Samstag, 29. Dezember 2012

Weihnachtliche Nachlese: Neues aus St. Kamillentee

Man hört ja so manches. Jetzt also mal wieder meine Heimat-, Herzblut- und Wohnortgemeinde: In dieser Gemeinde wird der zweite Geistliche seit einigen Jahren von den Resurrektionisten, einem polnischen Priesterorden, gestellt. Nun gab es in diesem Jahr einen personellen Wechsel, ein Pater wurde nach Wien versetzt, ein neuer kam. Problem: Er spricht so gut wie kein Deutsch.
Jemanden ohne ausreichende Sprachkenntnisse in eine Gemeinde zu schicken, ist eine glatte Fehlleistung sowohl des Ordens wie auch des Generalvikariates, denn es gibt nur Verlierer. Als ersten den betroffenen Priester selbst, er gibt sich Mühe, möchte arbeiten und wirken, und merkt doch auch (oder sollte es), dass er nicht ankommt, dass es nicht klappt. Mich würde das sehr belasten und so finde ich es seitens der Verantwortlichen wirklich unverantwortlich. Das Bild das angesichts solcher Fehlentscheidungen bei den Gläubigen von Bistums- und Ordensleitung entsteht, kann man sich ja vorstellen. Also die nächsten Verlierer.
Ja und dann natürlich die Gläubigen. Schon vor Jahren habe ich die These vertreten, dass die eigentlichen Verlierer der ganzen pastoralen Umbrüche diejenigen sind, die kein Auto haben. Denn die Menschen stimmen mit den Füßen ab, so auch in der Christmette: Die Leute haben reihenweise die Kirche verlassen, so dass hinterher mehr Menschen vor der Kirche standen, als drin waren. Es sei "unerträglich", man habe "überhaupt kein Wort verstanden", da könne man "ja gleich nach Krakau zur Messe gehen" usw. So skeptisch ich diesen Aussagen gegenüber auch bin, so zeigen sie doch noch einmal deutlich, wie man einen Karren vor die Wand fahren kann und zwar für alle Beteiligten.
Am nachdenklichsten hat mich die Aussage einer alten Messdiener- und Pfadfinderfreundin von früher gemacht: "Früher war das hier einmal meine Heimat, heute erkenne ich diese Gemeinde nicht mehr wieder!". - Ich glaube, wenn in dieser Gemeinde, dieser Stadt, diesem Dekanat, nicht bald etwas passiert, können wir schneller den Laden dichtmachen als wir je gedacht hätten...
Und noch etwas was ganz typisch ist für St. Kamillentee: "Uuuh, der neue Pater ist ja so erzkonservativ!" - "Ach, wieso denn?" - "Der lässt halt die Kinder nicht um den Altar kommen, die müssen unten in den Bänken bleiben. Der Vorgänger hat das immer gemacht!" (Anmerkung: Der Vorgänger zelebrierte auch im Cowboykostüm und rannte mit der Gitarre durch die Kirche) "Geht denn das Enkelkind jetzt mit zur Erstkommunion?" - "Nein, das ist ja auch nicht getauft!" - "Ah ja."

Freitag, 28. Dezember 2012

Im Farbenrausch und woanders...

Im Farbenrausch - die Expressionistenausstellung im Museum Folkwang in Essen sollte man gesehen haben! Und wenn man pünktlich um 10 da ist bekommt man noch einen knappen Platz in der Tiefgarage und die Schlange an der Kasse ist noch nicht so arg lang...


Und dann waren wir noch in St. Ludgerus in Werden:

Die Schatzkammer ist leider bis nach Neujahr geschlossen. Sehr schlau in der Ferienzeit, besonders dann, wenn man noch die Werbeständer dafür aufstellt...

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Komm' zur Ruhr! - mit Nachweihnachtsgedanken...

Der etwas bittere Beigeschmack an großen christlichen Festen ist ja, dass man sich dabei immer gewisse Nebengeräusche angeblich aufgeklärter Religions- und Kirchenkritiker auf meist indiskutablem Niveau anhören muss. Dabei kann man wahrnehmen, dass der Ton immer schärfer und aggressiver wird. Wahrscheinlich meint man dadurch noch kränkender und verletzender zu sein, oder man wird auch sonst medial nicht mehr wahrgenommen. Ein echtes Zeichen, das auch sicher Aufmerksamkeit erregen würde, wäre doch: "Ich scheiße auf das Christentum" (das wäre noch normaler Jargon), "und deshalb gehe ich an allen diesen Scheißfeiertagen arbeiten! Jawoll, ich gehe arbeiten. Aus Protest! Ich will von dieser Scheißkirche nichts geschenkt haben!".
Tja das wäre doch mal was. Macht aber keiner.
Vielleicht ist auch mancher so aggressiv weil er insgeheim doch merkt, dass ein Leben ohne Religion nicht nur intellektuell absurd, sondern auch menschlich sehr, sehr traurig ist. Vielleicht ist es auch ein Verlust von Höflichkeit: In modernen Erziehungskonzepten wird immer viel von Respekt und Toleranz gesprochen. Aber beim Blick auf unser Zusammenleben scheint dabei ja irgendwie wenig herauszukommen. Von Höflichkeit ist nie die Rede. Respekt und Toleranz scheinen doch eher etwas einforderbares zu sein, richtige Höflichkeit dagegen ist etwas was mit Achtsamkeit, Güte, Demut und Geduld zu tun hat. So könnte doch auch der Umgang zwischen Andersdenkenden sein. Könnten wir nicht höflich miteinander umgehen?

Wie auch immer, auf solche Gedanken kann man bei diesem Wetter leicht kommen:




Oder ist es doch, wie ein guter Freund meint, alles sinnlos? Immerhin regnet es gerade nicht...

Mittwoch, 26. Dezember 2012

2. Weihnachtstag: Stephanus

Das Schöne an zweiten Feiertagen ist ja nicht nur immer, dass das Hochamt in lateinischer Sprache gefeiert wird, sondern auch, dass die Predigt ausfällt! Dann hat man viel mehr Zeit für Liturgie und Musik. Ich genieße das sehr...
Allen die es betrifft, alles Gute zum Namenstag, allen anderen einen schönen Weihnachtstag!

Montag, 24. Dezember 2012

Schon wieder Weihnachten...

Schon wieder Weihnachten, schon wieder ein Jahr herum! Das zeigt uns sehr nüchtern und eindeutig der Kalender. Aber vor aller objektiven Zeiterfassung kommt, so lehrt schon der hl. Augustinus, das subjektive Zeitempfinden. Schöne Zeiten scheinen wie im Fluge vorüberzugehen, schwere Zeiten empfinden wir häufig als unendlich schleppend und langwierig. Vieles ist in diesem Jahr geschehen: wir haben gelebt und gearbeitet, und ich hoffe, dass Leben und Arbeiten für die meisten von uns keine allzu gegensätzlichen Begriffe sind. Manches aus dem zurückliegenden Jahr mag uns noch bewegen, manche Situation, manche Begegnung, manches Gespräch in Erinnerung bleiben. Alles das Leichte und Schwere, die Höhen und Tiefen die wir erlebt haben, können wir gleichsam dem menschgewordenen Gott mit in die Krippe legen, denn wir können darauf vertrauen, dass wir von ihm geliebt und angenommen sind, und dass er einmal alles Bruchstückhafte zusammenfügen und zum Guten führen wird.
Allen Leserinnen und Lesern ein frohes ein gesegnetes Weihnachtsfest! Ich hoffe, dass es mit "vorgestellt-nachgedacht" ein wenig Spaß gemacht hat im zurückliegenden Jahr.
Auf bald!

Samstag, 22. Dezember 2012

Bischöfliche Visitation: Nichts Neues...

