Donnerstag, 12. April 2012

Österliche Begegnungen: Christus und Maria Magdalena

In der Osterzeit, liebe Leserinnen und Leser, möchte ich in einer kleinen Reihe „österliche Begegnungen“ vorstellen. Ganz nebenbei geht es auch um moderne Kunst, die ich nicht mit dem neulich präsentierten Aufkleber schmücken würde ;) 
Es beginnt mit Christus und Maria Magdalena. Sie kommt in der Frühe des Ostermorgens zum Grab um den toten Leib des Herrn zu salben. Doch der Verschlußstein des Grabes ist weggewälzt und der Leichnam ist verschwunden. Maria steht am Grab und weint. Als sie sich in das Grab hineinbeugt sieht sie dort zwei Engel, und als sie sich umwendet trifft sie auf Jesus, den sie aber nicht erkennt. Er sagt zu ihr: „Frau, warum weinst Du? Wen suchst Du?“ Maria meint, es sei der Gärtner und bittet ihn, ihr zu sagen, wo er den Leichnam hingelegt hat. Erst als Jesus sie mit ihrem Namen anspricht, „Maria!“, erkennt sie ihn und sagt: „Rabbuni, mein Herr!“ Jesus spricht zu ihr: „Rühre mich nicht an; denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater; Geh und sag meinen Brüdern: Ich gehe hinauf zu meinem und eurem Vater, zu meinem und eurem Gott.“ Maria ging und verkündete: „Ich habe den Herrn gesehen!“

Der Künstler Thomas Jessen hat 1998 bei seiner Gestaltung der Rückwand der Kapelle der Kommende in Dortmund, dem Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn, Maria Magdalena auf einem Schachbrett dargestellt. Das Schachbrett, uraltes Symbol des Lebens, des Kampfes zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Gut und Böse in der Welt und im Herzen des Menschen. Schachmatt ist der Christ nie, wenn er den Kampf nicht vor der Zeit, nein, vor der Ewigkeit verloren gibt, wenn er auf Gottes unerwartete und siegreiche Schachzüge vertraut. Die Botschaft ist klar: Noch ist niemand von uns der Mühsal und Müdigkeit des Alltags enthoben. Jeder hört wie Maria Magdalena: „Halte mich nicht fest. Geh!“ Nicht festklammern, sondern mutiges Gehen zu den Menschen mit der Botschaft von der Auferstehung im Herzen: das ist der Auftrag des Christen. „Ite, missa est – Geht, es ist gesendet!“ heißt es am Ende der Messe. Gesendet auf das Schachbrett von Gut und Böse der Welt, in die vielen Grauzonen und Dämmerungen unseres eigenen Lebens, aber, und das ist die Botschaft von Ostern, mit der unbesiegbaren Gewissheit im Herzen, dass Jesus Christus uns durch Leid und Tod vorangegangen ist und uns in der Ewigkeit erwartet. Die erste österliche Begegnung: Sendung und Hoffnung.

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