Mittwoch, 3. Oktober 2012

4. Oktober: Der hl. Franziskus: Verbauter Zugang?

Wenn man so wie ich aus einer St. Franziskusgemeinde stammt, ist einem der Zugang zu diesem Heiligen vielleicht mehr verbaut als anderen. Ich bin mit meiner Heimatgemeinde oft in Assisi gewesen, zuerst noch in den 70ern, mehrfach danach und zuletzt Anfang der 90er. Also 20 Jahre nicht mehr. Zu einseitig war die Franziskus-Wahrnehmung vom Zefirelli-Film geprägt, zu dominant die sehr unterschiedliche Prägung dieser Fahrten durch die mitreisenden Priester oder Franziskaner, zu stark die Dynamiken in den jeweiligen Pilgergruppen, zu eng die Bindung an diese Gemeinde, zu tragisch die Beziehungsgeschichten. Nein, mit all' dem wollte, musste und konnte ich nichts mehr zu tun haben.
Die zurückliegende Franziskus-Ausstellung im Paderborner Diözesanmuseum war dann für mich so etwas wie eine Wiederbegegnung mit jemand einstmals Vertrautem. Aber nicht so, als ob man einen lang nicht mehr gesehenen Freund träfe, sondern eher, als wenn man auf einmal den Geruch der Wohnung der Großeltern wahrnähme. Also irgendwie wesentlich präsenter und direkter als ein zufälliges oder verabredetes Treffen mit einer anderen Person. Ein seltsames und ungewollt/unbeabsichtigt heimatliches Gefühl. 
Als ich heute nach Texten für diesen Beitrag gesucht habe, fielen mir die Stadtführer von damals in die Hand und ich gebe zu, dass dabei eine gewisse Sehnsucht entstand, diese Orte wieder einmal aufzusuchen. Vielleicht wird es ja mal was.
Trotzdem bleibt, auch unter Auslassung der eigenen Biographie, die Annäherung an Franziskus schwierig, zumindest dann, wenn man versucht die ganzen oberflächlichen Vereinnahmungen dieses Heiligen hinter sich zu lassen. Zu direkt und nah erscheint seine Christusnachfolge, zu sperrig seine Liebe zur "Herrin Armut", zu unmenschlich seine Demut.

Ich möchte es dennoch in drei Versuchen tun: Zum einen sind es die Glasfenster von Thomas Jessen in Brenkhausen: In ihnen hat er Franziskus und Clara fast schemenhaft dargestellt, als wenn er die vorausgehenden Überlegungen bebildert hätte. Die Sonne kommt hinzu, sie erinnert an den Sonnengesang und die Nähe des Franziskus zur Schöpfung und die Spatzen sind schon eine eigene Exegese wert. Die anderen beiden Versuche sind zwei Texte, die vielleicht auch ein Impuls für diesen Tag sein könnten. Der erste stammt aus dem "Spiegel der Vollkommenheit":

"Während nun der selige Franz bei Santa Maria di Portiuncula mit noch wenigen Brüdern weilte, ging er öfter in die Weiler und Kirchen im Unkreis von Assisi und verkündete den Menschen in seiner Predigt die Botschaft der Buße. Er pflegte einen Besen bei sich zu ragen, um unsaubere Kirchen zu fegen. Denn es schmerzte ihn sehr, wenn er sah, daß eine Kirche nicht so rein war, wie er es wünschte."

Ob er heute einen Blog-Besen nutzen würde?
Das nun folgende Gebet hat er vor dem Kreuz in San Damiano gebetet, es gilt als der älteste von Franziskus erhaltene Text:

"Höchster, glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis meines Herzens,
schenke mir den rechten Glauben,
eine gefestigte Hoffnung
und vollendete Liebe.
Herr, gib mir das rechte Gespür,
damit ich deinen heiligen Auftrag
erkennen und wahrhaft erfüllen kann."

Das ist es wohl, worauf es ankommt.

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