"(...) Es sind Fragen, wie sie schon Karl der Große vorgeschrieben hatte und wie sie sich Jahrhundert um Jahrhundert durch die Kirchengeschichte ziehen; sie zeugen davon, dass die Kirche zu jeder Zeit besserungsbedürftig ist: Regelmäßigkeit und Sorgfalt bei der täglichen Feier der Messe, bei der Unterweisung des Volkes, bei der Taufe der Kinder, bei Krankenbesuchen und -ölung, beim Begräbnis der Toten; 'in welcher Weise die Zehnten und Gaben der Gläubigen zur Speisung der Armen und Gebrechlichen verwendet würden; wie sie die Witwen und Waisen in allen Nöten unterstützten, und mit welchem Fleiß sie Christus in der Person von Gästen und Fremdlingen dienten; ob sie sich nicht auch Frauen zugelegt hätten, und ob sie in dieser Hinsicht einen Verdacht zu äußern hätten; ob sie auch nicht mit Hunden und Falken auf die Jagd gingen, Wirtshäuser zum Essen und Trinken beträten, schimpfliche Spiele in Übung hätten, Ess- und Trinkgelage über das rechte Maß hinaus liebten; ob sie nicht auch Streit, Händel und Feindschaft hätten, auch nicht an weltlichen Hochzeitsfeiern teilnähmen, oder überhaupt irgendetwas hätten einreißen lassen, was ihres Amtes unwürdig sei; ob sie zur rechten Zeit nach ihren Kirchen sähen; ob sie ihren Vorgesetzten Gehorsam erwiesen und in allem danach getrachtet hätten, ihrem Amte treu ergeben und nützlich zu sein (...)'. Die auf dem rechten Weg Wandelnden wurden ermuntert und gelobt, die Irrenden zurechtgeweisen und ermahnt, künftig von ihren Fehlern abzulassen."

Norbert Ohler: Reisen im Mittelalter, München 1986, 247f., hier die Schilderung der Visitationsreisen des Bischofs Ulrich von Augsburg 923-973

Freitag, 21. Dezember 2012

Weihnachten: Eine Liebesgeschichte

Unter dem seltsamen Wort „Arbeitsverdichtung“, liebe Leserinnen und Leser, kann man so manches fassen, was man in diesen letzten Wochen vor Weihnachten so erlebt: Als ob alle alles unbedingt noch erledigt haben müssten! Man könnte meinen, die Welt gehe danach unter.
Und gerade das glaube ich trotz Maya-Kalender eben nicht. Nicht dass diese Welt ewig wäre, das wäre schlimm, aber wir sollten uns nicht durch immer mal wieder irgendwo auftauchende angeblich uralte Weissagungen verunsichern lassen. Ich halte das schlicht für Blödsinn (und häufig auch Geschäftemacherei). Dass einem als Christ die Vorläufigkeit dieser Welt bewusst
sein sollte und dass gerade der Advent eine Zeit der Erwartung der Wiederkunft Christi ist, ist etwas ganz anderes, denn hier geht es nicht um heillosen Untergang, sondern heilsame Vollendung.
In der Zeit vor Weihnachten werde ich recht häufig zu Weihnachtsfeiern eingeladen. Komisch eigentlich, denn in der eigentlichen Weihnachtszeit gibt es sie dann nicht mehr und auch die Weihnachtsmärkte sind dann geschlossen und so mancher Weihnachtsbaum liegt dann schon schnell am Straßenrand. Wie auch immer, jedenfalls werde ich bei diesen Feiern dann meist gebeten, eine schöne Geschichte oder einen passenden Text beizutragen. Ich gebe zu, dass mir das nicht ganz leicht fällt: Die meisten Geschichten sind mir zu abgegriffen oder zu zuckersüß-kitschig, oder auch zu sozialkritisch oder moralinsauer. Eine gute Geschichte zu Weihnachten zu finden ist also schwierig, oder? Eigentlich ja nicht, denn die schönste Weihnachtsgeschichte ist die, die Gott selber erzählt: Es ist eine Liebesgeschichte, eine Liebesgeschichte zwischen Gott und dem Menschen, den er als sein Abbild geschaffen und ins Dasein gerufen hat, den er in Freiheit setzt, dem er Gott sein will. Letztendlich sogar so, dass er selbst Mensch wird um dem Menschen nahe zu sein.
Den Komponisten Anton Bruckner hat man einmal in einer Kirche weinend vor der Krippe angetroffen. Als er gefragt wurde, was ihn denn so anrühre, hat Bruckner gesagt: „Es ist das
göttliche Kind in der Krippe. Wie unfassbar groß muss diese Liebe sein!“
Da ist etwas dran. Probieren Sie es doch einmal aus: Erzählen Sie sich zu Weihnachten doch einmal wieder gegenseitig diese „göttliche Original-Liebesgeschichte“, Sie werden merken, es wird auch Ihre Geschichte werden!

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Versus orientem - und das in der KHG!

Ein sehr stimmungsvolles Foto gefunden auf der Facebook-Seite der Kath. Hochschulgemeinde Paderborn:

Geht doch ;)

Fachtagung "Junge Liturgie"

Einige Dokumente der zurückliegenden Fachtagung "Dominus vobiscum", ein zugegeben vielleicht etwas irreführender Titel, zur "Jungen Liturgie" im Jugendhaus Hardehausen des Erzbistums Paderborn kann man sich hier anschauen.
Das muss man nicht alles gut finden, aber interessant ist es allemal!

Dienstag, 18. Dezember 2012

Geistlicher Impuls zum Tag

"Liebe Schwestern und Brüder,

das Evangelium das für den heutigen Tag bestimmt ist, ist auch reichlich passend für unser Krankenhaus, steht es doch unter dem Patronat des hl. Josef, und um ihn geht es ja auch in dem gerade gehörten Text. 
Schauen wir uns diesen einmal ein wenig genauer an: Maria und Josef sind miteinander verlobt, das geschah nach den damaligen jüdischen Gebräuchen bei jungen Frauen so mit etwa 14 Jahren. Bis zur eigentlichen Hochzeit vergingen dann noch einmal ein bis zwei Jahre. Nun zeigte sich, dass Maria schwanger war „und zwar vom Heiligen Geist“, wie der Evangelist sich beeilt hinzuzufügen. Nun war es aber trotzdem, vor allem für Maria, mit so einem unehelichen Kind eine reichlich peinliche Angelegenheit und auch Josef hätte ja durchaus handfeste Gründe haben können, sich betrogen zu fühlen. Aber, und das ist hier das erste Erstaunliche, es kommt nicht zu der vielleicht erwarteten Eifersuchtsszene, nein, Josef will sie nicht bloßstellen und denkt darüber nach, sich denn in aller Stille von ihr zu trennen. Auch das mag uns heute etwas seltsam vorkommen, aber nach damaligen Verhältnissen war es schon das Äußerste was Josef tun konnte, ohne sich selbst bis auf die Knochen zu blamieren. Er wird seine Maria schon sehr geliebt haben. Der Evangelist charakterisiert ihn als „gerecht“, ein Ehrentitel, den wir schon aus dem Alten Testament kennen, wir haben davon auch in der ersten Lesung aus dem Propheten Jeremia gehört. Hier wird deutlich, dass die Gerechtigkeit der Bibel etwas anderes ist als dass, was wir im Allgemeinen unter Gerechtigkeit verstehen. Die Gerechtigkeit der Bibel ist nicht Iustitia mit verbundenen Augen, sondern immer auf Gott bezogen und nur von ihm her zu denken: In der Bibel gibt es keine Gerechtigkeit ohne Güte, keine Gerechtigkeit ohne Liebe. Vielleicht auch ein erster Impuls für uns: Tag für Tag treffen wir Entscheidungen, beurteilen Menschen, wollen Dinge richtig tun. Vielleicht könnte uns dabei der hl. Josef ein Vorbild sein, dass in unserem Bemühen um Recht und Richtigkeit Güte und Liebe nie zu kurz kommen dürfen.
Josef erscheint ein Engel im Traum, er sagt ihm, dass er sich nicht scheuen solle, Maria als seine Frau zu sich zu nehmen, so solle sich die Schrift erfüllen. Verheißung und Erfüllung, das ist so ein biblisches Grundmuster: Es bedeutet, dass Gott treu ist, dass Gott verlässlich ist, dass er zu seinem Wort steht. Aber jeder der verlässlich ist, braucht ja auch jemanden, der sich auf ihn verlässt. Und so erleben wir jetzt wieder den hl. Josef: Er verlässt sich auf die Zusage Gottes. Das Interessante daran ist, dass Gott ihm selbst das noch in die eigene Freiheit stellt: Der Engel sagt ja nicht „Nimm Maria als Frau zu Dir“, sondern „Scheue Dich nicht, sie als Frau zu Dir zu nehmen!“ – Merken Sie den Unterschied? Wenn ich es mit Gott zu tun bekomme, dann mag ich hinken wie Jakob, vom Pferd geworfen werden wie Paulus oder die Erscheinung eines Engels im Traum haben wie Josef, eines aber bleibt: Gott zwingt mich nicht, die Begegnung mit Gott führt in eine größere Freiheit, freilich auch, wenn ich das vielleicht im Moment so nicht empfinde oder meine eigenen Pläne durchkreuzt werden. Das wäre der zweite Impuls: Der hl. Josef kann für uns ein Vorbild sein, Gott zuzutrauen, dass er in meinem Leben handelt. Das ist zugegebenermaßen in einer Zeit der Wellness- und Wohlfühlreligion nicht ganz einfach: Gott ist zwar lieb, weil er die Liebe selbst ist, aber Gott ist nicht kuschelig: Es mag also durchaus sein, dass das Handeln Gottes in meinem Leben etwas anders verläuft, als ich mir das so vorstelle. Aber ich kann darauf vertrauen, dass er es immer gut mit mir meint. Manchmal erschließt sich mir das eher im Rückblick, dann wenn ich schwierige und krisenhafte Situationen durchlebt und überstanden habe, dann kann ich merken, dass Gott mich geführt hat.
Und ein letzter Gedanke: Josef ist ein Mann der Tat: Er erwacht und tut, was der Engel ihm gesagt hat. Er sucht nicht den nächstgelegenen tiefenpsychologisch geschulten Oneirologen auf, liest nicht in der Apothekenumschau nach und googelt auch nicht nach „Traumdeutung“. Nein, er macht es einfach. Ich glaube, hier kann uns der hl. Josef ein wichtiger Fürsprecher sein: Für viele Menschen gehört das „Ja aber“ zu einer festen Redewendung in jedem zweiten Satz. Das führt dazu, dass man vor lauter Abwägung eigentlich mit nichts richtig vorankommt und das Risiko ist groß, dadurch antriebslos und traurig zu werden. Josef beweist seine Entschlussfähigkeit noch ein zweites Mal und zwar in einem höchst dramatischen Moment, nämlich als ihm nach der Geburt Jesu der Engel erscheint und ihn mit seiner Familie zur Flucht nach Ägypten auffordert. Nur durch das entschlossene Handeln Josefs gelingt es, sich den kindermordenden Schergen des Herodes zu entziehen. Sein Beispiel zeigt uns, wie wichtig, ja überlebenswichtig, es sein kann, einmal als richtig erkannte Dinge auch wirklich zu tun und umzusetzen, sie auch mit Kraft und Entschlossenheit zu tun.
Vielleicht nehmen wir diese Impulse mit in die letzten Tage vor Weihnachten: Eine Haltung der Güte und Liebe zu entwickeln, Gott zuzutrauen, dass er in meinem Leben handelt, und schließlich die richtigen Dinge mit Kraft und Entschlossenheit tun."

