Freitag, 13. Juli 2012

Heinrich und Kunigunde: Gott traut mir etwas zu!

Freitags halten wir immer in einer unserer Kliniken ein Mittagsgebet. "Mittagsgebet" ist zwar kein richtig toller Titel, aber "Freitagsgebet" ist ja auch etwas vorbelastet. Also trifft sich regelmäßig eine kleine Schar von Menschen - Mitarbeiter, Patienten, Angehörige und Kirchenmäuse - um miteineinander wenigstens für einen kurzen Moment innezuhalten und auch stellvertretend für die Vielen zu beten, die in den 5 Stockwerken unter uns arbeiten, liegen, untersucht werden, traurig oder froh sind. Das Gebet geschieht in schöner ökumenischer Eintracht mit der evangelischen Krankenhauspfarrerin.
Hier mein geistlicher Impuls für heute mittag:

Am heutigen Tag gedenkt der Heiligenkalender der heiligen Heinrich und Kunigunde. Heinrich war der letzte sächsische deutsche König und wurde gemeinsam mit seiner aus Luxemburg stammenden Frau Kunigunde im Jahre 1014 zum römischen Kaiser gekrönt. Die beiden bauten das System der mittelalterlichen Reichskirche weiter aus, das dann immerhin noch 800 Jahre Bestand haben sollte, und förderten die Reform von Bistümern und Klöstern. Heinrich starb 1024, seine Frau wurde Nonne im Kloster Kaufungen. Gemeinsam begraben sind sie im Bamberger Dom und wer schon einmal dort war, wird sicherlich schon an ihrer Gruft im Westchor des Domes gestanden haben.

Nun wird man einwenden können, das alles sei ja schon fast 1000 Jahre her und habe für uns heute doch recht wenig Bedeutung. Dem würde ich gern widersprechen, denn einerseits gäbe es ohne Menschen wie Heinrich und Kunigunde in kultureller und geistesgeschichtlicher Sicht nicht das, was wir heute Europa nennen, und andererseits haben solche Gedenktage im Heiligenkalender ja auch eine geistliche Bedeutung. Immer wieder tauchen aus dem Dunkel der Geschichte Menschen auf, die exemplarisch für ein vor Gott  gelungenes Leben stehen. Menschen, die sich auf eine Beziehung zu Gott eingelassen haben, Menschen, die ihr Leben in die Hände Gottes gelegt haben, Menschen, die aus diesem Glauben heraus ihre je eigene Berufung erkannt haben,.

Das zu diesem Tag ausgesuchte Evangelium erzählt das Gleichnis von den Talenten und im Tagesgebet heißt es: „Gib auch uns die Gnade, dass wir unsere Aufgabe in dieser Welt erfüllen und Erben deines Reiches werden.“ – Hier geht es nicht in erster Linie um Pflichterfüllung, hier geht es darum, seine je eigene Berufung zu erkennen und seine Talente nicht zu vergraben. Dabei geht es zunächst nicht um oben oder unten, wichtig oder unwichtig. Das ist, zumindest bei Gott, zweitrangig. Nein, es geht um etwas viel existentielleres, nämlich mich als von Gott geliebt und angenommen zu wissen und darauf zu vertrauen, dass Gott mir traut, ja, dass er mir etwas zutraut.

Ich wünsche uns, dass wir am heutigen Gedenktag der heiligen Heinrich und Kunigunde diesen Impuls mit in den Tag nehmen: Gott traut mir und Gott traut mir etwas zu!

Kommentare:

  1. Schön, daß auch Du an die heutigen Tagesheiligen denkst. Aber als Paderborner Erzdiözesan ist man da ja auch etwas vorbelastet.

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    1. Danke! Früher, also vor der Bücker-Renovierung, standen die barocken Figuren der beiden immerhin ja auch jeweils seitlich am Choraufgang.

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