Mittwoch, 18. Januar 2012

Weihwasserbeckendieb muss ins Gefängnis!

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Dortmund. Deutliche Worte und eine noch deutlichere Strafe fand Amtsrichterin Daniela Reimer für jenen Mann, der am 13. August vergangenen Jahres aus der Kapelle des Josefshospitals in Hörde ein 30 Kilo schweres Weihwasserbecken wegschleppte, um es an einen Schrotthändler zu verkaufen.
„Sie haben einen Gegenstand entwendet, der dem Gottesdienst gewidmet ist. Das ist Diebstahl in einem besonders schweren Fall“, sagte sie zu dem 29-Jährigen. Der nahm das Urteil mit gottergebener Miene auf: Ein Jahr Gefängnisstrafe. Und er muss damit rechnen, noch länger hinter Gittern zu sitzen – so droht ihm jetzt noch der Widerruf zweier älterer Bewährungsstrafen.

Geständnis nach Diebstahl eines Rasenmähers

Mit dem Urteil ahndete das Gericht außerdem den Diebstahl eines Rasenmähers aus einer Garage an der Admiralsstraße. Als der Besitzer den Mann erwischte, machte der sofort reinen Tisch – und gestand auch den Diebstahl des Weihwasserbeckens.
Gestern auf der Anklagebank machte der Vater eines sechsjährigen Kindes alles andere als den Eindruck eines ausgebufften Diebes. „Mir ist das alles furchtbar peinlich, ich kenne die Kapelle, bin ja sogar in dem Krankenhaus geboren worden.“ Warum er das 30 Kilo schwere und 1,60 Meter große Bronzebecken im letzten August mit Mühe auf sein Fahrrad hievte, um es zu einem Schrotthändler zu bringen: „Ich stand total unter Druck, wollte meine Drogenprobleme unbedingt vor meiner Familie vertuschen.“

Weihwasserbecken steht an alter Stelle in der Kapelle

Dass er zu jener Zeit „nicht ganz mit sich im Reinen war“, wie er es selbst nannte, liegt auf der Hand: Der Wert des 30 Kilo schweren Bronzebeckens wird auf 3500 Euro geschätzt, bei dem Schrotthändler ließ sich der Mann mit 35,10 Euro abspeisen. „Ich brauchte Geld, war froh über jeden Cent“, sagte der Dortmunder, der nach eigener Aussage seit zehn Jahren drogenabhängig ist.
„Schaden ist nicht entstanden, sieht man von den 35,10 Euro ab, die der Schrotthändler gezahlt hat. Und das kann man wohl vernachlässigen“, sagte Rechtsanwalt Timo Meyer, der vergeblich um eine letzte Chance für seinen Mandanten gebeten hatte. Der Dieb kommt in Haft – und das Weihwasserbecken steht zur Erleichterung aller wieder an alter Stelle in der Kapelle.

PS: Wenn alle diejenigen im Gefängnis säßen, die Gegenstände die dem Gottesdienst gewidmet sind, entwendet haben, wären unsere Gefängnisse voll mit Architekten, Pfarrern, Kirchenvorständen und bischöflichen Kunstkommissionen...

Kommentare:

  1. Ja, das ist wahr...., aber irgendwie find ich der Schrotthändler gehört auch in die Anstalt. Meine Herren zieht der die Leute über den Tisch. Aber wegen Unverschämtheit gibt es wohl keine Gesetze.

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  2. ...und die unter PS genannten Herrschaften müßte man mit viel mehr Jahren bestrafen, als diesen armen Schlucker, denn sie haben zumeist nicht aus (wenn auch selbstverschuldeter) Not gehandelt, sondern haben sich bewußt an Kunst und Kultur vergriffen! Ich möchte nicht wissen, woher das alles kommt, was man im Internet ersteigern kann...

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