises gesagt: "Die beste Zeit ist für mich immer dann, wenn ich ganz bei mir selbst sein kann."

Und noch ein etwas weniger schlaues Bonmot aus der Vorabendmesse: "Lesung aus dem Brief an die Gemeinde von Saloniki und an uns!" musste die Lektorin auf Geheiß des Zelebranten vorlesen.
Ich kenne eigentlich nur "Grillstube Saloniki" von EinsLive. Aber wer schreibt schon einen Brief an eine Pommesbude, da ruft man doch an, oder?
Hier kommt "Satan in der Grillstube"...


Allen einen schönen Sonntag!

Samstag, 5. November 2011

Ein turbulentes Wochenende

Ein kurzer Zwischenstand: Gestern abend waren wir beim Jean-Michel Jarre Konzert in der Westfalenhalle in Dortmund. Es war zwar bei weitem nicht ausverkauft, aber das Konzert war genial. Zu der elektronischen Musik, die ja wirklich nur er absolut beherrscht, gab es eine gigantische Licht- und Lasershow. Es war wirklich schon ziemlich abgedreht, aber ein echtes Erlebnis!!!
Gerade eben komme ich vom Gedenkgottesdienst für die Verstorbenen unseres Krankenhauses. Wir machen das einmal im Jahr und schreiben im Vorhinein die Angehörigen an und laden sie ein. Ich hatte in den letzten Tagen auch ein paar traurig-wütende Telefonate, weil bei manchem durch diesen Brief gerade verheilte Wunden wieder aufgerissen wurden. Das kann leider passieren. Aber es waren immerhin ca. 50 Angehörige gekommen, mein geistlicher Kollege hielt einen sehr ansprechenden Wortgottesdienst und ich habe Orgel gespielt. Hinterher waren die Angehörigen noch zum Kaffee eingeladen. Ich geriet an einen Herrn, der bei mir seinen ganzen Kirchenfrust abgeladen hat. Seine Frau war vor drei Monaten verstorben. Hier ist keine schnelle Apologetik gefragt, sondern einfühlsames Zuhören. Schlimm ist es, wenn die ganze Institutionenkritik es einem verbaut, dass man im Glauben Trost und Hoffnung findet. Immerhin wollen wir im Gespräch bleiben.
Gleich gibts noch Hüttenabend: Vier Freunde, vier Zigarren, ein Schrebergarten, ein Faß Bier und Pommes von Petros Grill. Das ist Kult.

Allen einen schönen Abend und einen guten Sonntag!

Freitag, 4. November 2011

Nepomuks Freitagsweisheiten

Ein paar aufgelesene Sachen aus den letzten Tagen, zu Beginn noch ein Nachtrag zum hl. Hubertus gestern den ich in einem Pfarrbrief gefunden habe:

Am Samstag, 5. November, feiern wir um 17.00 Uhr in unserer Kirche eine Hubertusmesse, zu der wir herzlich einladen. Der Hl. Hubertus gilt als Schutzpatron der Jäger. Der Gottesdienst wird mitgestaltet von der Jagdhornbläsergruppe „Hinter der Meute“, dem Jagdreitclub Vest Recklinghausen und dem Hegering Recklinghausen. Außerdem wird ein Falkner mit seinem Falken in der Kirche anwesend sein.  Sicherlich auch mal ein Erlebnis für unsere Kinder. Alle sind herzlich willkommen.

Na super, endlich passiert mal was in der Messe!
Der PGR der gleichen Gemeinde schreibt in einem Brief zur Fusion zur Großpfarrei an ihren Bischof:

Dem flächendeckend geplanten Einsatz von Priestern der Weltkirche stehen wir
skeptisch gegenüber: Die Schwierigkeiten der Integration in Sprache und kirchliche
Situation erfordert hohe Mühen. Außerdem können sie erfahrungsgemäß lediglich in
engen, traditionell liturgischen Bereichen zur Hilfe werden. In der Vorbereitung auf ihren
Einsatz müsste ihnen also außer der Sprachförderung auch eine „Inkulturation“
ermöglicht werden.

Hier hat doch niemand Vorurteile gegen Ausländer, oder?
Manches andere in dem Brief ist, das muss man gerechterweise sagen, halbwegs konstruktiv. Wenn dann aber gleichzeitig Gemeindeleitung durch Laien und weitgehende "Unabhängigkeit in den kirchlichen Grundvollzügen" vom Pfarrer und den hauptamtlichen Mitarbeitern, sowie eine Vergütung für die dann dort tätigen Ehrenamtlichen gefordert werden, bleibt doch der schale Eindruck zurück, dass hier einmal wieder der eigene Kirchturm Maß aller Dinge ist, Schade.

