Dienstag, 9. Oktober 2012

Der Rosenkranzmonat Oktober

Der Blogtitel "vorgestellt-nachgedacht" bezieht sich ja, wie schon häufiger ausgeführt, ursprünglich auf einen Titel eines regelmäßigen Zeitschriftenbeitrags. Alle 14 Tage erscheint "Die Zeitung", und ich versuche immer mit diesen Beiträgen auch dem Glauben und der Kirche fernstehende Leserinnen und Leser anzusprechen. Dafür habe ich genau eine DIN-A4-Seite Platz. Deshalb gehen diese Beiträge nicht immer so theologisch ins Detail, wie sie vielleicht könnten oder sollten. Aber das ist in diesem Fall ja auch nicht gefragt. Es geht darum, die Leser, häufig sind es Krankenhauspatienten und ihre Angehörigen oder auch Mitarbeiter, zum Nachdenken anzuregen, ihnen vielleicht bislang unbekannte Einsichten zu vermitteln oder ihnen auch einfach nur Mut zu machen.
Der neueste Beitrag beschäftigt sich mit dem Rosenkranzmonat Oktober:

Der Monat Oktober, liebe Leserinnen und Leser, ist in besonderer Weise dem Rosenkranz gewidmet. Historisch liegt das an der Seeschlacht von Lepanto am 7. Oktober 1571. Damals gelang es einer christlichen Streitmacht, dem türkischen Expansionsdrang im Mittelmeer Einhalt zu gebieten. Dieser unerwartete Sieg wurde dem Rosenkranzgebet zugeschrieben, so dass nicht nur ein entsprechendes Marienfest auf den 7. Oktober festgelegt wurde, sondern der ganze Monat als „Rosenkranzkranzmonat“ in die Volksfrömmigkeit einging. Entstanden ist das Rosenkranzgebet aus frühmittelalterlichen Christusgebeten, denen dann später das „Ave Maria“ hinzugefügt wurde. Das Gebet des Rosenkranzes ist denkbar einfach: Man beginnt mit dem „Vater unser“ und betet dann das „Gegrüßet seist du Maria“. Diesem Gebet wird dann ein sogenanntes „Geheimnis“ eingefügt, also eine Begebenheit aus dem Leben Jesu. Danach folgt dann die abschließende Bitte. Immer zehn „Ave Maria“ bilden ein „Gesätz“, dann betet man das „Ehre sei dem Vater“ und es beginnt wieder mit dem „Vater unser“. Also wirklich nicht schwierig.
Alle großen Religionen kennen so etwas wie den Rosenkranz: „Tasbih“ heißt die Gebetsschnur im Islam, „Mala“ im Buddhismus und Hinduismus. Im religiösen Erfahrungsschatz der Menschheit scheint Wiederholung also nicht Langeweile, sondern höchste Form der Meditation zu sein: „Wie in den Mantra-Meditationen des Ostens geht es auch in diesem westlichen Gebet zuerst darum, zur inneren Ruhe zu finden. Der Mensch findet am leichtesten zu sich selbst, wenn er den schweifenden Geist zurückholt in den Körper. Es kennzeichnet die gesunde Körperlichkeit, dass sie dem Gesetz der Wiederholung folgt. Wir atmen in unablässiger Wiederholung, und unser Herz schlägt unablässig gleich. In der rhythmischen Wiederholung des Mantra kehrt der Rosenkranzbeter zurück in das Gesetz seines Körpers.“ schreibt Hans Conrad Zander. Aber der Rosenkranz bleibt nicht bei der inneren Ruhe stehen. In den „Geheimnissen“ bieten sich dem Beter gleichsam wechselnde Meditationsbilder, die ihn dazu anleiten sollen, sich in das Leben Jesu zu vertiefen. Noch einmal Zander: „Es handelt sich um die fünfzehn stärksten Bilder aus den großen Mysterienspielen des Mittelalters. Während also der westliche Beter sich einerseits dem Erlebnis der Wiederholung überlässt, genauso wie der Buddhist oder der Hindu, schreitet andererseits seine religiöse Phantasie mit den fünfzehn Meditationsbildern im raschen Wechsel voran.“ – Ich persönlich habe lange dafür gebraucht, mir das Rosenkranzbeten anzueignen, aber heute möchte ich nicht mehr darauf verzichten. Wir probieren so viele Meditationsübungen und Entspannungstechniken aus, liebe Leserinnen und Leser, warum eigentlich nicht auch einmal den Rosenkranz?

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