Sonntag, 16. Dezember 2012

Wellness als "Baden im Selbstgenuss"

"Wir alle wissen, wie sehr heute Christus Zeichen eines Widerspruchs ist, der im Letzten Gott selbst gilt. Gott selbst wird immer wieder als die Grenze unserer Freiheit gesehen, die beseitigt werden müsse, damit der Mensch ganz er selber sein könne. Gott steht mit seiner Wahrheit der vielfältigen Lüge des Menschen, seiner Eigensucht und seinem Hochmut entgegen.
Gott ist Liebe. Aber die Liebe kann auch gehasst werden, wo sie das Heraustreten über sich selbst fordert. Sie ist nicht romantisches Wohlgefühl. Erlösung ist nicht Wellness, ein Baden im Selbstgenuss, sondern gerade Befreiung von der Verzwängung ins Ich hinein. Diese Befreiung kostet den Schmerz des Kreuzes."

Benedikt XVI: Jesus von Nazareth, Prolog / Kindheitsgeschichten, Freiburg 2012, 93

Eine genialere Begriffsbestimmung von "Wellness" habe ich bislang noch nicht gehört...

Samstag, 15. Dezember 2012

Gaudete: Es tut sich was...

Ich habe jetzt für Blogger-Verhältnisse lange nichts geschrieben. Das hat außer Grippe und viel Arbeit allerdings keine weitergehenden Gründe. Heute also dann ein Lebenszeichen:

Wenn man genau hinschaut tut sich etwas bei den Barbara-Zweigen! Für mich ist das mit dem Rosa des Gaudete-Sonntags ähnlich: Es gibt eine Ahnung, dass sich so langsam etwas tut...
Und noch eine schöne Geschichte: Durch das Job-Center zieht der Duft eines weihnachtlichen Räucherkegels. Darauf der kleine Junge einer Kundin ganz aufgeregt: "Mama, Mama, wohnt hier der liebe Gott???"
Allen einen schönen III. Advent!

Montag, 10. Dezember 2012

Erbsünde und Autoverkehr

Meine Ansprache beim adventlichen Gottesdienst am letzten Freitag kann ich erst jetzt nachreichen. Es würde mich freuen, wenn jemand etwas damit anfangen kann:

So wie eine Ouvertüre in eine Oper einstimmt, so ist es eine alte jüdisch-christliche Tradition, ein bedeutendes Fest schon am Vorabend beginnen zu lassen um sich gleichsam auch darauf einzustimmen. Und so geht heute Abend auch unser Blick schon auf den morgigen Tag, den 8. Dezember, denn der ist in unserem liturgischen Kalender nicht unbedeutend, feiern wir doch morgen das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria.
Worum geht es bei diesem Fest mit diesem sperrigen Namen? Papst Pius IX. hat es 1854 als verbindlichen Glaubenssatz definiert: Rein theologisch geht es darum, dass Maria vom ersten Augenblick ihres Lebens an aufgrund einer besonderen Gnade Gottes von der Erbsünde befreit war.
Das sagt uns jetzt wahrscheinlich noch nicht richtig viel und zugegebenermaßen geht es vielen Theologen ähnlich und dieses Fest ist nicht ganz unumstritten. Umso reizvoller ist es jedoch, sich gerade deswegen damit einmal zu beschäftigen.

Um dieses Fest zu verstehen, müssen wir drei Dinge klären: Was ist mit diesem seltsamen Begriff „Erbsünde“ gemeint?, zweitens: was hat das mit Maria zu tun? Und drittens: welche Anregung, welchen Impuls, kann jeder von uns für sich aus der Sache mitnehmen?

Wir versuchen es einmal und holen uns dabei Hilfe bei dem Dortmunder Systematiker Thomas Ruster. Ruster schreibt: „Die Erbsünde ist das, was entsteht, wenn der natürliche Drang zur Selbsterhaltung und die menschliche Tendenz zur Maßlosigkeit zusammenkommen.“ „Ein gutes Bespiel“, so Ruster, „ist der Autoverkehr. Der erste Mensch, der ein Auto erfunden oder gefahren hat, war vielleicht kein großer Sünder – auch wenn er womöglich schon damals hätte merken können, dass er mit dem stinkenden und ratternden Gefährt der Welt keinen großen Gefallen tut. Er wollte einfach nur schneller sein, bequemer reisen, der Konkurrenz davonfahren. Einige taten es ihm nach; auch sie waren nur kleine Sünder. Die Tendenz zur Maßlosigkeit fand im Auto allerdings einen willkommenen Betätigungsort: immer schneller, weiter, größer. Irgendwann entwickelte sich der Autoverkehr zu einem System, de man nicht mehr entkommen konnte. Das Militärwesen, der Transport, die berufliche Mobilität, das Freizeitverhalten waren auf das Auto angewiesen. Die Besiedlungsstruktur stellte sich darauf ein, dass die Leute in der Regel ein Auto haben. Aus der Freiheit, ein Auto zu fahren, war ein Zwang geworden, den keine Regierung, keine Macht der Welt heute mehr zurückdrehen kann. Aus der kleinen Sünde des Anfangs war eine Erbsünde geworden.“ „Ein jeder“, so Ruster weiter, „der in eine automobile Gesellschaft hineingeboren wird, erbt diese Sünde von seinen Eltern – angefangen mit der Fahrt von der Klinik nach Hause. Und doch sündigt jeder, der ein Auto fährt, immer wieder selbst und aus eigener Entscheidung und oft mit großem Vergnügen. Die Sünde, die er begeht, ist die gleiche wie die des ersten Autofahrers. Er möchte schneller, bequemer reisen; er möchte die Nachteile eines Verzichts auf das Auto nicht sich nehmen. Die Erbsünde wird durch die freie Tat eines jeden Autofahrers immer wieder ratifiziert. Sie ist mittlerweile dabei, die Erde zu einem unbewohnbaren Ort zu machen.“ -
„Erfahrungen dieser Art“, immer noch Thomas Ruster, „die sich beiliebe nicht nur mit dem Autoverkehr machen lassen, haben die Kirche bewogen, das Dogma von der Erbsünde zu verkünden. Es wollte erklären, wie die Sünde der ‚Stammeltern’ Adam und Eva zu einer unüberwindlichen Sündenmacht werden konnte. Es wollte die Macht des Bösen und ihr Verhältnis zur menschlichen Freiheit klären.“ Ruster schließt etwas lakonisch: „Vielleicht hätte man den Sachverhalt besser erklären können als mit dem Begriff ‚Erbsünde’, aber eine bessere Erklärung ist mir jedenfalls nicht bekannt.“