Was gibts noch? Einen Liedplan vom letzten Wochenende, den ich leider nicht mehr komplett erinnern kann, aber er war ungefähr so:

Einzug: GL 299, 1-4: Manchmal kennen wir Gottes Willen, manchmal kennen wir nichts.
Gloria: GL 268, 1
Zwischengesang: GL 268, 2+3
Credo: GL 268, 4

Das hat übrigens nicht der Organist verbrochen, da hat der Zelebrant tagelang drüber nachgedacht.
Und dann noch zwei Fürbitten auch vom letzten Wochenende:

"Gib, dass der Papst endlich seine Vergangenheit ablegt und die Kirche in die Zukunft führt!"
"Gib, dass die Bischöfe nicht immer ängstlich nach Rom schauen, sondern mutig eigene Wege für die Kirche in unserem Land gehen!"

Dazu sag ich jetzt nichts.
Und dann wurde mir noch von einer Gräbersegnung an Allerheiligen berichtet, bei der es kein einziges Gebet für die Verstorbenen gab, weil ja die Gnade und Barmherzigkeit Gottes so groß sind, dass sowieso alle in den Himmel kommen. Davon war zumindest die Lichtgestalt des ganz in weiß gewandeten Ständigen Diakons überzeugt. Die Angehörigen der Verstorbenen waren da etwas skeptischer, naja, vielleicht kannten sie ja auch nur ihre Leute etwas besser...

Das gabs auch noch: Ein pädagogisches Angebot der Offenen Ganztagsschule an einer Grundschule unserer Stadt: Erst wurden mit den Kindern wochenlang Gruselkostüme zu Halloween gebastelt. Höhepunkt das Nervenkitzels war dann ein kostümierter abendlicher Gang über den Friedhof. Das ist so lange lustig, bis der erste Mitschüler, die ersten Eltern und Großeltern dort liegen. Geschmack- und verantwortungslos!

Als letztes möchte ich noch in aller Freundschaft den Hinweis aufgreifen, dass am Allerseelentag jedem Priester zwar drei hl. Messen ermöglicht sind, das aber nicht bedeutet, dass man in jeder Messe zweimal predigen muss. Also, die Einführung sollte laut Messbuch "brevissimis verbis" erfolgen und mystagogisch in die Feier einführen. Das ist schon eine ganze Menge und reicht meist völlig aus.

Gleich muss ich mich noch mit einem Mann unterhalten, der fest davon überzeugt ist, dass in seiner Wohnung böse Geister ihr Unwesen treiben und jetzt einen religiösen Ghostbuster sucht. Schauen wir mal.
Zum Schluß jetzt das Muck-Bild der Woche:
Tja, Mucki, wenn ich das alles so lese, mache ich das gleiche Gesicht wie Du...
Allen einen guten Start ins Wochenende!

Donnerstag, 3. November 2011

Hubertus: Trari, trara...

Beim heutigen Gedenktag des heiligen Hubertus fällt mir immer wieder eine alte Geschichte aus meiner klerikalen Vergangenheit ein. Im Priesterseminar gab es den Brauch, die Gläubigen der umliegenden Orte mit Probepredigten der angehenden Diakone mehr oder weniger zu erfreuen. Die Predigten wurden mit Cassettenrecorder aufgenommen und anschließend mit einem erfahrenen Prediger ausgewertet, die Kirchenbesucher bekamen Auswertungsbögen zum Ankreuzen. (Als später dann das Verbot der Laienpredigt noch einmal eingeschärft wurde, wurde einzig diese Übung übrigens auf oberhirtliche Weisung abschafft, so ein Unsinn...).
Jedenfalls wurden ein Freund und ich der Gemeinde in O-dorf zugeteilt, wo der heutige Generalvikar des Erzbistums P. damals tätig war. Natürlich hatte ich mich lange und intensiv auf eine Predigt zum entsprechenden Sonntag im Jahreskreis vorbereitet. In der Woche davor bekam ich dann allerdings mitgeteilt, dass der hl. Hubertus den Sonntag verdränge und es mit Schützen und Bläsern eine Hubertusmesse gäbe. Das war mir als Ruhrgebietskind ungefähr so vertraut, wie einem Halligbewohner das Skifahren.
Das Aussehen der Kirche veränderte sich merklich: Unmengen von Büschen und Bäumen wurden in die Kirche geschafft, der Chorraum verwandelte sich in einen "dunklen Tann" und vor dem Altar wurde ein imposantes Geweih aufgebaut. Mir war ab da nicht mehr ganz klar, wem denn da jetzt die Anbetung zukam. Für eine Lohengrin-Aufführung wäre die Kulisse perfekt gewesen. Aber es war ja Messe, Hubertusmesse mit Musik. Nun weiß ich auch, dass es mit Naturhörnern nicht so ganz einfach ist, das zu spielen, was da vor einem auf dem Notenblatt steht. Aber die so manchem gewundenen Rohr mit großer Anstrengung entlockten Klänge trieben garantiert die letzten verbliebenen Tiere in selbstmörderischer Absicht auf die nahe gelegene Umgehungsstraße. Ist ja praktisch: Man braucht sie dann nicht mit teurer Munition zu erschießen, sondern einfach nur einzusammeln.
Ich habe dann über den heiligen Hubertus und Glaube, Sitte, Heimat gepredigt. Zumindest hab' ichs versucht. Die Predigtauswertung hinterher im Priesterseminar hat dann zu dauerhaftem Vergnügen aller Beteiligten geführt...
Da hilft nur das Gedicht von Oskar von Riesenthal auf der Jägermeisterflasche:

Das ist des Jägers Ehrenschild,
daß er beschützt und hegt sein Wild,
weidmännisch jagt, wie sich's gehört,
den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.


