Mittwoch, 8. Februar 2012

"Protestantisierung" der Kirche - wie wirklichkeitsfremd muss man eigentlich sein um das gut zu finden?

Zu den zurückliegenden Presbyterwahlen in den evangelischen Landeskirchen hier ein interessanter Artikel aus den Ruhr-Nachrichten. - Ist es das, was Herr Lammert will?

Kanditatenmangel - Wahl fiel oft aus: Presbyter vielerorts verzweifelt gesucht

So unterschiedlich können Probleme in der geistlichen Welt sein: In der katholischen Kirche fordern Laien seit Jahrzehnten mehr Mitbestimmung. Die evangelische Kirche dagegen räumt der Basis viel Einfluss ein - doch immer weniger Gläubige wollen dafür ihre Zeit opfern. Das spiegelt sich in den Presbyterwahlen vom vergangenen Wochenende wider. Sie fiel dieses Jahr vielerorts in NRW aus Kandidatenmangel aus. Entweder gab es für die Leitungsgremien gerade so viele Kandidaten wie Sitze. Oder es waren noch weniger.
Nur jede zweite der 743 Gemeinden der Evangelischen Kirche im Rheinland konnte abstimmen. In allen anderen erübrige sich die Presbyteriumswahl aus Mangel an Kandidaten, sagte Sprecherin Kornelia Roßkothen. Laut Roßkothen sollte die Zahl der Presbyter nicht zu sehr nach unten abweichen. „Wenn dem Gremium zwei Personen fehlen, kann man das verkraften. Viel mehr sollten es allerdings nicht sein, denn das Presbyterium muss letztlich auch arbeitsfähig sein."
Dramatisch in Westfalen
Noch dramatischer ist das Bild in der Evangelischen Kirche von Westfalen: In nur 127 der 522 Gemeinden konnten die Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben. Das sind 101 Urnengänge weniger als noch vor vier Jahren.
Besonders krass treffen die Nachwuchssorgen in den Laienämtern die Lippische Landeskirche: Nur in fünf der 69 Gemeinden kam eine Wahl zustande. Gründe seien wohl die erhebliche zeitliche Belastung neben dem Beruf und das moderne Freizeitverhalten, sagte der Juristische Kirchenrat Arno Schilberg. Die Wahl werde im Frühjahr ausgewertet. Dann werde man überlegen, ob der Trend Änderungen notwendig mache.
Wichtige Funktion
Presbyter haben in der Evangelischen Kirche eine wichtige Funktion. Sie leiten gemeinsam mit Pfarrerin und Pfarrer die Kirchengemeinde. Sie entsenden Abgeordnete in die Kreissynode. Und die Kreissynode schickt wiederum Vertreter in die Landessynode, die zu großen Teilen über die Geschicke der ganzen Landeskirche entscheidet.
"Es ist ein Problem für die mittelfristige Planung in der evangelischen Kirche, Leute zu finden, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“, sagt der evangelische Theologieprofessor Michael Beintker aus Münster. „Das ist allerdings ein gesamtgesellschaftliches Problem, welches sich nicht nur in den Kirchen finden lässt. Heutzutage binden sich die Leute nicht mehr gern und übernehmen ein Amt für fünf oder sechs Jahre.“
Trend zur Vergreisung
Natürlich könne man diese Gremien mit Rentnern besetzen, sagt der Theologe. Ein Trend zur Vergreisung sei stellenweise auch erkennbar. Doch sei es wünschenswert, alle Generationen mit einzubinden. Beintker hinterfragt die aktuelle Praxis, Wahlen ausfallen zu lassen. „Es kann ja auch interessant sein, wer wie viele Stimmen bekommt.“
Dass die Wahlen zumindest die Wähler reizen, zeigt laut Beintker eine einfache Statistik. Demnach besuchen nicht einmal 4 Prozent aller evangelischen Gemeindemitglieder regelmäßig den Gottesdienst. Die Wahlbeteiligung der Presbyteriumswahlen liege aber immerhin bei etwa sieben bis acht Prozent. Man müsse mit guten Beispielen überzeugen, sagt Beintker. „Es muss sich herumsprechen. Und es muss veranschaulicht werden, was der eigene Einsatz bringt. Die Ehrenamtlichen sollen aber auch Anerkennung für ihren Dienst erfahren. In diesem Punkt bin ich sehr hoffnungsvoll. Doch braucht es nicht nur gute Beispiele, sondern auch gute Ideen.“

Und dass nach den Wahlen auch manchmal der Teufel los sein kann, liest man hier. Ich kenne etwas die Hintergründe: In diesem Fall muss man den "Quotenfrauen" dankbar sein...

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