Dienstag, 12. Juni 2012

Ich blogge was ich will, und was mich beglücket?

Zum Bloggertreffen in Freiburg am Wochenende ist bereits von vielen etwas geschrieben worden. Wenn man nicht dabei war, sieht man es natürlich nur von außen. Was mich freut ist nicht nur, dass es überhaupt stattgefunden hat – man hätte ja auch wie vielfach geschehen, alle katholischen Blogger mit entsprechenden Hetzseiten in einen Topf werfen können – und dass es wohl ein schönes brüderlich/geschwisterliches Miteinander gegeben hat und auch eine bereichernde geistliche Erfahrung war.
Nein, was mich auch freut, ist dass auch kontrovers diskutiert worden ist. Ich glaube einerseits, dass die Mahnung zur Einheit, immerhin vom Herrn selbst, natürlich oberste Priorität hat. Andererseits hat sie sich auch häufig wie ein Mehltau auf unsere Diskussionen gelegt. Warum? Weil sie häufig (absichtlich?) falsch verstanden wird, ich will dieses Missverständnis einmal „Konsensuismus“ nennen: Mahnung zur Einheit bedeutet nicht Aufforderung zum Mainstream, Mahnung zur Einheit bedeutet nicht alles gelten zu lassen und alles gut zu finden, Mahnung zur Einheit bedeutet nicht, dass klare Missstände nicht aufgedeckt werden und Mahnung zur Einheit bedeutet erst recht nicht, als Kirche eine gesellschaftskonforme und staatstragende Funktion wahrzunehmen.
Die Fragen nach Gott, nach der Kirche, nach dem, was denn katholisch und was häretisch ist, erinnern mich ein wenig an den Anfang meines Studiums. Da waren wir auch ein zusammengewürfelter Haufen von 30 Menschen, die alle ungefähr das gleiche wollten. Problem war allerdings, dass jeder meinte, der von ihm eingeschlagene Weg sei der einzig richtige. Das ist insofern auch nachvollziehbar, da eine Berufung immer sehr individuell ist und es ja auch wichtig ist, den als richtig erkannten Weg weiter zu verfolgen. Wir haben halt nur ganz viele Kräfte damit verschleudert, uns gegenseitig Häresien zu unterstellen. Das hat bei manchen tiefe Verletzungen hinterlassen. Es ist nicht alles gleich Häresie, nur weil es eben nicht meins ist.
Also, Diskussion und Auseinandersetzung sind notwendig. Es wäre aber nur ratsam, und das bringt mich vielleicht auf die Spur von dem, was wohl der Herr mit „eins sein“ meint, nicht zuerst eine behauptende, sondern eine fragende Haltung anzunehmen. Ich muss im Gespräch bleiben, muss nachfragen: „Warum siehst du das so?“, „Warum ist das für dich wichtig?“. Zuerst käme also das respektvolle Interesse für die Glaubensbiographie des anderen, dann kann ich mir mein Urteil bilden. Ich finde das wichtig, denn es ist doch z.B. viel interessanter nachzufragen, was denn Hans Küng persönlich wirklich glaubt, als das was er vermeintlich unfehlbar in seinen Büchern schreibt. Es wäre doch viel interessanter einen Piusbruder zu fragen, was er persönlich wirklich glaubt, als eine alte Enzyklika auswendig zu lernen.
„Die Kirche ist so real wie die Republik Venedig“ sagt einmal Robert Bellarmin in Abwehr der spiritualisierenden Reformatoren. Das heißt aber doch auch, dass Kirche erst einmal das ist, was da ist: In ihrer Unterschiedlichkeit ist sie, unzulänglich und vorläufig, doch immer Kirche Jesu Christi. Das würde mir als Grundkonsens schon fast reichen.

Kommentare:

  1. Ja und deshalb war es so wichtig, daß wir zusammen beten gingen - auch wenns eine Karl-Rahner-Kapelle war.

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  2. "Zuerst käme also das respektvolle Interesse für die Glaubensbiographie des anderen, dann kann ich mir mein Urteil bilden" - genau das ist am Freitag Abend geschehen, und das hat das Treffen so wertvoll gemacht.

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