Dienstag, 31. Juli 2012

31. Juli: Der heilige Ignatius und die Jesuiten

Diese Jesuiten! Eine ganze Kultur und ein ganzes Zeitalter haben diese "Doppel-Null-Agenten" des Papstes geprägt und dabei große Erfolge und hervorragende Heilige und Denker hervorgebracht. Ihre Spiritualität hat bis in unsere Zeit zahllose Menschen angezogen, z.B. hat man mir erzählt, dass man früher in Dortmund zum Beichten gern zu den Franziskanern ging, wer aber richtig etwas auf sich hielt, der ging zu den Jesuiten.
Und heute? Die Bilanz fällt doch deutlich nüchterner aus. Wer sich mit der Moderne einlässt, begibt sich auf einen gefährlich schmalen aber notwendigen Grat, denn Rückzug ist keine Alternative. Die Frage stellt sich nur, inwieweit heute die Stoßrichtung unbedingt zuvorderst innerkirchlich sein muss oder ob die Gesellschaft es nicht viel nötiger hätte.
Dennoch finde ich sie ja trotz allem irgendwie faszinierend: Diese spöttisch-intellektuell-elegante Arroganz des Germanikums, dieses selbstgefällige Wissen um die Brillianz des eigenen Auftritts und diese Erregung, wenn es um Solidarität und Gerechtigkeit geht. Heiner Geißler hat das verinnerlicht. Und mit ihm wird deutlich, wie eine solche Haltung auch schiefgehen kann. Mit einem Ex-Jesuiten habe ich jahrelang zusammen gearbeitet. Das war zwar intellektuell erfrischend, aber als ich es brauchte, haben mir gerade die Solidarität und die Gerechtigkeit gefehlt. Alles nur Sprüche.
Von einem möchte ich heute dennoch etwas schreiben, von Stefan Kiechle. Er hat vor einigen Jahren ein kleines Buch in der Reihe der "Ignatianischen Impulse" im Würzburger Echter-Verlag veröffentlicht. Es heißt "Sich entscheiden". Immer wieder begegenen einem Menschen, die sich nicht entscheiden können, sei es für einen Beruf, einen Partner oder eine geistliche Lebensform. Gerade im kirchlichen Umfeld trifft man häufiger Menschen, von denen es heißt, sie hätten schon von jedem deutschsprachigen Kloster einen Klausurschlüssel in der Tasche gehabt. Und auch beim sich-nicht-festlegen-können auf einen Partner führt der Eros irgendwann zur Erosion. Glücklich macht das auf Dauer nicht, auch nicht die Menschen im Umfeld eines solchen Nicht-Entscheiders. All denjenigen sei dieses aus der ignatianischen Spiritualität heraus geschriebene Buch wirklich empfohlen. Für heute gibt es daraus die zusammenfassenden "Zehn Leitsätze des Entscheidens".
Die zum hl. Ignatius passenden Bilder stammen aus den Jesuitenkirchen in Paderborn und Büren:
1. Nimm die Wirklichkeit wahr, wie sie ist. Sei aufmerksam für das Konkrete und Kleine.
2. Entwickle des rechte innere Zeitgefühl: nicht überstürzt, nicht verschleppt. Begegne klug äußerem Zeitdruck oder zu großer Zeitverzögerung. Gliedere deine Entscheidung in Schritte und bringe diese in einen realistischen Zeitplan.
3. Öffne deine Ideen dem kritischen Blick deiner Freunde. Suche den Rat kluger Menschen. Prüfe deine Alternativen in realistischen Experimenten.
4. Höre, was dein Kopf, dein Herz und deine Intuition sagen. Integriere diese "Stimmen deiner Seele" in das Ganze deines Projekts.
5. Achte darauf, dass der "böse Geist" die Entscheidung oft komplizierter machen will, als sie ist. Und er arbeitet mit der Angst. Suche Vertrauen und Einfachheit.
6. Wähle nicht, wenn du in einer Krise bist. Suche in allem den größeren Trost und die größere Frucht. Folge deiner Sehnsucht. Sei radikal.
7. Lerne deine Grenzen kennen; akzeptiere und beachte sie. Suche nicht das Kreuz, aber sei aus Liebe bereit, es anzunehmen, wenn Gott es will. Der Wille Gottes tritt nicht von außen als etwas Fremdes an dich heran, sondern findet sich in der Sehnsucht deines Herzens, im Trost und in der Frucht.
8. Betrauere deine abgewählten Möglichkeiten und deine verpassten Chancen. Dein Leben ist ein Weg des Loslassens und des Sterbens. Wenn du das Leben so annimmst, wirst du dich leichter binden können und zufriedener werden.
9. Jesus sei Norm, Urbild und "Gestalt" deines Lebens und deiner Entscheidungen.
10. Bei deiner Entscheidung kommt der Punkt, an dem du den gordischen Knoten durchhauen musst. Du musst das Risiko auf dich nehmen und loslassen und springen. Dein Grundvertrauen in das Leben, in die Menschen und in Gott wird dir dabei helfen.

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