Dienstag, 5. Juni 2012

Der heilige Bonifatius und das Gesangbuch

Obwohl es kein Bonifatiuslied in den Stammteil des "Gotteslob" geschafft hat, ist das "Nun lasst uns alle loben Sankt Bonifatium" (Text Mainz 1628 / Melodie Köln 1623) zumindest in Gemeinden mit dem entsprechenden Patronat wohl noch relativ bekannt. Weitgehend unbekannt ist dagegen "Winfried, hör der deinen Gruß", ein typisches Werk der 20er Jahre von Hüttemann / Schauerte, welches sich in der Auflage des "Sursum corda" von 1948 findet. Meiner Meinung nach übrigens das einzig wahre Gesangbuch, zumindest wohl das beste, was das Erzbistum Paderborn bislang hatte. Das Format war ideal für die Hand- bzw. Anzugtasche und ich kann mich erinnern, dass meine Großeltern 1975 mit dem neuen Gesangbuch nicht wirklich glücklich waren: "Dat passt ja nit!". Damit begann dann auch die Unsitte, Gesangbücher in Kirchen auszulegen, war doch früher das eigene Gesangbuch mit Widmung und gesammelten Kommunion-, Primiz- und Totenbildchen für die Katholiken ein Schatz, der sie durch das ganze Leben begleitete und ein ausdrucksstarkes Glaubenszeugnis, wenn man sich damit öffentlich auf den Weg zur Kirche machte. Für evangelische Christen galt das übrigens in ähnlicher Weise. Das ist nun alles leider schon lange aus dem Bewusstsein verschwunden, achselzuckend hingenommen. Wie so vieles unbedacht einfach weg und nicht wiederholbar.
Mit einem herzlichen Namenstagsgruß an alle Winfrieds und Bonifatiüsse:

1."Winfried, hör der deinen Gruß, die dich dankbar preisen, heilger Bonifatius!
Deinem Blut für uns vergossen, Heiles Fülle ist entsprossen. Lobet Gott, den Herrn!

2. Heil uns, himmlischer Patron! Dich hat Gott gesendet, stammverwandten Volkes Sohn,
Christi Botschaft uns zu künden, unter uns sein Reich zu gründen. Lobet Gott, den Herrn!

3. Aus Sankt Petri heilgem Dom, brachtest du den Frieden, reichbeladner Segensstrom:
Gottes Volk sind wir geworden, gläubig eins in Süd und Norden. Lobet Gott, den Herrn!

4. Doch des bösen Feindes Trug, ließ uns sündig werden, Zwietracht tiefe Wunden schlug.
Heile sie, zerbrich die Schranken, und dann hilf uns freudig danken: Lobet Gott, den Herrn!

5. Bitt das holde Friedenskind, dass es neu begnade, die da guten Willens sind;
neu die Ostersonne scheine, und der alte Ruf uns eine: Lobet Gott, den Herrn!

6. Wann der Jüngste Tag wird sein und des Kreuzes Zeichen unsre Hoffnung ist allein,
dann von allen deutschen Zungen werd in Ewigkeit gesungen: Lobet Gott, den Herrn!" 

Kommentare:

  1. Na ja, das Sursum Corda wurde lange Zeit in Diestedde eingesetzt; besonders begeistert hat's mich nicht. Danach wurden Nachdrucke des Rottenburger Gesangbuches eingeführt - was mich auch nicht begeisterte.

    Die Kurzfassung des geläufigen Klemens-Gebets als Morgengebet fand ich im SC aber ganz gelungen; und zumindest das Heiligkreuz-Lied von Pryzwara habe ich durch dieses Buch kennengelernt.

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    1. Natürlich hat das SC seine Schwächen gehabt, zumal auch die Paderborner Messliedreihen sich nicht gerade durch musikalischen Einfallsreichtum auszeichnen. Immerhin hat es aber Lieder enthalten, die sowohl im Stamm-, als auch im Diözesanteil des GL schmerzlich fehlen. Über den Gebetsteil im PB-Anhang sprechen wir lieber erst garnicht...

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  2. Hm, Diestedde ist doch Diözese Münster, haben die da nicht aus dem "Laudate" gesungen?
    Sicher, das SC hatte auch Schwächen, aber dem GL war es doch meilenweit überlegen. Viele Lieder fehlen einfach. Den Liedteil finde ich persönlich in der alten SC-Ausgabe (1874-1948) gelungener. Im 48er SC ist schon soviel Einheitsliederkram...

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    1. Schon wahr, Diestedde gehört zu Münster. Aber das FSSPX-Don-Bosco-Gymnasium ist von Brilon dorthin gezogen und hat das Sursum Corda dabei wohl einfach "importiert", aber das war alles vor meiner Zeit (sollte Brilon jetzt aber auch nicht zu Paderborn gehören, dann kann es nur noch daran liegen, daß man irgendwo einen Berg SC aufgetan hatte).

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  3. Nein, nein, Brilon ist definitiv "im Kölsken", also im ex-kurkölnischen Teil der Diöze Paderborn. Was den Gesang in dortiger Klosterkirche betrifft: Ich sag nix dazu, als Freund des "Deutschen Amtes" bin ich eh schon eine Unperson...

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