Freitag, 31. August 2012

31. August: Der hl. Paulinus von Trier: Arianismus ist attraktiv und modern!

Heute finden wir im Heiligenkalender den Gedenktag des hl. Paulinus von Trier. Er wurde um das Jahr 346 Bischof von Trier. Auf der von den Arianern beherrschten Synode von Arles 353 weigerte er sich, der Verurteilung des Athanasius zuzustimmen. Deshalb wurde er abgesetzt und von Kaiser Konstantius II. nach Phrygien im westlichen Kleinasien, also in der heutigen Türkei, verbannt, wo er 358 starb. Sein Leib soll nach Trier übertragen worden sein. 1072 fand man in der Krypta der um 400 erbauten Kirche des späteren Kanonikerstiftes Sankt Paulinus in Trier seinen Sarg, der, wie sich aus den Symbolen und Inschriften ergibt, aus dem Ende des 4. Jahrhunderts stammt.

Dieser Heiligengedenktag, liebe Leserinnen und Leser, wäre eigentlich nicht besonders erwähnenswert, wenn es dabei nicht um eine interessante Irrlehre ginge, nämlich den Arianismus. In der Kirche des 4. Jahrhunderts ging es theologisch um die Frage, wer denn nun Jesus Christus sei und in welchem Verhältnis er zu Gott Vater stehe. Der Priester Arius nun, nach ihm ist also der Arianismus benannt, hatte, jetzt etwas vereinfacht dargestellt, gelehrt, dass Jesus Christus zwar aller Ehren wert sei, dass er aber doch ein von Gott geschaffenes Geschöpf sei und eben nicht Teil der göttlichen Trinität. Diese Lehre wurde eine zeitlang kirchlich und sogar politisch mehrheitsfähig und so traf es dann die Verteidiger des wahren Glaubens wie z.B. Athanasius oder eben auch unseren Paulinus, dass sie in die Verbannung geschickt wurden.
Erst die Konzilien von Nicäa 325 und Konstantinopel 381 konnten die Verhältnisse wieder in die richtige Richtung bringen und eben diesen Konzilien verdanken wir in unserem sog. „Großen“ Glaubensbekenntnis diese uns heute etwas fremden Aussagen über Jesus Christus: „Ich glaube an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen.“

Was hat das mit uns heute zu tun? Ich glaube zweierlei: Einmal für jeden von uns die Frage: „Wer ist Jesus Christus für mich?“ Kann ich wirklich glauben, dass er Gottes Sohn ist, der „für uns Menschen und zu unserem Heil vom Himmel gekommen ist“? Und wenn ja, welche Konsequenzen hat das für mich?
Und das zweite: Im Zeitalter des Relativismus, der nebeneinander her geltenden Wahrheiten und auch des interreligiösen Dialogs ist der Arianismus nicht unattraktiv: Rückt er doch einerseits Gott so ins Unkonkrete, dass er sich gleichsam verflüchtigt und damit insofern für die meisten Menschen zustimmungsfähig wird, weil diese Zustimmung für mich ja keine konkreten Folgen hat. Andererseits macht es der Arianismus natürlich für den Dialog einfacher, da er Jesus Christus in eine Reihe mit anderen Religionsstiftern oder anderen (welt-)ethisch vorbildlichen Menschen stellt. Solchen „Vulgärarianismus“, so will ich ihn einmal nennen, treffen wir dann in unserer Pastoral immer dort an, wo Jesus Christus nur noch ein liebender Bruder ist und nicht mehr „Jesus Christus, dein Sohn, unser Herr und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Hinzu kommt, dass es uns anscheinend immer weniger gelingt, zu sagen, was denn die „Herrschaft Gottes“ bedeutet. Ich rate dazu, gerade zu diesem Thema einmal die Veröffentlichungen des Dortmunder Theologen Thomas Ruster zu lesen.
Wir merken, liebe Leserinnen und Leser, auf einmal ist uns auch ein Mensch des 4. Jahrhunderts wie der hl. Paulinus ganz nahe und aktuell. In seinem Tagesgebet heißt es: „Lehre uns, das Wahre vom Falschen zu unterscheiden, und hilf uns, ohne Furcht für die Wahrheit einzutreten.“ Darum wollen wir heute ganz besonders beten.

1 Kommentar: