Montag, 16. April 2012

Der Papst - ganz persönlich. Teil I

Zum heutigen Geburtstag des hl. Vaters noch ein paar ganz persönliche Anmerkungen.
Ich habe bislang vier Päpste erleben dürfen. Als Paul VI. 1978 starb war ich im 3. Schuljahr. Meine Erinnerung als Kind ist nur, dass er alt und krank war, bei uns aber nie schlecht über ihn gesprochen wurde (Pillenpaul usw.). Ich weiß noch, dass uns damals die Evangelischen auf dem Schulhof hänseln wollten als er gestorben war. Da die meisten in meiner "Kinder-Schulhofbande" allerdings katholisch waren (wir waren auch mehr und stärker), hatte sich das in der nächsten großen Pause recht schnell erledigt. Was mir im Nachhinein als stärkstes Bild in Erinnerung bleibt, war der aufgebahrte, völlig einsam auf dem Petersplatz stehende, einfache Sarg, in dem der Wind im aufgeschlagenen Evangeliar blätterte. Vielleicht ein Bild für dieses Pontifikat. Erst heute wird mir klar, dass Paul VI. in seinem Anspruch und seiner Tragik ein wirklich großer Papst war.
Johannes Paul I. erschien dann in seiner Direktheit und seinem berühmten Lächeln wie eine Befreiung (von was eigentlich?). Wenn man heute seine Briefe an berühmte Persönlichkeiten liest, kann man sie vielleicht mit dem "Geistlichen Tagebuch" Johannes XXIII. vergleichen, ähnlich tiefsinnig und persönlich fromm, aber doch deutlich strenger und belehrender. Ein progressiver Reformpapst wäre er sicherlich nicht geworden. Das war übrigens Johannes XXIII. auch nicht.
1979 war ich das erste Mal in Rom. Johannes Paul II. kam gerade von einer Reise nach Amerika zurück und alles stand irgendwie unter Strom. Ein polnischer Pater führte uns durch den Vatikan: "Im Himmel ist alles wohlgeordnet, hier ist Demokratie", ist mir noch in Erinnerung geblieben. Ich gebe zu, so richtig konnte ich mit Johannes Paul II. nie warm werden. Seine politischen Verdienste sind unbestritten, innerkirchlich bleiben Fragen: Disziplinär hat er viel zu oft die Zügel schlörren lassen um dann viel zu spät verstörend die Peitsche zu schwingen. Das passte nicht. Es war mir alles zu plakativ, zu groß in den Gesten, zu wenig differenziert. Zu viel Show, zu viele bunte Hüte aufsetzen, zu wenig Sorgfalt. Ein Tiefpunkt der Liturgie war für mich die Eröffnung des Heiligen Jahres 2000. Der Papst sah aus wie der Vogelfänger in der Zauberflöte. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mit der ganzen polnischen Mentalität und Frömmigkeit wenig anfangen kann. Natürlich, das ist alles mein ganz persönlicher Eindruck. Obwohl: 1996 konnte ich Johannes Paul II. in der direkten Begegnung beim Besuch in Paderborn erleben, ich habe damals in der Organisation mitgearbeitet und war ziemlich nah dran. Er hat ein Charisma gehabt dem man sich nicht entziehen konnte, und wenn er einen begrüßte, hatte man den Eindruck: "Der kennt dich schon lange"...
Dann kam Benedikt XVI., seine Wahl habe ich erlebt, als ich im Kloster Stiepel zur Messe wollte, kurz vorher einer der Mönche weißen Rauch ankündigte und ich dann nach Hause gerast bin um die Bilder im Fernsehen mitzubekommen. Ich glaube noch nie haben so viele Leute (einschließlich Mönche) eine Kirche fluchtartig verlassen um Fernsehen zu gucken.

Der zweite Teil folgt morgen. 

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