Mittwoch, 16. Mai 2012

Mit Margot Käßmann beim Frühstück

Während ich wie jeden Morgen gemütlich meinen Kaffee trinke, die Schnitte esse und Mucki kraule, wird mir zum Frühstück in den "Ruhr-Nachrichten" heute morgen ein Interview mit Margot Käßmann aufgetischt. Darin lese ich dann so faszinierende Dinge wie z.B. diese hier:

Frage: Nun reisen Sie als Botschafterin fürs Reformationsjubiläum durch die Lande. Warum sind Luthers Thesen so aktuell wie nie zuvor?
Antwort: Die Reformation hat die Welt verändert. Dass das Individuum denken darf und soll, am eigenen Gewissen arbeiten kann, war eine gesellschaftliche Sensation: Der einzelne Mensch steht auf und vertritt die eigene Position - das hat Luther gewagt. Das ist auch ein Ansporn für uns heute, uns nicht einlullen zu lassen. Mich fasziniert, dass Luther für einen Glauben ohne Angst eingetreten ist, der befreit für ein Engagement in der Welt.


Aha. Also sitzt jetzt hier im Umkehrschluss ein Katholik beim Frühstück, der nicht individuell denken darf und soll, der nicht am eigenen Gewissen arbeitet, der sich einlullen läßt, und dessen ängstlicher Glaube ihn daran hindert, sich befreit in der Welt zu engagieren.
Noch einmal in die Schnitte beissen, dann leg' ich mich wieder hin. Wird wohl besser sein.

Aber es geht ja noch weiter:
Frage: Der deutsche Protestantismus gilt oft als ernst, verkopft, wenig emotional. Weshalb eigentlich?
Antwort: Luther war anders: In der Auseinandersetzung mit seinen großen Lebensfragen trieb ihn existentielle Angst um. Er fühlte sich bedrängt, aber war doch lebensfroh. Er hat beispielsweise die Sexualität aus dem Abseits nicht von Gott gewollten Lebens geholt, als er den Weg hin zum evangelischen Pfarrhaus bereitete.


Ach was (frei nach Loriot). Hatte ich nicht mal irgendwo bei Manfred Lütz gelesen, dass der Geschlechtsakt für die katholische Kirche so wichtig ist, dass der Zusammenhang in dem er stattfinden soll, für die Katholiken sogar ein Sakrament, für Luther aber nur ein 'weltlich Ding' ist? (Schluck aus der Kaffeetasse). Und war nicht die Steigerung für Prüderie 'evangelisches Pfarrhaus'? Obwohl, wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere: Die ersten die kifften, waren die Pfarrerssöhne. Meint Frau Käßmann vielleicht das? Aber ich muss doch gleich noch Auto fahren. Naja, hat ihr ja auch nichts ausgemacht.


Ich springe mal zur letzten Frage: Reformdebatten auch auf dem Katholikentag jetzt in Mannheim: In der katholischen Kirche formiert sich eine Pfarrerinitiative mit dem Ziel grundlegender Kirchenreformen. Sehen Sie darin eine Chance für die Ökumene?
Antwort: Die Evangelischen können nicht von außen fordern, dass sich die katholische Kirche reformiert. Reformen müssen von innen kommen. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die darum ringen wie etwa Hans Küng. Er hat schon frühzeitig die Abschaffung des Zölibats, das Frauenpriestertum und das gemeinsame Abendmahl verlangt.


Soso. Man muss sich das mal vorstellen: Käßmann, Küng und Schüller gemeinsam beim Frühstück. Jeder fordert, ringt und verlangt. Und das mit großem Respekt. Da packt sich doch jeder erstmal den Teller voll wie beim Hotelbuffet. Und wehe der Orangensaft ist alle, dann gibts aber ein Memorandum an die Hotelleitung!
Ach, wir werden wohl nie im gleichen Hotel frühstücken, so oder so. Gott sei Dank.
Und Mucki schnurrt bestätigend.

Kommentare:

  1. Irgendwie könnte ich mir den weiteren Verlauf des Interviews auch so vorstellen:

    Frage: Frau Käßmann, projekzieren Sie eigentlich immer Ihren eigenen Gefühlsdusel auf die Welt des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit?
    Käßmann: Was kümmert mich das ausgehende Mittelalter und die frühe Neuzeit, wenn heute in Afghanistan nichts gut ist?

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  2. Mensch, Margot!
    Als "Lutherbotschafterin" leistet die Frau ja ganze Arbeit. Das muß man ihr lassen. Aber nach den letzten Ausfällen von Küngs Hannes sollte sie sich noch mal überlegen, ob sie diesen Namen wirklich im Mund führen will.

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  3. Sachlich falsch: Das Individuum wurde schon lange vor der sog. "Reformation" neu entdeckt. Ich nenne hier nur Petrus Abaelardus, Roger Bacon und Wilhem von Ockham.

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