Montag, 6. August 2012

6. August: Verklärung des Herrn

Der heutige Festtag hat für mich immer insofern einen persönlichen Bezug, als dass ich an einem 6. August vor 23 Jahren mein Aufnahmegespräch im Theologenkonvikt hatte, darüber habe ich bereits einmal geschrieben. Was waren das für Zeiten: Wir waren 30 Neuanfänger bei insgesamt 120 Priesteramtskandidaten im Haus. Und so lange ist das nun auch noch nicht her. 

Das orthodoxe Liturgiebuch gibt zu "Verklärung des Herrn" eine schöne Hinführung:

"Das Hochfest der 'Metamorphosis' geht auf eine Kirchweihe einer im vierten Jahrhundert von der Kaiser-Mutter Helene gestifteten Kirche auf dem Berg Tabor zurück. Es ist im Gegensatz zu den übrigen Hochfesten kein Volksfest und kein Familienfest geworden, dafür fühlen sich viele Gläubige umso inniger zu diesem stillen Fest hingezogen. Ist es ihnen doch ein hochwillkommener Anlaß, sich des Sinnes und Zieles ihres Lebens zu vergewissern. Denn wie auf einer Bergwanderung im Nebel bisweilen der blaue Himmel durchbricht und einen Blick auf den noch zu erklimmenden sonnenbestrahlten Gipfel freigibt, so wurde den Jüngern hier auf dem Tabor für einen kurzen Augenblick etwas von der Herrlichkeit der Schau Gottes erfahrbar, zu der zu gelangen die Bestimmung und Sehnsucht unseres christlichen Lebens ist und die wir erreichen, wenn wir im geduldigen Aufstieg durch Leiden und Mühen das Ziel nicht aus dem Sinne lassen, auch wenn es uns meist durch Nebel verdeckt ist. Was aber im Nebel zumeist veborgen bleibt, ist jetzt schon und nicht erst in Zukunft die unvergängliche Wirklichkeit. Darum war es den orthodoxen Mönchsvätern im 14. Jahrhundert (u.a. Gregor Palamas) wichtig, in Auseinandersetzung mit einem humanistischen Rationalismus festzuhalten, daß das von den Jüngern auf dem Tabor geschaute Licht nicht nur ein psychologisch erklärbares Phänomen war, sondern Gott, das ungeschaffene Licht Selbst, das am Ende unseres Lebens von uns allen erfahren werden wird in dem Maße, wie ein jeder dazu bereit sein wird. Darauf spielt unser Festtropar an, und Ephraim, der Syrer, bezeugt es in einem seiner Hymnen mit den Worten:


'Wie ein jeder das Auge im Diesseits gereinigt hat,
so wird er dort schauen können
die Herrlichkeit des Allerhöchsten.
Wie ein jeder das Ohr im Diesseits geöffnet hat,
so wird er dort fassen können Seine Weisheit.
Wie ein jeder sein Inneres im Diesseits weit gemacht hat,
so wird er dort aufnehmen können von Seinen Schätzen.'"

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