Mittwoch, 8. August 2012

8. August: Theodor und Dominikus

Heute ist nicht nur der Gedenktag des hl. Dominikus, heute würde auch mein Großvater Theodor 111 Jahre alt. Nun liegt mir Opas Geburtstag zugegebenermaßen etwas näher, denn ich habe daran sehr schöne Kindheitserinnerungen. Er hatte sich immer sehr in unserer Gemeinde engagiert (so hätte man das damals allerdings nie genannt), also stellten sich natürlich der Pfarrer, der Kirchenvorstand und die Vinzenzbrüder ein.
Als Kind war aber für mich viel spannender, dass auch Opas ehemalige Kollegen kamen, er war nämlich Bezirksschornsteinfegermeister gewesen und ich war von der schwarzen Dienstkleidung mit den zweireihigen goldenen Knöpfen und dem polierten Koppelschloß immer fasziniert, auch dass meine Großeltern mit "Herr Meister" und "Frau Meisterin" angeredet wurden. 
Meine Oma war allerdings schon etwas "tüddelig", heute würde man hochkompliziert von "beginnendem demenziellen Syndrom" sprechen, so dass sie hundertmal am Tag nachfragte, was denn die ganzen Leute hier wollten. Trotzdem waren beide sehr gesellig und das Haus war immer voll. Später dann auch die Gäste, denn ich war für ein kleines Taschengeld für die Getränkeversorgung zuständig. Das Bier, natürlich Krombacher wegen der sauerländischen Heimat, war noch in den pummeligen Einheitsflaschen abgefüllt, alle Bierkästen waren damals gleichermaßen dunkelrot und es wurde rustikal in einer alten Zinkwanne gekühlt. Meistens saß man im Garten und alle waren mit den von meiner Mutter in großen Mengen hergestellten Mett- und Käsebrötchen hoch zufrieden. Hinterher gabs Doppelwacholder.
Wenn ich das alles so bedenke habe ich den Eindruck, dass damals in den 70ern das Leben manchmal einfacher war. Obwohl: Für ein gutes Mettbrötchen lasse ich noch heute das ausgefallenste Fingerfood links liegen...
Und diese gelungenen Geburtstagsfeiern schlagen auch die Brücke zum Gedenktag des heiligen Dominikus, denn dort heißt es in der alten Communio: "Fidelis servus et prudens, quem constituit dominus super familiam suam: ut det illis in tempore tritici mensuram", was ich heute mal ganz frei übersetze: "Der ist ein guter Chef, der für seine Leute immer genug zu Essen und zu Trinken im Haus hat".

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