Dienstag, 17. April 2012

Der Papst - ganz persönlich. Teil II

In den 80'ern war ich links: Ich wollte den Vatikan auflösen und den Bischöfen ihre dicken Dienstwagen wegnehmen (obwohl letzteres, eigentlich..., naja). Messen auf dem Teppichboden in einem Jugendbildungshaus fand ich toll. Aber irgendwann kam mir dabei immer mehr Unbehagen. Religion konnte ich an unserem Gymnasium als Leistungskurs wählen. 4 Jungs (in Reihe auf der einen Seite sitzend), 4 Mädchen auf der anderen Seite, in der Mitte der Lehrer. Wir haben natürlich über Entwicklungshilfe und Rüstungsexporte gesprochen, aber auch im Rahmen unserer Möglichkeiten theologische Texte gelesen und diskutiert. Ratzinger kam dabei ziemlich selten vor, eher Küng und Halbfas. Im Studium gab es dann einen zweisemestrigen "Theologischen Grundkurs", Grundlage war dabei Ratzingers "Einführung in das Christentum", das war schon richtig gut. Heute, so höre ich, bekommen an manchen Fakultäten Studenten ihre Seminararbeiten zurück wenn sie Ratzinger zitieren. Bei Romaufenthalten konnte man ihn dann schon einmal treffen wenn er im Campo Santo zelebrierte oder morgens einfach auf dem Weg zur Arbeit war. Als er zum Papst gewählt wurde habe ich mich einfach nur gefreut und war gerührt. Über seine Leistungen können andere besser schreiben als ich. Wenn man die Erinnerungen seines Bruders liest, taucht dabei eine vergangene Welt auf, gleichzeitig aber auch eine Kirche, die es so nicht mehr gibt. Natürlich, jede Zeit gibt dem Glauben ihre spezifischen und wandelbaren Ausdrucksformen. Das ist auch gut so, denn wir können ja nicht wie manche Tradis 19. Jahrhundert spielen, das wäre wie Dampfloktage im Eisenbahnmuseum. Aber dass der Glaube in seinem Kern erschüttert wird und die "Erschütterer" meist noch aus den eigenen Reihen stammen, ist eine Entwicklung der letzten Jahrzehnte, die übrigens auch das Konzil weder gewollt, noch abgesehen hat. Joseph Ratzinger hat das frühzeitig erkannt und ist sich in Person und Lehre immer treu geblieben.

Vielleicht bis hierhin ersteinmal.
Ein wacher Geist und hoher Intellekt, dazu persönliche Bescheidenheit und eine gewisse Schüchternheit, das fasziniert mich so an ihm. Und seine Vorliebe für Katzen. Ad multos annos!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen