Mittwoch, 1. Februar 2012

2. Februar: Darstellung des Herrn - Mariä Lichtmeß und ein paar Anmerkungen

"Egeria berichtet von diesem Fest als "dies quadragesima de epiphania", das am 40. Tag nach der Geburt des Herrn - die in Jerusalem zur Zeit der Pilgerin am 6. Januar begangen wurde - und demgemäß am 14. Februar stattfand. Der Festtermin 2. Februar entspricht dann auch dem vierzigsten Tag nach dem 25. Dezember. Im Osten trägt das Fest von der Begegnung des Herrn mit Simeon und Hanna als den Vertretern des ihn erwartenden Bundesvolkes her die Bezeichnung "Hypapante". Das Missale von 1570 übernahm die aus römischer Tradition stammende, für Missverständnisse sehr anfällige Bezeichnung "Mariä Reinigung / In Purifiatione B.M.V.", während man sich im Meßbuch von 1970 für "Darstellung des Herrn / In Praesentatione Domini" entschied, um auch zu unterstreichen, dass es sich um ein Herren- und nicht um ein Marienfest handelt. Von der charakteristischen Lichterprozession her, die auf das "Licht zur Erleuchtung der Heiden" im Lobgesang des Simeon (Lk 2,32) hinweist, trägt das Fest aber in modernen europäischen Sprachen die Namen "Lichtmeß, Candlemas, Candelore, Chandeleur". Die Lichterprozession war bereits um die Mitte des 5. Jahrhunderts bekannt und verdrängte in Rom eine heidnische Sühneprozession, die alle fünf Jahre zu Beginn des Februars als Stadtprozession (Amburbale) stattfand."

Eigentlich wollte ich diesen Text des ansonsten von mir sehr geschätzten Paderborner Liturgikers Michael Kunzler nur als Hinführung zum morgigen Fest auf den Blog stellen. Aber beim Schreiben machen mich zwei Sätze im Text nachdenklich:
Ich finde den Titel "Mariä Reinigung" auch nicht schön, aber warum ist er für Missverständisse sehr anfällig, gibt er doch nur die alttestamentliche Gesetzesvorschrift (ob sinnvoll oder nicht) wieder, der sich auch Maria unterworfen hat? Auch wenn er nicht das "Festgeheimnis" trifft, den "Anlass des Festes" bezeichnet er ja durchaus korrekt. Bei den meisten deutschen Liturgikern würde ich ja sagen, dass für sie eher die "römische Tradition" das Problem ist...
Das Zweite ist, und dafür kann Michael Kunzler nichts, folgender Satz: "(...) während man sich im Meßbuch von 1970 (...) entschied". Ich kann mir richtig vorstellen, wie Ende der 60er Jahre ein paar Prälaten in einem neonbestrahlten mahagonibestuhlten Konferenzzimmer mit ein paar Martinis zusammen gesessen und dann mal hier mal da ein paar Entscheidungen getroffen haben... Ein Missverständnis der Liturgiereform ist, dass sie - nicht ganz unschuldig - den Eindruck erweckt, dass Liturgie nicht gewordene und gewachsene Form ist, sondern eine Verfügungsmasse darstellt, über die ich je nach Anlass, Gefühl und Laune belieben kann. Und das hat sich bei vielen Verantwortlichen in den Köpfen festgesetzt. Die peinlich-pädagogisch-pastoralen Ergebnisse erleben wir nicht gerade selten: Vorhin habe ich von einem Pfarrer gehört, der morgen die am ersten Donnerstag im Monat üblicherweise stattfindende "Heilige Stunde", also Aussetzung des Allerheiligsten und Anbetung nach der Messe, ausfallen lässt mit der Begründung: "Es ist ja schon Kerzenweihe und das reicht dann, es soll ja nicht so lange dauern!" 
Ach, eigentlich könnten wir bei den Temperaturen doch alle gleich zuhause bleiben, oder?

PS: Von den bayrischen Lichtmeßbräuchen und der Frömmigkeit in der Familie Ratzinger erzählt übrigens sehr schön Georg Ratzinger in "Mein Bruder, der Papst" auf den Seiten 52/53. Ich schreib's jetzt nicht ab. Wer das Buch hat, bitte nachlesen!

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