Mittwoch, 8. Februar 2012

"Verweltlichung" - "Entweltlichung" der Kirche aus evangelischer Sicht

Aus einem interessanten Vortrag der evangelischen Superintendentin Anke Schröder zu "Franziskus aus evangelischer Sicht" bei der Montagsakademie der Theologischen Fakultät Paderborn:

„Die Kirche ist verweltlicht!“ So die Behauptung Dietrich Bonhoeffers. Daher liefert Bonhoeffer 1937 in seinem Buch „Nachfolge“ eine theologische Antwort auf die Krise des Christentums. Gerade in der Auseinandersetzung zwischen den „Deutschen-Christen“ und der „Bekennenden Kirche“ stellt er die wahre Nachfolge als eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus dar. Die Referentin stellte die Gnadentheologie Bonhoeffers vor, indem sie auf die Unterscheidung zwischen „billiger“ und „teurer“ Gnade einging: Die „billige Gnade“ sei als „Gnadensystem“ zu verstehen, das von der Prämisse ausgehe, dass die Gnade als Geschenk einfach von Gott allgemein vergeben würde. Diese Auffassung führe aber, so Bonhoeffer, zur Leugnung des lebendigen Gottes und birgt Anschluss an die allgemeinen, a-personalen Erlösungsmythen der Nationalsozialisten.
Die „teure Gnade“ allerdings ist gebunden an die Nachfolge Christi und an der stetigen Ausrichtung an Jesu Leben und der Heiligen Schrift. Die wahre Nachfolge stelle sich gegen eine Verweltlichung der Kirche, so Bonhoeffer. Er zieht sogar daraus das Resultat, dass fast nur in Klöstern diese „teure Gnade“ wach gehalten wurde. Der Ruf in diese „Nachfolge“ gilt aber allen Menschen, so dass diese auch mitten in der Welt gelebt werden müsse. Diese Aufgabe hat Luther angenommen, als er das Kloster verlassen hat.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen