Mittwoch, 2. Mai 2012

Der Marienmonat Mai

Mein aktueller Zeitungsbeitrag:

Als Kind und Jugendlicher, liebe Leserinnen und Leser, habe ich noch erlebt, wie in meiner Heimatkirche der sog. „Maialtar“ aufgebaut wurde. Mit Kisten und Podesten wurde seitlich vor dem Chorraum eine Art Gerüst aufgebaut, dessen manchmal recht gewagte Konstruktion durch eine große rotsamtene Decke verhüllt wurde. Darauf fand eine besondere Marienfigur ihren Platz, die nur zu diesem Anlass extra vom Dachboden des Pfarrhauses geholt wurde. Hinter dem Altar wurden Unmengen von weißem Flieder drapiert, davor wurde ein geschmückter Kerzenständer aufgestellt. Bei der Eröffnung der Maiandachten war die Kirche voll, der Kirchenchor sang „Maria Maienkönigin“ und die Erstkommunionkinder nahmen noch einmal stolz in ihrer Festkleidung an der Feier teil.
So lange ist das noch gar nicht her, aber irgendwie scheinen Maiandachten etwas aus der Mode gekommen zu sein. Die Maiandachten kamen zur Barockzeit in Italien auf und verbreiteten sich im 19. Jhdt. auch in Deutschland. Die Mariensymbolik des Mai ergibt sich aus dem farbenreichen Aufblühen der Natur in diesen Wochen. Als erste und schönste Blüte der Erlösung, als „Frühling des Heils“ und „Rose ohne Dornen“, gilt in der katholischen Spiritualität die Gottesmutter. „Die Blumen und Auen, so wonnig zu schauen, sie müssen dir weichen ohn alles Vergleichen, du aller Engel Freud!“, so wird Maria in einem alten barocken Lied besungen.
Das hört sich blumig an, aber warum auch nicht: Wir sprechen doch auch davon, dass jemand „wieder aufblüht“ wenn er sich von langer Krankheit oder Niedergeschlagenheit erholt hat, oder dass jemand „wie das blühende Leben“ aussieht. Maria war offen für Gottes Wort, sie hat geglaubt, dass Gott in ihrem Leben handelt, und sie hat darauf vertraut, dass er es gut mit ihr meint. So ist sie für uns, und das gilt nicht nur für Katholiken, ein Beispiel wie Leben aufblühen und gelingen kann.
Solche Momente des Aufblühens, liebe Leserinnen und Leser, möchte ich Ihnen gerade im schönen Monat Mai besonders wünschen!

Kommentare:

  1. Ich bin ja erst sieben Jahre katholisch und wenn ich von solchen Traditionen höre denke ich immer: Oh wie schade daß es das nicht mehr ganz selbstverständlich gibt. Bei der Maiandacht gestern gabs eigentlich nur ältere Leute und viele warens auch nicht.

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    1. Tja, manchmal braucht es eben nur einen Pfarrerwechsel und dann ist die ganze schöne Tradition futsch! Wenn der dann noch ein Minderwertigkeits- oder Überlegenheitsgefühl gegenüber seinem Vorgänger hat, oder vielleicht (ungeschickterweise) immer zu hören bekommt wie (toll) sein Vorgänger dies oder jenes gemacht hat, dann ist es meist ganz schnell vorbei. Wenn zusätzlich noch eine Kirchenrenovierung oder PGR-Wahl ansteht erkennst du deine Heimat nach kürzester Zeit nicht mehr wieder!

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