Montag, 3. September 2012

3. September: Gregor der Große und die Ökumene

Neulich habe ich, auch interessant zum momentan aufkochenden Thema Ökumene, von meiner evangelischen Kollegin ein schönes Kompliment bekommen: Sie habe die Heiligen bislang immer für "Lachnummern" (wörtlich) gehalten und es habe sich für Sie durch meine z.T. auch hier wiedergegebenen Heiligenbetrachtungen in der Zeitung und den Mittagsgebeten eine "ganz neue Welt erschlossen" (auch wörtlich). So kann Ökumene gehen, denn auch von ihr habe ich wirklich viel gelernt wofür ich sehr dankbar bin.

Der heutige Tagesheilige, Papst Gregor der Große, ist für die Aktualität der Heiligen auch ein gutes Beispiel. In der heutigen Lesehore beklagt er sich über seine vielen Aufgaben und Tätigkeiten und sagt: "Ist aber der Geist gespalten und zerrissen und gezwungen, so viele und wichtige Dinge zu bedenken, wann soll er sich dann auf sich selbst zurückziehen (...)?"
Genau das war heute auch Gesprächsthema in der Klinik: In der Zeit von hamsterradartiger Arbeitsverdichtung bei ständiger Erreichbarkeit und dazu völlig verplanter Restfreizeit zu sich zu kommen. Ungespalten und ganz sein. Bei mir selbst sein. Geht das? Sich auf sich selbst zurückziehen? Sich von den "vielen und wichtigen Dingen" trennen? Darf ich das? Kann ich das? Und will ich das denn wirklich? Entdecke ich dann nicht möglicherweise Dinge die ich lieber verdrängen möchte? Wie ist das denn "auf mich selbst zurückgezogen"? Langweilig? Kann ich mit mir selbst etwas anfangen? Und wie wichtig sind die Dinge wirklich?

Ach Gregor, Du bist sowas von aktuell...

Guter Gott, hilf mir, auf die Fürsprache des heiligen Papstes Gregor, meine inneren Spaltungen zu überwinden. Ich möchte nicht zerrissen sein und bin es dennoch. Hilf mir dabei, bei mir selbst zu sein und das auch auszuhalten. Ich weiß, letztlich bist Du es, der alles zum Guten zusammenführt. Gib mir den Blick und den Mut, das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden zu können. So wie Du mich annimmst, so lass mich auch mich selbst annehmen lernen. Du hast mich als Dein Abbild geschaffen und so sind wir beide dafür verantwortlich. Gib, dass ich meinen Teil tun kann und lass mich Deinen Anteil spüren. Amen.

Das wäre der erste Schritt zur Ökumene. Zumindest mit mir selbst.
Und das ist der größte Schritt, alles andere ergibt sich dann.

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