Was hat das nun zweitens mit Maria zu tun? Das Dogma besagt ja, dass Maria bei ihrer Empfängnis von der Übertragung der Erbsünde ausgenommen worden ist. Das bedeutet: Gott hat der Ausbreitung des Bösen bei Marias Empfängnis Einhalt geboten, denn er wollte in Jesus Christus sein Reich auf Erden begründen, das Reich, in welchem das Böse keine Macht mehr hat. Im Hinblick auf die Begründung der Gottesherrschaft also hat Gott in Maria einen erbsündefreien Raum geschaffen. Dort sollte sich das Gottesreich entwickeln können, wie es dann wirklich mit Marias Antwort an den Engel geschehen ist: „Mir geschehe nach deinem Wort.“ Wie konnte Maria diese Offenheit für Gott gelingen?
Der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding schreibt dazu: „Mir geschehe nach deinem Wort“ – so antwortet Maria auf die Verkündigung des Engels Gabriel, der ihr die Frohe Botschaft überbringt, dass sie, die Jungfrau, kraft des Heiligen Geistes den Messias empfangen und gebären wird. Maria wird auf Verkündigungsbildern immer wieder mit einem Buch dargestellt. Sie ist in der Ikonographie der Antike und des Mittelalters bis in die Neuzeit hinein eine gebildete Frau, die lesen und schreiben und reden kann. Das ist im Neuen Testament nicht vorgegeben, aber angebahnt. Maria ist eine Frau des Wortes. Sie weiß, was sie ist: „Ich bin die Magd des Herrn“ – das höchste, was es vor Gott und für Gott nur geben kann. Sie weiß, was sie weiß – das, was Lukas ans Ende des Weihnachtsevangeliums gestellt hat: „Maria bewahrte alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen“. Und sie weiß, was sie tun will: „Mir geschehe nach deinem Wort!“

Und das führt uns zu unserem dritten Punkt: Was kann ich für mich daraus mitnehmen? Ich glaube folgendes: Wir haben vorhin gesehen, dass die Gefahr der Erbsünde überall dort gegeben ist, wo der Drang zur Selbsterhaltung und die Tendenz zur Maßlosigkeit zusammenkommen. Hier stellt sich uns also die Frage nach dem Zusammenleben der Menschen aber natürlich auch nach mir selbst, denn der erste Mensch mit dem ich zusammenleben muss, bin ja schließlich ich selbst. Noch einmal Maria: Wissen, was ich bin. Wissen, was ich weiß. Wissen, was ich tun will. Darauf kommt es wohl auch für mich und einen jeden von uns an: Wer bin ich? Diese Frage erinnert an das vielleicht manchen bekannte Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, das er 1944 in der Haft im Militärgefängnis Berlin-Tegel schreibt. Wir kommen darauf gleich noch einmal zurück. Was weiß ich? Um das zu beantworten, müsste ich versuchen, mich selbst immer besser kennen zu lernen. Was will ich tun? Um etwas tun zu können, müsste ich erst einmal wissen, was ich kann und dann zu welchem Ziel mich dieses Tun denn führen soll. Natürlich, keine leicht zu beantwortenden Fragen, wie auch? Aber je mehr ich versuche, den Antworten auf die Spur zu kommen, desto offener werde ich wie Maria für Gott, für mich selbst und für meine Mitmenschen.
Dietrich Bonhoeffer hat für sich eine Antwort gefunden. Die letzten Zeilen seines Gedichtes lauten:
„Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“

Freitag, 7. Dezember 2012

Heute abend...

Adventlicher Gottesdienst für die Patienten, Mitarbeiter und Gäste in der Kapelle des St. Marien Hospitals Eickel:

Weihnachtsverdichtung

"Arbeitsverdichtung" kennen wir, "Weihnachtsverdichtung" ist neu (denn das Wort habe ich mir gerade ausgedacht ;)
"Weihnachtsverdichtung" kann z.B. bedeuten, dass ich in dieser Woche jeden Tag zu einer Weihnachtsfeier muss und dort immer ein frommer Text oder ein besinnliches Gedicht von mir erwartet wird. Da komme ich mir ziemlich "weihnachtsverdichtet" vor...
Dabei ist die Krippe doch noch leer:
Allen einen guten Start in den Tag!
Und wem sonst noch etwas zum Thema "Weihnachtsverdichtung" einfällt, kann gerne mitmachen!

Sonntag, 2. Dezember 2012

Weihnachtspfarrbriefe und mehr...

Gestern trudelte der Weihnachtspfarrbrief meiner Wohnortgemeinde ein. Inhaltlich gibt es eigentlich nicht viel auszusetzen (wenn man sich denn für zurückliegende kfd-Ausflüge interessiert...), aber das Layout ist mal wieder gruselig: Unterschiedliche Schriftarten, uneinheitliche Seitenaufteilungen, mal Linksbündig, mal Blocksatz, ansonsten Bleiwüste, die wenigen Fotos zu dunkel oder/und unscharf. Es ist eben ähnlich, wie bei uns Liturgie gefeiert wird...

Dass es auch anders geht zeigt uns mal wieder der Pfarrer des Altenberger Doms:

Liebe Mitglieder unserer Pfarrgemeinde, sehr verehrte Gäste!
Es ist Advent. Wir richten unseren Blick nach vorne: auf den (wieder-)kommenden Herrn. Das findet seinen Ausdruck darin, dass ich die Eucharistie „versus Deum“, zu Gott hin feiern werde (im Hochamt im Advent).
„Richtet Euch auf und erhebt Euer Haupt denn es nahet Eure Erlösung!“

Der Link ist hier. Nicht schlecht.

Samstag, 1. Dezember 2012

Es kann losgehen...

Die Wohnung ist entsprechend dekoriert, der Grünkohl köchelt vor sich hin (Grünkohl macht übrigens glücklich und muss mit einem Löffel zu essen sein), die erste Vesper ist gebetet, die Rauchmelder sind überprüft und der Feuerlöscher ist neu. Jetzt müssen wir nur noch "Wir sagen euch an" singen und dann kanns losgehen:
Allen einen schönen ersten Advent!!!

Trübe Aussichten...

Schön ist es heute morgen wirklich nicht:

 Auch an der "Schönen Aussicht" mag heute keiner sitzen...
 ... und der Blick in die andere Richtung, also nach Bochum, ist auch nicht besser. Da hinten im Nebel liegt übrigens die Ruhr-Uni. Dass man die jetzt nicht sieht macht auch nichts.
 Dieser Hügel am sog. Ehrenmal war für uns Kinder die ultimative Schlittenstrecke:
 Als Hörnchenhaus war es eigentlich nicht gedacht:
Allen trotz des Wetters einen schönen Samstag!

Freitag, 30. November 2012

Wenn der Advent beginnt...

