Donnerstag, 19. April 2012

Stripperin beim Osterfeuer - oder: Haben kirchliche Feiertage Sinn?


"Liebe Leserinnen und Leser,

die Feiertags-Saison ist eröffnet! Die Zeit des „Brückenschlags“ ist da! „Gott sei Dank“ – denn nach Karfreitag und Ostern garantieren nun Christi-Himmelfahrt, Fronleichnam und Pfingsten lange Wochenenden. Name und Sinn dieser Tage geraten mehr und mehr in Vergessenheit. Doch was solls?
Man hilft sich mit dem Gattungsbegriff – und wünscht sich „schöne Feiertage“!
Keine Frage: Jeder freut sich über freie Tage. Und niemand erwartet, dass Christen an kirchlichen Feiertagen ihr Haupt mit Asche bestreuen und, ein Wegkreuz schulternd, auf Knien zu Wallfahrtsstätten rutschen, pausenlos büßen und beten.
Nichts spricht dagegen, „die Brückentage“ bei Verwandten, am Strand oder im Schnee zu verbringen. Auch hier lassen sich Feiertage würdig gestalten, auch dort gibt es nämlich Kirchen. Doch da knien meist nur Einheimische.

Einfach mal „abhängen“ und „Party-machen”

Sind wir ehrlich: Ostern steht längst für Frühlingsfest. Christi-Himmelfahrt steht für Vatertag, Pfingsten für einen Kurzurlaub (oder Schützenfest) – und Allerheiligen „mutiert“ mehr und mehr zu Halloween. Ob nun der 1. Mai oder Fronleichnam ansteht - ist mehr und mehr völlig egal! Hauptsache frei, die Seele baumeln lassen, einfach „abhängen“ oder „Party-machen“. Skurril eigentlich auch, wie selbstverständlich und gelassen selbst Atheisten und Kirchenkritiker kirchliche Feiertage „einsacken“.
Sollen wir sie abschaffen, so manche der „freien“ kirchlichen Feiertage? Sollten wir stattdessen den „Tag des Baumes und der Kröte“, den „Weltethos-Montag“, den „Tag für Demokratie und Menschenrechte“, den „Tag der Gesundheit“ einführen? Vielgötterei hat längst Hochkonjunktur.
Die Kirchen verteidigen ihre Feiertage. Sie seien wichtig für das „Bewusstsein“, böten vielen eine Chance zur Besinnung. Das kann man anders sehen. In Italien und anderen Ländern sind Karfreitag, Pfingstmontag, Fronleichnam und Christi-Himmelfahrt keine „freien“ Feiertage.
Ob dies das „Bewusstsein“ der dortigen Christen schmälert?
Gründonnerstag beispielsweise ist bei uns kein gesetzlicher Feiertag. Doch die Liturgie ist stets gut besucht und gehört zu den bewegendsten des Kirchenjahres.
Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Ich bin nicht gegen Feiertage. Schwierig wird es dann, wenn die Feiertage hohl und leer werden - das ist mir neuerlich klar geworden, als ich davon hörte, dass sich „die Jugend“ (wie es in mehreren Dörfern vorgekommen sein soll) am Karfreitag sinnlos besäuft, weil man ja eh nichts mit dem „stillen“ Karfreitag anfangen kann, oder, dass am Karfreitag beim Aufbau des Osterfeuers eine Stripperin für Kurzweile sorgt.
Haben wir nur noch Feiertage zum „Party-machen“? Eventuell müssen wir uns ja doch mal über den Sinn und den Inhalt unser Feiertage unterhalten. Oder?"

Aus dem aktuellen Pfarrbrief eines Freundes der Pfarrer im Sauerland ist.

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