Montag, 1. Oktober 2012

2. Oktober: Schutzengel: Wovon reden wir eigentlich?

Engel sind voll im Trend, gar keine Frage. Die Lebensberatungsliteratur ist voll von Engeln, ja, sie sind auch nicht mehr esoterisch, sondern mittlerweile exoterisch, weil überall präsent. Engeldarstellungen erzielen bei religiösen Artikeln im Internethandel meist die höchsten Gebote. "Immer da, immer nah" ist eine gelungene Werbekampagne einer Versicherung. Der Dortmunder Theologe Thomas Ruster vertritt sogar durchaus überzeugend die These, dass die "Engelreligion" die Religion der Zukunft ist. Sein Buch "Die neue Engelreligion" kann ich nochmals wirklich empfehlen!
Auf der Suche nach einem geeigneten Foto bin ich so durch meine Wohnung gelaufen und habe eigentlich nur diesen stillen Begleiter aus den Werkstätten der Abtei Münsterschwarzach auf der Fensterbank (wieder-)gefunden, eben "immer da, immer nah":


Trotzdem ist es schwierig über Engel zu reden:
In der katholischen Kirche ist der Engelglaube seit dem letzten geschlossen katholischen Weltbild des Barock auf dem Rückzug, die künstlich-kitschigen Wiederbelebungsversuche des ausgehenden 19. Jahrhunderts haben diesen Rückzug im Nachhinein betrachtet eher noch befördert. Nein, mit diesem Zuckerbäckerstil wollte niemand mehr etwas zu tun haben. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts hat es die Kunst dann noch einmal mit den "mächtigen Boten" versucht, mit wenig Erfolg. In der Theologie war da der Zug längst abgefahren.
Thomas Ruster meint, dass wir in der Kirche nicht mehr richtig über Engel reden können, weil wir nicht mehr richtig über den Himmel reden können. Da ist etwas dran: Haben wir in den letzten Jahrzehnten in der Kirche und der Theologie nicht vielleicht zu viel vom Menschen geredet und zu wenig vom Himmel?
Mein Impuls für diesen Tag: Prüfen wir unsere Rede über Engel einmal über die Seelenwärmer Anselm Grüns hinaus: Wie reden wir denn vom Himmel? Erst wenn wir wieder vom Himmel reden können, können wir auch wieder über Engel reden.

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