Wenn der Advent beginnt, dann fängt auch das Messbuch wieder von vorne an. Hier ein paar schöne Beispiele aus dem Bücherschrank:

1767:
 1858:
 1920:
 1931:
War danach noch was? ;)
Allen einen guten Start in ein vielleicht angeschneites Wochenende und einen gesegneten Advent!

Donnerstag, 29. November 2012

30. November: Der hl. Andreas: Etwas ganz Neues beginnt.

Mein aktueller Zeitungsbeitrag:

Die wenigsten, liebe Leserinnen und Leser, werden wohl an den Apostel Andreas denken, wenn sie vor einem Bahnübergang stehen. Trotzdem nennen wir das dortige Verkehrsschild umgangssprachlich „Andreaskreuz“. Der Überlieferung nach hat nämlich der Apostel Andreas an einem solchen X-förmigen Kreuz das Martyrium erlitten. Andreas war gemeinsam mit seinem Bruder Petrus einer der ersten Jünger Jesu. Sie waren Fischer am See von Galiläa, und als Jesus sie rief, ließen sie buchstäblich alles stehen und liegen, folgten ihm nach und gehörten fortan zur Gruppe der zwölf Apostel. Andreas hat dann später am Schwarzen Meer und in Griechenland das Evangelium gepredigt. Der Bischof von Konstantinopel beruft sich noch heute als Ehrenoberhaupt der orthodoxen Kirchen auf die Nachfolge des hl. Andreas.

Das Fest des Apostels Andreas steht mit dem 30. November immer am Ende des alten und dem Anfang des neuen Kirchenjahres, das ja am 1. Advent beginnt. Dieses Datum, so finde ich, erklärt uns auch ein wenig diese schwer nachvollziehbare Berufungsgeschichte: Jesus ruft sie, und Andreas und Petrus verlassen von jetzt auf gleich ihre Arbeit, ihre gewohnte Umgebung, ja sogar ihre Familie. Das kann doch nur möglich sein, wenn mit diesem Jesus wirklich etwas ganz Neues beginnt. Als Christen sagen wir, dass mit Jesus das Reich Gottes angebrochen ist. Im Grunde will es das ganze Neue Testament mit seinen Schilderungen des Lebens und Wirkens Jesu ausdrücken: Das Gottesreich hat mit Jesus ganz konkret in dieser Welt begonnen und setzt sich überall dort fort, wo der Name Gottes geheiligt wird, also wo wir Menschen versuchen, Gott gerecht zu werden. Zu abstrakt, zu theologisch?
Nein. Ich werde dann Gott gerecht, wenn ich in die ganzen menschenverachtenden und selbstzerstörerischen Systeme dieser Welt eingreife: In das menschenverachtende System einer entfesselten Wirtschaftsordnung z.B. oder in die selbstzerstörerischen Systeme rücksichtslosen Raubbaus an der Natur oder fortwährender kriegerischer Auseinandersetzungen. Aber es gilt auch für mich in meiner überschaubaren Welt: Gott gerecht werden heißt, ihn an die erste Stelle zu setzen und alles andere ihm unterzuordnen. Und gerade das führt nicht in neue Abhängigkeiten, sondern ist der Weg der Berufung zur inneren und äußeren Freiheit. Eine Frage kann dabei schon ganz entscheidend sein: Was ist wirklich wichtig?
Ich finde, ein gutes Thema für den Advent!

Dienstag, 27. November 2012

Sinn und Unsinn von Altersgrenzen?

Wie alle Caritasverbände im Erzbistum Paderborn müssen auch wir eine neue Satzung gemäß der vorgegebenen "Mustersatzung" beschließen. Das mag seinen Sinn haben und das soll dann auch, wenn alles gut geht, die Vertreterversammlung am Donnerstag tun. Als ich heute mit dem Geschäftsführer noch einmal die neue Satzung durchgegangen bin, habe ich mich wieder einmal über folgenden Paragraphen geärgert: "Die Mitglieder des Caritasrates sollen bei ihrer Wahl das 70. Lebensjahr nicht überschritten haben." Zur Erläuterung: Der Caritasrat ist ungefähr das was jetzt der Vorstand ist, also eine Art ehrenamtlicher Aufsichtsrat.
Ich wollte diese Altersbegrenzung streichen. Der Anruf bei der zuständigen Juristin im Diözesancaritasverband ergab jedoch, dass es dann massive Schwierigkeiten mit der Satzungsgenehmigung durch das Generalvikariat gäbe.
Da frag' ich mich doch: Benedikt XVI. ist Jahrgang 1927, Weihbischof Grothe ist Jahrgang 1939. Ich kann also mit 85 noch als Papst die Weltkirche leiten oder mit 73 Vorsitzender eines Diözesancaritasverbandes sein, aber nicht mehr ehrenamtliches Mitglied eines Caritasrates werden. Ahja.
Altern Laien schneller? Vielleicht wegen der ehelichen Inanspruchnahme oder des Nachgehens einer regelmäßigen Tätigkeit? Oder schützt etwa Weihe vor Alterserscheinungen?
Mancher mag das meinen (vor allem selbst Betroffene), aber ich glaube das kaum, sind doch häufig die älteren Priester die seltsamsten (Fidel Castro läßt grüßen). Ich gehe davon aus, dass sowohl der Papst als auch der Weihbischof unzweifelhaft einen guten Job machen. Was also ist der Sinn einer solchen Altersgrenze?
Und jetzt erzähle mir bitte keiner, dass man damit eine Gerontokratie verhindern wolle, dass jemand also an seinem Posten klebt und somit keine Jüngeren nachrücken könnten. Mal ehrlich, welche Jüngeren denn?

Samstag, 24. November 2012

Richtig was auf die Ohren...

Deep Purple gestern abend in Oberhausen! Da konnte der Papa seinen erstaunten Kids mal zeigen bei was er damals mit der Mama abgerockt hat. Also so ungefähr war nämlich das Publikum zusammengesetzt.
Trotzdem: Die Jungs von der Band haben es nicht verlernt und es hat wirklich Spaß gemacht! (Wenn man sich den Weihnachtsmarkt im CentrO und die grottenschlecht-gruselige holländische Frikandel mit Pommes vorher einmal wegdenkt).


Donnerstag, 22. November 2012

Heilige Caecilia, bitte für uns!

Zum heutigen Tage der Patronin der Kirchenmusik. Angesichts zunehmender Vergospelung, Verpreisung, Verwdrvierung und sonstiger Flachheiten: Heilige Caecilia, verschone uns!!!
Das Bild stammt aus der Stadtpfarrkirche in Volkach/Main.

Allen Kirchenmusikern herzlichen Glückwunsch zum dienstlichen Namenstag und das Durchhaltevermögen der hl. Caecilia: Heute wird nicht mehr bei der Hinrichtung Orgel gespielt, sondern nach dem Spielen hingerichtet... Und mancher stille Märtyrer sitzt an seinem Spieltisch. Trotzdem: Als Kirchenbesucher muss man sich manchmal fragen, welches Getöse schlimmer ist: Von vorne oder von hinten...
Sonntag feiert übrigens die Marienorgel Geburtstag. Und Deep Purple gibts ja auch noch. Das ist wenigstens noch Musik... 

