Freitag, 12. Oktober 2012

Johannes XXIII. und die Verwaltung

"Seit zwanzig Monaten bin ich nun Bischof. Und wie leicht vorauszusehen war, brachte mir dieses Amt viel Kummer und Sorge. Aber - es ist sonderbar - dieser Verdruß kam nicht durch die Bulgaren, für die ich tätig bin, sondern von den Zentralorganen der kirchlichen Verwaltung. Es ist eine Form von Kränkung und Demütigung, die ich nicht erwartet habe und die mich sehr schmerzt. 'Herr, du weißt alles!'
Ich muß und will mich daran gewöhnen, dieses Kreuz mit mehr Geduld und Ruhe und innerer Gelassenheit zu tragen, als ich es bisher fertiggebracht habe ... Ich werde das Schweigen - ein Schweigen, das, wie Franz von Sales lehrt, sanft und ohne Groll sein soll - zum Gegenstand meiner Gewissenserforschung machen."

Exerzitien, 27.11.-2.12.1926

Wie ich finde, ein nicht uninteressanter Einblick in das Denken und Fühlen des späteren Papstes. Vielleicht auch eine "hermeneutische Brille" für spätere Ereignisse? Zumindest aber ein kleiner Mosaikstein.

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