Montag, 26. März 2012

Verkündigung des Herrn - Maria, die gebildete Frau

In diesem Jahr ist Jesus eine Frühgeburt! Das Fest Mariä Verkündigung wird nämlich wegen des Sonntags nicht am 25., sondern am 26. März gefeiert, also sind es noch genau neun Monate minus ein Tag bis Weihnachten. Aber das ist schon reichlich spitzfindig. Entscheidend ist, dass wir es hier mitten in der Fastenzeit mit einem sehr weihnachtlichen Festgeheimnis zu tun haben, nämlich der Ankündigung des Engels an die Jungfrau Maria, sie werde vom Heiligen Geist ein Kind empfangen. Aus Liebe zu den Menschen wird Gott selbst ein Mensch, nicht mit Gewalt und Größe, sondern wehrlos und klein als Kind. Allein diese Tatsache sagt mehr über das Wesen Gottes und die Würde des Menschen aus als viele gelehrte Wissenschaft. Den Gläubigen früherer Zeiten war das so wichtig, dass sie sich dreimal am Tag mit Glockenläuten daran erinnert haben, dem „Angelus“, also dem lateinischen Anfang des deutschen Gebetes „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft und sie empfing vom Heiligen Geist.“
Zu diesem Fest schreibt der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding einige kurze, aber bemerkenswerte Gedanken:
„Mir geschehe nach deinem Wort“ – so antwortet Maria auf die Verkündigung des Engels Gabriel, der ihr die Frohe Botschaft überbringt, dass sie, die Jungfrau, kraft des Heiligen Geistes den Messias empfangen und gebären wird. Maria wird auf Verkündigungsbildern immer wieder mit einem Buch dargestellt. Sie ist in der Ikonographie der Antike und des Mittelalters bis in die Neuzeit hinein eine gebildete Frau, die lesen und schreiben und reden kann. Das ist im Neuen Testament nicht vorgegeben, aber angebahnt. Maria ist eine Frau des Wortes. Sie weiß, was sie ist: „Ich bin die Magd des Herrn“ – das höchste, was es vor Gott und für Gott nur geben kann. Sie weiß, was sie weiß – das, was Lukas ans Ende des Weihnachtsevangeliums gestellt hat: „Maria bewahrte alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen“. Und sie weiß, was sie tun will: „Mir geschehe nach deinem Wort!“

Wissen, was ich bin. Wissen, was ich weiß. Wissen, was ich tun will. So werde ich wie Maria offen für Gott, für mich selbst und für meine Mitmenschen. Denken wir doch einmal daran, wenn wir morgens, mittags und abends das Angelus-Läuten hören!

Kommentare:

  1. Es gab da mal Ende des letzten Jahrtausends so eine Welle, Maria als "kritische Jugendliche" hinzustellen. Immerhin habe Maria ja auch mal nachgefragt, wie denn das überhaupt geschehen solle ...

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    1. Ja,ja, ich weiß. Irgendwie geht mir aber auch die in frommen Kreisen immer wieder erzählte Geschichte vom "jungen Mädchen Miriam" auf die Nerven. Interessiert das irgendwen?
      Ich finde, Söding schafft in seinem Text den Unterschied zwischen Ideologie und Ikonographie...

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