Samstag, 14. April 2012

Weißer Sonntag in Westfalen

Unserm Herzen soll die Stunde
Ewig unvergeßlich sein,
Mit dem Herzen, mit dem Munde
Schwören wir, Gott treu zu sein.

Heute feiern meist überall die Kinder ihre erste heil. Kommunion. Sie werden in Prozession aus der Schule in die Kirche geführt. Die Mädchen tragen in der Regel schwarze Kleider und grüne Kränze. Weiße Engelchen gehen, Blumen streuend, voran. Vor dem Amte der heil. Messe erneuern die Kinder den Taufbund. Die heil. Kommunion wird ihnen entweder an der Kommunionbank oder an den Stufen des Altares gespendet. Zwei Engelchen mit brennenden Kerzen begleiten sie hin und zurück.
Die alte, dem Kirchengebote entsprechende Sitte, die Kinder vor dem 14. Jahre zur heiligen Kommunion zuzulassen, wenn sie genügend unterrichtet sind, ist in einigen Pfarreien, wie in Elspe, immer beibehalten; in anderen ist sie seit der Paderborner Diözesansynode von 1867 wieder eingeführt.
Zu Giershagen wird an diesem Tage morgens 5 Uhr ein Ritt um die Kirche gehalten. Kein Pferd bleibt im Stalle. Ein Reiter zieht mit dem Kreuze voran, zwei andere tragen Fahnen, und so geht der Zug unter Absingung des Te Deum dreimal um die Kirche. Zur Zeit einer Pferdeseuche soll dies gelobt worden sein. Darum heißt dieser Ritt die gelobte Prozession.

Aus: Sömer, Peter: Hageröschen aus dem Herzogtum Westfalen, Paderborn 1909, 130

Allen einen schönen Weißen Sonntag!
Übrigens: 2:1 :)

Kommentare:

  1. Sehr nett und lehrreich, vergelt´s Gott! Ich bin in Westfalen geboren, leider waren meine Vorfahren keine Katholiken, daher meine Frage: weshalb haben die Mädchen "schwarze" Kleider angezogen? War weiß damals noch nicht üblich?

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    1. Danke! Der Brauch edr weißen Kleider ist noch gar nicht so alt. In der Paderborner Bistumsgeschichte heißt es: "Bis zum (ersten) Weltkrieg trugen Mädchen übrigens ein knöchellanges schwarzes Erstkommunionkleid mit einem weißen Brautschleier und Blütenkranz, ein Brauch, den man wohl aus Frankreich übernommen hatte. Erst dann setzten sich die weißen Erstkommunionkleider durch, wie sie bis dahin schon die 'Geleit-' oder 'Kommunionengelchen' getragen hatten. Ähnlich wandelte sich die Festkleidung der Knaben von scharlachroten Anzügen oder schwarzen Gehröcken mit Zylinder im 19. Jahrhundert zum Matrosenanzug mit Schillerkragen ab der Zeit des Weltkriegs." (Brandt/Hengst, S. 393)

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  2. Das ist sehr interessant, davon hatte ich noch nie gehört, obwohl wir auch einige alte Bücher haben. Vielen Dank für Ihre Mühe, man lernt immer noch dazu!

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