Donnerstag, 9. August 2012

Edith Stein: seltener Kartoffeln schälen als schreiben

"Wir glauben, dass es Gott gefällt, sich eine kleine Schar von Menschen auszuwählen, die besonders nahen Anteil an seinem eigenen Leben haben sollen, und glauben, zu diesen Glücklichen zu gehören. Wir wissen nicht, nach welchen Gesichtspunkten die Auswahl getroffen wird. Jedenfalls nicht nach Würde und Verdienst, und darum macht uns die Gnade der Berufung nicht stolz, sondern klein und dankbar. Unsere Aufgabe ist es, zu lieben und zu dienen."
"Weil Gott die Welt, die er geschaffen hat, niemals preisgibt und vor allem die Menschen sehr lieb hat, ist es natürlich für uns unmöglich, die Welt und die Menschen zu verachten. Wir haben sie nicht verlassen, weil wir sie für wertlos hielten, sondern um für Gott frei zu sein. Und wenn es Gott gefällt, müssen wir auch mit manchem, was jenseits unserer Gitter liegt, die Verbindung wieder aufnehmen."
"An sich gilt es gleich bei uns, ob man Kartoffeln schält, Fenster putzt oder Bücher schreibt. Im allgemeinen verwendet man aber die Leute zu dem, wozu sie am ehesten taugen, und darum habe ich sehr viel seltener Kartoffeln zu schälen als zu schreiben."

Der Text stammt aus ihrem Brief 160 vom Sommer 1937, die Bilder zeigen Glasfenster des Künstlers Thomas Jessen, die er 2002 für die Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Brenkhausen geschaffen hat. Die Entwürfe haben wir damals in einer großen Thomas-Jessen-Ausstellung in Dortmund zeigen können. Zu den Werken von Thomas Jessen sind auch zwei Bücher von uns erschienen: "Die Schwelle des Lebens überschreiten" und "Durchschaute Wirklichkeit", beide sind noch erhältlich.

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