Dienstag, 2. Oktober 2012

3. Oktober: Der weiße und der schwarze Ewald

Natürlich weiß ich, dass morgen der Tag der deutschen Einheit ist, ein Tag der Freude, des Dankes und des Ausschlafens.

Aber es gibt noch andere interessante Ereignisse, so feiern z.B. das Erzbistum Köln und die westfälischen Diözesen den Gedenktag der heiligen Ewalde. Sie waren angelsächsische Priestermissionare und kamen gegen Ende des 7. Jahrhunderts ins Sachsenland. Dort wirkten sie nur kurz - ehrlich gesagt war die Missionsarbeit schon nach ein paar Tagen am 3. Oktober 695 im ersten sächsischen Dorf vorbei - und wurden von der heidnischen Bevölkerung getötet. Sie waren wohl ein Brüderpaar, nach der Legende war der eine blond, der andere dunkelhaarig, deshalb auch die etwas seltsame Bezeichnung "weißer und schwarzer Ewald". Beda Venerabilis berichtet von ihnen in seiner 731 vollendeten Kirchengeschichte, dieser Text ist auch in der Paderborner Lesehore wiedergegeben. Eine zweite etwas abweichende Überlieferung ergibt sich aus einem Text aus dem Kloster Echternach. Ihre Leichname wurden nach Köln überführt und dort von Bischof Anno II. am 3. Oktober 1074 in St. Kunibert erhoben.
Interessant für uns Ruhrgebietschristen ist, dass seit der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts das heute im Südosten Dortmunds gelegene Aplerbeck als Todesort der beiden Ewalde erwähnt wird, und es gibt eine bis in vorreformatorische Zeit sicher nachzuweisende Ewaldiverehrung in Aplerbeck.

Als nun im 19. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung wieder Katholiken nach Aplerbeck kamen, standen die Frage eines Kirchbaus und des Patronats an. Aber der Kirchbau konnte aus eigenen Mitteln nicht erhofft werden. Pfarrer Wigger aus Hörde und Missionar Steinhoff aus Aplerbeck wußten um die Ewaldi-Ortstradition und wallfahrteten so in ihrer Not 1878 zum Grab der beiden Ewalde nach Köln. Aber in St. Kunibert fanden sie zwar die Reliquien, aber ansonsten völlige Unkenntnis über diese beiden Märtyrer. Deshalb stifteten sie eine Geldsumme zur Anfertigung eines würdigen Schreins. Bereits am 3. Oktober 1879 konnte nach einem Hochamt im Kölner Dom die feierliche Erhebung der Reliquien in dem neuen Schrein zu St. Kunibert durch den Kölner Weihbischof Baudri erfolgen. Für die geplanten Ewaldikirchen in Aplerbeck und Laar wurden zuvor Reliquien entnommen.

Das Kirchenblatt veröffentlichte dazu ein nettes 16-strophiges Gedicht mit dem Titel "Die Bundesbrüder". Die ersten vier Strophen lauten:
"Zwei Friedensboten zogen her / Ins Land der alten Sachsen
Sie waren drüben überm Meer / Auf deutschem Stamm gewachsen.
Dem quoll ums Haupt die dunkle Nacht / Der rabenschwarzen Locken,
Der schritt in goldner Lockenpracht / Einher auf leichten Socken.
Und weil sie ungleich an gestalt / Und Farbe sich erwiesen,
Hieß jenen man den Schwarzen bald, / Den weißen Ewald diesen.
Doch waren beide gleich erfüllt / Von eines Geistes Triebe:
In ihrem Herzen stand das Bild / Der menschgewordnen Liebe."

Ihr Tagesgebet ist weniger poetisch:

"Herr und Gott, du hast die beiden heiligen Brüder Ewald als Zeugen deines Wortes zu den Sachsen gesandt. Durch ihr Martyrium und auf ihre Fürsprache bewege auch uns, im Leben zu bezeugen, was wir im Glauben bekennen."

Die von Wigger und Steinhoff wiederbelebte Tradition ist bis heute in Aplerbeck vorhanden: Nicht nur die katholische Kirche ist den hll. Ewalden geweiht, zwei Straßen sind nach ihnen benannt und ein kath. Altenheim, auf dem Aplerbecker Marktplatz steht ein modernes Ewaldi-Denkmal und manchmal findet man sogar "Ewald" als Vorname.

Ich finde es sehr lehrreich, wie man aus den Quellen der Tradition heraus neue Lebendigkeit schaffen kann. Uns heutige, die in jedem Dialogforum und Familiengottesdienst die Kirche neu erfinden (müssen?), kann das schon zum Nachdenken anregen!


1 Kommentar: