Montag, 13. Februar 2012

Geistlicher Fortschritt? Aufstieg und Abstieg

"Es scheint demnach, dass jeder Aufstieg zugleich Abstieg in die Abgründe und Untiefen der Verzweiflung, der Unmöglichkeit der Gott-Welt-Beziehung bedeutet, nur gelegentlich vom Trost der Erfüllung unterbrochen. (...) Diese schwankenden Gesetze gelten wohl auch für die kollektive Geschichtsschreibung. (...) Und die Kirchengeschichte - ist sie nun ein Fortschreiten des Geistes Jesu auf die größere Offenbarkeit Gottes in der menschlichen Freiheitsgeschichte hin (und was könnte sonst der rechtfertigbare Sinn der Verzögerung der Parusie sein?) oder ein Abfall von Praxis und Verheißung Jesu? Oder das Vaticanum II - wieviel an Glaubensmöglichkeit und kairologischer Gegenwart des Christentums ist durch es erschlossen und gehoben, wieviel an sakraler Würde freilich auch zerstört, wieviel Gläubige in Gleichgültigkeit und innere Emigration getrieben. Es war wohl notwendig, um Grundwerte neuzeitlichen Lebensgefühls in der Kirche zu beheimaten, aber ist das wirklich gelungen? So gibt es auch kollektive Geschicke, fette und dürre Jahre, die sich auf die (Un)glaubensgeschichte des Einzelnen auswirken. Und letztlich wissen wir nicht, was dem Menschen und erst recht der Gegenwart Gottes in der Zeit frommt und dienlich ist."

aus: Elmar Salmann OSB: Geistesgegenwart - Figuren und Formen des Lebens, hier: Geistlicher Fortschritt - Phänomenologisch-sapientiale Erwägungen, Gerleve 2010, S. 61ff.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen