Samstag, 19. Mai 2012

Die größte Herausforderung - ganz konkret

Gestern habe ich geschrieben, dass ich den Gehorsam für die größte Herausforderung eines Priesters halte. Ich meine das deshalb, weil ich die Ichbezogenheit für eine der größten Versuchungen halte (was natürlich auch für Laien gilt).
Vielleicht fördert die ehelose Lebensweise (Keuschheit wäre etwas ganz anderes) diese Ichbezogenheit ja sogar noch, da ich es gar nicht gewohnt bin, die Kompromisse zu schließen, die eine Beziehung täglich erfordert.
Hinzu kommt, dass die grundsätzliche Sicherheit des Arbeitsplatzes, die fehlende Arbeits(zeit)erfassung und -kontrolle, sowie die nicht durch eigene Leistung erbrachten meist recht komfortablen Wohn- und Lebensumstände nicht gerade zu einem gelungenen geistlichen Leben beitragen.
Ich kriege immer die Krise, wenn Pfarrer anläßlich eines Geburtstages oder Jubiläums in der Presse als Weinkenner, Feinschmecker oder Genußmenschen dargestellt werden, oder wenn ein benachbarter Dechant anläßlich seines 50. Geburtstages eine Feier ausgerichtet bekommt, die sich die meisten seiner Gemeindemitglieder wahrscheinlich nie leisten können. (Er hat die Feier so nicht gewollt, natürlich, aber er hätte ja auch nicht hingehen müssen).
Der Anlaß über den Gehorsam zu schreiben, war ein gestriges Gespräch mit "Ihm": Es ging um das "pro multis". Und es fielen so Sätze wie: "Ich weiß nicht, wie das durchgesetzt werden soll, mich kann keiner dazu zwingen, da gibt es 50 Bischöfe in Deutschland und keiner traut sich aufzustehen und endlich was gegen Rom zu sagen." Und so weiter und so weiter. Ich habe erst versucht zu argumentieren, dann bin ich verstummt und gegangen.
Mit dem Ergebnis, dass ich mich jetzt noch ärgere. Toll, wirklich.    

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