Dienstag, 31. Januar 2012

Wovor's dem Teufel graust...

Einen schönen Gruß an die grundoffenen Allesversteher:

"Am Anfang seiner Wanderung durch die Hölle, so berichtet Dante in der 'Göttlichen Komödie', habe er etwas höchst Beklemmendes erlebt. Vor dem Tor der Hölle nämlich sei ihm eine gequälte Schar armer Seelen begegnet, die dort verzweifelt um Einlaß betteln - die der Teufel aber in alle Ewigkeit nicht hereinläßt in die Hölle.
Das sind, fährt Dante fort, 'die lauwarmen Seelen'. Menschen, die sich ihr Leben lang vor jeder Entscheidung gedrückt haben. Die für nichts und niemanden Partei ergreifen wollten. Die nie einen Standpunkt hatten, weder einen guten noch einen bösen.
Die angepaßten Leisetreter, die halbherzigen Schleicher, sie wissen im Jenseits nicht wohin. Gott will sie nicht im Himmel. Doch auch dem Teufel graust es so vor ihnen, daß er sie nicht hereinläßt. Jammervoll, wie Blätter im Sturmwind einer sternlosen Nacht, so treiben die 'lauwarmen Seelen' ewig heimatlos, vor dem Höllentor.
Manche halten es für einen Fortschritt, daß der moderne Mensch keine Angst mehr hat, in die Hölle zu kommen. Ich halte das für die verkehrte Sorglosigkeit. So wie die meisten Zeitgenossen leben, laufen sie im Gegenteil Gefahr, eines Tages verzweifelt vor verschlossenem Höllentor zu stehen."

Aus: Hans Conrad Zander, Kleine Frühstücksweisheiten

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