Mittwoch, 21. November 2012

Heute mal was evangelisches: Zum Buß- und Bettag

Mein aktueller Zeitungsbeitrag:

Liebe Leserinnen und Leser, Sie merken an den hier veröffentlichten Beiträgen, dass sie meist aus einer ziemlichen katholischen Perspektive geschrieben sind. Nicht nur zum Ausgleich geht es darum heute einmal um einen spezifisch evangelischen Feiertag, sondern auch, weil ich seine damalige Streichung als staatlicher Feiertag sehr schade finde und letztlich auch unsinnig, kann ich mir doch beim besten Willen nicht vorstellen, dass dadurch die Pflegeversicherung finanziert wird.
Es geht also um den „Buß- und Bettag“, übrigens katholischerseits früher „Putz- und Fegtag“ genannt, weil man damit nichts anzufangen wusste. Dafür fuhren die evangelischen Bauern an Fronleichnam Mist aufs Feld. Diese Zeiten sind nun glücklicherweise vorbei und wir können uns in guter ökumenischer Verbundenheit fragen, was uns dieser Tag heute zu sagen hat.
Buß- und Bettage, angeordnet von der Kirchenleitung oder der staatlichen Obrigkeit (was ja in evangelischen Ländern bis 1918 zusammenfiel), gab es in Notzeiten schon immer, Ende des 19. Jhdts. in Deutschland allein 47 Bußtage, später wurde dann in Preußen der Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres festgelegt und von allen anderen Ländern nach und nach übernommen.
„Kehrt um!“ – dieser Ruf durchzieht die ganze Heilige Schrift von den Propheten des Alten Testaments über Johannes den Täufer, Jesus selbst und auch Paulus. Aber was bedeutet diese Umkehr? Es geht wohl darum, zu schauen was war und was ist, dieses zu prüfen und sich dann zu verändern. Veränderung braucht Mut und deshalb stecken wir so oft in den alten Gewohnheiten: Wir wissen, dass sie nicht gut sind und uns auch nicht gut tun, trotzdem fällt uns die Veränderung so schwer, denn selbst das alte Schlechte ist uns ja immer noch vertrauter als das neue Gute.
Aus einer Sackgasse muss ich immer auf dem ursprünglichen Weg hinaus. Das bedeutet, dass ich nicht immer Dinge leichtfertig abhaken kann, sondern mich ihnen stellen muss, was nicht immer angenehm ist. Vielleicht ist das mit „Bußtag“ gemeint. „Bettag“ bedeutet dann, dass ich dabei auf die Kraft, die Hilfe, die Liebe und das Vertrauen Gottes bauen kann. Für Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle: Er traut mir zu, dass ich das Vertrauen, welches er in mich setzt, nicht enttäusche. Deshalb gibt es die Buße, nicht um mich leiden zu lassen, sondern um mir neue Wege, neue Perspektiven aufzuzeigen. So ein „Buß- und Bettag“ kann ein guter Anlass sein, die Straßenkarte meines Lebens einmal wieder auf die Sackgassen hin zu überprüfen.

Sonntag, 18. November 2012

Seliges Wohnzimmer...

Gestern und vorgestern hatte ich in Paderborn ein Homiletikseminar für Bewerber für den Ständigen Diakonat zu halten. Das war auch ganz schön, aber nach 8 Predigten über den 33. Sonntag im Jahreskreis werde ich mir die 9. Predigt heute mal klemmen.
Das hier war übrigens leider nicht im Immaculatahaus mein Zimmer, sondern das Wohnzimmer der sel. Pauline von Mallinckrodt. Obwohl genommen hätte ichs auch ;)
Hier noch die schöne neugotische Kapelle im Park des Mutterhauses der Schwestern der christlichen Liebe mit dem Grab von "Mutter Pauline":
 


Allen einen schönen Sonntag!

Dienstag, 13. November 2012

Hochemotionales Thema!

Ein toter Junge, der BVB, die Kirche und die Grabgestaltung: Viel mehr Emotionen können kaum zusammenkommen.
Hier der nicht ganz untendenziöse Artikel auf "Der Westen", hier der etwas ausgewogenere Bericht der "Ruhr-Nachrichten" mit dem nicht ganz unwichtigen Hinweis, dass die Eltern des Kindes keine Kirchenmitglieder sind und der Junge auch nicht getauft war. Bleibt noch zu bemerken, dass der namentlich erwähnte Geistliche nicht verantwortlicher Pfarrer bzw. Leiter des Pastoralverbundes ist.

Samstag, 10. November 2012

Martinshuhn

Gleich gibt es Martinshuhn, denn die Gans war nicht "Bio", also lieber ein glückliches Huhn als eine unglückliche Gans. Aber zuvor machen wir natürlich einen privaten Martinszug durch die Wohnung unter Absingen der bekanntesten Martinslieder und mit Brezeln. Aber ohne Pferd. Und Mucki läßt sich nicht reiten. Noch nicht...
"Kräuter-Knoblauch-Hähnchen" a la Sarah Wiener.
Allen Martinas und Martins schon jetzt herzlichen Glückwunsch zum Namenstag!

Donnerstag, 8. November 2012

Zu viel November!

Stanislaus hat neulich wirklich Recht gehabt: Der November drängt...
In dieser Woche drei Todesfälle: in der Nachbarschaft, im Kollegenkreis, in der Verwandtschaft. Die Jüngste war 53, die Älteste 72, alle unerwartet verstorben. Heute hatte die evangelische Kollegin dazu noch die Beisetzung der Fehl- und Totgeburten, dann muss sie morgen früh die verstorbene Ehefrau eines ev. Pfarrers beerdigen. Mittags haben wir dann gemeinsam den Gottesdienst für die verstorbene Mitarbeiterin, morgen abend die Trauerfeier für die Nachbarin in der neuapostolischen Kirche (da war ich noch nie), Samstag der Gedenkgottesdienst für die im zurückliegenden Jahr Verstorbenen des Krankenhauses, da muss ich Orgel spielen, Montag die Verwandtschaftsbeerdigung.
Das ist jetzt ziemlich viel November.

Herr, gib ihnen und allen unseren Verstorbenen die ewige Ruhe.
Und das Ewige Licht leuchte ihnen.
Herr, lass sie ruhen in Frieden. Amen.

Sonntag, 4. November 2012

Tag der Choralscholen. Mit Gurken.

Tag der Choralscholen im Dekanat. Diesmal in St. Josef in Altenhagen, hl. Messe mit Dechant. Die Kirche ist ja ganz schön...



Die Bedeutung der Gurkengläser auf der Orgelbühne hat sich mir allerdings nicht so recht erschlossen. Sollten hier etwa Gurken...?

Donnerstag, 1. November 2012

Gaudeamus omnes in domino...

Erst in Stiepel zum Konventamt, dann auf den Friedhof und dann einen Grappa zum Warmwerden...
Allen einen schönen Feiertag!

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Gedanken zu Allerseelen

Weil ich in den nächsten Tagen nicht dazu komme, hier schon einmal mein Zeitungsbeitrag zu Allerseelen:

Der Allerseelentag, liebe Leserinnen und Leser, steht im Zusammenhang mit dem vorausgehenden Fest Allerheiligen und geht auf den heiligen Abt Odilo von Cluny zurück; er hat diesen Gedenktag in allen von Cluny abhängigen Klöstern eingeführt. Das Dekret Odilos aus dem Jahr 998 ist noch erhalten. Bald wurde der Allerseelentag auch außerhalb der Klöster gefeiert. Für Rom ist er seit Anfang des 14. Jahrhunderts bezeugt. So wie am Allerheiligentag die Heiligen, die schon bei Gott sind, gefeiert werden, so wird an Allerseelen aller Verstorbenen, die noch nicht zur Vollendung gelangt sind, gedacht.
Im Zuge der nachkonziliaren Liturgiereform hat man sich von der am heutigen Tag vorgesehenen Sequenz „Dies irae“ – „Tag des Zornes“ weitgehend getrennt. Dieser, u.a. von Mozart, Verdi, Berlioz und Bruckner so meisterhaft vertonte Text sei zu düster und verdunkele die christliche Ewigkeitshoffnung. Ich halte das für einen großen Fehler. Natürlich ist die Sequenz sehr ernst, aber ist nicht auch der Tod eine ernste Sache? Natürlich geht es um das göttliche Gericht, aber muss nicht einmal jeder für seine Taten Rechenschaft ablegen und wäre es nicht ein bedrückendes Gefühl, würden die ganzen Opfer menschlichen Unrechts nicht wenigstens vor Gott Gerechtigkeit finden? Ich meine, dass der Gedanke an das göttliche Gericht nichts beängstigendes, sondern etwas sehr befreiendes hat. Wir haben hier nicht die Möglichkeit, die „letzten Dinge“, also Himmel, Hölle, Fegefeuer, ausführlich zu erläutern. An dieser Stelle nur ein Gedanke: Das göttliche Gericht bedeutet, dass Gott prüft, was der Mensch aus sich und der Schöpfung, beide von Gott aus Liebe ins Dasein gesetzt, gemacht hat. Es wird darum gehen, wie die Welt als Ganzes und ich als Einzelner Gott gerecht geworden bin. Es geht nicht um eine irdische Gerichtsverhandlung, sondern um die direkte und existentielle Erfahrung Gottes. Und was ist aber Gott? Gott ist die Liebe! Gott lässt mir aber selbst in diesem Moment noch die Freiheit, mich gegen diese Liebe zu entscheiden. Diese selbstgewählte Gottesferne ist die Hölle. Zu merken, wie ich dieser göttlichen Liebe nicht gerecht geworden bin, kann wie ein (Fege-)feuer schmerzen. Aber dann habe ich mich ja bereits für diese Liebe entschieden, dann steht mir der Himmel ja schon offen. Es ist hoch interessant nachzuverfolgen, wie die Lehre vom Fegefeuer die Armen- und Sozialfürsorge, aber auch Kunst und Frömmigkeit des Mittelalters befördert hat, denn es geht ja darum, schon hier etwas für die Ewigkeit tun zu können. Allerseelen sollte für uns also nicht so sehr ein Tag der Trauer sein, sondern eher ein Tag der Solidarität zwischen Himmel und Erde, zwischen Lebenden und Verstorbenen.

