Montag, 19. März 2012

Der heilige Josef: Mehr als man glaubt!

Während meines Studiums habe ich in der Nähe von Leoben in der Steiermark einen alten österreichischen Pfarrer kennen gelernt. Von allen wurde er nur leicht ironisch, aber dennoch respektvoll, der „Heilige Josef“ genannt. Dieser alte Pfarrer hatte es sich zur Aufgabe gemacht, an alle Personen des öffentlichen Lebens in Österreich und darüber hinaus eine kleine Figur des heiligen Josef zu versenden. Im begleitenden Brief schrieb er, dass er sie in ihren schwierigen Aufgaben der Hilfe und der Fürsprache des heiligen Josef anvertraue. Darstellungen des heiligen Josef zierten Kirche und Pfarrhof. Mir kam das ehrlich gesagt schon ziemlich seltsam vor, ich dachte na ja, ganz tiefe Provinz eben, da bist du doch intellektuell-reflektiert schon längst drüber weg, Volksfrömmigkeit eben, ein nettes Kapitel im kirchlichen Märchenbuch. Dann zeigte mir der „Heilige Josef“ die Antwortschreiben, danach sein „Josefsbuch“. Ich wurde etwas kleinlauter: die Briefe zeigten eine tiefe persönliche Anteilnahme  und in seinem „Josefsbuch“ hatte der Pfarrer alle möglichen und nach menschlichem Ermessen eher unmöglichen Anliegen die er der Fürsprache des heiligen Josef anvertraute schriftlich festgehalten. Und bei ganz vielen Anliegen hatte er vermerkt: „Erfüllt!“ – Mit Datum.
Warum schreibe ich das? Nicht, weil ich zu einem neuen Wunderglauben anregen will, die Nebenbemerkung sei mir allerdings gestattet: bei dem was manche Menschen heute glauben, ist das Christentum eine enorm rationale Angelegenheit, nein, der heilige Josef ist mir aus einem anderen Grund wichtig: Wir sind eingespannt in unsere Arbeit, tragen Verantwortung, haben einen hohen Anspruch an uns selbst und sind doch häufig froh, wenn wir allein schon den beruflichen Alltag einigermaßen gut geregelt bekommen, das Private wäre ein eigenes Thema. Der heilige Josef kann für uns jemand sein, der in aller Betriebsamkeit und Hektik den „Himmel offen hält“, oder weniger poetisch, eine Vergegenwärtigung und Vergewisserung darstellt, dass es eine Perspektive und Verantwortung gibt, die über mich und mein Tun und Können hinaus geht. Ich wünsche allen einen gesegneten „Josefstag“!
Das Bild zeigt eine Darstellung des hl. Josef an der Außenfassade des St.Josef-Krankenhauses in Herne-Wanne.

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