Allen einen schönen und friedlichen Tag!

Dienstag, 1. November 2011

Allerseelen: Stark wie zwei

Der Altmeister des Genau-zwischen-zwei-Tönen-Singens ist schon immer Geschmackssache gewesen. Es gibt wirklich grottenschlechte Platten von Udo Lindenberg, aber auch echt geniale alte Schmankerl, wie z.B. Bodo Ballermann, Johnny Controletti (so nannten wir übrigens als Jugendliche unseren Pfarrheimhausmeister...) oder Du spieltest Cello und die Klavierlehrerin. Es soll sogar Hochzeiten gegeben haben bei denen wurde "Du knallst in mein Leben" als Hochzeitswalzer gespielt...

"Stark wie zwei" finde ich, wie das meiste von der gleichnamigen letzten Platte, ziemlich gelungen. Und es passt für mich auch zum morgigen Tag.


(Und für die ganz Schlauen: Hier findet man sogar die Sterbephasen von Elisabeth Kübler-Ross...)

Ein Lied für alle die morgen traurig sind, weil ihnen jemand fehlt, sie jemanden ganz besonders vermissen, und für die sich manche Lücke nicht schließt.
In letzter Zeit habe ich viel mit Menschen zu tun gehabt, die um einen verstorbenen Partner oder Familienangehörigen trauern, als sei es gestern gewesen. Und dabei ist es oft 20 Jahre her. So hart sich das anhört: Ich muss auch jemanden gehen lassen, anders geht es nicht. Aber Allerheiligen und Allerseelen geben die Hoffnung, dass die Brücke der Liebe bleibt. Einen Stadtplan vom Himmel haben wir alle nicht in der Tasche, aber der Glaube gibt den Trost, dass unsere Verstorbenen bei Gott aufgehoben sind. Das kann und darf ich ganz fest glauben.

Allerheiligen: Mosaiksteine Gottes

Als vor einigen Jahren der Düsseldorfer Künstler Thomas Jessen die Kapelle des erzbischöflichen Sozialinstituts Kommende in Dortmund neu gestalten sollte, hatte ich die schöne Möglichkeit, an der Planung des künstlerischen Programms mitzuwirken. Und dieses Programm ist wirklich außergewöhnlich: Wie Steine eines Mosaiks sind an der Decke Bildtafeln mit den Gesichtern von 51 verschiedenen Heiligen angebracht. Jeder ist anders und jedes Gesicht spiegelt ein ganzes unverwechselbares Leben, denn der Künstler hat keine Idealgesichter oder Phantasiegemälde gestaltet. Es gibt in der Kapelle nur authentische Porträts von Heiligen, die neueren nach Fotografien gemalt, von den älteren nach Totenmasken oder frühen Zeichnungen. In jedes Gesicht hat das Leben seine Spuren eingegraben, in jedem sind Schmerz und Leid, Freude und Hoffnung zurückgeblieben. Kein Gesicht gleicht dem anderen, jedes ist anders.
Was ist ein Heiliger? - Die Gestaltung der Kapelle gibt eine interessante Antwort: All die verschiedenen Gesichter bilden wie ein kleiner Mosaikstein Gott selbst in der Welt ab. Keiner darf fehlen. Jeder ist ein unverkäufliches Original. Alle verbindet das Bemühen, Gottes Liebe in der Welt und unter den Menschen zum Leuchten zu bringen. Jeder anders, nach eigenen Grenzen und Fähigkeiten. Die Heiligen bilden in unerschöpflicher Fülle das große Mosaik Gottes, das noch lange nicht abgeschlossen ist. Und wir? Wir gehören dazu. Jeder Mensch ist ein Gesicht Gottes. Das bedeutet auch die Gemeinschaft der Heiligen: die von der Kirche als Heilige verehrten Menschen, unsere Verstorbenen und wir selbst auf dem Weg zur Gemeinschaft mit Gott. Diese Gesichter Gottes machen uns Mut, aus ihrem Vorbild können wir Kraft schöpfen. Sie rufen uns zu: Du bist nicht allein! Und noch mehr: Du bist ein unersetzbarer Mosaikstein Gottes! Bring dich zum Leuchten! Und lass andere leuchten! Gott braucht dich und will durch dich in dieser Welt aufstrahlen! - An der Decke der Kapelle ist noch Platz genug. Für jeden von uns.