Montag, 27. Februar 2012

Fasten und Verzichten


Fasten hat etwas mit Verzichten zu tun. Verzichten ist immer dann schwierig, wenn ich auf etwas verzichten muss, d.h. ich hätte es zwar gerne, aufgrund widriger Umstände bekomme ich es aber nicht oder ich kann es mir nicht leisten oder es tut mir nicht gut. Anders ist es, wenn ich auf etwas verzichten will, ich also bewusst zu etwas „Nein" sagen kann. Im Ergebnis ist beides gleich. Nur geht es mir im ersten Fall schlecht, vielleicht verzehre ich mich vor Sehnsucht und werde dabei traurig und niedergeschlagen. Ich mache das Objekt meiner Begierde ganz groß und mich selbst dabei ganz klein. Im zweiten Fall ist es umgekehrt: Bestimmte Dinge werden für mich weniger wichtig und ich gewinne innere Freiheit und Größe.
Das ist der Sinn der Fastenzeit: Wenn jetzt viel von Buße, Umkehr und Verzicht die Rede ist, so geht es nicht darum mich klein zu machen, sondern genau um das Gegenteil: Ich nutze diese Zeit um die mir von Gott als sein Abbild, als sein von Ewigkeit her gewollter und geliebter Mensch geschenkte Größe zurück zu gewinnen. Vielleicht kann uns dabei die Strophe eines modernen holländischen Kirchenliedes begleiten: „Gib mir den Mut, mich selbst zu kennen, mach mich bereit zu neuem Tun. Und reiß mich aus den alten Gleisen; ich glaube, Herr, dann wird es gut."

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