Freitag, 13. April 2012

Österliche Begegnungen: Der Weg nach Emmaus

Im zweiten Teil unserer „österlichen Begegnungen“, liebe Leserinnen und Leser, geht es um die beiden Jünger, die sich nach dem Tod Jesu in ein nahe Jerusalem gelegenes Dorf namens Emmaus aufmachen. Während sie noch traurig und bedrückt über die zurückliegenden Ereignisse reden, kommt Jesus hinzu und erklärt ihnen den Sinn und die Bedeutung des Geschehenen. Kurz vor dem Ziel will er sich verabschieden, die Jünger wollen ihn aber nicht gehen lassen: „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich schon geneigt!“ Jesus geht mit ihnen in die Herberge, und als er mit ihnen das Brot bricht, erkennen sie ihn als den auferstandenen Herrn. Voller Freude kehren sie noch in der Nacht nach Jerusalem zurück und verkünden den anderen Jüngern was sie unterwegs erlebt und wie sie Jesus erkannt hatten, als er das Brot mit ihnen brach.

Die Künstlerin Evelyn Körber aus Erfurt hat in ihrem 2005/2006 geschaffenen Glasfensterzyklus in der Kapelle des St. Anna Hospitals in Herne den Weg nach Emmaus eindrucksvoll dargestellt: Sind die Jünger auch zunächst noch in den grau-schwarzen Farben der Trauer und der Verzweiflung verhaftet, so legt doch der auferstandene Herr gleichsam seinen Arm um ihre Schultern und nimmt sie mit hinein in den wie Morgenrot schimmernden neuen Horizont des Lebens und der Hoffnung.
Der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding schreibt dazu in einer Meditation: “Jesus handelt wie ein guter Seelsorger. Er zieht sich nicht zurück, obwohl er nicht erkannt wird. Er platzt nicht gleich mit seiner Botschaft heraus, sondern fragt seine Begleiter nach ihrer Not. Er reißt nicht das Wort an sich, sondern lässt erst einmal erzählen und hört aufmerksam zu. Er lässt aber die beiden Jünger auch nicht im Ungewissen, sondern gibt ihnen, wenn die Zeit da ist, an seinem Wissen Anteil.“ – So mit Menschen umzugehen, liebe Leserinnen und Leser, ist nicht nur ein Leitbild für Hauptamtliche. Das ist etwas für jeden von uns.

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