Dienstag, 1. Mai 2012

Was man am 1. Mai so alles feiern kann

Eigentlich ist ja der heutige Tag das Fest der Apostel Philippus und Jakobus d.J. Der erste Mai war das Datum der Neueinweihung ihrer wiederhergestellten Apostelkirche in Rom am 1. Mai 570. Als man 1955 etwas unbeholfen den "Tag der Arbeit" quasi "taufen" wollte und das Ideenfest "Josef der Arbeiter" auf den ersten Mai legte, hat man auf diese jahrhunderte alte Tradition keine Rücksicht genommen und das Apostelfest willkürlich auf den 11. Mai verlegt, wohlgemerkt 1955! Bei der Kalenderreform ist es dann mit dem 3. Mai wieder etwas näher an seinen ursprünglichen Termin gerückt. Heute könnten wir natürlich auch der Gottesmutter als Schutzpatronin Bayerns gedenken, dieses Fest, obwohl schon in der Zeit des 30jährigen Krieges entstanden erst seit 1916 liturgisch gefeiert, lag allerdings anfangs auch auf einem anderen Tag, nämlich dem ersten Samstag im Mai. Oder wir könnten heute abend die Maiandachten eröffnen, sie sind ursprünglich in der Barockzeit in Italien entstanden und im 19. Jahrhundert in den deutschen Sprachraum gelangt. Ihre Beliebtheit hatten sie vor allem, so erzählen es wenigstens ältere Leute mit einem Augenzwinkern, dass man als Jugendlicher abends noch einmal raus durfte. Die Maiandachten sollen schon manche katholische Ehe angebahnt haben...
Kennt jemand noch diese nett-harmlose Verballhornung des Marienliedes GL 594?

"Maria zu lieben, ist Josef sein Sinn.
Wenn Sie morgens keine Zeit hat,
geht er abends mal hin.
Er hilft ihr beim Spülen, Maria mach schnell,
wir wolln' noch possieren,
der Mond scheint so hell!"

Als Bild gibt es heute den Josefsaltar in meiner Heimatkirche. So sah er vor 1950 aus, dann wurde die Kirche hell gestrichen. 1954 wurde ihm der hl. Franziskus als Pfarrpatron vor die Nase gesetzt. 1960 flog dann alles raus, obwohl es außer Dach und Fenster keine Kriegszerstörungen gab, es blieb nur die jetzt braun übergestrichene Josefsfigur übrig. Aber immer gab es da noch einen Seitenaltar. Nur zehn Jahre später war auch alles das nicht mehr modern genug (außerdem vom beliebten Vorgängerpfarrer angeschafft, dessen Andenken sein Nachfolger möglichst tilgen wollte), der Seitenaltar kam weg und Josef fristet bis heute, seiner Säge beraubt, ein weitgehend unbeachtetes Dasein auf einer Wandkonsole. Schade eigentlich.

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