Dienstag, 30. Oktober 2012

Buß- und Bettag: Geschlossene Gesellschaft

In meinen Zeitungsbeiträgen geht es ja meistens um Themen aus ziemlich katholischer Perspektive. Nun möchte ich auch einmal etwas evangelisches anbieten und über den Buß- und Bettag schreiben, zumal ich seine Abschaffung nach wie vor unsinnig finde. Da haben sich die evangelischen Schwestern und Brüder damals ziemlich über den Tisch ziehen lassen...
Jedenfalls bin ich auf die Internetseite "Bußtag" gestoßen, dort gibt es Anregungen zur Gestaltung dieses Tages, Motto ist in diesem Jahr "Geschlossene Gesellschaft". Manches davon ist ganz ok., aber anderes finde ich entweder theologisch reichlich schräg, wie z.B. den Gottesdienstentwurf zum Thema Abendmahl, oder viel zu depressiv-moralinsauer oder auch einfach nur gutmenschelnd.
Aber ich würde mich doch über eure Meinung sehr freuen, schaut es euch doch bitte mal an!
(Vielleicht schreibe ich dann doch lieber über Christkönig ;) 

Kurz vor Allerheiligen...

So a-religiös können die Menschen gar nicht sein: Das ganze Jahr über zünden sie Kerzen an und schreiben in die ausliegenden Bücher in unseren Kapellen: Viele Bitten, aber auch manchen Dank. Bitten um Heilung, Gesundheit und Trost, Dank für neugeborene Kinder und gelungene Behandlungen, aber auch für die gemeinsam verbrachte Zeit mit einem jetzt Verstorbenen. Alles das geht bunt gemischt an Gott, Jesus Christus, Maria, manchmal auch an den hl. Josef. Der Herr wird das schon zu sortieren wissen. Allerheiligen ist so ein Tag, der mich an diese irdisch-himmlische "Solidargemeinschaft" erinnert. Gut, dass wir ihn feiern.

Montag, 29. Oktober 2012

Parkplatz statt Kirche

Einen zugegeben nicht mehr ganz neuen aber interessanten Artikel findet man in den "Ruhr-Nachrichten" über die hier schon erwähnte 1967 abgerissene Gedächtniskirche.
Hier gehts zum Bericht und hier zu der Fotostrecke.
Eindrucksvoll und melancholisch!

Sonntag, 28. Oktober 2012

Donnerstag, 25. Oktober 2012

25. Oktober: Gottes Freund, der Pfaffen Feind!

Keine Sorge, das ist jetzt nicht das Motto einer neuen Ungehorsamsinitiative, nein, mit dieser Inschrift ließ Christian von Braunschweig die sog. "Pfaffenfeindtaler" versehen, die er aus dem von ihm geraubten und eingeschmolzenen Schrein des heiligen Liborius prägen ließ, "Alles mit Gott" stand übrigens auf der Rückseite der Taler. Nebenbemerkung: Mit dem Geld würde auch heute mancher gern bezahlen... 
1622 plünderte der "Tolle Christian" den Paderborner Dom. Zu seinem Raub gehörten auch die Reliquien des Bistumspatrons. Diese führte er auf seinen Kriegszügen mit, weil er meinte, diese würden seine körperliche Unversehrtheit schützen. Nach mühseligen Verhandlungen und auf Irrwegen kamen die Gebeine des hl. Liborius zurück. In der einschlägigen Liborius-Literatur kann man das spannend nachlesen. Auf Veranlassung des Domkapitels wurden sie 1627 zunächst in die fürstbischöfliche Residenz Schloß Neuhaus gebracht und von dort am 31. Oktober in feierlicher Prozession in den Paderborner Dom zurückgetragen. Vorher wurde der heute noch erhaltene Liborischrein durch Hans Krako von Dringenberg angefertigt.
Der Wandbehang der bekannten Paderborner Textilkünstlerin Edith Ostendorf gibt dieses Geschehen anschaulich wieder:
Seit dieser Zeit wird also der heilige Liborius nicht nur im Juli gefeiert, sondern auch noch einmal als "Klein-Libori" im Oktober. Vor der Kalenderreform gab es allerdings noch mehr Liborigedenktage, so wurde z.B. auch der Ankunft der Reliquien 836 gedacht.
"Klein-Libori" ist im Dom Fest, im Erzbistum nicht gebotener Gedenktag. Am nächsten Sonntag ist im Dom um 10.00 Uhr Pontifikalamt mit Erhebung der Reliquien, Schrein, Pavonicaudafer und Tusch, also fast wie auf "Groß-Libori", nur eben alles etwas kleiner.
Die Oration des heutigen Tages lautet:
"Barmherziger Gott, du hast in Zeiten der Not und Gefahr die Kirche von Paderborn auf die Fürbitte des heiligen Liborius beschützt. Erneuere in unseren Tagen die Zeichen deines Heils. Stärke uns im Vertrauen auf deine helfende Hand und lehre uns deine Wege."

Dienstag, 23. Oktober 2012

"Was ist ein zeitgemäßer Gottesdienst?"

Unter diesem Titel wird in unserer Gemeinde ein Gesprächsabend angeboten, ich finde das auch richtig so, denn das Thema ist wichtig, ist doch die Liturgie gleichsam ein Schlüssel zum Glauben: "lex orandi - lex credendi"!
Für mich ist es eigentlich keine Frage, ob ein Gottesdienst "Zeit gemäß" ist. Er muss sich nämlich nicht an der Zeit messen lassen, sondern zuerst einmal an Gott, also "Gott gemäß" sein. Hinter den drei entscheidenden Sakristeifragen von Br. Paulus: "Wer lädt ein? - Wer feiert hier? - Was wird hier gefeiert?" (Wehe, wenn da eine der Antworten nicht "Gott" ist, sondern "Familiengottesdienst-vorbereitungskreis", dann bleibt man besser in der Sakristei) steckt doch das, wenn auch immer begrenzte menschliche Bemühen, Gott einen inneren und äußeren Feierraum zu eröffnen, in dem er an den Gläubigen handeln kann. Ein Gottesdienst muss sich also immer und zu allererst an Gott messen. Kann sich hier, Thomas Ruster folgend, schon "Gottesreich" ereignen? Geht es bei dem, was hier passiert, in adäquater Weise wirklich um Gott? Oder stehen vielleicht andere, wenn auch möglicherweise durchaus ehrenwerte Motive im Vordergrund, die aber mit Gott nichts zu tun haben? Die Frage nach Partizipation bedeutet also nicht, dass möglichst viele Leute möglichst viel im Gottesdienst gesagt, getan oder sich wie auch immer eingebracht haben, sondern es geht ganz entscheidend zunächst einmal um die Partizipation am Göttlichen und auch darum, Gott die Partizipation an uns zu ermöglichen.
Für mich ist also die Diskussion um den Gottesdienst nicht zuerst eine dogmatische oder pastorale Frage, sondern ein eminent eschatologisches Thema, wenn wir es denn wirklich ernst nehmen, dass wir "mit den Engeln und Heiligen in das Lob seiner Herrlichkeit einstimmen." Es geht also um nichts weniger als die Teilnahme an der himmlischen Liturgie. Oder hat die Krise unserer Liturgie auch damit zu tun, dass wir keine Eschatologie mehr verkünden? Wir kommen darauf noch zurück. 

