Freitag, 15. Juni 2012

Hochfest des heiligsten Herzens Jesu

Meine erste Begegnung mit dem heiligsten Herzen Jesu, liebe Leserinnen und Leser, war im Keller des Pfarrhauses meiner Heimatgemeinde. Und diese Begegnung war ziemlich erschreckend, stand doch in einer Nische unter dem Treppenabgang im Halbdunkel eine fast lebensgroße Herz-Jesu-Figur. Sie hatte bereits 1960 bei der Kirchenrenovierung ihren Platz in der Kirche verloren und fristete dort seitdem ihr Dasein.
In so einer Nische ist für mich die Herz-Jesu-Verehrung eigentlich immer geblieben, vielleicht liegt es auch daran, dass sie überall dort wo ich bislang gewohnt und gearbeitet habe, keine große Rolle gespielt hat. Natürlich kenne ich auch die Herz-Jesu-Wallfahrtsstätten wie Kloster Arnstein oder, dort wird es noch deutlicher, dass eine quasi bischöflich "von oben" eingerichtete Wallfahrtsstätte nicht funktioniert, die Herz-Jesu-Kirche in Graz. Aber so richtig ist der Funke nie übergesprungen. Auch das heutige Fest ist ja "nur" ein Devotions- bzw. Ideenfest, trotz seiner zwischenzeitlich übertriebenen Rangerhöhung durch Pius XI. Bei uns im Ruhrgebiet gibt es viele Gemeinden mit "Herz-Jesu"-Patronat, also typisch aus dem 19. / Anfang 20. Jahrhundert, die meisten können aber nicht mehr so recht etwas damit anfangen. Und das Wort "Sühne" gehört nun auch nicht zu meinem täglichen Frömmigkeitsvokabular.


Aber ich will ja nicht nur über das schreiben, was nicht geht, sondern auch für mich (und vielleicht andere) einen geistlichen Impuls aus diesem Fest mitnehmen. Ganz kurz soll es heute eine Strophe aus einem alten Herz-Jesu-Lied aus dem "Sursum corda" sein:

"Jesu Herz, in Dir zu bleiben ist mein Trost und Freud allein; nichts soll mich von Dir vertreiben, hier soll meine Ruhstatt sein! Du wirst trösten und belohnen mich nach meinem letzten Streit und mich lassen in Dir wohnen nun und bis in Ewigkeit."


Diese Worte des Gottvertrauens sollen mich durch den Tag begleiten: Trost - Freude - Ruhe - Lohn - wohnen lassen.

Diese Worte sagen etwas aus über den Herrn, über mich und über unsere Beziehung zueinander. Hier kann mir deutlich werden, dass er ein Herz für mich hat, dass er mich an seinem Herzen birgt, dass sein Herz mir offen steht.

Allen einen schönen Tag!

Kommentare:

  1. "Ideenfest" ... *gruselgrusel* ... seit ich das mal im Zusammenhang mit einer Deutung des Dreifaltigkeitsfestes gehört habe, ist das Wort bei mir etwas untendurch (obwohl es eigentlich nichts dafür kann).

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    1. Liturgiewissenschaftlich sind alle diejenigen Feste Ideenfeste, die im Gegensatz zu Ostern, Weihnachten, Pfingsten, Verklärung des Herrn, Geburt Johannes d.T. usw. oder den Heiligenfesten nicht auf einer konkreten biblischen Begebenheit beruhen, sondern einen bestimmten theologischen Aspekt vergegenwärtigen, also z.B. Dreifaltigkeit, Fronleichnam oder auch Mariä Himmelfahrt. Schwieriger ist es dann noch, wenn sie dazu noch die Frömmigkeit einer bestimmten Gruppe in der Kirche, eine private Offenbarung oder eine eher zeitbedingte Tendenz ausdrücken, so wie das Herz-Jesu-Fest oder Christ-König. Dass man damit liturgisch richtig schiefliegen kann, zeigen z.B. historisch die Ranghöhe des Herz-Jesu-Festes unter Pius XI. oder heute noch die Feste der heiligen Familie am Sonntag in der Weihnachtszeit oder der Barmherzigkeitssonntag am Sonntag nach Ostern. Diese Feste, so gut sie auch gemeint sein mögen, haben auf ihren derzeitigen Terminen einfach nichts zu suchen. Noch schlimmer, obwohl wahrscheinlich auch gut gemeint, sind solche thematisch geprägten Sonntage wie Caritas-, Diaspora-, Adveniat-, Misereor-, oder Buchsonntag. Die Gefahr einer Inflation ist also groß und deshalb hat sich die Kirche mit der Anerkennung dieser Ideenfeste aus gutem Grund immer sehr schwer getan. Das Herz-Jesu-Fest hat z.B. weit über 100 Jahre gebraucht, bis es in den allgemeinen Kalender kam.

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