Freitag, 5. Oktober 2012

6. Oktober: Bruno von Köln: Macht Einsamkeit glücklich?

Bruno, der Stifter des Kartäuserordens, stammte aus Köln. Geboren um 1030, wurde er Kanonikus an St. Kunibert in Köln, 1057 Leiter der Domschule in Reims, wo der spätere Papst Urban II. sein Schüler war. Mit Erlaubnis des Bischofs von Grenoble gründete er 1084 mit sechs gleichgesinnten Freunden eine Eremitensiedlung in der Einsamkeit von Cartusia (Chartreuse). Das war die erste „Kartause“ (La Grande Chartreuse) und der Anfang des Kartäuserordens, des einzigen Ordens der katholischen Kirche, der nie reformiert zu werden brauchte. Sechs Jahre später rief ihn Papst Urban II. als seinen Berater nach Rom. 1091 gründete Bruno die Kartause La Torre in Kalabrien. Dort starb er am 6. Oktober 1101.
Unsere Bilder zeigen wieder einmal die Glasfenster von Thomas Jessen in Brenkhausen. Übrigens ein interessantes und tiefsinniges Detail: Dieses Fenster ist das einzige im ganzen Fensterzyklus, in dem ein Heiliger allein dargestellt ist.



Er sei der „strengste Orden der Welt“ heißt es vom Kartäuserorden und das hört sich für uns Dan-Brown-Verdorbene ja so richtig schön gruselig-mittelalterlich an. Aber, liebe Leserinnen und Leser, haben Sie schon einmal den Film „Die große Stille“ gesehen? Ich kann ihn nur sehr empfehlen, denn dort wird das Leben der Mönche in der Großen Kartause in Frankreich begleitet. Und was verblüfft: Die Menschen dort sind glücklich! Es erscheint uns zunächst seltsam: Da leben Menschen in Strenge und Einsamkeit und sind glücklich. Das hat die Menschen schon immer fasziniert, Hans Conrad Zander beschreibt in humorvoller Weise wie die Leute in der Frühzeit der Kirche in Scharen zu den Wüstenvätern in Ägypten gepilgert sind, nur um zu sehen, wie es ist, wenn jemand mit sich allein glücklich ist, und Goethe spricht vom „strengen Glück“ der Kartäuser. Ist man denn nicht eher glücklich, wenn es locker zugeht und man in Gemeinschaft ist? Wenn wir ehrlich zu uns selber sind, liebe Leserinnen und Leser, wissen wir, dass das nicht stimmt. Zumindest nicht immer. Strenge kann auch Halt bedeuten, Einsamkeit auch Freiheit.
Das Tagesgebet vom hl. Bruno bringt uns etwas auf die Spur des kartusianischen Glücksgeheimnisses, dort heißt es: „Gott, du hast den heiligen Bruno in die Einsamkeit geführt und ihn zu einem Leben in deiner Nähe berufen.“ Hier wird das vermeintliche Paradox aufgelöst. Der Mönch ist in seiner selbstgewählten Einsamkeit nicht allein: Durch die Einsamkeit wird er offen für die Nähe Gottes.
Das wäre auch etwas für uns Nichteinsiedler: Die Nähe Gottes macht glücklich! Und zwar so glücklich, dass auf einmal viele Dinge und auch Menschen nicht mehr so wichtig sind, oder besser: In der Nähe Gottes bekommt alles seinen angemessenen Platz, Dinge sind nur Dinge, Menschen sind nur Menschen. Das soll nicht abwertend gemeint sein, aber die Erkenntnis bleibt: Die Nähe Gottes befreit von falschen Prioritäten. Und das macht glücklich!

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