Dienstag, 13. März 2012

Memorandum als Beispiel für den "offenen Dialog"???

Gestern und heute war ich bei einer Seelsorgertagung im Bergkloster Bestwig. Als Referentin war eine junge Münsteraner Theologin und Kommunikationswissenschafterin eingeladen. Thema war: "Kommunikation - theologisch, theoretisch, praktisch." Nun habe ich ja selber 15 Jahre lang Kommunikations- und Rhetorikkurse in der Kommende in Dortmund und anderswo veranstaltet, so dass es mir eher darauf ankam, Kolleginnen und Kollegen wiederzusehen, die man sonst das ganze Jahr über nicht trifft. Das war auch sehr schön.
Was nicht so schön war, war der Versuch der Referentin, das von ihr heftig beworbene Theologenmemorandum als Beispiel für den offenen, herrschafts- und gewaltfreien Dialog darzustellen. Dass trifft auf das Memorandum weder kommunikationswissenschaftlich (alle die etwas dagegen haben, sind dialogverweigernd) noch theologisch zu. Diese Defizite fallen z.B. auch in der aktuellen Diskussion um Kirche als "Nicht-Demokratie" auf. Kirche lässt sich fundamentaltheologisch in drei große Begriffe fassen: "Volk Gottes" - "Leib Christi" - "Tempel des Heiligen Geistes". Alle diese drei Begriffe sind biblisch und theologisch gut fundiert und haben in der Kirchengeschichte eine mehr oder weniger große Bedeutung erlangt. Da sie Begriffe sind, haben sie natürlich auch ihre Begrenztheit: Gerade beim "Volk Gottes"-Begriff besteht die Gefahr des Missverständnisses, dass nämlich der biblisch-eschatologische Begriff "Volk" mit einem demokratisch-parlamentarischen Volksbegriff verwechselt wird, und in diese Falle tappt auch das Memorandum. Hier muss für mich "Entweltlichung" als Differenzierung ansetzen: Es muss wieder deutlicher werden, dass "Kirche anders ist" (übrigens der Titel der Promotion von Kardinal Marx). Die Gefahr der Verwechselbarkeit ist groß. Dialog in der Kirche ist, zumindest sehe ich das so, anders als in der sonstigen Gesellschaft, weil sich deren Spielregeln eben nicht 1:1 auf die Kirche übertragen lassen. Diese Form von Dialog kann nur scheitern. Dialog in der Kirche ist zuerst gemeinsames Hören und dann ein Austausch zwischen Brüdern und Schwestern und Achtung ihrer je unterschiedlichen Aufgaben, Dienste, Berufungen und Charismen. Das Memorandum ist dafür sicherlich kein gelungenes Beispiel.
Hier noch ein paar Bilder:
Die Stiftskirche St. Walburga in Meschede, ein nachgotischer Raum von 1664. Hier durfte ich meine ersten Erfahrungen in der Gemeindeseelsorge sammeln.
Die Emhildiskapelle. Nach ihrem Aussehen und dem Namen des damaligen Pfarrers nennen die Leute sie nur "Beule"
 Ringkrypta und Kultgrab aus dem 9. Jahrhundert. Selten und sehenswert!
Die "Klause" auf dem Klausenberg in Meschede. Leider war der Klausner nicht da und die Kapelle zu. In der Kapelle steht noch ein gotischer Altar aus dem 1810 aufgelösten Dominikanerinnenkloster Galiläa.
Fotos aus dem Bergkloster kommen noch.

Kommentare:

  1. Ist das der Beule, der jetzt in Schmallenberg Pfarrer ist?

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    1. Nein, der hier ist Robert Beule, nichtresdierender Domkapitular a.D. und schon über 90...

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