Mittwoch, 29. August 2012

Verabschiedung der Jakobuspilger

Seit vielen Jahren gibt es in unserer psychiatrischen Klinik das Jakobusprojekt: Eine Gruppe von (ehemaligen) Patientinnen und Patienten macht sich gemeinsam mit einigen Mitarbeitern etappenweise auf den Weg nach Santiago de Compostela. Ich halte das für eine richtig gute und schöne Idee! Vor zwei Jahren ist die immer unterschiedlich zusammengesetzte und manchmal mehr, manchmal weniger fromme Gruppe nun in Santiago angekommen und seit dem letzten Jahr haben sie wieder mit dem Pilgern angefangen, diesmal auf der "Via Regia". Start war auf dem Annaberg in Schlesien und die erste Etappe ging bis Breslau. In diesem Jahr wandern sie von Breslau nach Görlitz. Morgen werden die Pilger feierlich verabschiedet.
Und ungefähr das folgende habe ich vor, morgen zu sagen:

Liebe Pilgerinnen und Pilger, liebe Mitarbeiter, liebe Kollegen, liebe Gäste,

wir freuen uns sehr, heute bei der Verabschiedung der Jakobuspilger dabei sein zu können und Sie, liebe Pilgerinnen und Pilger, gleich mit dem Segen auf Ihren Pilgerweg aussenden zu können. Erlauben Sie mir dazu ein paar Gedanken:
Viele von Ihnen kennen den hl. Benedikt von Nursia, den Gründer des abendländischen Mönchtums. Benedikt, er starb im Jahre 547, hat für das Zusammenleben der Mönche eine sehr weise aber auch detaillierte Regel geschrieben. Und ganz am Anfang dieser Regel, die für unsere europäische Kultur bis heute prägend ist, schreibt er einen sehr einfachen Satz. Benedikt sagt: „Stehen wir also endlich einmal auf!“. „Stehen wir also endlich einmal auf!“ Bei uns hier würde man wahrscheinlich sagen: „Komm inne Pötte!“ oder „Komm aussm Quark!“.
Sich auf den Weg machen ist nicht leicht. Aber es kann uns trösten, dass dies kein neues Problem ist, denn es hat ja schon einen heiligen Benedikt vor 1500 Jahren beschäftigt. Er hat genau diese Startschwierigkeiten erkannt, denn an einer anderen Stelle seiner Regel sagt er: „Fliehe nicht den Weg des Heils, er kann am Anfang nicht anders sein als eng.“
Wie auch immer, liebe Pilgerinnen und Pilger, Sie machen sich heute auf den Weg und deshalb ist vielleicht doch etwas dran an dem Spruch: „Der Weg ist das Ziel!“. Aber so ganz reicht dieser Spruch dann ja doch nicht, denn es ist mindestens genauso richtig oder zumindest folgerichtig, sich auch ein Ziel zu setzen, sonst wird jeder Weg irgendwann einmal zu beschwerlich und letztlich sinnlos.
Also gilt auch der nächste Satz, den ich Ihnen mit auf den Weg geben möchte: „Jeder Weg hat ein Ziel!“. Ob es nun konkret das Grab des heiligen Jakobus in Santiago ist, oder die inneren und äußeren Ziele die Sie sich bei Ihrer Pilgerfahrt setzen und die sich auch jeder von uns setzt. „Jeder Weg hat ein Ziel!“ Es gilt, diese Ziele realistisch zu setzen, denn nur dann kann ich sie auch erreichen. Dazu gehört, dass ich mir darüber bewusst werde, wo ich meine Stärken und meine Schwächen habe, was ich kann und woran ich noch etwas tun muss. Leider sehen wir beim Blick auf uns selber meist nur das Negative und tun das Gute als selbstverständlich und nicht weiter erwähnenswert ab. Sie kennen das: Schauen Sie morgens in Ihren Spiegel und Sie werden nur den neuen Pickel sehen und nicht Ihr schönes Gesicht drumherum. Und so ist es mit den inneren seelischen Ressourcen auch.
Es gilt also, den Blick, die Perspektive, hin zum Guten zu verändern. Dass das nicht leicht ist, wissen wir wohl alle. Und deshalb gilt auch der letzte Satz: „Jedes Ziel hat seinen Weg!“. „Jedes Ziel hat seinen Weg!“ – jeder von uns und auch gerade Sie, liebe Pilgerinnen und Pilger, wird spüren, dass es steinige Wege und Durststrecken gibt. Aber, und davon bin ich fest überzeugt, mit einem Ziel vor Augen lohnt sich der Weg. Und wir dürfen glauben und darauf vertrauen, dass wir auf diesem Weg zum Guten nicht allein sind. Viele Menschen begleiten uns auf unserem Weg und letztlich ist es auch Gott, der gleichermaßen Weg und Ziel ist.
Im Vertrauen auf diesen Beistand, liebe Pilgerinnen und Pilger, dürfen wir Sie nun einladen, den Pilgersegen zu empfangen!

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