Mittwoch, 15. August 2012

Pius XII: Gebet zu Mariä Himmelfahrt

Anläßlich der Verkündigung des Dogmas von der Aufnahme Mariens in den Himmel hat Papst Pius XII. im Heiligen Jahr 1950 ein Gebet verfasst und damals eigenhändig niedergeschrieben. Es lautet:

Jungfrau, unbefleckt empfangen, Gottes und der Menschen Mutter:

1. Wir glauben in der ganzen Glut unseres Herzens, daß du mit Leib und Seele glorreich aufgenommen bist in den Himmel, wo dir die Chöre der Engel und die Scharen der Seligen als ihrer Königin huldigen. Wir vereinen uns mit ihnen im Lobpreis des Herrn, der dich über alle Geschöpfe erhob, und huldigen dir mit ihnen in Verehrung und Liebe.
2. Wir wissen, daß dein Blick, der einst in zarter Mutterliebe auf der demütigen und hienieden leidenden Menschengestalt Jesu ruhte, nun im Himmel an der verklärten Menschheit der ungeschaffenen Weisheit sich freut und daß die Freude deine Seele in der Schau des dreieinen Gotes dein Herz aufjubeln läßt in seligem Entzücken. Und wir arme Sünder, deren Leib den Aufschwung der Seele hemmt, wir flehen dich an: läutere unsere Sinne, daß wir es lernen, schon hienieden, inmitten der Lockungen der Geschöpfe, Gott zu lieben und nur ihn allein.
3. Wir vertrauen darauf, daß du voll Ebarmen niederschaust auf unsere Nöte und unsere Ängste, auf unsere Kämpfe und unsere Schwächen: daß du dich mit uns freust an unseren Freuden und an unseren Siegen und daß du die Stimme Jesu hörst, die dir von einem jeden von uns, wie einst von seinem geliebten Jünger, sagt: Siehe da dein Kind. Und wir, die wir dich als unsere Mutter anrufen, wir machen dich, wie einst Johannes, zur Führerin, Kraft und Trösterin unseres irdischen Lebens.
4. Wir glauben, daß deine Augen, die weinten über eine von Jesu Blut benetzte Erde, sich auch heute noch auf unsere Welt richten, die voll ist von Kriegen, Verfolgungen und Unterdrückungen der Gerechten und der Schwachen. Und wir erhoffen in dem Dunkel dieses Tales der Tränen von deinem himmlischen Lichte und deinem milden Erbarmen Hilfe in unseren Herzensnöten, in den Heimsuchungen der Kirche und unseres Vaterlandes.
5. Wir glauben endlich, daß du in der ewigen Herrlichkeit, umkleidet mit der Sonne und mit Sternen bekränzt, nach Christus die Freude und die Wonne aller Engel und Heiligen bist.
Und wir Erdenpilger blicken in festem Glauben an die künftige Auferstehung auf dich, unser Leben, unsere Wonne und unsere Hoffnung; zieh uns in Liebe zu dir und zeige uns dereinst, nach diesem Elend, Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria. 

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