Donnerstag, 29. November 2012

30. November: Der hl. Andreas: Etwas ganz Neues beginnt.

Mein aktueller Zeitungsbeitrag:

Die wenigsten, liebe Leserinnen und Leser, werden wohl an den Apostel Andreas denken, wenn sie vor einem Bahnübergang stehen. Trotzdem nennen wir das dortige Verkehrsschild umgangssprachlich „Andreaskreuz“. Der Überlieferung nach hat nämlich der Apostel Andreas an einem solchen X-förmigen Kreuz das Martyrium erlitten. Andreas war gemeinsam mit seinem Bruder Petrus einer der ersten Jünger Jesu. Sie waren Fischer am See von Galiläa, und als Jesus sie rief, ließen sie buchstäblich alles stehen und liegen, folgten ihm nach und gehörten fortan zur Gruppe der zwölf Apostel. Andreas hat dann später am Schwarzen Meer und in Griechenland das Evangelium gepredigt. Der Bischof von Konstantinopel beruft sich noch heute als Ehrenoberhaupt der orthodoxen Kirchen auf die Nachfolge des hl. Andreas.

Das Fest des Apostels Andreas steht mit dem 30. November immer am Ende des alten und dem Anfang des neuen Kirchenjahres, das ja am 1. Advent beginnt. Dieses Datum, so finde ich, erklärt uns auch ein wenig diese schwer nachvollziehbare Berufungsgeschichte: Jesus ruft sie, und Andreas und Petrus verlassen von jetzt auf gleich ihre Arbeit, ihre gewohnte Umgebung, ja sogar ihre Familie. Das kann doch nur möglich sein, wenn mit diesem Jesus wirklich etwas ganz Neues beginnt. Als Christen sagen wir, dass mit Jesus das Reich Gottes angebrochen ist. Im Grunde will es das ganze Neue Testament mit seinen Schilderungen des Lebens und Wirkens Jesu ausdrücken: Das Gottesreich hat mit Jesus ganz konkret in dieser Welt begonnen und setzt sich überall dort fort, wo der Name Gottes geheiligt wird, also wo wir Menschen versuchen, Gott gerecht zu werden. Zu abstrakt, zu theologisch?
Nein. Ich werde dann Gott gerecht, wenn ich in die ganzen menschenverachtenden und selbstzerstörerischen Systeme dieser Welt eingreife: In das menschenverachtende System einer entfesselten Wirtschaftsordnung z.B. oder in die selbstzerstörerischen Systeme rücksichtslosen Raubbaus an der Natur oder fortwährender kriegerischer Auseinandersetzungen. Aber es gilt auch für mich in meiner überschaubaren Welt: Gott gerecht werden heißt, ihn an die erste Stelle zu setzen und alles andere ihm unterzuordnen. Und gerade das führt nicht in neue Abhängigkeiten, sondern ist der Weg der Berufung zur inneren und äußeren Freiheit. Eine Frage kann dabei schon ganz entscheidend sein: Was ist wirklich wichtig?
Ich finde, ein gutes Thema für den Advent!

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