Hinzu kommt, dass der Gottesdienst auch "Menschen gemäß" sein muss, denn das göttliche Handeln bedarf einer angemessenen menschlichen Antwort. "Du bedarfst nicht unseres Lobes, es ist ein Geschenk deiner Gnade, dass wir dir danken." Also ist diese menschliche Antwort auch schon göttliches Geschenk, von ihm her erst ermöglicht. "Unser Lobpreis kann deine Größe nicht mehren, doch uns bringt er Segen und Heil."
Dieser Lobpreis muss, damit er für mich wirksam wird, zwei Aspekte erfüllen: Einmal muss er wirklich von Herzen kommen. Das bedeutet, dass ich im Gottesdienst wirklich mit dem Herzen dabei bin, dass ich nicht "Messen lesen" lasse (auch wenn das nichts mit Passivität zu tun hat), sondern mir die Gesten, Gebete und Lieder im Gottesdienst zu eigen mache. Diese Dinge sind in gewissem Maße durchaus zeitlichen Veränderungen unterworfen, wobei auch hier die Frage bleibt, welche Ausdrucksformen denn dem Kern des Geschehens am nächsten kommen und nicht allein aus einer Mode des Augenblicks heraus entstehen. Hier sollte man beruhigt auf die Tradition der Kirche vertrauen, ist sie doch auch Quelle der Offenbarung und gleichsam "kollektives Gedächtnis" religiöser Erfahrungen der Menschheit.
Bei mir setzt das voraus, dass ich immer mehr versuche, mir das Geschehen im Gottesdienst geistlich zu erschließen, das bedeutet aber auch eine sorgfältige Vorbereitung aller Dienste im Gottesdienst, vom Pfarrer über den Organisten bis hin zu Messdienern, Lektoren und Küster. Wenn dort geschlampt wird, bleibt mir zumindest der Lobpreis meist im Halse stecken.
Der zweite Aspekt ist die Rolle des Zelebranten: Er leistet einen besonderen Dienst von Gott her, ja sogar so, dass er "in persona christi" handelt. Gleichzeitig sammelt er die Gebete der Gläubigen (hier passt das schöne alte Wort vom "Kollektengebet") und trägt sie vor Gott. Die Aufgabe des Priesters ist also, hier erinnern wir uns an die 'ars celebrandi' von Michael Kunzler, gleichermaßen eine katabatische und anabatische. Allein daraus wird schon deutlich, wie wichtig es ist, dass der Priester sich und seine persönlichen Einstellungen und Vorlieben zurücknimmt. Hier ist er eben nicht als Privatperson tätig, sondern quasi als Bevollmächtigter. Auf seine persönlichen Überzeugungen kommt es hier im Grunde genommen gar nicht an. "In sofern das Werk getan wird (ex opere operato) ist dort Gottesreich. Insofern die Handelnden das Werk persönlich vollziehen (ex opere operantis), ist es aber noch längst nicht überall Gottesreich" sagt Thomas Ruster. Deshalb ist es auch so wichtig, sich an die von der Kirche vorgegebenen Texte, Gebete und Riten zu halten. Nicht, dass mir nicht vielleicht anderes persönlich besser gefallen würde oder ich anderes besser passend finden würde. Darauf kommt es ja eben in diesem Augenblick des Gottesdienstes nicht an.
Noch einmal Thomas Ruster: "In der Kirche ist das Reich Gottes in der Form der Amtlichkeit gegeben. Das Reich Gottes ist von Amts wegen da. Es ereignet sich, wenn die entsprechenden amtlichen Vollzüge stattfinden. Es ist zunächst einmal nicht daran gebunden, dass Menschen authentisch und mit tiefer Überzeugung das vertreten, was in der Kirche amtlich geschieht. Selbstverständlich ist es die Perspektive des amtlichen Tuns, dass Menschen davon erreicht und ergriffen werden. Aber auch, wenn sie es nicht werden - das amtliche Tun allein bürgt schon für die Gültigkeit des Geschehens." Erklärenderweise muss man hier aber auch die berechtigte Anfrage von Thomas Ruster hinzufügen, ob es heutiger Theologie und Verkündigung.noch gelingt, angemessen vom Gottesreich zu sprechen, man denke nur an die hochinteressanten Studien Michael N. Ebertz zum Wandel der Jenseitsvorstellungen.
Ich komme zum Schluß der kurzen Überlegungen. Eigentlich geht es immer um dasselbe, also einfach gefragt: "Wer zelebriert hier was und wen?" Und, wohlgemerkt, hier geht es nicht in erster Linie um konservativ oder progressiv, Baßgeige oder Sackalbe! - In einer Zeit zunehmenden rubrizistischen Formalismus einerseits und selbstgestrickter Gottesdienste aus der gefürchteten großen schwarzen Ringbuchmappe andererseits ist eine Klärung dieser Fragen dringend erforderlich.
Womit wir ja wieder bei der Zeit wären: Ja, die Gottesdienste aus der großen schwarzen Ringbuchmappe sind "Zeit gemäß". Ob sie auch mehr sind?

Sonntag, 21. Oktober 2012

Sonntagsupdate

Wie man jede, aber auch wirklich jede Gelegenheit nutzen und jedes Evangelium so drehen kann, dass man in der Predigt über Kirche, Papst und Bischöfe herzieht, hat für mich nur noch pathologische Gründe. Oder auch besonders gern in den moralintriefenden Betroffenheitsratschlagfürbitten, die gehen dann ungefähr so: "... dass der Papst und die Bischöfe endlich begreifen...".
Natürlich schafft man sich dadurch schnell altrevolutionäre Freunde, aber inzwischen scheint die Stimmung doch etwas zu kippen: die ersten fangen an die Kirche zu verlassen. Ist ja nebenbei auch noch tierisch langweilig. Ich rate inzwischen dazu, Sonntags lieber zuhause zu bleiben, Stundenbuch zu beten und dafür öfter mal werktags zur Messe zu gehen. Ich weiß ja, dass das nicht ganz korrekt ist, aber es schont die Nerven ungemein...
Außerdem ist das Wetter zu schön, als dass ich mir davon heute den Tag vermiesen lasse, deshalb gibt es jetzt ein paar schöne Fotos von heute morgen aus dem Garten:


Allen Uschis herzlichen Glückwunsch zum Namenstag, allen anderen einen schönen Sonntag!

Freitag, 19. Oktober 2012

Beim Blick aus dem Bürofenster...

"Erst im Christentum und durch den Glauben an Gott gewinnt die menschliche Arbeit einen eigenen, wenn auch durch die Erbsünde verschatteten Wert. Arbeit ist nach Augustinus nicht Folge des Sündenfalls, dieser führt zur Verschärfung der Arbeit als Mühe 'im Schweiß des Angesichts', denn eigentlich setzt der Mensch in seiner Arbeit Gottes Schöpfungswerk fort und seine Arbeit födert zugleich die Aufheiterung der Seele. Durch die Benediktsregel gelangt der urchristliche Zusammenklang des 'ora et labora' in die abendländische Kultur. Dahinter steckt die Überzeugung: Müßiggang an Leib und Seele führt zu selbstbezogener und, modern gesprochen, narzisstischer Verstrickung. Dem wehren gleichermaßen Gebet und Arbeit. Das Ziel ist immer ein doppeltes: Bildung und Ausbildung der eigenen Persönlichkeit und Dienst am Mitmenschen. Unmerklich gewinnt die Arbeit damit zugleich den Sinn von Berufung, dies wird im neutestamentlichen Gleichnis von den Talenten eindrucksvoll entfaltet. In dieser Sicht hat jetzt jeder Mensch die Aufgabe, sich und seine Talente zum Wohl von Welt und Mitmensch zur Entfaltung zu bringen. Arbeit ist für den Menschen nicht irgendeine Form entfremdeter Beschäftigung, sondern immer auch und grundlegend ein Stück gerechter Selbstverwirklichung im Dienst der eigenen und der anderen Personen, als Teil der Lebensberufung durch Gott."

gekürzt aus: Peter Schallenberg: Wer ist Gott und was machen wir wenn es ihn gibt?

Stimmt ja alles. Trotzdem ist es schön wenn Freitag ist, das Wetter gut und das Wochenende vor der Tür steht. Allen Leserinnen und Lesern sonnige Herbsttage!