Mittwoch, 6. Juni 2012

Tanz an Fronleichnam

Der Schwedentanz in Attendorn

Wer kennt das große Kirchenlicht,
Den frommen Gustav Adolf nicht?
Er ließ die Deutschen niedersäbeln,
Zusammenschießen, schatzen, knebeln,
Auch laben mit dem Schwedentrank;
Und Deutschland – zollt ihm Lob und Dank!
Wer Lust hat, lobe den König der Schweden,
Ich will vom Schwedentanze reden,
Wie Attendorn ihn nachgetanzt.

Ein Streifenkorps Schweden lag verschanzt
Vor Attendorn vier lange, bange Wochen,
Doch blieb der Mut der Bürger ungebrochen.
Sie wehrten sich mit aller Macht und trieben
Die Schweden in die Flucht mit deutschen Hieben.
Die tapfern Schützen zogen mit der Beute
Bei hellem Jubelruf und Festgeläute
Zur Stadt, wo sie ein froher Menschenschwarm empfing.
Sie schritten paarweis, Arm in Arm,
Durchs Tor bis auf den Markt mit munterm Tritte.
Dort stellte sich der Hauptmann in die Mitte,
Auf jeder Seite stand ein Fahnenträger,
Ein Pfeifer, ein Hornist und Trommelschläger.
Und schnell und schneller spielten jetzt die Musikanten,
Hei, wie u sie und um den Kommandanten
Die Paare schnell und schneller hüpfend sprangen
Und viermal sich im Kreise künstlich schwangen!
Wie stets sie neue Schlangenpfade fanden,
Bis sie zuletzt in Reih und Glied da standen!
Hei, wie bei Trommelwirbel, Horn und Pfeifenklang
Der Fähnrich seine Siegesfahne schwang!

Der Schwedentanz ward alle Jahr gesprungen:
O, welche selige Erinnerungen
In jedes Attendörners Brust erwachten,
Wenn er die „Iserköppe“ könnt’ betrachten,
Die am Fronleichnamstag im Eisenkleid
Und Helm dem Herren gaben ihr Geleit.
Wenn nach dem hohen Amt der Tanz begann,
Stand um den großen Marktplatz Mann an Mann;
Daß kaum ein Apfel auf die Erde fiel.
Da las man denn in aller Mienenspiel:
Der Tanz ist schön, die Kunst nicht gering!

Als unsereins in Knabenschuhen ging,
War Attendorn ein Demokratennest;
Da sah er staunend am Fronleichnamsfest
Den Tanz und frug: „Is düt de Kattendans?“
Da zupft’ es ihm am Ohr: „Du Buernhans!
Süh, so wat konn vi Börger men alleene,
Ihr Bueren hät viel te stiewe Beene!“

Der Schwedentanz, zuletzt im Jahre 1868 aufgeführt, hieß auch Triller, und bei den Bauern, welche die Attendorner schwerzweis „Kattfiller“ schimpften, Katzentanz. Die Figuren desselben, auf einer mir vorliegenden Zeichnung aus dem Jahre 1665, sind so künstlich verschlungen, dass eine lange Uebung dazu gehörte, ihn zu tanzen. Darum soll Brunabend wohl recht haben, wenn er meint, der Triller sei mittelalterlichen Ursprungs wie auch der Bügeltanz, der am Nachmittage desselben Festes unter Anwendung von Reifen oder gebogenen Stäben aufgeführt wurde, ähnlich wie ihn die Böttcher in München und Breslau aufführen.


aus: Peter Sömer: Hageröschen aus dem Herzogtum Westfalen, Paderborn 1909, 143f.

Allen Leserinnen und Lesern eine schöne Einstimmung auf einen festlichen und hoffentlich nicht allzu verregneten Fronleichnamstag!

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