Sonntag, 8. April 2012

Ostern: Ramponiert und doch verklärt!

„Ist das der Leib, Herr Jesu Christ, der tot im Grab gelegen ist? Kommt, kommt, ihr Christen jung und alt, schaut die verklärte Leibsgestalt! / Der Leib ist klar, klar wie Kristall, Rubinen gleich die Wunden all; die Seel durchstrahlt ihn licht und rein wie tausendfacher Sonnenschein. / Der Leib empfindet nimmer Leid, bleibt unverletzt in Ewigkeit, gleichwie soviele tausend Jahr die Sonne leuchtet eben klar.“
Der Text dieses wunderschönen Osterliedes von Friedrich von Spee aus dem Jahre 1623 steht in ziemlichem Gegensatz zu der ramponierten barocken Figur des auferstandenen Christus, die ich vor einigen Jahren auf dem Trödel erworben habe. Teile der Arme fehlen, damit ebenso die einstmals in Händen gehaltenen Attribute, die ursprüngliche Farbfassung ist stark beschädigt. Kein sonderlich triumphaler Anblick!

Wer genauer hinschaut erkennt, dass der Auferstandene mit seinem linken Fuß auf etwas steht. Er steht auf einem Teufelskopf. Das Gute und das Böse sind nicht zwei miteinander konkurrierende Mächte, das Böse ist nicht aus sich selbst heraus etwas, sondern immer nur Mangel an Gutem wie Thomas von Aquin sagt.
Und die Botschaft von Ostern ist: Durch Tod und Auferstehung Jesu Christi ist das Böse besiegt. Ein anderes Osterlied bringt es in drastisch-barocker Sprache auf den Punkt: „Christus ist auferstanden, Freud ist in allen Landen. / Hölle ist überwunden, Satan ist angebunden. / Tod, wo ist nun dein Stachel, Sünde, wo deine Makel? / Gott sind wir all versöhnet, herrlich sein Gnad uns krönet.“

Können wir das wirklich glauben? Manchmal, so scheint es mir, sind wir so ramponiert wie die alte Figur. Vieles hinterlässt bei uns innere und äußere Macken und Verletzungen. Das alles nimmt der Osterglaube durchaus ernst. Aber er „verklärt“ es, der „Leib wird klar wie Kristall, die Wunden werden zu Rubinen, die Seele durchstrahlt den Leib wie die Sonne“, so dichtet Friedrich von Spee. „Verklärung“ bedeutet, dass etwas klarer wird: Alles, was uns schwer auf dem Herzen liegt, was uns seelisch und körperlich belastet, wird durch Tod und Auferstehung des Herrn verwandelt und mit hinaufgetragen in die Lebensfülle Gottes. Dieses „Hinauftragen“, das „offere“ im Lateinischen, ist dann auch gemeint, wenn vom Opfer am Kreuz die Rede ist. Ostern ist das Fest der Überwindung von Leiden und Tod, und es gibt uns die sichere Hoffnung, dass auch wir einmal in diese Lebensfülle Gottes gelangen.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern gesegnete Ostertage!

1 Kommentar:

  1. Gerade habe ich hier einen Kommentar gelöscht. Das tue ich sehr selten, denn auch hier soll die Möglichkeit der fairen Auseinandersetzung gegeben sein. Ich biete allerdings Menschen mit offenbar deutlich psychischen Einschränkungen hier keine Bühne. Denen empfehle ich dringend, die nächstgelegene psychiatrische Ambulanz aufzusuchen.

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