Montag, 21. Mai 2012

Die Mehlsäcke bleiben übrig!

"Die Mehlsäcke bleiben übrig!" - pflegte immer seufzend mein alter Heimatpfarrer zu sagen wenn er mal wieder eine Zölibatskrise hatte. Nun ist er seit fast 50 Jahren mit vielen Hochs und Tiefs immer noch dabei und er hat es sich und anderen nicht leicht gemacht. Aber immerhin treu geblieben.
Bleiben die Mehlsäcke übrig, auch bei uns Laien? In mancher Berichterstattung wird suggeriert, dass diejenigen, die sich mit den ewig gleichen Forderungen nach Frauenpriestertum, Zölibatsabschaffung, gemeinsamem Abendmahl usw. nicht anfreunden können, eben solche Mehlsäcke sind: Unkritische Ja-Sager, von Kindheit an unterentwickelte antidemokratische, latent faschistoide autoritätshörige Defizitpersönlichkeiten, Wirklichkeits- und Zukunftsverweigerer die sich in eine vorgeblich heile Nostalgie(liturgie)welt retten.
Bleiben die Mehlsäcke übrig? Selbst wenn es so wäre, wäre es für jeden Nichtmehlsack eine Christenpflicht, sich um diese zu sorgen, denn das zweite Werk der Geistlichen Barmherzigkeit heißt: "Unwissende lehren", und wenn das schon nicht geht, dann wenigstens das fünfte Werk: "Lästige geduldig ertragen". Das gilt wohl nicht für Herrn Glück und das Katholikentagsprogramm.
Noch einmal: Bleiben die Mehlsäcke übrig? Es gibt sie auch. Aber trotzdem: Nein, ich glaube nicht. Die meisten Menschen die ich kennengelernt habe, die nicht auf den gremiendeutschen Reformzug aufspringen, stehen recht erfolgreich beruflich und familiär ihren Mann und ihre Frau und wissen sich gegen eine unreflektierte Autoritätsvereinnahmung locker zur Wehr zu setzen. Mir fallen zwei Beispiele ein, die ich auf der Arbeit erlebt habe: Der eine Mann kommt freudestrahlend auf mich zu und erzählt mir, dass er gerade beide Bände vom Jesus-Buch des Papstes gelesen habe und völlig begeistert sei. Der andere fragt mich heute: "Sie waren doch wohl nicht etwa in Mannheim?" Ich: "Nein, nein!" Er: "Gottseidank!" und dann haben wir noch über die Schönheit der "Alten Messe" gesprochen. Beide Gesprächspartner waren renommierte Chefärzte. Der dritte verteidigte heute vehement den Zölibat und war evangelischer Pfarrer. Mehlsäcke sehen anders aus.
Bleiben die Mehlsäcke übig? Ja, aber ganz woanders...

1 Kommentar:

  1. Sollte einen nachdenklich machen, wenn die Mitglieder einer Organisation, die sich Brüder- und Schwesterlichkeit auf die Fahnen geschrieben hat, so abwertend und lieblos übereinander sprechen wie hier (und wahrscheinlich auch auf der "Gegenseite")...

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