Sonntag, 8. Juli 2012

Sommerferien - Predigtfrei?! - Jetzt mal etwas Grundsätzliches

Zugegeben, ich könnte meist auch ohne Predigt leben, ein schönes Orgelstück würde mir schon reichen. Aber das ist ja etwas ganz persönliches und gilt auch nur für mich.
Für alle anderen möchte ich aus gegebenem Anlass kurz Can. 767 § 2. CIC 1983 zitieren: "An Sonntagen und gebotenen Feiertagen ist in allen Messen, die unter Beteiligung des Volkes gefeiert werden, eine Homilie zu halten; sie darf nur aus schwerwiegendem Grund ausfallen."
Die Schulsommerferien in Nordrhein-Westfalen also als kirchenrechtlich relevanter schwerwiegender Grund? Naja, da habe ich aber so meine Zweifel...
Man könnte jetzt noch die Liturgiekonstitution, die "Allgemeine Einführung in das Messbuch" und noch so manchen weiteren offiziellen Text anführen, diese Argumentation nützt aber meist recht wenig, da für die meisten Priester analog zu unserem Grundgesetz die Formel gilt: "Alle liturgische Gewalt geht vom Zelebranten aus." Da hat man wenig Chancen. Oder wäre das etwa der Schlüssel zum Verstehen des CIC, wenn dort von der "Beteiligung des Volkes" geredet wird? Vielleicht ist bei so manchem, der sich gerade modern und basisnah gibt, das Volk ja gar nicht beteiligt, sondern nur Zuschauer einer Selbstinszenierung? Hinzu kommt, dass man noch nach zwei weiteren Dingen fragen muss: Einmal nach der eigenen Einstellung des Zelebranten zur Predigt und ihrem Stellenwert überhaupt, und als Zweites nach seiner Arbeitsauffassung: Ich kann doch auch nicht halbe Arbeit abliefern, nur weil ein paar Menschen um mich herum Ferien haben, oder?
Ergebnis ist, dass das schier unstillbare Mitteilungsbedürfnis so manches Zelebranten ohne Predigt dann an anderen Ecken herausplatzt: Vor dem Kreuzzeichen, in der Einführung, in den Kyrietropen (die eh' liturgischer Wildwuchs sind), bei den selbst ausgebauten (und somit tiefergelegten) Präsidialgebeten, vor Lesung und Evangelium, bei den Fürbitten, vor dem Vaterunser, vor dem Friedensgruß, vor und nach der Kommunion und rund um Vermeldungen und Schlußsegen. Die kinderkatechetische Krönung gibt es regelmäßig in meiner Heimatgemeinde, wenn beim Hochgebet die Kinder um den Altar stehen und der Zelebrant an entsprechender Stelle das Hochgebet unterbricht um die Kinder zu fragen, wie denn unser Erzbischof heißt...
Schön ist das alles nicht. Vor allem nützt es auch niemandem.

Hier nur ein paar unsortierte Ratschläge eines Laien:
- Sei Dir bewusst, wer der Einladende und der Feiernde ist: Du bist nicht der Gastgeber. Das setzt Dich nicht zurück, sondern entlastet Dich. Du brauchst nicht zu meinen, das Gelingen der Feier läge allein an Dir. Bereite Dich und die anderen Dienste im Gottesdienst ordentlich vor. Tue das, was Du kannst und tue es mit Überlegung und Ruhe.
- Halte Dich an die vorgegebene Ordnung. Sie schränkt Dich nicht ein, sondern hilft Dir. Und sie gibt Dir die Freiheit, Dich an Regeln halten zu können.
- Die Einführung gehört noch nicht zum Wortgottesdienst. Halte sie wirklich "brevissimis verbis": Frei, mystagogisch und gemeinschaftsstiftend.
- Verzichte auf pädagogisch-exegetische Hinführungen zu den Lesungstexten: Sie sind vielleicht gut gemeint, aber zwecklos. Wenn Du es für notwenig hältst, dann predige später  darüber.
- Predige grundsätzlich KURZ und bringe die Dinge auf den Punkt. Das macht die Vorbereitung zwar anstrengender, aber mit etwas System und Disziplin funktioniert das schon. Erzähle keine zusätzlichen Geschichten und prahle nicht mit Deinem Wissen oder der Geschliffenheit Deiner Rede. Die Leute werden es Dir danken. 
- Lass Überleitungen usw. weg. Gottesdienst wird gefeiert, nicht moderiert.
- Viel reden hilft nicht viel. Vertraue auf die Sprache der anderen Dinge: den Raum, die Stille, den Duft, die Bilder, die Musik, den Gesang. Sie sind viel stärker als Deine Worte.
- Meine nicht, Du müsstest den Gottesdienst "menschlicher" machen. Darum geht es nicht. Wenn Dir Menschlichkeit wirklich wichtig ist, dann stelle Dich nach dem Gottesdienst zu den Leuten auf den Kirchplatz und interessiere Dich für sie.

Du merkst, hier geht es nicht um progressiv oder konservativ, modern oder alt. Hier geht es um mich, mein Verhältnis zu mir und meiner Aufgabe, um mein Verhältnis zu meinen Mitmenschen und mein Verhältnis zu Gott. Die Herausforderung ist nicht organisatorisch, sondern geistlich. Das macht es nicht einfacher. Aber anspruchsvoll. Und das wollten wir doch immer, oder? 

Trotz Regen allen einen schönen Sonntag!

Kommentare:

  1. Sieht so aus als hätten Sie es wahrhaftig nicht leicht in Ihrer Pfarrei.
    Ihre Änderungsvorschläge samt Erklärungen finde ich wirklich gut. Ja, es geht um eine geistliche Herausforderung.

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  2. Damit hatte ich früher in meiner Heimatgemeinde auch Streß gehabt, bis dann plötzlich ein Subsidiar auftauchte, der IMMER (auch werktags) predigte. Da war es dann vorbei mit den Predigtferien.

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