Donnerstag, 25. Oktober 2012

25. Oktober: Gottes Freund, der Pfaffen Feind!

Keine Sorge, das ist jetzt nicht das Motto einer neuen Ungehorsamsinitiative, nein, mit dieser Inschrift ließ Christian von Braunschweig die sog. "Pfaffenfeindtaler" versehen, die er aus dem von ihm geraubten und eingeschmolzenen Schrein des heiligen Liborius prägen ließ, "Alles mit Gott" stand übrigens auf der Rückseite der Taler. Nebenbemerkung: Mit dem Geld würde auch heute mancher gern bezahlen... 
1622 plünderte der "Tolle Christian" den Paderborner Dom. Zu seinem Raub gehörten auch die Reliquien des Bistumspatrons. Diese führte er auf seinen Kriegszügen mit, weil er meinte, diese würden seine körperliche Unversehrtheit schützen. Nach mühseligen Verhandlungen und auf Irrwegen kamen die Gebeine des hl. Liborius zurück. In der einschlägigen Liborius-Literatur kann man das spannend nachlesen. Auf Veranlassung des Domkapitels wurden sie 1627 zunächst in die fürstbischöfliche Residenz Schloß Neuhaus gebracht und von dort am 31. Oktober in feierlicher Prozession in den Paderborner Dom zurückgetragen. Vorher wurde der heute noch erhaltene Liborischrein durch Hans Krako von Dringenberg angefertigt.
Der Wandbehang der bekannten Paderborner Textilkünstlerin Edith Ostendorf gibt dieses Geschehen anschaulich wieder:
Seit dieser Zeit wird also der heilige Liborius nicht nur im Juli gefeiert, sondern auch noch einmal als "Klein-Libori" im Oktober. Vor der Kalenderreform gab es allerdings noch mehr Liborigedenktage, so wurde z.B. auch der Ankunft der Reliquien 836 gedacht.
"Klein-Libori" ist im Dom Fest, im Erzbistum nicht gebotener Gedenktag. Am nächsten Sonntag ist im Dom um 10.00 Uhr Pontifikalamt mit Erhebung der Reliquien, Schrein, Pavonicaudafer und Tusch, also fast wie auf "Groß-Libori", nur eben alles etwas kleiner.
Die Oration des heutigen Tages lautet:
"Barmherziger Gott, du hast in Zeiten der Not und Gefahr die Kirche von Paderborn auf die Fürbitte des heiligen Liborius beschützt. Erneuere in unseren Tagen die Zeichen deines Heils. Stärke uns im Vertrauen auf deine helfende Hand und lehre uns deine Wege."

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